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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Kindersprüche

Es ist Zeit für neue Kindersprüche!
Die gibt es nämlich immernoch.

Ganz köstliche Knaller sind dabei – und trotzdem geht auch jede Menge im Alltag unter oder wird vergessen. Die, die ich habe, sind ein Schatz!

****

* Wir sind auf dem Weg zum Zoo. Es sind noch ein paar Stationen mit dem Bus. Liam fragt: „Mama, wie viele Runden noch?“

* Emilian sagt: „Alle 2 Sekunden stirbt ein Mensch. Jetzt. Jetzt. Jetzt. Jetzt.“
Liam sitzt ganz aufgeregt neben ihm, strahlt ihn an und sagt: „Vielleicht sind wir ja bald dran!“

* Liam guckt mir beim Sport zu.
In der DVD machen drei Frauen die Übungen vor. Eine von ihnen ist die Trainerin, eine andere macht die Übungen in einer leichteren Version und eine dunkelhäutige, sehr gut trainierte Frau macht die anspruchsvolleren Übungen.
Die Trainerin zeigt in der DVD auf diese Frau und sagt:
„Wenn du so aussehen willst wie sie, musst du so trainieren wie sie!“
Liam kriegt irgendwann mit, dass ich die schwierigeren Übungen mache und fragt: „Willst du echt so braun aussehen???“

* Emilian sagt beim Autofahren: „Mama, können wir mal dahin fahren, wo wir noch nie waren und gucken was da los ist? Können wir das machen?“

* Zusammen mit Freunden sind wir am See.
Die Kinder finden am Ufer ein Ei und wir rätseln, ob es ein Ei von einer Ente sein könnte, oder ein Essbares, was von Menschen vergessen wurde.
Mein Sohn ist der Meinung, es sei von einer Ente.
Sein Freund ruft laut über den Strand: „Nein! Das ist ein Menschen-Ei!!!“

* Nach Ostern fragt mich Liam:
„Oma ist doch wieder gesund – wann ostert sie denn mal mit uns?“

* Liam sagt: „Kennst du die Bundeswehr: Die beschützt Frau Merkel.“

* Liam sagt: „Mama, weißt du, was ich dich hab? – Lieb!“

* Emilian erzählt mir: „“Mama, ich hab in der Schule ein neues Buch zum Lesen bekommen und ich hab erstmal hinten drauf den Trailer gelesen.“

* Liam denkt über Hochzeit und Baby nach.
Er fragt: „Woher weiß der Bauch, dass man verheiratet ist?“

* Er fragt überhaupt tolle Fragen, wie:
„Wie geht es, dass die Finger alle gleichmäßig wachsen?“

* Liam backt Waffeln. Eine wird sehr schwarz.
„Oh, ein bisschen verbraten…“ 

* Am Strand. Meine Schwester sagt: „Jetzt muss ich noch das Video beschneiden, damit es nicht so teuer beim Versenden wird.“ Liam sagt: „Häh? Und die Schnipsel? Hier ist doch kein Mülleimer...“

* Opa guckt mit Liam ein Buch an, in dem einer von seiner Radreise von Deutschland nach Togo schreibt. Sein Bart war inzwischen ziemlich lang. Liam sagt: „Der hat sich lange nicht gemäht.“

* Opa flickt Liam‘s Fahrrad. Er sagt: „Schade, dass man den Flicken nicht außen sieht.“

* Omas Badematte fällt beinahe ins Wasser. Liam sagt: „Oma, dein Plakat ist beinahe ins Wasser gefallen.“

* Liam sitzt an der Ostsee und hat einen Stein im Mund.
Als wir fragen, warum, sagt er: „Ich habe grad keine andere Tasche.“

* Während wir im Urlaub sind, übernachtet mein Bruder eine Nacht in unserem Haus in Berlin. Am Morgen sage ich zu Liam: „Weißt du was, E. hat heute Nacht in deinem Bett geschlafen.“ – Liam sagt: „Habe ich gar nicht gemerkt!“

* Das Schulkind seufzt:
„Mama, wir haben heute ein Diktat geschrieben und ich glaube, ich habe einen Fehler…“
„Welchen denn?“
„Na, ich wusste nicht, wie man das kleine k schreibt. Ich wusste nicht, wohin die beiden kleinen Striche zeigen müssen.“
„Und wie hast du es dann geschrieben?“
„Erst hatte ich es richtig, dann war ich aber unsicher und hab es wegradiert. Und ich glaube, jetzt ist es falsch.. Die beiden kleinen Striche zeigen jetzt nach rechts.“
„Aber dann ist es ja richtig!! Wohoo, dann hast du keine Fehler beim Diktat!!! Wie hieß denn das Wort überhaupt?“
„Fleißig…“

* Liam fragt: „Oma, wo ist die Ballaufpumpe?“

* Am Tag der Einschulung steht Liam um 6:30 Uhr an unserem Bett:
„Ich glaub, ich habe einen Wackelzahn..“

* Liam sagt zu mir: „Mama, zu Emilians Einschulung hattest du einen dicken Bauch. Jetzt hast du einen dicken Po…“

* Liam wollte bei Oma und Opa draußen duschen, das Wasser war schön warm. Er benutzte auch Opas Duschbad, allerdings an den Füßen, weil die ziemlich schwarz waren. Hinterher sagt Oma zu ihm: „Du riechst ja wie Opa!“
Liam sagt: „Aber nur an den Füßen!“

* Liam sagt zu mir: „Mama, vielleicht hast du ja noch ein Baby im Bauch und merkst es gar nicht!“
„Na, ich glaube nicht…“
Er: „Aber ich hoffe!“

* Wir hören das Lied von „An Wunder“ von Wincent Weiss.
Liam singt: „Es wäääääääär schön blöd, nicht an Hunde zu glauben.“

