Szenen aus dem Alltag

03. März 2019

Es könnte hier in nächster Zeit ein bißchen ruhiger werden. Das ist so geplant, weil ich erstens unbedingt meine große Doula-Abschluss-Arbeit schreiben muss und weil zweitens volle Wochen auf uns warten. Die beiden großen Jungs feiern ihre Geburtstage, mein Mann wird nach Kalifornien reisen. Jari wird größer und sitzt nicht mehr einfach so neben mir, wenn ich blogge. Der Frühling kommt und der Garten ruft … und draußen bin ich ja sowieso am liebsten.

Auf Instagram wird es Fotos geben und wenn nichts mehr geht, gehen immer noch die „Alltags-Schnipsel“:

+ Durch Feiertage, Streiks oder schulfreie Tage sind die kommenden Wochen ziemlich zerstückelt. Gefällt mir. Wenn ich früher an jedem freien Tag sofort gegen 9:00 Uhr ins Grüne aufgebrochen bin, so muss ich heute schon ein bißchen mehr kämpfen, überhaupt alle Kinder zu überzeugen.
Inzwischen verabreden sie sich lieber mit Freunden oder gehen zu Kindergeburtstagen. Ist das etwa schon dieses „Loslassen“, von dem Mamas mit großen Kindern reden? Ich hoffe, dass wir noch ein paar Ausflüge schaffen. Vielleicht brauche ich neue Ziele? In der letzten Woche waren wir zum ersten Mal in diesem Jahr im Britzer Garten. Schön!

+ Jari schläft durch! Und das kam ziemlich plötzlich.
Als wir in Kenia waren, wohnten die Jungs bei meinen Eltern. Alle drei Brüder schliefen in einem Zimmer – und das funktionierte wunderbar. Jari ging sogar vor den Großen allein ins Bett und schlief durch! Hier zuhause legten wir alle drei gleichzeitig hin, aber Jari brauchte erstens noch seine Milchflasche(n) und zweitens rief er uns gegen 4/5 Uhr und wir holten ihn dann in unser Bett.
Es ist nur Gewohnheit.. ja. Aber es ist ein kleiner Kampf, da auszusteigen. Und da waren wir eben bequem und nicht sehr konsequent.
Warum auch immer Jari bei meinen Eltern so gut geschlafen hat: Ich wusste, wir müssen das beibehalten. Denn auch er ist ein Gewohnheits-Baby und es gibt keine logischen Gründe, mehrmals nachts wach zu werden und ins Elternbett zu krabbeln. Höchstens Herzens-Gründe.
Nun ist es aber so, dass sich das Gewohnheits-Baby nach mehreren Nächten außerhalb sofort an die Gewohnheiten im eigenen Bett erinnerte. Verrückt ist das. Und es ist ja doch irgendwie süß, noch ein Baby im Bett zu haben und sie sind ja so niedlich, wenn sie schlafen.. aber die Nächte waren erstens unterbrochen und zweitens kurz. Und nach mehr als 2 Jahren macht der Körper auch nicht mehr jeden Spaß mit.
Ich wusste also: Er kann in seinem Bett schlafen. Allein. Die ganze Nacht!
Als er dann zur gewohnten Zeit nach uns rief, stand ich auf. Normalerweise macht mein Mann die „Nachtschicht“, weil ich die „Frühschicht“ habe und die Kinder in die Schule bringe. Aber ich wusste, dass ich einerseits mehr Geduld habe, einfach stur stehen zu bleiben – egal wie lange. Und dass ich eben nicht nachgebe. Koste es, was es wolle.
Jari saß in seinem Bett, Nuckel im Mund, Kuscheltuch in der einen Hand, die Flasche in der anderen: „Mama, ich bin soweit. Wir können los!“
Ich hockte mich an sein Bett, flüsterte: „Leg dich mal wieder hin. Du kannst in deinem Bett schlafen.“ und da ging das Geschrei los. Er weinte, zwar ohne Tränen und eher bockig.. aber ich stand eine Stunde an seinem Bett. Ich streichelte und schschte, ich füllte die Flasche auf und streichelte. Einmal schaffte ich es in mein Bett, aber es knarrte, als ich mich hinlegte und er wachte wieder auf. Es war ein langer Kampf, ich blieb bei ihm – und als ich endlich im Bett lag, waren es nur noch Minuten bis zum Wecker klingeln… aber ich wusste, um was es geht. Und das war mir wichtig.
In der zweiten Nacht weinte er wieder, aber wir mussten nicht lange am Bett stehen. In der dritten Nacht reichte schon ein schsch von unserem Zimmer nebenan und von da an war Ruhe.
Weil Jari gerade viel hustet und wir auf den Schleim in der Nacht verzichten wollten, haben wir sogar die Milch für die Nacht weggelassen – und er schläft wie ein Großer in seinem Bett! Nach fast 2 Jahren haben wir feierlich die Milchflaschen in den Müll geworfen. Diese Geschichte, die so unschön begonnen hatte, konnten wir nun erfolgreich beenden.

