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1000 Fragen an dich selbst – Teil 1

Johanna von Pinkepank hat sich diesen Fragen aus dem Flow Magazin gewidmet und darüber geschrieben. Wie es dazu kam und warum sie sie jetzt beantwortet. Über 100 Frauen haben sich inzwischen anstecken lassen. Ich auch.

Es macht viel Spaß, ihre Antworten zu lesen. Ich hebe mir das für später auf, um bei den Antworten ganz in meinem Kopf zu bleiben.

Du bist herzlich eingeladen, mitzumachen!
Jede Frage, jede zweite, nur drei: Egal!
Du kannst mir davon schreiben, musst du aber nicht.
Ich lade dich ein, dir am Anfang des Jahres ein paar ruhige Minuten für dich zu nehmen.

Ich mag Fragen.
Da muss ich mir nicht groß aussuchen, worüber ich schreibe. Aber nachdenken muss ich doch. Und ich darf schreiben!
Mir geht es nicht so sehr um die Frage „Wer bin ich ausser Mama?“. Obwohl ich seit fast 8 Jahren zuhause bin und „nur Mutter“ bin, bin ich eben nicht nur Mutter. Da ist so viel nebenbei, was mir Pausen und Ablenkung schenkt, wohin ich meine Leidenschaft und Kreativität schicke.
Vielleicht möchte ich mir eher Zeit nehmen, an mich zu denken, über mich nachzudenken, zu lernen, zu verarbeiten, zu verstehen…
Ich bin gespannt auf die Fragen.. und auf die Antworten!

Einmal in der Woche werde ich ein paar Fragen beantworten.
Here we go!

 

1.
Wann hast du zuletzt etwas zum ersten Mal getan?
Ich habe mich vor ein paar Wochen für eine berufliche Weiterbildung angemeldet. Und ich habe in diesem Jahr bestimmt schon 6 spezielle Käsekuchen zum ersten Mal gebacken – aber nicht zum letzten Mal!

2.
Mit wem verstehst du dich am besten?
Tatsächlich mit meinem Mann! Wenn mich etwas beschäftigt, bekommt er es ab. Alles. Manchmal hätte ich gern so die eine beste Freundin, mit der ich meine Gedanken und meinen Wein teile.. aber ich bin nicht so die Telefoniererin – und für regelmäßige Wein-Abende fehlt grad die Zeit. Aber über zu wenige Mädels-Abende und zu wenig Gesprächs-Themen kann ich mich nicht beschweren! Ein Hoch auf WhatsApp!

3.
Worauf verwendest du viel zu viel Zeit?
Handy und Haushalt. Darf ich das so sagen?
Die viele Arbeit mit der Wäsche und der Küche lässt mich ja auch die Zeit am Handy haben. Aber trotzdem.. müsste beides nicht sein.

4.
Über welche Witze kannst du richtig laut lachen?
Ich mag gute Comedians. Mario Barth und Kaya Yanar.. gute saubere Witze, da könnte ich mich wegschmeißen. Auch über witzige Serien oder Filme, komische Charaktere. Pitch Perfect.
Ich liebe Sarkasmus und Ironie!
Insider und Witze, die nur gute Freunde verstehen. Und so richtig trockener Eltern-Humor. Die Familientweets. Darüber kann ich lachen, bis mir die Tränen kommen und ich auf dem Boden liege.

5.
Macht es dir etwas aus, wenn du im Beisein von anderen weinen musst?
Ja.. obwohl das dann eher um richtiges Heulen oder Schluchzen geht. Tränchen vergieße ich öfter. Ich bin eine Mutti!

6.
Woraus besteht dein Frühstück?
Meist aus leckeren Toast, die mir mein Mann macht. Mit Lachs und Avocado. Manchmal Müsli oder Haferflocken, manchmal ein Croissant, manchmal Pancakes, im Sommer auch gern Obst dazu. But first: Coffee.

7.
Wem hast du zuletzt einen Kuss gegeben?
Meinem jüngsten Sohn, ständig.

8.
In welchen Punkten gleichst du deiner Mutter?
Wir lieben die Sonne und Wärme! Wir reden gern. Wir haben gern das Haus voll und Familie ist uns wichtig. Wir sind die Muttis, die zu jedem Anlass gern ein Familienfoto machen würden und von allen Seiten nur genervtes Augenrollen ernten. haha
Wir beide sehen jünger aus, als wir sind.

9.
Was machst du morgens als erstes?
Kommt drauf an, wie ich geweckt werde.
Entweder die Uhrzeit auf dem Handy lesen, Wecker ausstellen, Nuckel suchen, Flasche machen oder meine Haare hochstecken.

10.
Kannst du gut vorlesen?
Ja, ich denke schon. Ich mag es auch. So die verschiedenen Stimmen zu lesen. Und dann geh ich selber richtig mit der Geschichte mit. Am besten ist es, wenn ich nebenbei mal einen Blick auf die Kinder werfe. Wie ihre Mimik mitfiebert und wie sie kichern müssen, wenn etwas Lustiges gelesen wurde… Gerade lesen wir „Die Konferenz der Tiere“.

11.
Bis zu welchem Alter hast du an den Weihnachtsmann geglaubt?
Ich würde gern wissen, in welchem Alter ich zum ersten Mal vom Weihnachtsmann gehört habe. Ich bin mit christlichen Werten groß geworden und den Weihnachtsmann gab es da mit Sicherheit nicht.