* In Pokémon-Filmen werden die Pokémon-Figuren und ihre besonderen Fähigkeiten beschrieben. Liam plappert vor sich hin: „Und hier seht ihr das Mama-Pokémon. Es ist bekannt durch seine besonderen Schimpf-Attacken…“

* Ich habe Liams Bettwäsche gewaschen und frage am Abend: „Liam, möchtest du dein frisch gewaschenes Bettzeug wieder haben?“
Er ruft zurück: „Ja, aber nur den Belag.“

* Liam läuft auf dem Schulweg um 7:30 Uhr hinter mir und singt laut durch die Straßen:
„Ich kann deine Pobacken sehen – durch deine Hooose…“

* Und nochmal Liam.
Er beobachtet im Garten lange ein Eichhörnchen und sagt seufzend: „Ich würde so gern, dass irgendein Tier mich mag…“

 

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Ein-Kind-Mama

In dieser Woche bin ich alleine mit Jari.
Die großen Jungs sind noch mit Oma+Opa im Urlaub.
Mein Mann ist dienstlich in Kalifornien unterwegs.

Dass wir beide hier sind, kam irgendwie spontan, weil lange nicht fest stand, wann genau die Flüge sind, ob ich mit Jari noch bei den Jungs bleibe oder ob sogar alle drei Jungs bleiben und wir zu zweit nach Kalifornien fliegen.

Und habe mir das schön vorgestellt, nur Jari und ich. Ich wollte viel schaffen und viel lesen und eben viel mit Jari sein. Ich hab mich an die Zeit mit nur einem Kind erinnert, wie viel Zeit ich da hatte und wie ruhig die Tage waren… Im Moment wäre ich aber lieber mit ihm irgendwo bei den Kindern oder noch lieber natürlich auch in Kalifornien! Es ist ein bißchen einsamer und langweiliger, als ich dachte.

Jari langweilt sich. Er versteht nicht, warum die Brüder und der Papa weg sind. Er guckt in die Zimmer und zeigt auf die Fotos – und er hängt und klebt an mir, damit ich nicht auch noch gehe. Was er sich wohl denkt? Wenn ich einen Löffel in die Spülmaschine stecke, steht er neben mir und holt zwei wieder raus. Wenn ich Wäsche lege, ist er da und räumt aus, was ich eingeräumt habe. Ich hatte das etwas anders geplant. Ich wollte viel putzen, schreiben, lesen, abarbeiten, vorbereiten und so.

Aber was ich nicht fertig schaffe, lasse ich eben liegen – das sieht ja jetzt niemand. Spätestens Freitag muss ich fertig sein. Ich gucke Serien, die mein Mann nicht mitgucken würde und ich esse, was ich mag. Ich gehe schlafen, wann ich will und wir stehen auf, wann wir wollen. Aber irgendwie ist es trotzdem ganz anders, als damals, mit nur einem Kind. Was habe ich damals nur gemacht?

Ich war schon früher nicht die Mama, die gerne stundenlang auf dem Boden saß und imaginären Kuchen gegessen hat und sich imaginäre Wunden hat verarzten lassen. Und Jari spielt so noch nicht. Er mag Bücher, Bälle oder kleine Stapel-Spiele, aber länger als 3 Minuten spielt er nicht alleine, wenn ich nicht dicht daneben bin. Eher räumt er eben hundertmal in der Küche das IKEA-Kinderbesteck aus, als mit einem Auto über den Teppich zu brummen. Und nach 30 Minuten auf-Mamas-Schoß-sitzen kommen dann vielleicht mal 3 Minuten Ball-durchs-Haus-kicken.

Damals musste ich mich sehr dran gewöhnen, mit Emilian zu reden – obwohl er ja die ersten 2 Jahre kaum Antworten geben konnte. Ich fand es einfach merkwürdig, so halb mit mir selbst zu reden. Und jetzt geht es mir ähnlich. Wenn wir alle hier sind, ist Jari immer mittendrin und hört alles und sieht alles und lebt auf in unserer Lebendigkeit. Jetzt ist es still. Ich erinnere mich tagsüber, dass ich ja mit Jari reden könnte. Ich schätze die Zweisamkeit, seine Gestik und Mimik für mich allein zu haben – und er schätzt genauso die ungeteilte Aufmerksamkeit, die er bekommt.

Er langweilt sich, vielleicht. Er kennt dieses Leben nicht. Er kann sich grad nicht so gut alleine beschäftigen – obwohl alles da ist. Das ist er einfach nicht gewohnt. Er ist noch zu klein, um länger alleine im Zimmer zu spielen und schon zu groß, um einfach mit kleinen Snacks und Wäscheklammern auf dem Boden beschäftigt zu werden.

Unser Haus ist keine Wohnung mehr, durch die ich in 10 Schritten gehen kann. Es gibt mehr Zeug, mehr Zimmer, mehr Dreck, mehr Wege, mehr Arbeit und mehr Ecken, die scheinbar die letzten 3-6 Jahre kaum beachtet wurden.

Heute habe ich richtig viel geschafft.
Ich habe alle Stühle und Tische abgewischt – sind die nur bei uns so schmutzig? Ich habe ein paar Fenster geputzt, Schränke und Heizungen gewischt. Das alles dauerte vielleicht 2 Stunden – dafür brauche ich sonst Wochen! (Und wenn ich am Ende bin, ist der Anfang sowieso wieder dreckig) Wir waren zusammen spazieren und einkaufen und in der Mittagspause habe ich für meine Weiterbildung den Geburtsbericht von Emilian aufgeschrieben. Wir haben mit Papa geskypt, Kekse gegessen und draussen mit Wasser gespielt.

Und ich habe mir gedacht, ich schreibe mal drei Tipps für frische Ein-Kind-Eltern auf.
Vielleicht helfen sie. Ich glaube, mir hätten sie geholfen.

