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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Szenen aus unserem Alltag 9

auf 19. November 2014

Der November ist busy.
Termine, Veranstaltungen, Feiertage…
Viele reden davon, im Dezember alles ruhiger angehen zu lassen. Ich hoffe, das wird so sein, denn das wäre eine gute Erklärung für den Stress, den wir jetzt so haben..

 

* Immer wieder stellt uns die Tatsache, dass wir nur ein Auto haben, vor eine große logistische Herausforderung. Wie. mich. das. nervt. Kein Vergleich zu Berlin. Manchmal denke ich, je länger ich hier bin, desto mehr zieht es mich wieder nachhause. Ich KANN hier nicht leben! Aber dann gibt es Frauen, die mir schreiben: „Du bist the sweetest person, die ich je getroffen habe. – Ich bewundere dein Vertrauen in Gott. – Du darfst nicht wieder gehen. – Ich bin so froh, dich getroffen zu haben…“ Der Abschied wird mir schwer fallen, weil es ein anderer Abschied, als im Mai in Berlin seind wird. Wie gut, dass es heutzutage gute Möglichkeiten gibt, um in Kontakt zu bleiben.

 

* Vor zwei Wochen fiel Liam in der Kirche von einer kleinen Mauer und es gab einen dumpfen Schlag. Er weinte sehr. Ich nahm ihn hoch und tröstete ihn. Eine Frau kam ganz aufgeregt an und sagte: „Ich hab das Geräusch eben gehört, soll ich jemand rufen?“ Ich versicherte ihr, dass alles okay sei. Jedenfalls hoffte ich das. Bis jetzt ist noch nie etwas ernstes passiert. Ich dachte über die Worte der Frau nach und fragte mich, wen sie hätte rufen wollen. Meinen Mann? Den Krankenwagen? Das Erste-Hilfe-Team der Kirche? (Gibt es sowas?)
Ich bin Gott so dankbar, dass wir hier noch nicht einmal ärztliche Hilfe brauchten. Ich habe mir aus Deutschland Biotin-Tabletten gegen Haarausfall mitbringen lassen und habe vielleicht eine oder zwei Kopfschmerztabletten in der Zeit genommen. (Eine davon, als ich in Deutschland zur Hochzeit war und äh.. wenig Schlaf hatte.) Manchmal denke ich, dass ich gern mal wieder zum Zahn-, Frauen- oder Kinderarzt gehen würde.. nur kurz, um zu sehen, ob alles gut ist. Noch 4 Monate.

 

* Ich war mit Emilian unterwegs und ging ganz schnell in einen Laden, um Milch zu kaufen. An der Kasse stellte ich mich hinter einer älteren Dame an. Sie drehte sich zu mir um und … raunzte mich fast an: „Geh vor! Du hast ein Kind!“ (Nicht etwa: Du hast nur eine Milch.) Als ich mich vor und nochmal nach dem Bezahlen bei ihr bedankte, guckte sie nicht viel freundlicher und sagte: „Do the same to others.“ (Mach es bei anderen auch so) Ich weiß nicht, warum, aber sie kam mir so.. deutsch vor.

 

* Wieder eine tiefgängige Frage von Emilian während einer Autofahrt:
„Mama, warum haben Männer auch Haare an den Augen? In den Filmen haben nur die Frauen da Haare. Minnie Maus und Daisy haben welche und Micky Maus und Donald nicht…“

 

