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Ein-Kind-Mama

In dieser Woche bin ich alleine mit Jari.
Die großen Jungs sind noch mit Oma+Opa im Urlaub.
Mein Mann ist dienstlich in Kalifornien unterwegs.

Dass wir beide hier sind, kam irgendwie spontan, weil lange nicht fest stand, wann genau die Flüge sind, ob ich mit Jari noch bei den Jungs bleibe oder ob sogar alle drei Jungs bleiben und wir zu zweit nach Kalifornien fliegen.

Und habe mir das schön vorgestellt, nur Jari und ich. Ich wollte viel schaffen und viel lesen und eben viel mit Jari sein. Ich hab mich an die Zeit mit nur einem Kind erinnert, wie viel Zeit ich da hatte und wie ruhig die Tage waren… Im Moment wäre ich aber lieber mit ihm irgendwo bei den Kindern oder noch lieber natürlich auch in Kalifornien! Es ist ein bißchen einsamer und langweiliger, als ich dachte.

Jari langweilt sich. Er versteht nicht, warum die Brüder und der Papa weg sind. Er guckt in die Zimmer und zeigt auf die Fotos – und er hängt und klebt an mir, damit ich nicht auch noch gehe. Was er sich wohl denkt? Wenn ich einen Löffel in die Spülmaschine stecke, steht er neben mir und holt zwei wieder raus. Wenn ich Wäsche lege, ist er da und räumt aus, was ich eingeräumt habe. Ich hatte das etwas anders geplant. Ich wollte viel putzen, schreiben, lesen, abarbeiten, vorbereiten und so.

Aber was ich nicht fertig schaffe, lasse ich eben liegen – das sieht ja jetzt niemand. Spätestens Freitag muss ich fertig sein. Ich gucke Serien, die mein Mann nicht mitgucken würde und ich esse, was ich mag. Ich gehe schlafen, wann ich will und wir stehen auf, wann wir wollen. Aber irgendwie ist es trotzdem ganz anders, als damals, mit nur einem Kind. Was habe ich damals nur gemacht?

Ich war schon früher nicht die Mama, die gerne stundenlang auf dem Boden saß und imaginären Kuchen gegessen hat und sich imaginäre Wunden hat verarzten lassen. Und Jari spielt so noch nicht. Er mag Bücher, Bälle oder kleine Stapel-Spiele, aber länger als 3 Minuten spielt er nicht alleine, wenn ich nicht dicht daneben bin. Eher räumt er eben hundertmal in der Küche das IKEA-Kinderbesteck aus, als mit einem Auto über den Teppich zu brummen. Und nach 30 Minuten auf-Mamas-Schoß-sitzen kommen dann vielleicht mal 3 Minuten Ball-durchs-Haus-kicken.

Damals musste ich mich sehr dran gewöhnen, mit Emilian zu reden – obwohl er ja die ersten 2 Jahre kaum Antworten geben konnte. Ich fand es einfach merkwürdig, so halb mit mir selbst zu reden. Und jetzt geht es mir ähnlich. Wenn wir alle hier sind, ist Jari immer mittendrin und hört alles und sieht alles und lebt auf in unserer Lebendigkeit. Jetzt ist es still. Ich erinnere mich tagsüber, dass ich ja mit Jari reden könnte. Ich schätze die Zweisamkeit, seine Gestik und Mimik für mich allein zu haben – und er schätzt genauso die ungeteilte Aufmerksamkeit, die er bekommt.

Er langweilt sich, vielleicht. Er kennt dieses Leben nicht. Er kann sich grad nicht so gut alleine beschäftigen – obwohl alles da ist. Das ist er einfach nicht gewohnt. Er ist noch zu klein, um länger alleine im Zimmer zu spielen und schon zu groß, um einfach mit kleinen Snacks und Wäscheklammern auf dem Boden beschäftigt zu werden.

Unser Haus ist keine Wohnung mehr, durch die ich in 10 Schritten gehen kann. Es gibt mehr Zeug, mehr Zimmer, mehr Dreck, mehr Wege, mehr Arbeit und mehr Ecken, die scheinbar die letzten 3-6 Jahre kaum beachtet wurden.