 

1. Seid entspannt mit dem Haushalt!
So viele neue Mamas oder Papas haben vielleicht den Eindruck, niemals mit der Arbeit fertig zu werden. Küche. Wäsche. Einkauf. Kleidung. Garten. Ich war auch so. Wenn etwas dreckig war, habe ich geputzt. Wenn etwas dran war, hab ich es gemacht. Ich hab mir wenig Pausen gegönnt. Wie sauber unsere Böden waren! – Und jetzt denke ich: „Egal. Wird ja eh wieder dreckig, kann also noch so 1 oder 2 Tage oder Wochen warten.“ Und das sage ich nicht, weil ich nicht die Zeit hätte. Ich habe manchmal einfach keine Lust!

Der Haushalt wartet, Leute.
Die Kindheit nicht.
Unser Alltag ist ihre Kindheit!

Mit einem Kind hab ich ziemlich viel Wert auf Sauberkeit gelegt. Bei zwei Kindern konnte und musste ich lernen, Dinge liegen zu lassen und Böden dreckig zu lassen. Und jetzt mit drei Kindern habe ich es sogar schon ein einziges Mal geschafft, nicht zu putzen, bevor Besuch kam. Aber das hat sich echt komisch angefühlt.

Bügeln ist unnötig und Wäsche sortieren können die Kleinen auch.
Und um Hilfe bitten dürft ihr.
Das kann man auch lernen.
Aber das ist nochmal eine andere Geschichte.

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2. Gönnt euch Pausen!
„Schlafe, wenn das Kind schläft!“
Bla bla bla. Wer macht denn sowas? Die Zeit wird gefälligst genutzt! Duschen. Schreiben. Abwaschen. Bügeln. Wäsche aufhängen. Telefonieren. Nägel lackieren. Kochen… Und tatsächlich mache ich mit Kind Nummer 3 so viel Mittagsschlaf, wie nie vorher. Dabei gibt es so viel zu tun, wie nie vorher. Aber egal. Kaffeepause. Mittagspause. Freundinnenpause. Großer-Sohn-Pause. Ehe-Pause. Durchatmen. Arbeit links liegen lassen. Kopf ausschalten. Lachen. Kraft tanken. Immer wieder zwischendurch, nicht erst abends nach 22:00 Uhr, wenn sowieso kaum Kraft da ist.
Die Kinder und Partner brauchen euch gesund und fit und gut gelaunt und wach.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!

Und Glück und Zufriedenheit kommt, wenn wir uns Zeit für uns nehmen, uns entspannen, uns schön machen und fühlen und mal zwischendurch nur an uns denken. Ein Glas Wein. Eine Serie. Ein Schwimmbad-Besuch oder ein Abend mit Freundinnen. Hat noch keinem geschadet. Und die Männer kommen mit den Kindern viel besser klar, wenn wir mal so richtig weg sind. (Das heißt nicht, dass sie die Kinder ordentlich anziehen…)

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3. Macht mehr Kinder!
Wirklich.
Vielleicht kann sich das keiner vorstellen, aber es wird mit mehr Kindern einfacher!

Geschwister sind ein Geschenk.
Für Eltern und Kinder.
(Natürlich hängt das ein bißchen von den Umständen und zum Beispiel dem Alterabstand ab. Ich könnte jetzt nach 11 Jahren Ehe locker 6-8 Kinder haben – und würde dann weder bloggen noch lackierte Nägel haben noch jetzt um 21:30 Uhr lebendig am Wohnzimmertisch sitzen)

Der Wechsel vom Paar-sein zum Eltern-werden ist unglaublich. Alles ändert sich. Auch, wenn das Kind an sich kaum auffällt, wie es mit Emilian war, braucht man irgendwie doch mehr Zeug und denkt plötzlich für jemand anderen mit und ist etwas weniger frei. Der Wechsel zum 2. Kind war bei uns ordentlich turbolent. Emilian war mit seinen 2 Jahren doch noch klein und ich war tagsüber lange alleine mit den beiden Jungs im neuen Haus mit vielen Baustellen. Und jetzt genieße ich es sehr, dass die beiden einen kleinen süßen Bruder haben und dass der kleine Jari so tolle große Brüder hat.

Sie sehen sich.
Sie helfen sich.
Sie denken mit.
Sie lernen voneinander.
Sie gehören zusammen.
Für immer.

Niemand von ihnen würde beim Tisch decken nur einen Teller hinstellen. Wenn Liam irgendwo eine Süßigkeit bekommt, fragt er grundsätzlich, ob er noch eine für seinen Bruder haben darf. Wenn Emilian sieht, dass Jari beim Spaziergang zurück hängt, flitzt er zu ihm, hebt ihn hoch und schleppt ihn wieder zu uns. Wenn ich einen Nuckel suche, findet einer der beiden Brüder ihn zuerst. Wenn Jari sich weh getan hat, ist sofort ein Bruder zur Stelle. Wenn ich so etwas wie eine Neuigkeit oder eine Absprache mit Emilian oder Liam teile, dann dauert es nicht lange, bis ich sie tuschelnd irgendwo entdecke und ahne, über was sie reden.

Ja, es ist anstrengend.
Und unser Körper macht nicht immer so wunderbar mit.
Und es ist laut.
Und dreckig.. meine Güte.

Aber es ist die Mühe wert.
Es ist ein großes Glück.
So viel Liebe.

Und wenn ihr Mamas jetzt die Hormone in euch spürt und euer Kind anschaut und seufzend lächelnd an die erste Baby-Zeit denkt… Ja genau! Eins geht noch!

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Große Jungs

Es ist mal wieder Zeit, ein bißchen was von den großen Jungs zu erzählen. Die sind nämlich ziemlich cool. Das geht hier irgendwie unter, wenn ich so viel von Jari schreibe. Und von mir.