12.
Was möchtest du dir unbedingt mal kaufen?
Ganz ehrlich: Ich möchte so gern mal einkaufen, ohne auf den Preis zu gucken. Egal wo.
Es gab Zeiten, da hätte ich gern einen kleinen rosa Motorroller oder einen Mini gehabt.. Ansonsten bin ich eigentlich wunschlos glücklich, was materielle Dinge betrifft. Ach ja, eine Reise für uns 5 nach Kalifornien wäre ganz toll.

13.
Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne?
Ich hätte gern ein sichereres Auftreten. Ich würde gern besser zuhören können.

14.
Was ist deine Lieblingssendung im Fernsehen?
Wir schauen kein Fernsehen. Und wir vermissen es nicht.

15.
Wann bist du zuletzt in einem Vergnügungspark gewesen?
Da muss ich jetzt echt überlegen… Zum Abschied von Kalifornien waren wir da 2015 im Legoland. War das das letzte Mal?

16.
Wie alt möchtest du gerne werden?
Das kann ich gar nicht so einfach beantworten. Wenn es soweit ist, möchte ich nicht das Gefühl haben, dass es „zu früh“ ist. Aber wenn es so ist, dann ist es so und dann sehe ich das als Gottes Plan.

17.
An welchen Urlaub denkst du mit Wehmut zurück?
Wenn unser Auslands-Jahr in Kalifornien als Urlaub gilt, dann denke ich sehr gern daran zurück und da hängt so viel Wehmut dran. Weil es so unwiederbringlich ist.
Wenn nicht, war unser Korsika-Urlaub eine wirklich schöne Zeit für uns. Aber ich kann im Urlaub von der ersten Minute an entspannen und abschalten – und so ziemlich jedem Urlaub genießen.

18.
Wie fühlt sich Liebeskummer für dich an?
Ich habe meinen allerersten festen Freund geheiratet und kenne daher nicht das gebrochene Herz einer für immer verlorenen Liebe. Aber Trennungszeiten oder Abschiede kenne ich – und da konnte ich schonmal tagelang im Zimmer sitzen und weinen.

19.
Hättest du lieber einen anderen Namen?
Früher vielleicht. Obwohl ich gar keinen anderen Namen im Kopf hatte – ich fand es manchmal blöd, so einen außergewöhnlichen Namen zu haben. Aber jetzt mag ich ihn. Und auch das außergewöhnliche.

20.
Bei welcher Gelegenheit hast du an dir selbst gezweifelt?
Ich bin mir nicht immer so sicher mit mir selbst und mit dem, was ich tue – auch wenn das vielleicht so aussieht.
Ich hab aber einen guten Coach an meiner Seite und inzwischen auch ein dickeres Fell und jede Menge Optimismus. Und dann geht das schon.

Fortsetzung folgt… 

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Dankbarkeit zu Weihnachten

Weihnachten ist vorbei!
Dieses schöne Fest, auf das wir so lange gewartet haben, liegt schon wieder hinter uns.
Wir genießen die ruhigen Ferientage, wir werden gesund und probieren neue Geschenke aus. So eine schöne, entspannte Zeit, in der Uhrzeit und Wochentag völlig egal sind.

****

Unsere Geschenke lagen schon ab dem 22. Dezember unter dem Baum. Ich hatte immer mal wieder etwas für die Kinder gekauft, rechtzeitig alles verpackt und die geheime Tüte wurde voller und voller..

Als dann jedoch die Geschenke unter unserem Weihnachts…busch lagen, erschrak ich, wie klein und verloren sie dort aussahen. Und mich überkam ein schlechtes Gewissen.

Ich bin die Mutter, die ihren Kindern keine großen Geschenke kaufen kann.
Ich bin die Mutter, die nur Praktisches schenkt.
Ich bin die Mutter, deren Kinder ihre Geschenke an einer Hand abzählen können.

In solchen Momenten nervt mich das fehlende Geld am allermeisten. Warum haben andere Menschen immer genug Geld? Warum müssen andere Menschen nicht die Geschenke dreimal rumdrehen und sich schweren Herzens entscheiden, die Hälfte doch nicht zu kaufen? Warum muss ich meinen Kindern so oft „Aber wir haben gerade leider nicht genug Geld…“ sagen?

Meine Jungs blättern gern die Spielzeug-Kataloge durch und kreuzen sich Lieblingsspielzeuge an. (Vielleicht sollte ich ihnen die Zeitschriften einfach nicht geben?) Und sie haben Wunschzettel geschrieben oder uns erzählt.. das waren schöne Wünsche kleiner Jungen.

Es gibt da zum Beispiel diese Geschenke, die niemals langweilig werden, die die Kreativität fördern, die sich gut teilen lassen und die hundert Jahre halten. LEGO gehört dazu. Oder Holz- oder Magnet-Bausätze. Wunderbar.

Und dann gibt es Geschenke, die zu nichts anderem so richtig passen, die rumfliegen, die laut sind, die kaputt gehen, die nerven und niemand im Leben weiter bringen, die zerbrechen und irgendwann im Müll landen.
Mögen diese Dinge noch so toll leuchten oder piepsen – oder mögen alle anderen Menschen auf der Welt sie haben – inzwischen kann ich da meinen Kindern ganz gut sagen, dass ich so etwas nicht schenken möchte und warum.
Eine Kindheit, das Kinderzimmer und mein Geld sind mir zu schade für buntes Plastik.

Ich weiß, dass praktische Geschenke, wie Kleidung oder neue Stifte vielleicht mit einem Augenrollen oder einem schüchternen „Danke?“ entgegengenommen werden, aber eigentlich auch gut ankommen und geliebt werden. Und ich als Mama werde immer Bücher schenken. Bücher sind toll!

