Szenen aus unserem Alltag 6

Manchmal passiert hier nicht soo viel und ich muss mir ab und zu tatsächlich sagen: „Hey, du bist in KALIFORNIEN!!!“ Das Leben hier wird normaler für uns und sogar Palmen, Kolibris, Sonne, Meer und Pool können irgendwann langweilig werden. Bestimmt. Wir können es genießen.

Zuhause in Deutschland bereitet sich meine Großfamilie auf die nächste Hochzeit nach meiner vor: Mein Bruder wird in 5 Tagen heiraten! Natürlich ist es sehr schade, dass meine Söhne keine Blumen-Kinder sein können und dass wir auf den Familienfotos immer fehlen werden… Aber das Leben hier ist eben kein großes Opfer für uns. Entweder, oder.

Und damit ihr wisst, was so passiert, schreibe ich euch wieder ein paar Szenen aus unserem Alltag auf:

* Immer wieder, ob beim Einkauf, in der Kirche oder auf dem Spielplatz (die drei Haupt-Aufenthaltsorte, haha) kommen wir mit Leuten ins Gespräch, weil wir deutsch sprechen. Entweder man hört uns zu und fragt dann: „Is this Russian?“ oder man erzählt uns von Freunden und Verwandten in Deutschland. „Auf Wiedersehen“ oder „Dankeschoen“ können dann viele sagen.

 

* Am Mittwoch haben uns zwei Schwestern besucht. Pamela ist eine Kollegin meines Mannes und ihre Schwester Stephanie lebte 4 Jahre in Süddeutschland. Im September reisen sie mit ihren Eltern für ein paar Wochen nach Deutschland und wollten gern ein paar Tipps von uns haben. Ausserdem suchen wir immer einen Grund, um Weisswurst, Kartoffeln und Sauerkraut anzubieten… Mit je einer Flasche Wein in der Hand kamen sie also durch die Haustür. Stephanie sprach sehr gut deutsch, hatte aber einen starken Akzent, ausserdem schwäbelte sie. Das war zu komisch. Die Kinder schlossen sie sofort in ihr Herz, endlich konnten sie deutsch reden und ihre Spielsachen zeigen, sich vorlesen lassen, durchdrehen
Wir redeten viel, über dies und das. Einerseits tat es so gut, mal wieder mit einer Person in deutsch über Deutschland reden zu können! Andererseits kam der Unterschied zwischen Baden Württemberg und Berlin ganz schnell zum Vorschein. Stephanie fielen im Laufe des Abends immer mehr Wörter ein und sie erzählte uns von ihren Erlebnissen in Süddeutschland, von unzähligen Feiertagen, von Leuten, die ihre Mülltonnen ausspülen und die Strasse vor ihrem Garten fegen – Dinge, die uns in Berlin genau so fremd sind, wie ihr in Amerika.
Dann redeten wir, zu viert und wieder in englisch, über allgemeinere Unterschiede.
Feiertage, zum Beispiel.
Stephanie erzählte uns, wie erschrocken sie war, als plötzlich Karnevalszeit war und die Narren auftauchten. Versucht mal, in einer anderen Sprache jemandem zu erklären, warum und wie Karneval gefeiert wird… wenn du das in Berlin nicht einmal mitfeierst. Verrückt, sage ich dir!
Wir redeten darüber, wie Halloween in Berlin inzwischen aussieht und dass wir sehr auf Thanksgiving und Weihnachten in Kalifornien gespannt sind. Wir redeten über amerikanische Feiertage. Sie sind selten und haben manchmal kaum eine Bedeutung.. Hauptsache Feiertag! Aber alles, was geht, wird ordentlich gefeiert. Jetzt zur Zeit gibt es in einigen Läden „End of Summer Sale“, das kennen wir ja auch unter Sommerschlussverkauf. (Für mich macht es bei 30° keinen Sinn, End of Summer zu feiern…) Dann gibt es auch „Back to school Sale“. Yeah, die Schule fängt wieder an – Rabatt! Und dann gibt es den „Labor Day“ = „Tag der Arbeit“. Auch Sale.