Es heißt ja oft: „Sie werden so schnell groß, haach, haach.“ Und natürlich werden sie groß. Und das ist allerdings auch gut so. Es ist so schön, sich richtig mit den Großen unterhalten zu können. Dinge erklären. Von ihnen lernen. Absprachen treffen. Gemeinsam arbeiten. Erfolge feiern. Vertrauen und Loslassen.

Wir haben das Glück, die Großen und den Kleinen zu haben. Und das sind echt schöne Phasen gerade.

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Zuerst mal Emilian.
Dieses Kind überrascht mich immer wieder!
In meiner Erinnerung hing es die ersten 5 Jahre komplett an meinem Rockzipfel, mit zitternder Unterlippe und feuchten Augen.
Ja, er war schon immer der, der Paleontologe werden möchte, bis heute. Er hatte schon immer diesen feinen Humor und das gewisse Dreikäsehoch-Gen. Aber ach, er war so ängstlich und zurückhaltend. „Mama, ich bin jetzt wieder schüchternd.“

Ich kenne das von mir und hab mich oft in ihm wiedergefunden. Und bei mir dauerte diese Angst und Unsicherheit lange.. genau weiß ich gar nicht, wann ich sicherer und selbstbewusster wurde. Bestimmt erst Anfang 20, würde ich sagen? – Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meinen Erstgeborenen wohl ähnlich eingeschätzt habe. Und dann kam die Einschulung, ihr wisst das, und er hat mich total vom Hocker gehauen.

Und seit dem ist er so sicher und so cool und so mutig geworden! Ich danke von Herzen der tollen Schule und den tollen Lehrern, die mit Sicherheit ihren Teil dazu beigetragen haben. Ich meine, er macht Buchvorstellungen in der Schule, ohne eine Spur von Aufregung. Er diskutiert und setzt sich für die Schwächeren ein. Er sucht sich tolle Kinder als seine Freunde aus.

Ich bin im Rückblick dankbar und stolz, dass ich mir die Zeit für ihn genommen habe, die er brauchte. Dass ich als seine Mama ihn ernst genommen habe. Das war nicht immer einfach.
Wenn alle Kinder losgetobt sind und eins bei Mama blieb.. „Ach ja.. Emilian.. naja, dann kommt er eben später.“
Übernachtungen gingen nicht. (Das fängt jetzt erst an.) Besuche bei Freunden ohne Mama gingen nicht. Kinderbetreuung bei IKEA ging nicht. Fremde Kindergruppen gingen nicht. Einfach mal spontan Pläne ändern ging nicht.
Aber ich bin wirklich froh, dass wir das geschafft haben. Dass er den Mut gefunden hat und ich trotz verständnisloser Blicke seine Hand gehalten habe, bis er bereit war, loszulassen.

Vorgestern auf dem „Jahrmarkt“ hat er sich allein mit seinem eigenen Geld an eine Bude gestellt und einen kandierten Apfel gekauft. Ganz allein!
Überhaupt war das vorgestern der Kracher auf dem „Rummel“, wie es früher hieß. Die beiden Jungs, zum ersten Mal mit eigenem Taschengeld und keiner Mama, die immer sagt: „Das ist zu teuer, das gibts woanders auch, das hält eh nicht lange, mimimi..“
Ich hab sie rennen lassen und sie waren so glücklich!
Euro-Zeichen in den Augen.
Süße Lippen vom kandierten Apfel und der Zuckerwatte.
Plastik-Spielzeug im Gepäck.
Zerzauste Haare vom Karussell fahren.
Die großen staunenden Augen in alle Richtungen.
Wie früher, oder???

Emilian möchte noch immer Dino-Forscher werden, obwohl er feststellt, dass es auch andere tolle Berufe gibt. Noch immer hat er seinen Humor, bringt uns alle zum Lachen und kann selbst ganz kindlich und unbeschwert aus voller Kehle lachen. Er übt immer wieder, über seinen Schatten zu springen. Er kennt sich in einigen Themen besser aus, als wir alle zusammen. Er ist so wissbegierig und interessiert.
Zum Beispiel sagte er mal auf der Autobahn, als wir eine gewohnte Strecke fuhren:
„Können wir mal dahin fahren, wo wir noch nie waren und mal gucken, was da los ist?“

Er erzählt so gern Witze, bringt die coolsten Moves mit nachhause, kann den Zahnseide-Tanz und überhaupt kann er dancen! Er bewegt sich gern und klettert wie ein Affe. Er hängt gern im Hängesessel, auch mal für die Hausaufgaben, und braucht zwischendurch immer mal ein paar Minuten für sich. Er liebt Hörspiele und Hörbücher und saugt dieses Wissen in sich auf.
Einmal sagte er:
„Mama, ich hab in der Schule ein neues Buch zum Lesen bekommen und ich hab erstmal hinten drauf den Trailer gelesen.“

Er hat viel Liebe für seine Brüder. Unermüdlich flitzt er mit Jari und gackert, wenn Jari gackert. Mit Liam heckt er Streiche aus, spielt Fußball und kriecht mit ihm als Ninja/Indianer/Forscher/… durchs Gebüsch.

Mit Mama in der Achterbahn.
Hat viel Überwindung gekostet.

Und neben dem ganzen größer-werden ist er aber immernoch mein Baby. Mein großes Baby. Abends kann er nicht einschlafen, wenn ich nicht gebetet und mit ihm geredet habe. Manchmal braucht er Mama-Zeit und dann spielen wir zum Beispiel Scrabble, weil das die Kleinen noch nicht können. Manchmal gehen wir Hand in Hand den Schulweg und ich bin so froh, dass ich das noch darf. Zum Abschied in der Schule gibts ein HighFive und er lacht sein helles Lachen, wenn ich vor Schmerz aufschreie. Wenn ich ihn abhole, kommt es noch vor, dass er mir über den ganzen Schulhof entgegen rennt und in meine Arme springt. Ich mag das!