Glücklicherweise gibt es dann noch die Verwandschaft, die Weihnachtspakete schickt und Wünsche erfüllt – und natürlich sind die Kinder am Ende der Feiertage immer überfüllt und satt und glücklich.

Nur.. als ich da unser Weihnachtshäufchen sah, war ich etwas angespannt, was unseren Weihnachtsabend zu fünft betraf.

****

Und dann war es so schön!

Die Aufregung der Kinder hielt sich kaum noch in ihren kleinen Körpern, als wir uns nach dem Gottesdienst um 18:00 Uhr an den Tisch setzten, um Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen.

Durch die Glastür schimmerte das Licht des Weihnachtsbaumes in die Küche und alles war so feierlich.

Gemeinsam gingen wir ins Wohnzimmer und setzten uns auf die Couch. Wir hörten ein klassisches Stück, was auch schon zu meiner Kindheit immer den Heiligen Abend eingeläutet hatte. Emilian ließ zwar ein kleines „Echt jetzt??“ hören, aber die 4 Minuten Stille und knisternde Aufregung hielten wir aus.

Während mein Mann dann die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorlas, merkte ich, dass Jaris Windel übervoll war und bereits auslief.
Ganz un-feierlich also legte ich ihn auf den Teppich, wickelte ihn, zog ihn komplett neu an und – wie auch in der echten Weihnachtsgeschichte – brachte ein Baby den Plan durcheinander. Als mein Mann fragte, ob einer von ihnen noch beten und Jesus zum Geburtstag gratulieren wollte, konnte ich kaum glauben, dass beide Jungs das dann mit ganz lieben Worten taten.

Dann war es endlich soweit und die Jungs durften ihre Geschenke auspacken. Und sie jubelten, sie waren so dankbar und zufrieden. Ein- oder zweimal sagten sie tatsächlich: „Das hab ich mir schon immer gewünscht!“
Selbst ein Pullover wurde gelobt – und ich weiß nicht, ob sie das schon mir zuliebe taten.

Jari durfte zur Feier des Tages ein halbes Gummibärchen lutschen und unser Glück teilend tapste er fröhlich schmatzend um uns herum.

Und dann ist es so, wie es bei uns an Weihnachten wahrscheinlich immer sein wird. In einem kurzen, heftigen Sturm werden die Geschenke ausgepackt und bejubelt – und dann sitzen sie über ihren LEGO-Paketen und bauen. Und es tritt Stille ein. Lange Stille.

Der Abend verlief glücklich und ruhig – und ich war dankbar über ihre Dankbarkeit.
Zwischen meinen Gedanken „Weniger ist mehr! Und unser Haus ist viel zu voll!“ – und – „Aber ich schenke ihnen doch so gern etwas!“ habe ich wahrscheinlich eine gute Mitte getroffen.

****

Den 25. Dezember verbrachten wir mit der Familie meines Mannes und am späten Nachmittag fuhren wir weiter zu meiner Familie. Die Geschenke ließen wir unter dem Baum liegen. Gestern kamen wir spät abends nachhause – und heute, endlich!, durften die Jungs einfach sein und spielen.

Wir haben neue Bücher vorgelesen, LEGO gebaut, das neue Spiel „Spinderella“ gespielt und Emilian ist für mehrere Stunden in seine fast zu spannende Hörspielbox vom „Schlunz“ versunken.

Ich habe zwei ganz tolle neue Backbücher bekommen und nachdem wir eine Reihe sehr spezieller Zutaten besorgt hatten, traute ich mich heute an das erste Rezept.
Ich werde in Zukunft sehr viel leckeres Zeug backen. Und ich werde die „Back-Challenge“, die ich vor Jahren mal großzügig angekündigt hatte (Alle Bücher durch-backen), wohl nicht schaffen. Und ich werde nicht mehr sagen können, was jetzt genau mein Lieblingsrezept ist.

Vor uns liegen jetzt noch mehr ruhige Tage.

Ich freue mich darauf, unseren Jahresrückblick für den Blog zu schreiben, wir besuchen meine Oma, wir werden im Spätherbst Winterwetter spazieren und zum zweiten Mal so richtig mit Kindern Silvester feiern!

Ich bin so dankbar, dass meine Kinder dankbar sind – und Dankbarkeit zeigen können. Ich bin glücklich, dass sie kaum Ansprüche haben, sich nicht mit anderen vergleichen. Dass sie teilen und sich mitfreuen können. Dass sie verstanden haben, was unser aller größtes Geschenk an Weihnachten ist!

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Zwischenstand aus der MilchBar

Ich melde mich mal mit einem Update.
Vielleicht merkt ihr an der Stille auf dem Blog, dass uns zur Zeit andere Dinge beschäftigen. Und mit Stillen hat das im echten Leben leider nicht mehr viel zu tun.

Jari nimmt ordentlich zu, er bekommt Speck-Beinchen und einen faltigen Po. Er trinkt an machen Tagen mehr als 800ml – falls das interessiert. Mamas, die stillen, haben ja mit Mililitern nicht so viel zu tun. Seid froh!

Es ist nämlich so, dass ich immernoch keine Flaschen-Mama bin und das auch nicht sein werde. Nur ist das meinem Sohn egal. Ziemlich.
Er hat seit Tagen nicht mehr an der Brust getrunken – und ich lasse ihn jetzt. Was bringt es ihm und uns, wenn er höchstens versehentlich ein paar Tropfen Muttermilch schluckt – dabei aber brüllt und weint, bis ich brülle und weine.
Für eine klassische „Saugverwirrung“ ist Jari eigentlich schon zu alt und das sollte ausserdem kein Problem sein, weil ich immer mit Stillhütchen gestillt habe.
Wenn ihr also – ungeachtet dessen – noch einen guten Tipp habt, lese ich mir den gern durch.