Stephanie fragte, ob wir uns auch einen Schal umbinden würden, wenn wir krank seien. Als wir beide nickten, ohne mit er Wimper zu zucken, schüttete sie sich aus vor Lachen. Ihr wäre das so aufgefallen, dass viele Deutsche mit einem Schal umherliefen. Sie dachte, ein Schal wäre nur Schmuck, Accessorie. Klar, dass in Kalifornien keiner einen Schal zum Wärmen braucht. Als ich ihr erzählte, dass wir bei Erkältung auch heiße Kartoffeln in den Schal wickelten, konte sie das kaum glauben.

Dann sagte sie, ihr hätten ein paar Leute gesagt, sie würde reden, als hätte sie eine heiße Kartoffel im Mund. Und das verstand sie nicht. Wir erklärten und machten ihr vor, was gemeint war – und sie musste lachen. Jedem seine heiße Kartoffel.

Wir empfahlen ihnen ein paar Sehenswürdigkeiten in Berlin und nötigten sie, einmal für uns Döner zu essen!

 

* An einem Abend war ich gerade dabei, Brote fürs Abendessen zu schmieren. Es war schon nach 8pm (20:00) und wir wollten mit dem Essen auf Papa warten. Plötzlich fiel mir ein, dass ich die Mülltonnen für die Leerung am nächsten Tag noch nicht aus der Garage gestellt hatte. Ich unterbrach also mein Geschmiere und brachte die Tonnen raus. Von unserer Strasse führt ein kleiner Seitenweg ab und dort sind die Garagen, alle nebeneinander. Alle anderen Tonnen standen schon draussen. Plötzlich sah ich, dass unsere Nachbarin neben ihren Tonnen auf dem Boden saß und mit ihrem Sohn mit Kreide malte. Ich hatte sie erst einmal kurz gesehen – als wir in der vorigen Woche die Tonnen raus brachten. Diesmal lächelten wir uns kurz an, grüßten uns und ich ging wieder ins Haus.
Ich überlegte, dann rief ich Emilian und Liam zu mir und fragte sie, ob sie Lust hätten, mit Kreide zu malen. Sie wollten. Und zu dritt gingen wir wieder auf die Strasse und setzten uns neben die Nachbarn auf den Boden. Es wurde gerade dunkel. Die Kinder hatten großen Spaß. Liam befahl mir, all‘ das zu malen, was die andere Mama ihrem Sohn schon gemalt hatte und Emilian ließ sich von dem anderen Jungen fangen. Die Nachbarin erzählte in wenigen englischen Brocken, dass sie Japanerin und ihr Mann Taiwanese sei. Sie lebten seit mehr als 2 Jahren hier, ihr Sohn (einen Monat älter als Liam) wurde hier geboren. Ihr Mann arbeitet hier und ist viel unterwegs, aber irgendwann möchte sie gern zurück nach Hause. Es war so schön und so verrückt, nachts auf der Strasse zu sitzen und eine Nachbarin kennenzulernen.

 

* Wie ihr ja wisst, haben wir an mehreren Tagen ein paar unserer Spielsachen im Pool verloren. Sie wurden weggesaugt. Diese Filteranlage ist eine ständige Gefahr und immer wieder springt einer von uns auf, weil Spielzeug fehlt oder gerade am Verschwinden ist. Nach und nach hat Emilian mitgekriegt, dass auch andere Kinder ihre Spielsachen in diesem Loch verlieren. Und so guckt er immer mal wieder nach, ob Spielzeug zu sehen ist. Ein paar größere Dinge sind nämlich eventuell nur verklemmt und lassen sich retten. Am Donnerstag vormittag waren wir gegen 10am (10:00) am Pool – wir waren ganz allein da! Emilian sah, dass irgendein kleines Spielzeug im Loch steckte, aber wir konnten es nicht erreichen. Dann hielt er sich mit den Händen am Beckenrand fest, kroch mit seinen Füßen in das Loch, bis nur noch der Kopf aus dem Wasser guckte und er schaffte es, ein kleines Boot aus dem Loch zu holen. Er tauchte auf, sah noch einmal ins Loch und entdeckte noch irgendwas. Füße wieder rein und nach wenigen Sekunden hatte er noch ein kleines Boot befreit. Die Freude war groß!