Ich bin sehr stolz auf ihn!

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Und dann Liam.
Liam ist ein Kracher.
Liam musste die Welt nicht kennenlernen – die Welt musste Liam kennenlernen!

Er denkt und handelt und entscheidet total anders! Er hat Emilian mit seiner furchtlosen, unbekümmerten Art viel Mut gemacht und ihn bestärkt.

Das Bild zeigt die beiden Typen ziemlich treffend.

Liam stellt so viele Fragen. Er denkt sich nicht seine Wissenschaft –  manchmal finde ich, dass er gar nicht sehr viel nachdenkt – sondern er fragt. Und wir haben ja keine Ahnung, welche Gedanken es in Kinderköpfen gibt!

In meiner Sport DVD stellt die Trainerin ihre zwei Mitstreiterinnen vor. Eine dunkelhäutige macht die schweren Übungen und eine hellhäutige macht die leichteren Übungen. Die Trainerin zeigt auf die erste und sagt: „Wenn ihr so aussehen wollt, dann macht das, was sie macht!“
Liam sieht, dass ich ihre Übungen nachmache und fragt verblüfft:
„Echt Mama? Willst du echt so schwarz aussehen?“

Liam quatscht nicht, Liam macht.
Vor ein paar Tagen wollte er mir eine Freude machen und hat aus zwei Blumenständern auf der Terrasse alle Blumen einfach in die Wiese gepflanzt. Einfach ausgetopft, ein Loch gegraben und rein.

Er liebt Überraschungen. Mit viel Freude schließt er sich in der Küche ein und „bereitet Amendbrot vor“. Und wehe, jemand klaut ihm die Show. Dann steht an jedem Teller ein kleines Teelicht, er hat Namenszettel vorbereitet, es gibt wenig Brot mit viel Butter und halb-geschälte Möhren, dafür hunderte orange Fusseln in der ganzen Küche – aber seine Augen strahlen, wenn wir den Raum betreten und uns zusammen an seinen Tisch setzen.

Überhaupt schließt er sich ein, im Bad. Er fragt vorher, aber er macht zu. Das macht Emilian bis heute nicht. Liam führt dann Selbstgespräche oder frisiert sich lustige Frisuren. Oder er duscht.. das hat Emilian auch nie überlegt. Liam setzt dann das ganze Bad unter Wasser – aber er macht einfach.

Wenn im Geschäft eine Tür versperrt ist und ein großes „ALARM“-Schild davor steht, dann fragt sich Liam nicht, warum das so ist. Er drückt einfach mal die Klinke, schiebt die Sperre weg – und löst den Alarm aus.

Beim die-Wahrheit-sagen kann Liam uns richtig frech ins Gesicht lügen, so frech, dass es fast schon wieder offensichtlich ist. Wenn Emilian übrigens die Wahrheit nicht sagen will, probiert er es erstmal mit einem „Ich weiß es nicht.“ Immerhin.

Am Montag habe ich Liam mit zum Arzt genommen, als Jari eine Impfung brauchte. Die Ärztin impfte Jari aber wegen der großen Hitze nicht. Ich zeigte ihr spontan Liams Impfausweis und fragte, ob mal wieder was gemacht werden müsse. Und tatsächlich. Und zwar jetzt. Sofort.
Liam zog sich das Hemd aus und zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er die erste Impfung nach mehreren Jahren bekam!

Er weiß von Freunden, die bald heiraten und fragt sich, wie wohl ihr Baby aussehen wird. Dann fragt er: „Woher weiß denn der Bauch, wann sie verheiratet sind?“

Ungerechtigkeit hält er ganz schwer aus und er kämpft immer mal wieder damit, eben der Zweite zu sein. Emilian bekam ab der 2. Klasse Taschengeld, für Liam wird es Taschengeld wahrscheinlich schon ab der ersten geben. Dafür weniger.
Er ist ein sehr liebevoller und fürsorglicher Bruder für Jari, denn er ist endlich nicht mehr der Kleine.

Bei einem Streit unter den Jungs dürfen wir nicht nach Lautstärke gehen, denn dann würde Liam immer gewinnen. Liebe Nachbarn, es tut mir leid! Genau so wie Liam seine Trauer und seinen Schmerz zum Ausdruck bringt, eventuell manchmal etwas überspielt, genauso brüllend lacht er auch, bis wir uns Sorgen um seine Atmung – oder seine Unterhose machen. Stimmung kann er.

Und genau so plötzlich und leidenschaftlich kommt auch ein Liebesbeweis zwischendurch.
„Mama, weißt du, was ich dich hab? – Lieb!!“

Er ist sehr ehrgeizig und kann es kaum abwarten, die ersten Hausaufgaben zu bekommen. Dementsprechend übt er für sein erstes Geigen-Vorspiel in wenigen Tagen. Sein Papa wird ihn begleiten. Stolz ist gar kein Ausdruck. Bei beiden.
Liam spielt einen einzigen Ton, wenn ich das mal so platt sagen darf. Der Rhythmus macht’s natürlich – aber die wunderbare Musiklehrerin gibt ihm das Gefühl, als würde er als 6jähriger ein riesiges Konzert geben.. und sie pusht und lobt und fördert ihn – sodass er vom Geigenunterricht jedesmal ein Stückchen größer zurück kommt.