Ich habe ziemlich schnell über ein paar logistische Umwege eine Milchpumpe aus der Apotheke leihen können. Jetzt ziehe ich mich mehrmals am Tag in eine stille Ecke zurück, fauche meine drei großen Männer an, wenn sie gucken kommen, versuche, nicht an einen Kuhstall zu denken – und pumpe meine Milch ab.

Es kommt eine größere Menge dabei heraus, als ich so dachte und ich freue mich über alles, was Jari von mir bekommen kann. Der Rest ist mir egal. Ich habe noch ein paar Hoffnungen, was den Besuch beim Osteopathen betrifft und wenn es sein soll, dass ich Jari noch stillen kann, dann ist es so. Aber wenn nicht, dann nicht.
Jari braucht in der Nacht nur noch eine Flasche und die stelle ich mir abends schon fertig ans Bett. So schlafe ich besser und tiefer, obwohl ich beim Flasche geben wacher sein muss, als beim Stillen. Denn wenn Jari schläft, dann schläft er auch richtig… und liegt nicht halb nuckelnd/halb schlafend neben mir.

Dass das jetzt alles so kam, ist inzwischen okay für uns – aber es hat mich doch überrascht und kurz verunsichert. Ich bin sehr froh, dass Jari jetzt 15 Wochen alt ist. Er hat lange meine Milch bekommen und wir müssen nicht um jedes Gramm kämpfen. Nicht mehr. Morgen Abend gibt es einen neuen Gewichtsstand!

Als wir heute Mittag nachhause kamen, fiel der Strom aus. Bei uns, unseren Nachbarn und sämtlichen Strassen rings um uns herum. Nach den ersten lustigen Momenten, in denen sich einige Nachbarn sofort zum Quatschen auf der Strasse trafen und mehrere Kinder plötzlich wieder in den Gärten spielten, fiel mir mit einem Schreck ein: Ich kann Jari nicht füttern, wenn wir keinen Strom haben!

Ich kann nicht abpumpen und kein Wasser warm machen!
Vielleicht hätte er sich irgendwann stillen lassen… aber er weint und kämpft sehr dagegen. Die Flaschenmilch läuft ihm nämlich einfach in den Mund, sobald ich ihm die Flasche hinhalte. Und für die Muttermilch muss er sich nicht nur viel mehr anstrengen – er muss auch ein paar Minuten „ansaugen“, bevor überhaupt etwas fließt. Darauf hat der kleine hungrige Jari keine Lust…
Und so packten wir heute Jaris Zeug und unser Mittag, das wir gerade machen wollten und fuhren nach Teltow zu Oma und Opa.

Natürlich hat so eine Flasche auch Vorteile:
Alle können Jari füttern.
Ich kann mich wieder anders anziehen.
Ich müsste nicht mehr so sehr auf meine Ernährung achten.
Wir wissen genau, wieviel Jari trinkt.
Jari hat keine Koliken mehr.
Und ich versuche jetzt, diese Vorteile zu feiern und das zu nutzen. Mal einen Schluck Wein, mal ein längeres Bad, mal schlafen… aber ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn sich auch dieses Baby in den nächsten Monaten noch irgendwie bei Mama stillen lassen würde.

Briefe vom Erstklässler

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Liam, das Mittelkind

Ich wollte euch mal was von Liam erzählen.. und das passt doch ganz gut zu seinem Geburtstag.

Als Älteste von vier Kindern habe ich nicht viel Erfahrung mit älteren Geschwistern und Mittelkindern. Ich weiß aber irgendwie, dass die Mittelkinder eher mal untergehen und manchmal eine extra Portion Aufmerksamkeit gut gebrauchen können.
Das sagt Wikipedia dazu:
„Anders als der Erstgeborene müssen sie von Geburt an um die Aufmerksamkeit der Eltern konkurrieren, verlieren aber den Sonderstatus des jüngsten Kindes an das Nesthäkchen mit dessen Geburt.“

Ich weiß aber auch, dass Liam unser Mittelkind ist…
Liam, der von der ersten Minute an lauter, wacher, forscher, stimmungsgeladener, mutiger, testender und einfach mehr da war, als sein großer Bruder Emilian war. Da war keine Konkurrenz.

Weil Emilian eher vorsichtig ist und Liam manchmal nicht zu viel nachdenkt, haben die beiden Brüder sich schnell in der Mitte getroffen uns sich gegenseitig gut getan. Emilian wurde ein bißchen mitgezogen und hatte mit Liam einen mutigen Freund – und Liam hat kaum Blödsinn von seinem großen Bruder gelernt und bewundert ihn bis heute. Ich bin so unglaublich dankbar, für diese Verbundenheit, die genau deswegen da ist. Meine beiden großen Jungs lieben sich. Sie brauchen sich. Und sie sind sich gegenseitig bester Freund und Gegenüber.

So dachte ich also, dass Liam seinen Platz als Mittelkind ganz gut finden wird. Die 5 Jahre Abstand zu Jari würden an der Liebe der Brüder nicht rütteln. Eher wollte ich darauf achten, den ruhigen Großen nicht aus den Augen zu verlieren. Liam verbringt sowieso mehr Zeit mit mir, weil Emilian jeden Tag früher zur Schule geht und meist nach Liam nachhause kommt.