Heute habe ich richtig viel geschafft.
Ich habe alle Stühle und Tische abgewischt – sind die nur bei uns so schmutzig? Ich habe ein paar Fenster geputzt, Schränke und Heizungen gewischt. Das alles dauerte vielleicht 2 Stunden – dafür brauche ich sonst Wochen! (Und wenn ich am Ende bin, ist der Anfang sowieso wieder dreckig) Wir waren zusammen spazieren und einkaufen und in der Mittagspause habe ich für meine Weiterbildung den Geburtsbericht von Emilian aufgeschrieben. Wir haben mit Papa geskypt, Kekse gegessen und draussen mit Wasser gespielt.

Und ich habe mir gedacht, ich schreibe mal drei Tipps für frische Ein-Kind-Eltern auf.
Vielleicht helfen sie. Ich glaube, mir hätten sie geholfen.

 

1. Seid entspannt mit dem Haushalt!
So viele neue Mamas oder Papas haben vielleicht den Eindruck, niemals mit der Arbeit fertig zu werden. Küche. Wäsche. Einkauf. Kleidung. Garten. Ich war auch so. Wenn etwas dreckig war, habe ich geputzt. Wenn etwas dran war, hab ich es gemacht. Ich hab mir wenig Pausen gegönnt. Wie sauber unsere Böden waren! – Und jetzt denke ich: „Egal. Wird ja eh wieder dreckig, kann also noch so 1 oder 2 Tage oder Wochen warten.“ Und das sage ich nicht, weil ich nicht die Zeit hätte. Ich habe manchmal einfach keine Lust!

Der Haushalt wartet, Leute.
Die Kindheit nicht.
Unser Alltag ist ihre Kindheit!

Mit einem Kind hab ich ziemlich viel Wert auf Sauberkeit gelegt. Bei zwei Kindern konnte und musste ich lernen, Dinge liegen zu lassen und Böden dreckig zu lassen. Und jetzt mit drei Kindern habe ich es sogar schon ein einziges Mal geschafft, nicht zu putzen, bevor Besuch kam. Aber das hat sich echt komisch angefühlt.

Bügeln ist unnötig und Wäsche sortieren können die Kleinen auch.
Und um Hilfe bitten dürft ihr.
Das kann man auch lernen.
Aber das ist nochmal eine andere Geschichte.

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2. Gönnt euch Pausen!
„Schlafe, wenn das Kind schläft!“
Bla bla bla. Wer macht denn sowas? Die Zeit wird gefälligst genutzt! Duschen. Schreiben. Abwaschen. Bügeln. Wäsche aufhängen. Telefonieren. Nägel lackieren. Kochen… Und tatsächlich mache ich mit Kind Nummer 3 so viel Mittagsschlaf, wie nie vorher. Dabei gibt es so viel zu tun, wie nie vorher. Aber egal. Kaffeepause. Mittagspause. Freundinnenpause. Großer-Sohn-Pause. Ehe-Pause. Durchatmen. Arbeit links liegen lassen. Kopf ausschalten. Lachen. Kraft tanken. Immer wieder zwischendurch, nicht erst abends nach 22:00 Uhr, wenn sowieso kaum Kraft da ist.
Die Kinder und Partner brauchen euch gesund und fit und gut gelaunt und wach.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!

Und Glück und Zufriedenheit kommt, wenn wir uns Zeit für uns nehmen, uns entspannen, uns schön machen und fühlen und mal zwischendurch nur an uns denken. Ein Glas Wein. Eine Serie. Ein Schwimmbad-Besuch oder ein Abend mit Freundinnen. Hat noch keinem geschadet. Und die Männer kommen mit den Kindern viel besser klar, wenn wir mal so richtig weg sind. (Das heißt nicht, dass sie die Kinder ordentlich anziehen…)

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3. Macht mehr Kinder!
Wirklich.
Vielleicht kann sich das keiner vorstellen, aber es wird mit mehr Kindern einfacher!