Überhaupt die Schule. Er kann. es. nicht. mehr. abwarten.
Gestern im Bett fragte er, warum denn die Einschulung unbedingt so weit weg sein muss?! Er weiß weder, wer in seine Klasse kommt, noch wer Klassenlehrer/in wird oder in welchen Raum es geht.. er ist einfach so aufgeregt. Ein ganz kleiner Teil in mir denkt: „Wer weiß, wie Liam uns zur Einschulung überrascht? Vielleicht wird er der, der das große Theater macht…“ Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass er nach der Einschulung am Samstag gleich bis Montag da bleiben möchte…

Und: Liam liebt Tiere! Sehr.
Wir haben ziemlich lange einen großen Bogen um Bauernhöfe und Streichelzoos gemacht, weil Emilian überhaupt nichts damit anfangen konnte.  Und dann stellten wir voller Überraschung fest, dass Liam Tiere liebt.
Ich finde das so schön, dass in einer Familie mit drei Jungs sich wirklich jeder seine Sache sucht, obwohl die Eltern manchmal viel zu blöd sind, das zu verstehen.

Es fing im Streichelzoo an, dann mit Tieren bei Freunden und Bauernhöfen und und und. Sogar wenn wir im Garten Vogelbabies piepsen hören, werden Liams Augen ganz sehnsüchtig und er sagt: „Ich würde so gern mal eins in der Hand haben!“ Wirklich, ich glaube, der wilde Kerl braucht ein Haustier.

****

Trotz oder wegen ihrer Unterschiede sind die Jungs ein starkes Team.

Sie suchen und brauchen sich immer wieder.
Sie sind am See oder auf Spielplätzen trotz aller Durchgeknalltheit immernoch die eher ruhigen und vorsichtigen Kinder.
Sie teilen ihre Witze, ihre Süßigkeiten und ihre Spielzeuge.
Sie sind begeisterungsfähig und ehrlich in ihren Gefühlen.
Sie verbindet ein festes Band.
Sie tauschen sich aus und sind interessiert an den Erlebnissen des anderen.
Sie streiten, ja natürlich.
Aber sie lernen, mit Worten zu verhandeln, und nicht mit Händen und Füßen.
Sie sind füreinander da.


So. Und jetzt wollte ich den Beitrag langsam zum Ende führen.
Und ich wollte schreiben, dass wir sehr glücklich mit unseren großen Jungs sind.
Und ich wollte schreiben, dass es da noch eine Sache gäbe, die sie beide lernen könnten.
In diesem Sommer. Wenn genug Mut da ist.
Und zwar das Schwimmen.

Emilian hat im letzten Sommer einen Schwimmkurs gemacht und er hat schwimmen gelernt. Oder er hätte. Am Ende war nicht genug Zeit und nicht genug Mut da.
Und dann hat er sich nicht mehr so ins Wasser getraut.
Am Strand und in der Badewanne sind sie die wilden Kerle, aber ins tiefe Wasser trauen sich beide nicht so.
Emilian wird in der 3. Klasse Schwimmunterricht haben und er hat scheinbar kein Bedürfnis, das Seepferdchen-Abzeichen vorher zu bekommen. Und Liam hat in den letzten Tagen mal überlegt, ob er einen Schwimmkurs machen soll.

Gestern Nachmittag waren wir am Pool bei der Schwester meines Mannes verabredet.
Es war so heiß draussen, wir waren alle sofort im Wasser.
Liam war mit je drei Schwimmscheiben am Arm im Wasser und Emilian saß am Rand, die Füße im Wasser. Die Cousinen tobten und schwammen und tauchten wie wild – aber sie lachten unsere Jungs nicht aus, sie machten ihnen Mut.

Liam schwamm dann mit den Schwimmscheiben durch den Pool und Emilian tippelte außen herum. Mein Mann und ich dachten laut darüber nach, was denn eine gute Belohnung für großen Mut im Pool sein könnte. Liam hörte nur das Wort „Belohnung“ und zog sich sofort vier Schwimmscheiben ab. Mit den beiden letzten Scheiben strampelte er mutig quer duch den Pool.

Emilian schnappte sich die vier freien Scheiben.
Dann brauchte er nur zwei.
Und am Ende schwammen beide Jungs ohne Schwimmhilfen im Pool.
Einfach so. Einfach so! Mal wieder überrascht!

Ich bin stolz und freue mich auf den Sommer mit den Jungs!

 

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Die Sache mit der glücklichen Mutter

Wenn ihr jetzt bei uns vorbei kommen würdet, würdet ihr dieses Bild sehen:

Mama sitzt draussen in der Sonne und bloggt.
Jari liegt neben ihr im Kinderwagen und schläft.
Die beiden Großen sitzen im Wohnzimmer und malen.
Neben ihnen steht ein voller Obstteller.

Das ist wieder das „Heile Welt“-Bild, dass zu uns passt, oder? 😉

Aber die Realität sieht anders aus.
Normal. Schmutzig. Ehrlich.
Wie bei allen anderen Familien auch.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter

Kennt ihr schon von mir.

Auch, wenn meine Kinder gerade friedlich nebeneinander sitzen bzw. schlafen und ich in der Sonne sitze, haben wir Stress, Streit und Sorgen. Auch, wenn ich übe, schöne Fotos zu machen, tobt auf der Seite hinter der Kamera das Chaos. Glaubt mir das.

Ich bin nämlich heute an Tag 3 von 5 ohne Papa. Dazu ohne Auto. Und fast ohne Geld.
Mein Mann klettert mit 160 anderen Männern durch schottische Berge. Ich bin sehr stolz auf ihn und werde euch mehr erzählen, wenn ich mehr weiß. Falls. Zu dem Wochenende gehört nämlich, im Vorfeld fast nichts darüber zu wissen. Handys sind auch nicht erlaubt und so sind das die ersten Tage in unserer 12jährigen Beziehung, in denen wir absolut nichts voneinander hören. Also mir fehlt er.