Dann trafen wir uns mit Liams Erzieherinnen zum Entwicklungsgespräch. Sie waren wie immer voll des Lobes über Liam, der sich gut benimmt, ein hilfsbereites, redseliges, liebenswertes Kind ist und sich gut im Kita-Alltag auskennt und einbringt.

Ein paar Tage vor diesem Gespräch hatte sich Liam mit einer Schere ein paar Haarfransen abgeschnitten. Weil ihm das unglaublich unangenehm war, wurde diese Sache kaum besprochen und einfach stehen gelassen.
Wir redeten nun also mit den Erzieherinnen über Liam und sie stellten fest, dass Liam die letzten Monate, in denen sein großer Bruder von Kita zur Schule gewechselt war und in denen ein kleiner Bruder geboren war, sehr gut „verkraftet“ und mitgemacht hatte.
Und plötzlich fiel mir auf, wie sehr! sich das Leben und der Alltag dieses kleinen Kerls in kurzer Zeit verändert hatte! Und wie toll er damit umging und umgeht.
Die Erzieherinnen, selbst Mütter von einmal 4 und einmal 3 Kindern, merkten an, dass dieser Haarschnitt ein kleiner „Schrei nach Aufmerksamkeit“ gewesen sein könnte.
Es ist nicht meine Art, zu jeder Tat eines Kindes gleich einen tieferen Hintergrund als Erklärung zu suchen – Liam war kurz vorher beim Friseur und auch das könnte ein einfacher Grund für seinen Versuch gewesen sein – aber auch als Erzieherin schätze ich die Anregungen der Erzieher und Lehrer meiner Kinder in bestimmten Lebensphasen und so behielt ich diesen Gedanken des „Aufmerksamkeitsschreis“ im Hinterkopf.

Und mit einem kleinem Erschrecken stellte ich fest, dass die viele Aufmerksamkeit, die Liam von uns bekam, tatsächlich nicht immer die positive, bestärkende war. Nicht immer.

Ja, er verbringt täglich vielleicht mehr Zeit als Emilian mit Mama und Papa… Aber Emilian bekommt viel Aufmerksamkeit und Lob, was die Schule und das Lernen und die Hausaufgaben betrifft. Er wird für seine Fortschritte bewundert, er bekommt extra Ruhe für die Schulaufgaben und er erlebt etwas Neues und Aufregendes – weg von der Kita und dem ähnlichen Alltag für beide Jungs.
Und Jari verlangt sowieso gerade Aufmerksamkeit – und bekommt sie auch von allen Seiten.

Liam ist in seiner Liebe zu Jari manchmal etwas stürmisch.
Liam ist manchmal zu laut, wenn Emilian Hausaufgaben machen muss.
Liam ist manchmal verträumt, wenn wir schnell gehen müssen.
Liam hat manchmal einen Rappel und tobt laut über Tisch und Bänke.
Liam muss manchmal einfach laut singen.

Das zu wissen und auf ein Gleichgewicht zu achten, hilft mir sehr!

Liam ist ein sehr liebevoller großer Bruder. Um Jari zu beruhigen, zum Lachen zu bringen, lässt er alles stehen und liegen. Inzwischen kennt Jari ihn und strahlt ihn an – umso besser. Oft legt Liam sich morgens neben Jari ins Bett und erzählt mit ihm.

Liam ist ein sehr bewundernder kleiner Bruder. Er lernt gern mit Emilian mit und lässt sich viel Neues aus der Schule erklären. Er hört den Geschichten aus dem Schulalltag zu und möchte Emilian in nichts nachstehen.

Liam ist ein ganz tolles Kind, ein Vorschulkind! Er hat seine Freunde. Er sagt, was er möchte und nicht möchte. Er ist musikalisch und sportlich und fit und humorvoll und aufmerksam und feinfühlig und liebenswert. Wir lachen so viel mit ihm. Er ist kreativ. Er kann sich gut Dinge merken. Er ist kindlich ehrlich und zutraulich. Er ist so begeisterungsfähig. Er zeigt seine Liebe. Er liebt es, zu singen und auf seinem neuen Schlagzeug zum spielen. Er liebt kleine Spiele wie Uno, Lotti Karotti oder Quartett. Er spielt Rollenspiele und liebt seine Autos oder Flugzeuge, um in deren Welten zu verschwinden.

Er redet und fragt, was er denkt und nachdenkt. Sicher hat Emilian mit 4 oder 5 Jahren auch viel gedacht, er hat es aber nicht so ausgesprochen oder mitgeteilt. Liam hat tiefe, gute Fragen und stellt sie ehrlich. Ausgelacht werden oder nicht verstanden werden kränkt ihn sehr!

Liam stellt Fragen wie:
– „Können Babys im Schlaf sterben? Woher weiß man denn, ob Jari noch lebt, wenn er schläft?“

– „Wird Jari mal ein Junge oder ein Mädchen? Werden wir ja dann sehen… Heute sieht er so aus, wie ein Mädchen.“
(Wir haben das Gespräch mit ihm weitergeführt. Er, der nur Brüder hat, wusste tatsächlich nicht direkt, wie sich Jungen und Mädchen unterscheiden – ausser in der Kleidung. Als wir mal so nachfragten, ob er beim Duschen nach dem Schwimmen mit den Mädchen zusammen war und so, dachte er nach und sagte sowas wie: „Ich kann doch nicht immer nach unten gucken, dann laufe ich ja gegen eine Wand.“)

– „Warum hat Emilian immer so viel Angst? Ältere müssen doch mutig sein.“

Er wechselt schnell zwischen Ernst und Quatsch. Und wenn dann so eine Frage beantwortet ist und Emilian noch lange zuhören und forschen kann und wir zusehen, wie sein Kopf Informationen aufsaugt, dann ist es für Liam aber gut und er summt ein Liedchen und geht seines Weges.