* Während der Sommerbibelschule im Juni war Jana Alayra die Sängerin für die Kinder. Ich habe bestimmt davon erzählt. Sie singt und tanzt und rockt vor tausenden von Kindern. Auch meine Jungs haben immer mal wieder ihre Zeilen gesummt und die Bewegungen dazu gemacht. Meine Freude war sehr groß, als es hieß, dass diese Jana eine unserer MOPS-Speakerin sein würde.
Auch die Mütter, die sie in den vergangenen Jahren bei MOPS gehört hatten, freuten sich sehr, unsere Tisch-Leiterin schrieb, sie würde eine extra Packung Taschentücher mitbringen… Ich war sehr gespannt.
Jana ist eine sehr sehr sympatische Frau, die locker-flockig von der Bühne redet und uns viel zum Lachen gebracht hat. Sie hat vier Töchter am Ende der Teenager-Zeit und konnte mit viel Humor über die Zeiten reden, in denen wir MOPS-Mütter stecken. Immer wieder erwähnte sie, wie schnell diese Jahre vorbei sein würden und dass sie es vermisst, auf die nackten Babypopos ihrer Töchter zu klatschen und an ihren kleinen Füßen zu riechen. (Schon im Alter von 5 Jahren rochen diese Füße nämlich gar nicht mehr gut, sagte sie kichernd)
Ich bin nicht so eine Frau, die in aller Öffentlichkeit ihre Tränen fließen lässt. Gar nicht. Aber wenn ich so eine wäre, dann würde ich das an jedem Freitag Vormittag tun. Am letztem Freitag ist es mir schwer gefallen, das nicht zu tun. Zwischen den Späßen, die Jana erzählte und neben den Liedern, die sie uns sang, erzählte sie nämlich ganz nebenbei, dass ihr Mann sie wegen ihrer besten Freundin verlassen hatte, als Jana mit dem zweiten Kind schwanger war. Dass sie Haus und Hund verloren hätte. Dass sie einen neuen Mann gefunden hätte, zwei Töchter von ihm bekommen hat und dass diese zwei Töchter so anders als die ersten beiden waren. So willensstark und dickköpfig und herausfordernd. Ganz am Ende erzählte sie, dass Tochter Nummer 2 im Alter von vier Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Dass sie weiß, dass sie sie im Himmel bei Gott wiedersehen wird, aber dass sie sie an jedem Tag vermisst. Dass sie es kaum abwarten kann, sie zu sehen.. Ob sie noch wie 4 aussehen wird.. oder wie 30, so alt wäre sie jetzt? Oder ob sie beide wie 4 aussehen würden? Sie erzählte, dass sie im Himmel herumhüpfen wird und sich fragen wird: „Wo ist sie??“ Und dass sie denkt, dass ihre Tochter sie vielleicht auch am Eingang erwarten wird. –
Ja, das tut weh im Herz. Aber sie spricht mit so viel Liebe und Vergebung und Vertrauen über ihr Leben.. es ist unglaublich!

Am Ende wurden die 3- und 4jährigen Kinder von ihren Betreuern aus der Kinderbetreuung in unseren Raum gebracht und Jana sang mit den Kindern. Emilian durfte dabei sein und war so stolz. Er sagte, er wollte nicht so gern mit den anderen auf die Bühne, aber er hätte am lautesten gesungen.

Ich habe eine DVD von Jana Alayra für meine Kinder gekauft und sie damit sehr glücklich gemacht!

(Emilian ist der kleine blonde im weißen Shirt, der vor der weißen Gitarre steht und so schön mit macht!)

 

 

* Am letzten Freitag hatten mein Mann und ich ein kleines Date. Wir waren mit Freunden aus der Kirche im Kino und sind danach spontan shoppen gegangen. Wir entdeckten den Laden „TJ Maxx“, in Deutschland als „TK Maxx“ bekannt. Viele „on sale“ Produkte. Ich fand einen neuen schönen Essie Nagellack zum halben Preis und mein Mann bestand darauf, mir zwei Paar Schuhe zu kaufen. Von ungefähr 16 Paaren, die ich jetzt hier habe, ist die Hälfte davon in Amerika dazugekommen. Und ich dachte immer, ich bin nicht so eine Schuh-Frau… Ähäm.

 

* Beim Spielen wurde Emilians Spieluhr mit Saft getränkt und ich habe sie in die Waschmaschine gesteckt. Jetzt geht sie nicht mehr. Nicht, dass das ein großes Problem wäre. Er schläft seitdem halt ohne Einschlaf-Musik ein und hat nicht einmal danach gefragt. Aber… ich kann sie nicht wegschmeißen. Ich habe sie mal bei Aldi gekauft, als ich mit Emilian im 6. oder 7. Monat schwanger war. (Das war 2009!!!) Und seitdem hat er sie an je-dem Abend gehört… Nein, ich kann sie nicht wegschmeißen. (Kann ich sie reparieren?)

 