Ich werde euch mal erzählen, was noch so zu unserer „Heilen Welt“ gehört:

– Um mich herum stehen zwei volle Wäscheständer. Die dritte Maschine läuft.

– Der Küchenboden ist so unglaublich dreckig. Seit Tagen Wochen nehme ich mir vor, ihn zu putzen. Die jährlichen Ameisen in der Küche waren nur kurz da. Wahrscheinlich ist es selbst denen zu eklig.

– Am Morgen wurde ich mit kleinen scharfen Patschern ins Gesicht geweckt. Das Baby fand, es sei Zeit zum Aufstehen. Als ich dann endlich aus dem Bett kam, war die Windel so voll, dass ich Jari erstmal in die Wanne setzen musste.

– Weil wir uns nicht auf ein Frühstück (Brot, Müsli, Pancake) einigen konnten, schlug ich Crêpes vor. Emilian erinnerte sich sofort an Korsika, da gab es Crêpes mit Erdbeeren und Nutella. Weil wir aber keine frischen Erdbeeren hatten, fragte ich die Jungs, ob sie zum ersten Mal allein schnell zu Lidl gehen wollte. (Ich hatte nämlich noch den Schlafanzug an…) Liam war sofort begeistert und hatte in einer Sekunde die Schuhe an. Emilian zögerte sehr, aber weil Liam unbedingt wollte, ging er mit. Klappte alles wunderbar. Seitdem fragt Liam im Minutentakt, ob ich nicht noch etwas von Lidl brauche..

– Wir machten uns also ein schönes Frühstück.
Die Kinder waren sehr begeistert!
Zur Realität muss ich jetzt aber auch die verbrannten Finger, den Zucker überall und das Nutella-Baby (frisch gebadet, ihr erinnert euch) erwähnen.

 

– Nach dem Essen schickte ich die Jungs nach draussen. Wir hatten nämlich gestern zusammen Erdbeeren eingepflanzt und die sollten sie nun gießen. Jari brauchte wieder eine neue Windel und die volle, volle Windel fiel mir vom Wickeltisch. Offen. Auf den Teppich.

– Danach wollte ich duschen gehen. Ich wies die Jungs genau an, auf Jari zu gucken, nahm ihn aber dann doch lieber mit ins Bad. Man kann nie wissen. Jari tappelte also im Bad zwischen Zahnbürsten und Klobürste hin und her und ich beobachtete ihn. Zweimal musste ich kurz rausspringen, um schlimmeres zu verhindern.

– Passend zum Thema:
Vor ein paar Tagen saßen eine Freundin und ich gerade gepflegt bei Kaffee und Kuchen. Stellt euch zu dem „gepflegt“ vor, dass vier große Jungs um uns herum sprangen und mit Waffeln, Erdbeeren, Puderzucker und Sahne um sich warfen. Inmitten dieser Kaffeetafel fiel nicht auf, dass Jari gar nicht da war und in diesem Moment kam er mit der Klobürste in der Hand um die Ecke.

– Am Donnerstag holte ich Liam und einen Freund ab, während seine Mama unsere beiden Großen aus der Schule abholen sollte. Ich spielte mit den beiden Kindergartenkindern und Jari im Garten, als die Mama schrieb: „Ich kann sie nicht finden.“ Der Schulhof ist groß und unübersichtlich, ich machte mir erst keine Sorgen, aber sie waren nicht da. Nicht bei ihnen, nicht bei uns, nicht auf dem Weg.

Hatte ich nicht erst vor ein paar Tagen hier geschrieben, dass ich nie wieder ein Kind suchen wollte? Ich mag dieses beklemmende Gefühl überhaupt nicht. Und ich hatte hier die drei Kleinen und kein Auto, mein Mann war ohne Handy im Flugzeug – und konnte nichts tun, ausser Gott zu bitten, alles gut werden zu lassen.
Währenddessen wollten die beiden Kita-Kinder losgehen, den Großen entgegen und Jari war gerade dabei, den Ameisenköder in den Mund zu stecken zu entdecken. Inmitten allen Chaos schrieb sie dann: „Ich hab sie! Sie hatten eine Stunde früher Schluss und sind zu unserer Nachbarin gegangen.“
Ihr könnt euch vorstellen, was uns beiden Mamas durch Kopf und Herz ging.

– Liam fiel gestern in seinem Hochbett nach Bettgehzeit eine Treppenstufe herunter und verletzte sich ein bißchen am Fuß. Heute, ganz nebenbei, beichtete er mir, dass er mich angelogen hatte. Er war gar nicht zur Treppe abgerutscht, sondern er war verbotenerweise noch auf dem Hochbett herumgeklettert und dabei abgerutscht.

– Ich nahm mir letzte Woche vor, an diesen vier freien Abenden endlich mal wieder alleine meine Netflix-Serie weiterzugucken. Mit Wein. Auf der Couch.
Haha!
Die Realität ist, dass ich am Donnerstag nach 22:00 Uhr noch Muffins für unser MOPS-Treffen machte und danach noch ein Überraschungspaket für eine Freundin packte, das unbedingt weg musste. Der Wecker am nächsten Morgen klingelte um 6:30 Uhr und ich war sehr froh, dass Emilian von der Oma zur Schule gefahren wurde. Das hätte ich mit drei Kindern nicht so locker geschafft.

Ihr seht: Alles ist ganz normal!
Wirklich.

Wir hören Hörspiele und singen zusammen – aber wir schreien uns auch an.
Wir pflanzen zusammen Blumen ein – aber wir knallen auch mit den Türen.
Wir essen leckere Obstteller leer – aber es gibt auch ungesundes FastFood zu ungesunden Zeiten.
Wir üben Kopfrechnen und 1×1 – aber wir vergessen auch Diktate und Hausaufgaben.
Wir spielen lange und laut draussen im Garten – aber wir laufen auch mit dreckigen, nassen Füssen über helle Teppiche.
Wir lieben uns – und wir streiten uns.