Geschwister sind ein Geschenk.
Für Eltern und Kinder.
(Natürlich hängt das ein bißchen von den Umständen und zum Beispiel dem Alterabstand ab. Ich könnte jetzt nach 11 Jahren Ehe locker 6-8 Kinder haben – und würde dann weder bloggen noch lackierte Nägel haben noch jetzt um 21:30 Uhr lebendig am Wohnzimmertisch sitzen)

Der Wechsel vom Paar-sein zum Eltern-werden ist unglaublich. Alles ändert sich. Auch, wenn das Kind an sich kaum auffällt, wie es mit Emilian war, braucht man irgendwie doch mehr Zeug und denkt plötzlich für jemand anderen mit und ist etwas weniger frei. Der Wechsel zum 2. Kind war bei uns ordentlich turbolent. Emilian war mit seinen 2 Jahren doch noch klein und ich war tagsüber lange alleine mit den beiden Jungs im neuen Haus mit vielen Baustellen. Und jetzt genieße ich es sehr, dass die beiden einen kleinen süßen Bruder haben und dass der kleine Jari so tolle große Brüder hat.

Sie sehen sich.
Sie helfen sich.
Sie denken mit.
Sie lernen voneinander.
Sie gehören zusammen.
Für immer.

Niemand von ihnen würde beim Tisch decken nur einen Teller hinstellen. Wenn Liam irgendwo eine Süßigkeit bekommt, fragt er grundsätzlich, ob er noch eine für seinen Bruder haben darf. Wenn Emilian sieht, dass Jari beim Spaziergang zurück hängt, flitzt er zu ihm, hebt ihn hoch und schleppt ihn wieder zu uns. Wenn ich einen Nuckel suche, findet einer der beiden Brüder ihn zuerst. Wenn Jari sich weh getan hat, ist sofort ein Bruder zur Stelle. Wenn ich so etwas wie eine Neuigkeit oder eine Absprache mit Emilian oder Liam teile, dann dauert es nicht lange, bis ich sie tuschelnd irgendwo entdecke und ahne, über was sie reden.

Ja, es ist anstrengend.
Und unser Körper macht nicht immer so wunderbar mit.
Und es ist laut.
Und dreckig.. meine Güte.

Aber es ist die Mühe wert.
Es ist ein großes Glück.
So viel Liebe.

Und wenn ihr Mamas jetzt die Hormone in euch spürt und euer Kind anschaut und seufzend lächelnd an die erste Baby-Zeit denkt… Ja genau! Eins geht noch!

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Hallo Juli!

Das Wetter passt.
Das Ferien-Gefühl passt.
Die Sommer-Stimmung passt.
Wir freuen uns auf den Juli!

Im Juli werde ich…

… ein neues Beet in meinem Garten bepflanzen.
… Himbeeren und Erdbeeren und Johannisbeeren und Heidelbeeren vom Feld ernten.
… kleine Zeugnis-Geschenkes packen.
… mit der Familie das Ende des Schuljahres feiern.
… meinen schwarz-rot-gold Nagellack von den Füßen entfernen.
… unsere Sommer-Liste schreiben.
… Ostsee-Urlaub-Koffer packen.
… WM-Fußballspiele ansehen.

… ausschlafen.
… zum letzten Mal zur Doula-Weiterbildung vor der Sommerpause haben.
… das MOPS-Jahr mit dem Thema „Free Indeed“ mit einem Sommerfest beenden.
… ausschlafen.
… das Meer sehen!
… meine Füße in den Ostseesand stecken.
… Eis und Fischbrötchen am Meer essen.
… meinen Mann nach Kalifornien verabschieden.
… viele Bücher und „Hausaufgaben“ lesen.
… an viele Geburtstage denken.
… den Garten fit machen.
… Sommer in Berlin genießen.
… mit der Familie Urlaub machen.
… Eiskaffee trinken.

 

(Ich fülle Kaffee in Eiswürfelbehälter und friere ihn ein. Später gieße ich 5-7 Eiswürfel mit Milch auf. Lecker!)