* Eine meiner deutschen Freundinnen fragte mich Anfang November, ob ich mit ihr Laternen basteln würde. Ihre Kinder sollten diese deutsche Tradition kennenlernen. Ich sollte ihr sagen, was sie dafür kaufen müsste.
Mein Mann hatte die Idee, doch auch andere Freunde mit Kindern einzuladen und ein kleines deutsches Fest zu feiern. Zwei andere Eltern sagten sofort zu und wir begannen mit der Planung. Unsere Besucherin, die gerade aus Deutschland da ist, bereitete sich darauf vor, den Kindern auf englisch die Sankt Martins Geschichte zu erzählen. Und sie übte ein paar Lieder. Ich suchte nach Ideen zum Basteln. Es musste einfach und für die Kinder machbar sein – und die Utensilien mussten erhältlich sein. Trotz eines riesigen Bastel-Angebots, welches Amerika aufweisen kann, fanden wir nicht das, was wir suchten. Amerika verkauft Bastelzeug, was einfach nur geklebt, gesteckt, hingestellt oder aufgehängt werden muss. Aber zum selber-machen gibt es wenig.
Wir kauften also große Popcorn-Becher, dünne Holzstäbe, Kleber, Draht und Aufkleber. In die Becher schnitten wir mit unseren Nagelscheren Löcher, klebten Backpapier dahinter und dekorierten die Laternen mit Aufklebern oder gepressten Blättern. Den Draht pieksten wir durch die Becher und wickelten den Stock irgendwie daran fest. Wir kauften LED-Teelichter, die meisten Kinder entschieden sich aber für ein echtes Teelicht. Das Basteln blieb (wie in Deutschland) den Mamas überlassen, die 6 Kinder klebten und wuselten durch unser Wohnzimmer, aber voller Stolz liefen sie dann mit ihren Lichtern durch die Dunkelheit. Dunkel war es, kalt nicht. Wir hatten Essen und Punsch (von IKEA) und sangen unser Lied. Die Amerikaner sangen „Laateeene, Laateeeene“ dazu.

6

 

* Wenn Liam am Morgen wach wird, was 7:30 Uhr, 8:00 Uhr oder auch mal 9:30 Uhr sein kann, wurschtelt er im Bett herum, bis er ganz da ist und dann ruft er: „Mamaaaa, pomm!“ Mal sehr ausdauernd, mal eher gelangweilt. Am letzten Samstag rief und rief er, aber es war ziemlich früh. Wir schlafen zu viert in einem Zimmer, er kann uns also sehen und ich ignorierte ihn. Emilian war schon wach und im Wohnzimmer beschäftigt. Plötzlich war Stille und ich hörte, wie er geschäftig im Bett herumwuselte. Dann hörte ich das Geräusch seines Reißverschlusses am Schlafsack. Nach einer Weile war zu hören, dass er mit aller Kraft versuchte, sich aus dem Bett und auf den Hocker vor dem Bett zu heben. Und dann, patsch patsch patsch, tapsten kleine Füße ins Wohnzimmer. Tadaaa, Liam ist kein Baby mehr.

 

* Kein Baby mehr… Liam lernt sprechen und Liam kann entscheiden und er genießt das. Alle Trotzanfälle, die normal sind und die Emilian nicht hatte, hat Liam. Zweimal. Er genießt das, mit seinen Worten und Blicken ins Familienleben einzutauchen. Der kleine König… Ab und zu ist es ihm ganz wichtig: „Liam groß! Liam nich Beebii“ zu sagen. Er weiß aber auch ganz genau, wann er eher „Baby“ sein muss, um süß gefunden zu werden und zum Ziel zu kommen. Er kämpft um seinen Nuckel. Er weiß, dass er ihn nur noch zum Schlafen bekommt.. aber das ist Liam doch egal! Wenn es ihm nach dem Nuckel gelüstet, dann würde er sogar in Kauf nehmen, dafür ins Bett gesteckt zu werden. Genauso die Windel. Er ist so stolz, wenn wir ihn loben, weil er Bescheid gesagt hat, dass die Windel voll ist. Aber wehe, es geht mal ums Töpfchen. „Liam Beebii!“ Da kommen noch Kämpfe auf uns zu! Wann hört die Trotzphase nochmal auf?

 

* Zur Zeit sind wir Sonntags an beiden Gottesdiensten in der Kirche. Wir kommen meist so gegen 8:45 Uhr an, mein Mann trifft seine Kollegen und ich gehe mit den Kindern frühstücken oder spielen. Ich hole mir einen (oder zwei) Kaffe vom Getränketisch, die Kinder einen Becher mit Milch. Wir beobachten die vielen Menschen, die zu Fuß oder mit dem Shuttle vom Parkplatz kommen. Die Kirche hat neuerdings einen eigenen bunten Zug, der die Kinder vom Parkplatz zum Kinderhaus bringt. Gegen 10:30 Uhr bereite ich sie gedanklich darauf vor, dass bald die Kinderbetreuung anfängt. Kurz vor 11:00 Uhr marschieren wir über die große Wiese zum Kinder-Gebäude, ich checke beide Jungs in ihre Gruppen ein – und dann laufe ich, den Pager (der noch nie geklingelt hat) fest in der Hand zurück über die Wiese, setze mich in den Gottesdienst – und habe FREI! Wer hätte das vor einem Monat gedacht?