Manchmal möchte ich weinen.
Manchmal möchte ich laut loslachen.
Manchmal möchte ich mit der Hand auf den Tisch schlagen.
Manchmal möchte ich High Fives an die Jungs verteilen.

Inzwischen ist der Obstteller leer, die Kinder trampeln mit Gartenfüßen durchs Kinderzimmer.. oder durch unsere frisch bezogenen Betten, ich muss Wäsche abhängen, damit die nächste Platz hat und ach ja.. wollte ich nicht ein paar Bücher für meine Doula-Weiterbildung lesen?

Habt einen schönen Samstag-Nachmittag!

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1 Jahr später

Wisst ihr noch, was vor einem Jahr passiert ist?

Vor einem Jahr war ich mit Jari beim Arzt und die Kinderärztin schickte uns mit ganz ernstem Blick ins Krankenhaus. Unterernährung und Gewichtsabnahme war das Problem. Eine Stoffwechsel- oder Schilddrüsenerkrankung sollte ausgeschlossen werden.

Ich hatte ihn, wie auch seine Brüder. voll gestillt. Und er gehörte, wie auch seine Brüder, zu den kleinen, leichten, zarten Kindern. Aber dass er nun Gewicht abnahm und trotzdem voll gestillt war, war nicht gut.

Letztendlich wissen wir nicht, was los war.
Entweder war meine Milch nicht gehaltvoll genug.
Entweder schlief er zu schnell ein, ohne sich satt zu trinken.
Entweder hatte ich mit dem dritten Kind doch zu wenig Ruhe.
Oder es war doch etwas ganz anderes.

Ich konnte ein bißchen weiter stillen und machte zum ersten Mal Erfahrungen mit einer Milchpumpe. Für mich als überzeugte „Jede Frau kann stillen und Muttermilch ist das Beste für das Baby“-Mutter war das ein harter Schlag. Ich hatte ja Milch! Und ich konnte und wollte ja stillen!
Aber als Jari erstmal gemerkt hatte, wie leicht und schnell die warme Flaschenmilch in den Bauch gluckert, war die Brust ihm egal. Und diesen Kampf gab ich auf, fütterte ihn mit beiden Milch-Sorten per Flasche und ließ ihn glücklich wachsen.

Und das tat er auch!
Wir alle konnten und wollten abwechselnd die Flasche geben und konnten fast zusehen, wie er Speckröllchen ansetzte und gesund und munter wurde.
Von allen dreien hat er mit Abstand die engste Beziehung zum Papa, was uns alle freut und was vielleicht mit der Flasche zu tun hat.

Ich konnte das Thema „Stillen“ schnell abhaken und mich damit abfinden, nach 6 Monaten eben abzustillen. Hat ja nicht nur Nachteile. Aber noch immer mache ich mir Vorwürfe, wie das passieren konnte. Und die Fotos von vor einem Jahr anzusehen, fällt mir schwer.

Wir sind sehr froh und dankbar für Jari.
Morgen ist er 15 Monate alt.
Wir haben ihn alle so sehr ins Herz geschlossen, können uns ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen und müssen jeden Tag viel über ihn und mit ihm lachen.

Wenn die beiden Großen mal genug voneinander, von uns, von Schule oder Kita haben, brauchen sie Jari. Er darf dann bei Liam mit auf dem Bauch auf dem Teppich liegen und Hörspiele hören. Oder er darf in Emilians Zimmer, was sonst keiner darf, und Lego „bauen“ oder Bücher angucken. Liam fragt jeden Tag, wann Jari endlich mit in sein Zimmer ziehen kann. Jari juchzt, wenn er die Brüder am Morgen oder nach der Schule endlich wieder sieht!
Gestern saßen sie alle drei im Hochbett und Emilian hat zum ersten Mal allen vorgelesen! Haach.

Zur Zeit entdeckt Jari zum ersten Mal auf eigenen Füßen unseren Garten. Er tippelt und tappelt. Er beobachtet hier eine Kellerassel und fässt dort mal ein Blatt von einem Busch an. Er klettert die Leitern hoch, er blinzelt in die Sonne, er hält inne und hört die Vögel und zeigt sie uns in Babyzeichensprache. Genauso die Eichhörnchen. Er ist sehr aufmerksam und wir lieben es, ihm neue Zeichen beizubringen. Er hat die süßesten Speckbeinchen und die goldigsten Locken. Er hat klare wache blaue Augen und ein verschmitzes Grinsen. Er ist witzig, furchtlos, voller Schalk und Charme, liebevoll, mutig, anhänglich, beweglich und abenteuerlustig. Er schläft gut und isst gut. Mit allen Sinnen.

Jetzt, nach einem Jahr, haben wir aufgehört, ihm Flaschenmilchpulver zu geben. Er bekommt nachts nach Bedarf Kuhmilch und tagsüber Wasser. Mit seinen 6 Zähnen kaut er gern und kann fast alles mit uns mit essen. Wir brauchen kein Milchpulver, keinen Haferbrei, keinen Griesschleim und fast keine Gläschen mehr. Kein Flaschen abkochen mehr, kein Wasserkocher-Stress mehr, kein Vaporisator mehr.

Natürlich schmerzt mein Herz. Ein Baby wird groß!
Hat jemand gesagt, das sollte das letzte Baby sein?

Aber diese Phase jetzt ist so wundervoll.
Ein wundervoller Sommer zum Lernen, Entdecken und Frei sein liegt vor ihm.
Er ist einerseits schon so mutig und frei und rennt durch seine Welt – und andererseits braucht er noch so viel Nähe und Gekuschel und Getragen werden und Umarmungen.

Wir sind so froh, dass es ihm gut geht und dass er perfekt zu uns passt!

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