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12 von 12 im Juni

Wenn mich heute das Handy nicht an den 12. erinnert hätte, hätte ich es mal wieder vergessen.
Die Nacht war nämlich interessant… Jari hatte gestern irgendwie Zahnschmerzen oder Bauchschmerzen oder sonst eine Phase.. und er hat den ganzen Tag gejammert und gequengelt und am Abend und gegen Mitternacht wurde es dann zu richtigem Weinen. Wir wussten nicht, was wir ihm tun konnten. Mein Mann legte sich zum Schlafen hin, weil er mit Emilian immer früh aufsteht. Und ich lag da mit Jari und er wuselte und halb schlief er/halb weinte er. Irgendwann erinnerten wir uns, dass wir noch Kümmel-Zäpfchen aus Baby-Kolik-Zeiten hatten. So eins bekam er dann. Er legte sich platt auf mein Kissen und pupste ein bißchen. Schonmal gut. Aber dann schlief er nicht etwa selig ein – sondern er lachte und queitschte und schleuderte alle Nuckel durchs Zimmer und juchzte – und war süß. Aber wach.

Wann wir dann eingeschlafen sind, weiß ich nicht mehr.
Aber ich weiß, dass ich heute müde war.

Dienstag sind die Jungs aber bis zum Nachmittag unterwegs und ich hatte einen ruhigen Vormittag mit viel Zeit für Jari und mich.

1. Am Morgen ist Jari aus seinem Bett gleich ins Bett des großen Bruders geklettert. Er hat ihn da vergeblich gesucht, denn der war ja schon in der Schule.

 

2. Beim nächsten Bruder hatte er dann mehr Glück.

 

3. Ich hab Liams Anzug aufgehängt. Am Samstag ist das erste Geigen-Vorspiel.

 

4. Und dann konnte ich mir viel Zeit für Teil 22 der Fragen aufm Blog nehmen.

 

5. Jari ist wieder fit und beschäftigte sich fast selbst.

 

6. Ein Foto für den anderen Blog-Eintrag.
Werdet ihr sehen.

 

7. Und das auch. Es geht um Dusch-Rituale.

 

8. Eine kurze Pause in der Sonne hatte ich auch.
In der Zeit telefonierte ich Krankenhäuser durch, um einen Praktikumsplatz als Doula zu bekommen.

 

9. Und ähm.. Mittag.
Erst 15:30, als alle Kinder wieder da sind.

 

10. Und mehrmals hintereinander gewinne ich den Preis für die „dreckigsten Küche Berlins“… haha
Ich kann echt nicht glauben, wie schlimm es hier aussieht und ich würde NIE wieder einen weißen Küchenboden aussuchen. Aber: Wir genießen Sommertage, hier leben drei Jungs und so ist es eben. Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!

 

11. Emilian hat sich schon lange gewünscht, Zeit mit Mama allein zu haben. Also waren wir gestern Fahrrad fahren. Einfach nur wir beide. Durch die Felder. So schön!

 

12. Und dann hatte ich heute noch diese Idee…
Spaß muss sein.

 

Bei Caro in der Liste bin ich heute Nummer 38.
So früh bin ich mal!
In ein paar Stunden lade ich dann noch Teil 22 der 1000 Fragen hoch.
Bis später!

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Große Jungs

Es ist mal wieder Zeit, ein bißchen was von den großen Jungs zu erzählen. Die sind nämlich ziemlich cool. Das geht hier irgendwie unter, wenn ich so viel von Jari schreibe. Und von mir.

Es heißt ja oft: „Sie werden so schnell groß, haach, haach.“ Und natürlich werden sie groß. Und das ist allerdings auch gut so. Es ist so schön, sich richtig mit den Großen unterhalten zu können. Dinge erklären. Von ihnen lernen. Absprachen treffen. Gemeinsam arbeiten. Erfolge feiern. Vertrauen und Loslassen.

Wir haben das Glück, die Großen und den Kleinen zu haben. Und das sind echt schöne Phasen gerade.