 

* Am letzten Sonntag sind wir nach dem Gottesdienst nachhause gefahren. Wir waren müde und hungrig und nach dem Essen legte sich mein Mann mit Liam hin, Emilian spielte und ich schrieb einen Blog-Eintrag. Als die beiden wach wurden, spielten wir einfach, schrieben weiter und chillten einfach nur rum. Gegen Abend nahm ich Emilian mit in die Küche und schnippelte eher gelangweilt Obst und Gemüse mit ihm. Wir hatten zum Frühstück und Mittag nicht sehr gesund gegessen und so belegte ich einfach zwei Backbleche mit Melone, Möhren, Paprika, Käse, Keksen, Dip, Würstchen, Brokkoli, Tomaten und selbstgebackenem Brot. Es sah toll aus. Emilian, der geholfen hatte, so gut er konnte und der ja ein Meister der Worte ist, konnte vor Entzücken nicht an sich halten. „Mama, wie hast du dir denn sowas Tolles ausgedacht??? Liam, guck mal, wir feiern eine Party!!! – Papa, komm mal schnell und guck‘, was wir ohne dich, den Held, geschafft haben! Deine Augen würden vor Staunen rausfallen!“ … und so weiter.
Wir stellten die beiden Bleche auf den Couchtisch, holten Papa, der wirklich sehr staunte und knieten uns (Liam stand) um den kleinen Tisch. Die Kinder waren so aufgeregt, sie ließen es sich schmecken und in kurzer Zeit waren die Bleche ziemlich leer.
Für mich war das, was ja jetzt nicht die größte Kunst war, fast wie ein kleines Thanksgiving. Wir vier, gesundes buntes Essen, Musik und Lachen…

 

* Am 4. Donnerstag im November wird in Amerika „Thanksgiving“ gefeiert. Das ist ein sehr wichtiger Tag… und viel mehr weiß ich auch nicht, weil ich an diesem Tag noch nie in den USA war. In der Gemeinde wird es am nächsten Donnerstag ein großes „Thanksgiving“-Essen mit anschließendem Gottesdienst geben. Ich werde euch erzählen, wie es war.

 

* Seit heute weiß ich, dass der Freitag nach Thanksgiving „Black Friday“ heißt. Am „Black Friday“ gibt es in den Läden Sale und Prozente ohne Ende, man soll wohl besser früh aufstehen, am besten vor dem Laden campen, um etwas abzubekommen. Wie gut, dass ich das jetzt weiß. Traditionell läutet der „Black Friday“ das Familienwochenende und den Start der „Saison der Weihnachtseinkäufe“ ein. So so…

 

* Wir haben zu Anfang unseres Aufenthalts ein Paket bekommen. Das war ein Staubsauger, den ich bestellt hatte und er wurde uns vor die Tür gestellt. Bei unseren täglichen Ausflügen zum Briefkasten fragte mich Emilian einmal, warum an den unteren Fächern die Schlüssel an den Schlössern hängen würden. Und wir kamen auf folgende Lösung: Die vier unteren Fächer sind für Pakete bestimmt. Wenn wir ein Paket bekommen, legt der Postbote es in eins dieser Fächer, schließt es ab und steckt den Schlüssel in unseren Briefkasten. Und so war es dann auch. In der letzten Woche hatten wir zweimal einen kleinen Schlüssel im Briefkasten. Wir schlossen das Fach auf, nahemn unser Paket heraus und ließen den Schlüssel hängen. Eine komische Art und Weise… funktioniert aber.

Briefkasten

* In dieser Woche finden die letzten Rooted-Treffen statt. Am kommenden Freitag wird es eine große Abschluss-Celebration geben. Das Highlight jedes Rooted-Duchlaufs! Wir werden zusammen essen und feiern. Und gegen 20:00 Uhr werden wir beginnen, die Rooted-Teilnehmer, die sich das wünschen, zu taufen. Wir alle werden schwarze Kleidung tragen und die Gruppenleiter werden mit den Täuflingen in das gewärmte Aussenbecken steigen und taufen. Ich bin so gespannt!

 

* Shred… gibt es auch noch, ganz ganz hinten, irgendwo in meinem Kopf. Ab und zu sehe ich das rosa Oberteil, das in irgendeinem Schrank liegt und denke: „Ach, da war ja mal was…“ Wo die Hanteln sind, weiß ich nicht mal. Mein Mann wünscht sich, dass ich weitermache. Ich weiß nicht. Es ist ja auch so, dass wir ständig Gäste haben. Ich wollte ja mal die 30 Tage durchziehen. Und ich wollte ja vielleicht mal ein anderes Programm beginnen. Irgendwann mache ich das mal! Wer von euch macht noch mit? Vor Weihnachten wäre das doch perfekt: Ihr könnt mit gutem Gewissen naschen. Und ausserdem wird euch beim Sport schön warm. Ich hab ja gehört, es soll kalt in Deutschland sein…


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