Ein Artikel, der gerade in der Woche von dm kam, hat mir zum Thema „Einschlafen“ nochmal wirklich geholfen.

+ Leider hab ich mir in dieser einen langen Nacht an Jaris Bett eine ordentliche Blasenentzündung geholt. Vielleicht war auch der Wechsel von Kenia zu kalt.. auf jeden Fall hatte ich starke Schmerzen bis in die Nieren, und auch sonst Schmerzen und Unwohlsein – da hat kein Tee und keine Wärmflasche mehr geholfen. Irgendwann musste ich zum Arzt und bin nun nach 2 Wochen wieder frei von Tabletten und richtig gesund. Das war nicht schön!

+ Weil ich selbst seit Jahren so gute Erfolge mit meinen Fitness DVDs (Werbelink) gemacht habe, habe ich mir gedacht: Ich suche eine DVD für Männer und schenke sie meinem Mann zum Geburtstag. Er hatte ein paarmal versucht, bei mir mitzumachen, aber das ist ja doch irgendwie sehr weiblich und ich hab mir das ja auch aus bestimmten Gründen für mich ausgesucht.
Ich suchte eine Weile, las Bewertungen, sah das Preis-Leistungs-Verhältnis an und entschied mich dann für Mark Lauren. (Werbelink) Meine Gedanken waren, dass man sich mit verschiedenen Levels und Übungen ja langsam steigern könnte, sich nicht sofort am Anfang völlig schlapp fühlt und keine Lust mehr hat – und dass zur Not auch Frauen mitmachen könnten.. so als Motivation. Und dass die DVD abwechslungsreich ist und möglichst nicht schnell langweilig wird. Naja.. das waren meine Gedanken… haha
Wir feierten den Geburtstag in Kenia, die DVD kam ein paar Tage später und als ich sie ihm überreichte, bewegte er sich nicht mal. Er sah sie sich ’ne halbe Sekunde an, schüttelte mit dem Kopf und sah wieder weg.
Tja.. autsch. Ich legte die DVD ins Wohnzimmer neben meine DVDs. Die Kinder verstanden auch, was das für eine DVD war und fragten nach, aber nichts passierte.
Tage später kam ich morgens von der Schule, es war kurz vor 8:00 Uhr und ich hörte die Stimme des Trainers aus dem Wohnzimmer. Ich dachte: „Krass.. jetzt hat Jari es tatsächlich geschafft, sich alleine eine DVD anzumachen!“
Als ich dann (immernoch morgens vor 8 Uhr!) meinen Mann in Sportklamotten auf der Matte hüpfen sah, konnte ich meinen Augen nicht trauen! Dass ich Jari eher zugetraut hätte, eine DVD zu starten (was für den 2jährigen fast unmöglich ist), als dass ich meinem Mann zutraute, den Sport zu machen, zeigt ja schon, wie unglaublich das war.
Und was soll ich sagen: Er macht diesen Sport!!!
Menschen dieser Welt: Hört, wie stolz ich auf meinen Mann bin! Er trainiert, er schwitzt, er zittert, er schimpft – aber er macht es!
Wir alle feiern ihn. Sobald einer von uns in Sportkleidung ankommt oder nur in Richtung DVD Player geht, tippelt Jari los, holt die rosa Sportmatte und legt sie auf den Boden. So ein süßes kleines Kind will man nicht enttäuschen – das zieht man dann durch!
Ich kann es nicht glauben, aber es hat funktioniert!

+ Noch eine weitere Sache, die mir hier unglaublich vorkommt, ist die Entwicklung meines großen Sohnes. Treue Leser dieses Blogs wissen, wie sehr Emilian als kleineres Kind an mir hing. Dass Kindergeburtstage und Sportkurse ohne Eltern (oder überhaupt) unmöglich waren, dass Übernachtungen außerhalb nicht gut funktionierten und dass mir das oft schwer war.
In der Schule ging die Bezugslehrerin der 1. Klasse, weil sie schwanger wurde. Dann ging die Bezugslehrerin der 2. Klasse, weil sie schwanger wurde. Dann kam nach viel Unruhe und längerer Pause eine neue Lehrerin für die 3. Klasse, die jetzt in der 6. Woche krank ist. Was macht das mit so einem Kindchen?
Ich schreibe immer wieder, dass ich an seiner Seite geblieben bin, bedürfnisorientiert war und dass ich „Beziehung statt Erziehung“ lebe. Ich kenne mich selbst noch als schüchternes Schulmädchen.
Aber im Vergleich zu anderen Jungs in seinem Alter war er eben „anders“.
Anders sein heißt ja nicht schlechter sein – und ich feiere jeden Mut-Moment dieses großen Kindes. Denn dieses Kind geht jetzt allein auf Geburtstage. Es steht auf Bühnen, es spielt ein Instrument, es redet mit Erwachsenen, es tanzt und wird überhaupt immer cooler.
In der letzten Woche war er mit der Klasse auf der Eisbahn. Ich gab der Lehrerin das Geld zum Schlittschuhe-ausleihen, aber wir konnten kurz vorher noch selbst Schlittschuhe leihen.
Nach dem Ausflug fragte ich ihn nach diesem Rückgeld und er sagte: „Ja, die Lehrerin hat es mir wiedergegeben. Ich hab mir da Pommes und Zuckerwatte gekauft…“
Wie bitte???
Mein kleines Piepsmäuschen hat also gelesen, gerechnet, bestellt, mit Erwachsenen geredet und sich Essen geholt – und das alles ohne Mama!? Wow!
Und als ich ihm letztens einen Witz erzählte, sah er mich völlig verständnislos an. Als ich fragte: „Hast den den Witz nicht verstanden?“, sagte er nur: „Doch. Aber ich fand ihn nicht lustig…“
Alles klar.
Bei einem Familien-Abendessen kamen wir auf das Gespräch, dass die Hälfte der Zeit, in der die Kinder bei uns wohnen, schon vorbei sein könnte. – Nicht zu glauben! Genug jetzt zu diesem Thema.