****

Zuerst mal Emilian.
Dieses Kind überrascht mich immer wieder!
In meiner Erinnerung hing es die ersten 5 Jahre komplett an meinem Rockzipfel, mit zitternder Unterlippe und feuchten Augen.
Ja, er war schon immer der, der Paleontologe werden möchte, bis heute. Er hatte schon immer diesen feinen Humor und das gewisse Dreikäsehoch-Gen. Aber ach, er war so ängstlich und zurückhaltend. „Mama, ich bin jetzt wieder schüchternd.“

Ich kenne das von mir und hab mich oft in ihm wiedergefunden. Und bei mir dauerte diese Angst und Unsicherheit lange.. genau weiß ich gar nicht, wann ich sicherer und selbstbewusster wurde. Bestimmt erst Anfang 20, würde ich sagen? – Und zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich meinen Erstgeborenen wohl ähnlich eingeschätzt habe. Und dann kam die Einschulung, ihr wisst das, und er hat mich total vom Hocker gehauen.

Und seit dem ist er so sicher und so cool und so mutig geworden! Ich danke von Herzen der tollen Schule und den tollen Lehrern, die mit Sicherheit ihren Teil dazu beigetragen haben. Ich meine, er macht Buchvorstellungen in der Schule, ohne eine Spur von Aufregung. Er diskutiert und setzt sich für die Schwächeren ein. Er sucht sich tolle Kinder als seine Freunde aus.

Ich bin im Rückblick dankbar und stolz, dass ich mir die Zeit für ihn genommen habe, die er brauchte. Dass ich als seine Mama ihn ernst genommen habe. Das war nicht immer einfach.
Wenn alle Kinder losgetobt sind und eins bei Mama blieb.. „Ach ja.. Emilian.. naja, dann kommt er eben später.“
Übernachtungen gingen nicht. (Das fängt jetzt erst an.) Besuche bei Freunden ohne Mama gingen nicht. Kinderbetreuung bei IKEA ging nicht. Fremde Kindergruppen gingen nicht. Einfach mal spontan Pläne ändern ging nicht.
Aber ich bin wirklich froh, dass wir das geschafft haben. Dass er den Mut gefunden hat und ich trotz verständnisloser Blicke seine Hand gehalten habe, bis er bereit war, loszulassen.

Vorgestern auf dem „Jahrmarkt“ hat er sich allein mit seinem eigenen Geld an eine Bude gestellt und einen kandierten Apfel gekauft. Ganz allein!
Überhaupt war das vorgestern der Kracher auf dem „Rummel“, wie es früher hieß. Die beiden Jungs, zum ersten Mal mit eigenem Taschengeld und keiner Mama, die immer sagt: „Das ist zu teuer, das gibts woanders auch, das hält eh nicht lange, mimimi..“
Ich hab sie rennen lassen und sie waren so glücklich!
Euro-Zeichen in den Augen.
Süße Lippen vom kandierten Apfel und der Zuckerwatte.
Plastik-Spielzeug im Gepäck.
Zerzauste Haare vom Karussell fahren.
Die großen staunenden Augen in alle Richtungen.
Wie früher, oder???

Emilian möchte noch immer Dino-Forscher werden, obwohl er feststellt, dass es auch andere tolle Berufe gibt. Noch immer hat er seinen Humor, bringt uns alle zum Lachen und kann selbst ganz kindlich und unbeschwert aus voller Kehle lachen. Er übt immer wieder, über seinen Schatten zu springen. Er kennt sich in einigen Themen besser aus, als wir alle zusammen. Er ist so wissbegierig und interessiert.
Zum Beispiel sagte er mal auf der Autobahn, als wir eine gewohnte Strecke fuhren:
„Können wir mal dahin fahren, wo wir noch nie waren und mal gucken, was da los ist?“

Er erzählt so gern Witze, bringt die coolsten Moves mit nachhause, kann den Zahnseide-Tanz und überhaupt kann er dancen! Er bewegt sich gern und klettert wie ein Affe. Er hängt gern im Hängesessel, auch mal für die Hausaufgaben, und braucht zwischendurch immer mal ein paar Minuten für sich. Er liebt Hörspiele und Hörbücher und saugt dieses Wissen in sich auf.
Einmal sagte er:
„Mama, ich hab in der Schule ein neues Buch zum Lesen bekommen und ich hab erstmal hinten drauf den Trailer gelesen.“

Er hat viel Liebe für seine Brüder. Unermüdlich flitzt er mit Jari und gackert, wenn Jari gackert. Mit Liam heckt er Streiche aus, spielt Fußball und kriecht mit ihm als Ninja/Indianer/Forscher/… durchs Gebüsch.

