Kenia 2019

15. Februar 2019

Das könnte jetzt ein etwas unstrukturierter Eintrag werden – aber bevor es zu lange her ist, möchte ich wenigstens ein paar Worte über Kenia teilen.

Das fällt mir aus zwei Gründen etwas schwer:

Erstens:
Afrika kann man nicht mit Worten beschreiben – das muss man erlebt haben!

Schon mein Leben lang begleitet mich Afrika irgendwie.
Mein Onkel hat lange als Arzt in Äthiopien gelebt und wurde ab und zu von Tanten/Onkel, Oma/Opa, meinem Vater und Bruder besucht. Es gab Fotos, Geschichten, Rezepte und Mitbringsel.

Dann waren meine Geschwister in Afrika, mal kurz oder länger. Malawi und Süd-Sudan. Uganda. Die Kontakte wurden immer mehr und Afrika gehörte irgendwie fast dazu. Irgendwann war ich die einzige, die noch nicht dort war.

Und dann kam es so, dass wir 2011 in eine Kirche wechselten, die Kontakt nach Kenia hatte, bzw. immernoch eine von vielen Tochtergemeinden einer kenianischen Kirche ist. Und wieder entstand ein enger Kontakt nach Afrika. Freunde flogen hin, wir bekamen Besuch von Freunden…

Und sie alle kamen irgendwie mit diesem „Afrika-Blick“ wieder.

Jetzt, jetzt endlich habe ich es auch geschafft, dieses Afrika kennenzulernen. Einen Teil davon. Einen ganz kleinen.

Zweitens:
Unsere 4 1/2 Tage in Nairobi sind schnell vergangen.
Die Reise war lang, dann fand eine dreitägige Konferenz statt und kurz vor dem Abflug schauten wir uns noch 2, 3 Touristen-Attraktionen an. Also was soll ich euch von Afrika erzählen?

Ich würde nicht behaupten, dass ich Afrika kenne, nicht mal Kenia, nicht mal Nairobi. Nicht mal unser Viertel. Der Linksverkehr und die Überflutung an neuen Reizen hat mich völlig verwirrt.

Und so habe ich einfach alles auf mich einprasseln lassen.
Ich habe mich mit 100 fremden Menschen auf einer Konferenz getroffen. Ich habe mich von fremden Menschen bewirten und fahren lassen. Ich habe gegessen, was ich nicht kannte. Ich habe gerochen, was ich nicht kannte. Ich habe gesehen, was ich nicht kannte. Ich habe vertraut – und mich an meine drei Mitreisenden gehalten. Und es war gut.

Wir wurden so dankbar begrüßt und willkommen geheißen. Diese Vision der Kirche und der Glaube, den wir teilen, ist stärker, als jede Entfernung. Das hat mich mehrmals berührt. Ich sitze da, irgendwo in Afrika, in einem Zelt und unterhalte mich mit fremden Menschen in einer fremden Sprache – und wir verstehen uns, wir lachen und umarmen uns und beten und wir haben das Gefühl, uns zu kennen.
Wir tauschen Sorgen über unsere Kinder aus. Wir reden über das Wetter und amüsieren uns über die Unterschiede in Europa und Afrika. Wir überlegen, wie wir den Menschen in der Kirche helfen können. Die Gedanken und Ideen sind sehr ähnlich.

Und andererseits ist da so viel Neues, Aufregendes.
Beim Essen habe ich meinen Mann nur ab und zu gefragt: „Ist das scharf?“ und dann einfach gegessen, wenn er den Kopf geschüttelt hat. Ich weiß nicht, was das alles war. Aber es war lecker. Und wir haben mit Fingern gegessen!

Während der Autofahrten wollte ich unbedingt alles in mich aufsaugen und sehen. Aber keine Chance. Viele Menschen. Überall. Neben der Straße, auf der Straße, auch im Dunkeln. Schöne Menschen! Und Obststände. Und Tiere. Und Dreck, oh dieser Dreck… Dann die rote Erde und der blaue Himmel. Und dann wieder ein Fahrzeug, aus dem es dunkel qualmt.

Zu manchen Verkaufsständen gehören echte Tiere. Oder vielleicht gehören die Stände zu den Tieren? Hühner, Ziegen, Kühe laufen da einfach rum. Tiere, die nicht mehr leben, hängen im Schaufenster oder gleich am Straßenrand und können gekauft werden.

Stockender Verkehr. Spurwechsel immerzu. Sollte es Verkehrsregeln geben, was ich nicht glaube, dann hält sich niemand daran. Wer am mutigsten fährt und wer am wenigsten Angst um sein Leben und sein Auto hat, gewinnt. Für uns hat es sich nicht lebensgefährlich angefühlt, manchmal vielleicht, aber für den Fahrer ist es verrückt.
Und diese Bodenwellen! Auf fast jeder Straße gibt es alle paar Meter eine ordentliche Bodenwelle. Schutz vor Rasern? Die Bremsen und den Magen schützt es auf jeden Fall nicht. Und ab und zu setzt so ein Auto natürlich auch mal schön auf dem Boden auf. Stört es jemand? Nein.

Frauen tragen ihr Gepäck auf dem Kopf und ihre Kinder auf dem Rücken. Kinderwagen gibt es nicht. Kinderspielzeug überhaupt nicht. Am Morgen sehen wir Mütter mit ihren Kindern in Schuluniform den Schulweg gehen. Sehr schick angezogen laufen sie über den staubigen Boden.

In gesicherten Wohngegenden kommt kein Auto rein oder raus, ohne der Security den Grund des Besuchs zu sagen oder gleich den Ausweis als Pfand da zu lassen. In anderen Gegenden rät man uns, im Stau das Fenster zuzulassen, weil Taschen gern geklaut werden.

In gesicherten Wohngegenden wird viel Wert auf die Gärten gelegt. Es ist Wüste – aber wo gegossen wird, wächst was. In jedem Busch am Straßenrand steckt eine kleine Plastikflasche, um die Pflanze wenigstens mit etwas Wasser zu versorgen.

Die Gastfreundschaft ist riesengroß. Es gibt Essen, sehr gut und sehr viel. Es gibt immer Chai. Es gibt gute Gespräche. Es gibt Platz, der angeboten wird. Es gibt Geschichten und Ermutigung.

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Wie war also die Zeit in Afrika?

Schön. Warm. Hell. Bunt. Laut. Kurz. Dreckig. Überfordernd. Überwältigend. Augenöffnend. Ermutigend. Bereichernd. Wertvoll. Sommerlich. Voll. Schön.

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