 

* Gestern ging ich spazieren und sah von weitem eine indische Frau auf mich zukommen. Ich lief rechts.. und sie auch. Sie kam näher und blieb auf ihrer Seite. Als ich ihr auswich und mich ärgerte, fiel mir auf, dass sie ja vielleicht in einem Land mit Linksverkehr aufgewachsen war. Interessant, oder?

 

* Wir haben ein kleines Bad ohne Fenster. Zu der wunderschönen Dekoration gehören auch verschiedene Kerzen mit und ohne Duft. Aus Gründen hatte ich sie noch nie angezündet, aber als Pamela und Stephanie kamen, wollte ich sie anzünden, um das Gäste-WC ein wenig zu erhellen. Ich fand nur ein altes Feuerzeug, mit dem ich nicht an den Docht herankam. Ausserdem stand die Kerze in einem hohen Glas und ich hatte keine Ruhe, sie anzuzünden und sie dann auch noch erfolgreich in das Glas plumpsen zu lassen. –
Zwei Tage später kam Emilian an – mit der Kerze in der Hand, und sie leuchtete!
Nach kurzen ???-Sekunden sah ich, dass das eine elektronische Flimmer-Kerze mit Batterien war. Sie duftete sogar. Puh. Und ich hatte versucht, sie anzuzünden?!

Kurz darauf sah ich Papa und Liam mit der Kerze spielen. Papa ließ Liam die Kerze auspusten und schaltete gleichzeitig den Schalter um. Was für ein Spaß! Emilian verstand es nicht. Als es Papa später sogar „gelang“, die Kerze ANzupusten, war er völlig verwirrt. Er gab mir die Kerze – auch ich konnte sie aus- und anpusten. Und das arme Kind pustete und pustete – die dumme Kerze ging einfach nicht an. Obwohl Emilian selbst den Schalter entdeckt hatte, konnte er überhaupt keinen Zusammenhang sehen. Als er vor Trauer und Zweifel fast in Tränen ausbrach, zeigte ich ihm den Trick – und seine Augen leuchteten. Und jetzt legt er uns natürlich rein und wir können gar nicht verstehen, wie er denn die Kerze anpusten kann!

 

* Um ein Geschenk für eine Freundin zu suchen, ging ich heute nach dem Gottesdienst in den Bookstore der Kirche. Dieser Laden ist… perfekt. Eine Mischung aus Deko, Schmuck, Kleidung, Kinderzeug, Bildern, SchnickSchnack und Büchern. Was frau eben so braucht. Alles. Ich liebe diesen Laden! Ich möchte da wohnen und ihn leerkaufen… Zu jedem Teil fällt mir eine Freundin oder eine Person ein, zu der es passen würde. Meine Rettung ist nur, dass ihr alle zu weit weg seid… Wahrscheinlich muss ich den Laden dann im Frühling leerkaufen.
Als ich so mit meinen Waren duch die Reihen ging und schmachtete, lief eine Frau an mir vorbei und sagte laut zu sich: „I should stop looking..“ (Ich sollte aufhören, zu gucken.) Ich sah sie an und wir beide mussten lachen.

 

* Ja, heute war ein Erdbeben hier. Irgendwo.
Nein, wir haben nichts gespürt.
Wir haben von dem Erdbeben in keinen Nachrichten hier gelesen – ausschließlich aus Deutschland haben wir davon erfahren. Auch lustig.

Das Beben mit der Stärke 6.1 war in und um San Francisco. Viele Häuser sind zerstört, drei Menschen schweben scheinbar sogar in Lebensgefahr. Wenn wir ein Erdbeben erleben sollten, werde ich euch SOFORT Bescheid sagen.

Das sagt meine Erdbeben-App dazu:

Foto 1

Genauer:

Foto 2

Eine private Aufnahme, gepostet in Twitter:

Foto 3

Beeindruckt zeigte ich dieses Foto meinem Mann.
Sein Kommentar: „Wieso? So sieht es doch jeden Morgen in unserer Küche aus…“

haha…

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