Mit Mama in der Achterbahn.
Hat viel Überwindung gekostet.

Und neben dem ganzen größer-werden ist er aber immernoch mein Baby. Mein großes Baby. Abends kann er nicht einschlafen, wenn ich nicht gebetet und mit ihm geredet habe. Manchmal braucht er Mama-Zeit und dann spielen wir zum Beispiel Scrabble, weil das die Kleinen noch nicht können. Manchmal gehen wir Hand in Hand den Schulweg und ich bin so froh, dass ich das noch darf. Zum Abschied in der Schule gibts ein HighFive und er lacht sein helles Lachen, wenn ich vor Schmerz aufschreie. Wenn ich ihn abhole, kommt es noch vor, dass er mir über den ganzen Schulhof entgegen rennt und in meine Arme springt. Ich mag das!

Ich bin sehr stolz auf ihn!

****

Und dann Liam.
Liam ist ein Kracher.
Liam musste die Welt nicht kennenlernen – die Welt musste Liam kennenlernen!

Er denkt und handelt und entscheidet total anders! Er hat Emilian mit seiner furchtlosen, unbekümmerten Art viel Mut gemacht und ihn bestärkt.

Das Bild zeigt die beiden Typen ziemlich treffend.

Liam stellt so viele Fragen. Er denkt sich nicht seine Wissenschaft –  manchmal finde ich, dass er gar nicht sehr viel nachdenkt – sondern er fragt. Und wir haben ja keine Ahnung, welche Gedanken es in Kinderköpfen gibt!

In meiner Sport DVD stellt die Trainerin ihre zwei Mitstreiterinnen vor. Eine dunkelhäutige macht die schweren Übungen und eine hellhäutige macht die leichteren Übungen. Die Trainerin zeigt auf die erste und sagt: „Wenn ihr so aussehen wollt, dann macht das, was sie macht!“
Liam sieht, dass ich ihre Übungen nachmache und fragt verblüfft:
„Echt Mama? Willst du echt so schwarz aussehen?“

Liam quatscht nicht, Liam macht.
Vor ein paar Tagen wollte er mir eine Freude machen und hat aus zwei Blumenständern auf der Terrasse alle Blumen einfach in die Wiese gepflanzt. Einfach ausgetopft, ein Loch gegraben und rein.

Er liebt Überraschungen. Mit viel Freude schließt er sich in der Küche ein und „bereitet Amendbrot vor“. Und wehe, jemand klaut ihm die Show. Dann steht an jedem Teller ein kleines Teelicht, er hat Namenszettel vorbereitet, es gibt wenig Brot mit viel Butter und halb-geschälte Möhren, dafür hunderte orange Fusseln in der ganzen Küche – aber seine Augen strahlen, wenn wir den Raum betreten und uns zusammen an seinen Tisch setzen.

Überhaupt schließt er sich ein, im Bad. Er fragt vorher, aber er macht zu. Das macht Emilian bis heute nicht. Liam führt dann Selbstgespräche oder frisiert sich lustige Frisuren. Oder er duscht.. das hat Emilian auch nie überlegt. Liam setzt dann das ganze Bad unter Wasser – aber er macht einfach.

Wenn im Geschäft eine Tür versperrt ist und ein großes „ALARM“-Schild davor steht, dann fragt sich Liam nicht, warum das so ist. Er drückt einfach mal die Klinke, schiebt die Sperre weg – und löst den Alarm aus.

Beim die-Wahrheit-sagen kann Liam uns richtig frech ins Gesicht lügen, so frech, dass es fast schon wieder offensichtlich ist. Wenn Emilian übrigens die Wahrheit nicht sagen will, probiert er es erstmal mit einem „Ich weiß es nicht.“ Immerhin.