Zur U8 ging er stolz und neugierig mit der Arzthelferin mit. Für ihn war die Untersuchung ein Test, ob er 5 werden darf.
Ich vergleiche ihn nicht mit Emilian, weil sie so unterschiedlich sind. Ich freue mich über seine Neugier und Lebensfreude, seinen Humor und seine Gedanken.

Die herausfordernden Trotz-Phasen haben wir überstanden. Er hat uns ausgetestet und lautstark seine Wünsche mitgeteilt. Schritten wie „Nuckel abgeben“ oder „aufs Töpfchen gehen“ sind wir erst aus dem Weg gegangen, weil Liam ordentlich Theater machen konnte.

Liam hat es genossen, kleiner Bruder zu sein und nun war es toll und wichtig für ihn, großer Bruder zu werden. Er ist jetzt das Mittelkind, aber er wird von vier Personen hier geliebt und gebraucht. Er hat seine speziellen Rituale mit Mama, mit Papa und mit Emilian und Jari.

Liam ist Liam.
Und er ist so ein toller, hübscher, intelligenter Junge.
Nicht „kleiner Bruder von Emilian“ und nicht „großer Bruder von Jari“ – obwohl die Jungs offensichtlich auch als Drillinge durchgehen würden. Die zwei Jahre Unterschied zu Emilian merken wir kaum.

Ich finde es wichtig, darauf zu achten, wie ich mit Liam rede. Er ist sehr feinfühlig für Stimmungen und möchte und darf als großer Junge behandelt werden. Mündliches Lob und direkte Anerkennung tun ihm gut. Ein kleines, aber ernst gemeintes liebes Wort zwischendurch, das ihm zeigt, dass ich ihn sehe, ist so wichtig. Versprechen und Abmachungen einzuhalten sind wichtig für Liam. Spaß und Quatsch und Wortspiele sind wichtig. Einen kleinen ausgedachten Witz von ihm lustig zu finden, ist wichtig. Seine Erzählungen anhören und reagieren, ist wichtig. Mit 5 Jahren möchte er angehört und verstanden werden, nicht im Schatten von den Brüdern stehen.

Ich fand und finde es nicht herausfordernd, alle meine Jungs zu lieben. Jeder von ihnen ist anders und unterschiedlich liebenswert. Aber die gute, ermutigende, fördernde Aufmerksamkeit, die ein Junge von seiner Mama braucht, die möchte ich geben und nicht damit sparen!

Bäm! Da ist Liam!

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Mal wieder nach Innen hören.

Heute war ein ganz fauler Freitag.
Wir sind früh (Ferien-früh um 8:30 Uhr) aufgestanden, um eine Show im Planetarium zu sehen – später mehr dazu.
Und das war dann auch schon das größte Highlight des Tages.

Wir saßen auf der Couch, haben Hörbücher angehört, Bücher vorgelesen, getobt, gespielt und ganz laut Pentatonix Videos angeschaut bzw. das neueste Weihnachtsalbum angehört. Es gab Walnüsse, Mandarinen, getrocknete Aprikosen, Tee und Apfelkuchen.
Und wir haben gesehen, dass es ganz neue Aufnahmen von Google in Amerika gibt! Mit sehnsüchtigen Herzen sind wir auf unseren Alltags-Wegen von 2014 entlang-gegoogelt und haben uns für ein paar Minuten nach Kalifornien gebeamt. Emilian war so fasziniert, Liam hat die Strassen nur uns zuliebe „wiedererkannt“, fürchte ich…

Jetzt habe ich die Böden gesaugt, ich höre die Jungs noch im Bett flüstern, lege die Beine hoch und entspanne.

Achtung Überleitung: Entspannung ist das Stichwort.

Gegen 13:00 Uhr klingelte es an der Tür und meine Hebamme kam zur ersten häuslichen Vorsorge-Untersuchung. Sie wird sich ab jetzt mit dem Frauenarzt abwechseln und mir jeden zweiten Gang zum Arzt abnehmen.

Ich habe den Tumult um die Hebammen in Deutschland in den letzten Monaten und Jahren verfolgt, jedoch bis jetzt keinen Beitrag aus meiner Feder dazu geliefert.

Mit ganzem Herzen bin ich der Meinung, dass eine Hebamme eine äußerst wichtige Aufgabe hat und auf gar keinen Fall ersetzt/reduziert/weggekürzt oder für unwichtig erklärt werden sollte! Ich finde es schrecklich, dass Männer entscheiden, dass Geburtshäuser in dünner besiedelten Orten schließen müssen, dass Babys in Autos geboren werden, weil keine Hebammen-Praxis mehr in der Nähe ist und dass Frauen verunsichert und allein gelassen werden!

Jedoch hätte ich in solchen Beiträgen nur wiederholt, was andere tausende Mütter bereits geschrieben, gerufen, gebrüllt oder geschimpft haben. Ich persönlich kann nicht sagen, dass ich traumatische Zustände unter der Geburt erlebt habe, die in Anwesenheit einer Hebamme nicht stattgefunden hätten. – Im Gegenteil: Meine Hebammen waren so unvorbereitet bzw. überrascht, dass ich sie tatsächlich kaum gebraucht habe.