+ Im vorletzten Blogeintrag ging es ja schon um Frühlingsfenster… ich habe inzwischen auch alle Fenster innen und außen geputzt. Als die Sonne am nächsten Tag schien, sah man schön alle Spuren vom Wischen. Ich bin wahrscheinlich die Einzige, die mit bestimmten Akku-Fenster-Reinigern nicht klar kommt und ärgerte mich über das Geschmiere. Im Schrank fand ich ein Mikrofaser-Putztuch und nun strahlen die Fenster wirklich. Das Tuch ist täglich zum Nachwischen im Gebrauch und ich liebe meinen sauberen Fenster. Liam hat mir auch schon Deko gebastelt:


+ Ich bin ja großer Fan von Listen.
Belohnungs-Listen. Punkte-Listen. Hausaufgaben-Listen. Hausarbeits-Listen… Ich sammele Ideen oder erstelle selbst solche Tabellen. Mit Punkten, mit Aufklebern, mit Belohnungen. Das Internet ist voll davon.
Das Gute an diesen Listen:
Sie funktionieren.
Das Schlechte an diesen Listen:
Sie funktionieren nicht lange.
Bevor diese Listen langweilig werden, muss das Verhalten entweder zur Gewohnheit geworden sein oder es muss eine neue Liste her oder es muss im Alltag einigermaßen ohne Stress funktionieren.

Zum Beispiel:
Ich schreibe die kleinen Aufgaben für jeden Morgen und Nachmittag auf ein A4 Blatt, laminiere es und an jede erledigte Aufgabe wird eine Wäscheklammer gesteckt. Mit einem Blick können die Kinder feststellen, was getan wurde oder zu tun ist.
Ja, das sind tägliche Aufgaben, aber ich hatte irgendwann keine Lust, jeden Tag 10x zu erinnern. Und nach wenigen Wochen waren die Aufgaben im Kopf.
(Brotbox einpacken, Zähne putzen, Jacke aufhängen…)

Oder ich schreibe kleine Aufgaben für den Nachmittag, die auch freiwillig sind. Für die Erledigung dieser Aufgaben gibt es Aufkleber und bei 5 Aufklebern gibt es eine Belohnung.

Jetzt hab ich mir eine neue Liste einfallen lassen.
Jeder von uns macht mit.
Jeder von uns darf jemand anderem ein Sternchen geben, wenn er findet, dass die Person nett oder hilfsbereit oder freundlich.. war. Vor allem, wenn ohne Aufforderung geholfen oder mitgedacht wurde.
Ihr glaubt gar nicht, wie schnell da die Sternchen rieselten. Und wie schön plötzlich geholfen und mitgedacht wurde. Sogar Jari bekam Sternchen, weil er ohne, dass wir ihn gefragt haben, den Einkauf mit weggeräumt hat.
Bei dieser Art von Liste geht es einerseits darum, einfach so Dinge zu tun, die man nicht müsste oder um den anderen eine Freude zu machen. Und andererseits geht es darum, die anderen zu sehen, die Familienmitglieder wahrzunehmen, sie wertzuschätzen und ihre Arbeit anzuerkennen.
Die wenigsten Punkte habe ich, glaube ich 😉 Wie ihr seht, geht es nicht darum, wer am meisten macht. Es geht um das Miteinander.
Vorgestern hat die erste Person 10 Sternchen bekommen, hoch verdient, und durfte sich eine kleine Überraschung wünschen.
Eines Tages wird auch diese Liste vergessen werden.. aber vielleicht bleibt die Hilfsbereitschaft und Anerkennung im Herzen.

Eine schöne neue Woche für euch!

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