Am Montag habe ich Liam mit zum Arzt genommen, als Jari eine Impfung brauchte. Die Ärztin impfte Jari aber wegen der großen Hitze nicht. Ich zeigte ihr spontan Liams Impfausweis und fragte, ob mal wieder was gemacht werden müsse. Und tatsächlich. Und zwar jetzt. Sofort.
Liam zog sich das Hemd aus und zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er die erste Impfung nach mehreren Jahren bekam!

Er weiß von Freunden, die bald heiraten und fragt sich, wie wohl ihr Baby aussehen wird. Dann fragt er: „Woher weiß denn der Bauch, wann sie verheiratet sind?“

Ungerechtigkeit hält er ganz schwer aus und er kämpft immer mal wieder damit, eben der Zweite zu sein. Emilian bekam ab der 2. Klasse Taschengeld, für Liam wird es Taschengeld wahrscheinlich schon ab der ersten geben. Dafür weniger.
Er ist ein sehr liebevoller und fürsorglicher Bruder für Jari, denn er ist endlich nicht mehr der Kleine.

Bei einem Streit unter den Jungs dürfen wir nicht nach Lautstärke gehen, denn dann würde Liam immer gewinnen. Liebe Nachbarn, es tut mir leid! Genau so wie Liam seine Trauer und seinen Schmerz zum Ausdruck bringt, eventuell manchmal etwas überspielt, genauso brüllend lacht er auch, bis wir uns Sorgen um seine Atmung – oder seine Unterhose machen. Stimmung kann er.

Und genau so plötzlich und leidenschaftlich kommt auch ein Liebesbeweis zwischendurch.
„Mama, weißt du, was ich dich hab? – Lieb!!“

Er ist sehr ehrgeizig und kann es kaum abwarten, die ersten Hausaufgaben zu bekommen. Dementsprechend übt er für sein erstes Geigen-Vorspiel in wenigen Tagen. Sein Papa wird ihn begleiten. Stolz ist gar kein Ausdruck. Bei beiden.
Liam spielt einen einzigen Ton, wenn ich das mal so platt sagen darf. Der Rhythmus macht’s natürlich – aber die wunderbare Musiklehrerin gibt ihm das Gefühl, als würde er als 6jähriger ein riesiges Konzert geben.. und sie pusht und lobt und fördert ihn – sodass er vom Geigenunterricht jedesmal ein Stückchen größer zurück kommt.

Überhaupt die Schule. Er kann. es. nicht. mehr. abwarten.
Gestern im Bett fragte er, warum denn die Einschulung unbedingt so weit weg sein muss?! Er weiß weder, wer in seine Klasse kommt, noch wer Klassenlehrer/in wird oder in welchen Raum es geht.. er ist einfach so aufgeregt. Ein ganz kleiner Teil in mir denkt: „Wer weiß, wie Liam uns zur Einschulung überrascht? Vielleicht wird er der, der das große Theater macht…“ Aber ich kann mir auch gut vorstellen, dass er nach der Einschulung am Samstag gleich bis Montag da bleiben möchte…

Und: Liam liebt Tiere! Sehr.
Wir haben ziemlich lange einen großen Bogen um Bauernhöfe und Streichelzoos gemacht, weil Emilian überhaupt nichts damit anfangen konnte.  Und dann stellten wir voller Überraschung fest, dass Liam Tiere liebt.
Ich finde das so schön, dass in einer Familie mit drei Jungs sich wirklich jeder seine Sache sucht, obwohl die Eltern manchmal viel zu blöd sind, das zu verstehen.

Es fing im Streichelzoo an, dann mit Tieren bei Freunden und Bauernhöfen und und und. Sogar wenn wir im Garten Vogelbabies piepsen hören, werden Liams Augen ganz sehnsüchtig und er sagt: „Ich würde so gern mal eins in der Hand haben!“ Wirklich, ich glaube, der wilde Kerl braucht ein Haustier.

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Trotz oder wegen ihrer Unterschiede sind die Jungs ein starkes Team.