Bei Emilian hatten wir eine Beleghebamme gebucht. Sie war eine ganz tolle Frau und tat uns sehr gut – jedoch konnte sie mir bis zum Ende nicht glauben, dass mein Kind wahrscheinlich sehr schnell kommen würde. Wir schafften es gerade so ins Krankenhaus und zu der Zeit, zu der sie sich eigentlich mit uns dort verabredet hatte, lagen wir Eltern mit dem kleinen Paket schon wieder zuhause im Bett.
Ich kann mich nicht erinnern, was sie während der Geburt gesagt oder gemacht hat.

Als Liam kam, ging es noch schneller und das Geld für eine Beleghebamme sparten wir diesmal. Ich weiß weder, wie die Hebamme im Kreissaal aussah, noch wie sie hieß… sie hatte gerade Zeit, meine Dokumente fertigzustellen und dann kam sie ans Bett, um Liam aufzufangen.

Ich weiß, dass die Hebammen bei beiden Kindern ganz wichtig für mich waren, dass sie mich vorher und nachher bestärkt und beruhigt haben, dass sie uns mit medizinischer Erfahrung zur Seite standen und den Überblick behalten haben. Gerade in der Zeit der Vorsorge und im Wochenbett brauchte ich sie.
Meine schnellen kurzen Geburten funktionierten jedoch fast von ganz allein.

Sehr gern empfehle ich euch an der Stelle den HebammenBlog von Jana. Ich liebe ihre Texte und hab beim ElternBloggerCafe am Sonntag mal ein  paar Worte mit ihr gewechselt.

Heute kam nun also Frau U., die mich auch in der letzten Schwangerschaft mit Liam zuhause betreut hatte.
Ihre eigenen Kinder sind im Teenie-Alter, sie ist eine erfahrene, ruhige, kompetente Frau. Inzwischen ist sie mit einer halben Stelle im Krankenhaus angestellt – wieder das aktuelle Hebammen-Problem – aber sie sagt, vor Anrufen und Anfragen kann sie sich kaum retten.

Wir saßen am Wohnzimmertisch, tranken Tee und unterhielten uns. Die beiden Großen gackerten oben im Kinderzimmer, ich erzählte, dass es mir gut geht, dass es keine Fragen oder Probleme gibt und dass ich an manchen Tagen abends beim Ausziehen den Bauch sehe und denke: „Stimmt! Ich bin ja schwanger!“
Sie erzählte von ihren Frauen, die sie betreut. Von ganz ängstlichen Mamas, die sich kaum trauten, den Bauch anzufassen, die jeden stärkeren Tritt des Babys sofort dem Arzt meldeten und die einfach so verunsichert waren.

Ich kann das gut verstehen.
Mütter und Schwangere sind so leicht zu verunsichern!
„Mach das nicht! Du sollst doch nicht… Hast du daran gedacht? Willst du das wirklich essen?“

Natürlich möchte keine Mama ihrem Ungeborenen schaden, sondern gibt ihr Bestes. Aber das ist von aussen vielleicht nicht immer so zu erkennen und jeder, (besonders gern Personen ohne eigene Kinder), ist der Meinung, er müsste der Mama mal einen Tipp geben bzw. seine Meinung mitteilen.

Und dann gibt es die Firmen, die damit Geld verdienen, junge Eltern zu verunsichern. „Nur dieses Bett kann deinem Baby den perfekten Schlaf bescheren! Und nur dieser Hochstuhl sorgt für einen gesunden Rücken. Nur diese Milch ist wie Muttermilch. Nur diese Creme pflegt und schützt die Haut.“

Kann man es wagen, ein billigeres Produkt zu nehmen, wenn es um mein Baby geht? Darf man wirklich ein Möbelstück kaufen, ohne einen Warentest gelesen zu haben? Was ist, wenn es zu dieser Sorte keine Bewertungen im Internet gibt?

Und so weiter. Ihr wisst, was ich meine.
Ich sage nicht, dass es nicht das Beste und Größte und Teuerste für das Baby sein darf. Klar, darf es! Muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn ich verunsichert bin.

Auf Facebook geht (oder schaukelt) gerade ein Bett herum, dass ein Baby selbständig, mit Mamas-Bauch ähnlichen Bewegungen, in den Schlaf schukkelt, über Monitor die Nöte des Babys zu Mama und Papa schickt und überhaupt viel Geld kostet.
Echt jetzt?
Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll!
Damit das Baby sich an Geruch, Geräusche und Bewegungen der Mama erinnert, braucht es vielleicht einfach … eine Mama.

Meine Hebamme beobachtet den Verlauf der Geschichte, sie sieht, wie die Kaiserschnitt-Tendenz ansteigt, wie aus „normal“ langsam ein „unnormal“ wird, wie Maschinen und Medikamente Gefühle und Schmerzen nehmen und sie sagt: Geburt wird uns Frauen weggenommen.

Dann sagte sie:
„Es tut mir richtig gut, sich mit Ihnen mal so entspannt und normal zu unterhalten.“

Ich hab darüber nachgedacht.
Als Emilian geboren wurde, war ich ziemlich entspannt. Er war ein pflegeleichtes Baby, ließ uns schlafen und  die auf Hochzeiten gehen, er trank und schlief und wuchs.

Zu Liams Zeit war unser Leben aufregend und wir zogen gerade um. Ich war nicht entspannt, weil Liam nicht entspannt war. Und Liam war nicht entspannt, weil ich nicht entspannt war. Er hatte Bauchschmerzen, schlief wenig und weinte viel. Trotzdem machte ich mich nicht verrückt, denn ich wusste, Phasen kommen und gehen und ich konnte Liams Unruhe auf meine Unruhe schließen.

Jetzt gerade bin ich tiefenentspannt!
Ich schlafe viel, die Kinder sind selbständig und einigermaßen vernünftig, ich habe Zeit für mich, ich kann abschalten und die Beine hochlegen.
Und obwohl ich eher eine ruhigere, gechilltere Mama war und bin, denke ich: Jetzt mache ich alles nochmal ganz in Ruhe! Dieses Baby möchte ich richtig genießen! Das und das und das werde ich nicht wieder so machen. Ich lasse mich nicht verunsichern. Ich lasse mir Zeit! Ich höre auf meinen Bauch!

Und ich frage mich, warum das Bauchgefühl eigentlich so schnell überhört und ignoriert wird. Frau U. bedauert, dass werdende Mamas keinen Mut mehr haben, auf sich zu hören und selbst zu spüren, was richtig ist.

Wir Frauen sind perfekt ausgestattet und vorbereitet – und das ist nicht einfach so passiert oder „dank der Natur“ entstanden. Als ich mit 24 Jahren zum ersten Mal Mama wurde, war ich schwer davon beeindruckt, wie sehr mein Körper wusste, was dran ist, was sich gut anfühlt und was nicht.

Es war nicht alles perfekt oder Lehrbuch-mäßig.
Emilian wurde mit einer Saugglocke geholt, weil die Nabelschnur um seinen Hals gewickelt war.
Ich habe beide Kinder je 12 Monate mit Stillhütchen gestillt, obwohl beide Hebammen sagten, davon würde die Milch weniger werden.
Emilian wurde geschoben. Liam hing in der Manduca.
Bei Emilian stand ich Nacht für Nacht am Bett, bis er eingeschlafen war. Liam schlief lange noch bei uns unten im Wohnzimmer ein und wir trugen ihn dann hoch, wenn wir ins Bett gingen.
Selbst mit beiden Fehlgeburten, einmal mit medizinischer Hilfe und einmal ohne, konnte mein Körper fast selbständig umgehen und ich konnte bald danach wieder schwanger werden.

Jedes Kind ist anders. Jede Geburt ist anders.
Unser Körper, unser Bauchgefühl kann aber damit umgehen und kann und wird uns ein Gefühl dafür geben, was dran ist. Ich sehe das als ein großes Geschenk, das wir von Gott bekommen haben.

In mir entsteht gerade ein Mensch!
Manchmal finde ich das so unglaublich, dass es gruselig ist. Wie kann ich da nicht an ein Wunder glauben? Da wächst was – und dennoch geht mein Leben fast normal weiter. Ich muss keinen Zaubertrank trinken, nicht an Geräte angeschlossen sein – einfach so wächst da was in mir.
Mein Körper hat alles, was ich und dieses Menschlein brauchen, um klarzukommen – und auch über die Geburt hinaus.

Ich möchte alle jungen und werdenden Mamas ermutigen, auf sich, auf das Gefühl innen drin zu hören!
Wenn es sich für euch gut anfühlt, …
… Erdbeeren und saure Gurken zu essen…
… in der Schwangerschaft Rad zu fahren…
… das Baby zuhause zu entbinden…
… nicht im 6. Monat mit dem ersten Brei anzufangen…
… das Baby mit in eurem Bett schlafen zu lassen…
… was auch immer …

Egal!
Egal, was andere sagen und gelernt haben und denken und wissen: Wenn es dir und deinem Baby gut geht, dann ist es gut so!

Ich wünsche uns, dass wir die Weisheit und den Überblick unserer Hebammen wieder schätzen lernen.

Ich wünsche uns, dass wir uns von erfahrenen Frauen wieder zeigen lassen, wie sich ein Bauchgefühl anhört und welche Schätze unser Körper vorbereitet.

Ich wünsche uns Entspanntheit und Klarheit, auf uns und unser Baby zu achten, auch wenn der Rest der Welt es besser weiß.

***

Damit das auch gesagt ist:
1. Ich weiß, dass es Momente gibt, in denen wir wirklich sicher sind, dass eine Mama ihrem Baby schadet, weil sie…
Mit viel Sensibilität und Feingefühl können wir natürlich nachfragen und Dinge ansprechen, die uns auffallen. Wir können andere mit unserem Bauchgefühl anstecken oder unterstützen, wenn es angebracht ist.

2. Es gibt natürlich auch Hebammen, die ganz fürchterlichen Schaden anrichten, weil sie… überfordert sind, von der alten Schule sind, wenig Erfahrung haben, schlechte Laune haben, was auch immer.
Ich weiß, dass einige Hebammen Müttern weh tun, dass sie sie überstimmen, dass sie ihnen nicht zutrauen, auf ihr Bauchgefühl zu hören, dass sie neue Mamas unterschätzen und belächeln.
Diese Frauen gibt es auch.
Aber ihr wisst, um was es mir geht.

Meine Hebamme sagte heute:
Früher wurden naive, unbesorgte Mamas schnell belächelt, als Dummchen bezeichnet.
Heute wünscht sie sich, dass Frauen wieder mehr naiv an Schwangerschaft und Geburt herangehen.
„Es wird schon gut werden.“
„So viele Frauen vor mir haben das geschafft, dann schaffe ich das auch!“

In diesem Sinne:
Du bist die Mama.
Du bist die Heldin.
Es wird schon alles gut!

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