Sie suchen und brauchen sich immer wieder.
Sie sind am See oder auf Spielplätzen trotz aller Durchgeknalltheit immernoch die eher ruhigen und vorsichtigen Kinder.
Sie teilen ihre Witze, ihre Süßigkeiten und ihre Spielzeuge.
Sie sind begeisterungsfähig und ehrlich in ihren Gefühlen.
Sie verbindet ein festes Band.
Sie tauschen sich aus und sind interessiert an den Erlebnissen des anderen.
Sie streiten, ja natürlich.
Aber sie lernen, mit Worten zu verhandeln, und nicht mit Händen und Füßen.
Sie sind füreinander da.


So. Und jetzt wollte ich den Beitrag langsam zum Ende führen.
Und ich wollte schreiben, dass wir sehr glücklich mit unseren großen Jungs sind.
Und ich wollte schreiben, dass es da noch eine Sache gäbe, die sie beide lernen könnten.
In diesem Sommer. Wenn genug Mut da ist.
Und zwar das Schwimmen.

Emilian hat im letzten Sommer einen Schwimmkurs gemacht und er hat schwimmen gelernt. Oder er hätte. Am Ende war nicht genug Zeit und nicht genug Mut da.
Und dann hat er sich nicht mehr so ins Wasser getraut.
Am Strand und in der Badewanne sind sie die wilden Kerle, aber ins tiefe Wasser trauen sich beide nicht so.
Emilian wird in der 3. Klasse Schwimmunterricht haben und er hat scheinbar kein Bedürfnis, das Seepferdchen-Abzeichen vorher zu bekommen. Und Liam hat in den letzten Tagen mal überlegt, ob er einen Schwimmkurs machen soll.

Gestern Nachmittag waren wir am Pool bei der Schwester meines Mannes verabredet.
Es war so heiß draussen, wir waren alle sofort im Wasser.
Liam war mit je drei Schwimmscheiben am Arm im Wasser und Emilian saß am Rand, die Füße im Wasser. Die Cousinen tobten und schwammen und tauchten wie wild – aber sie lachten unsere Jungs nicht aus, sie machten ihnen Mut.

Liam schwamm dann mit den Schwimmscheiben durch den Pool und Emilian tippelte außen herum. Mein Mann und ich dachten laut darüber nach, was denn eine gute Belohnung für großen Mut im Pool sein könnte. Liam hörte nur das Wort „Belohnung“ und zog sich sofort vier Schwimmscheiben ab. Mit den beiden letzten Scheiben strampelte er mutig quer duch den Pool.

Emilian schnappte sich die vier freien Scheiben.
Dann brauchte er nur zwei.
Und am Ende schwammen beide Jungs ohne Schwimmhilfen im Pool.
Einfach so. Einfach so! Mal wieder überrascht!

Ich bin stolz und freue mich auf den Sommer mit den Jungs!

 

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Hallo Juni!

Haach, der Mai war für mich schon so ein kleiner Sommer.
Es kann nur schöner werden!

Im Juni werde ich…

… unseren 11. Hochzeitstag feiern! <3
… Kirschen ernten. Und Erdbeeren ernten.
… zusammen mit Freundinnen an jedem Tag des Monats für unsere Kinder beten.
… zur Taufe meiner Cousine fahren.
… mit meinem Mann Kettenkarussell fahren!
… mit Papa Geburtstag feiern.
… zum ersten Mal einen Flohmarkt veranstalten.
… die WM feiern und viel Fußball gucken.
… eine schöne LadiesNight planen!
… Liams erstes Geigenvorspiel sehen.
… zum Zahnarzt gehen.
… im Garten grillen.
… meine Blumen gießen.
… vielleicht ein kleines Midsommar-Fest feiern.
… an den See fahren.
… Teil 3 meiner Doula-Weiterbildung besuchen.
… aufs Obstfeld zum Pflücken fahren.
… Liam beim Kita-Fest verabschieden.
… zum letzten Mal für die nächsten Jahre die Kita besuchen!
… mich mit Freundinnen treffen.
… die letzten MOPS-Treffen vor der Sommerpause planen.
… eisgekühlten Holunderblütenlikör trinken.
… mich auf die Sommerferien freuen.

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