Ich kann es noch gar nicht glauben…

Liam ist 3,7 Jahre alt und trägt noch immer Windeln. Ich weiß, dass er dafür schon verhältnismäßig alt ist. Anders, als bei Emilian damals, ist es mir aber ziemlich egal. Es wird weder in seinem Lebenslauf noch auf irgendeinem Zeugnis so erwähnt werden.

Emilian war ähnlich alt, trug Windeln und ich war deutlich mehr verunsichert. Obwohl ich immer wieder gelesen habe: „Das Kind entscheidet, wann es soweit ist…“ und „Irgendwann wird ein Schalter im Kopf umgelegt…“ ist nichts dergleichen passiert. Wir waren vielleicht bequem und zu locker, aber ich hatte wenig Lust auf „Unfälle“ und nasse Wäsche unterwegs. Den Stress, möglichst schnell ein Klo zu finden, gibt es sowieso genug.

Ich hatte damals von einer „Potty Training“ Methode gelesen, die viel Erfolg verspricht und normalerweise so zwischen dem 20. und 24. Lebensmonate probiert wird. Wir waren deutlich später dran. Im Oktober 2013 nahmen wir uns also die paar Tage frei, blieben über ein langes Wochenende im Haus und – Emilian schaffte es. Ich berichtete darüber.

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Potty Training damals

Liam wusste über dieses Toiletten-Ding natürlich lange Bescheid, wurde auch immer mal wieder von Emilian dazu gerufen („Liam komm mal, ich pups‘ gleich!!“), doch seine Liebe zur Windel blieb stark.

Er konnte auf die Toilette gehen – er wollte es einfach nur nicht. Wir zeigten ihm die Spielzeuge, die Emilian damals als Belohnung bekommen hatte und er wählte, was er sich dann mal aussuchen wollte.
Auf die Frage, wann er ohne Windel sein wollte, antwortete er immer sofort: „Wenn ich 5 bin!“

Faulheit und Bequemlichkeit auf unserer Seite haben eventuell dabei wieder eine Rolle gespielt. Aber ein „Schalter im Kopf“ oder ein „Ich bin jetzt soweit“ von Liam kam auch nicht. Obwohl er genau wusste, was wir auf Toilette machen und eben auch von ihm wünschten.

Als er sich vor ein paar Tagen beim Wickeln die Nase zuhielt und fragte, wann ich fertig sei, …. ja. Das muss ja echt nicht sein.
Natürlich wollten wir das mit ihm zusammen schaffen, der Sommer wäre perfekt gewesen, aber es hat eben nicht geklappt. Druck und Stress sind beim Toilettengang sowieso nicht gut. Der Familienurlaub in der übernächsten Woche würde gut sein und wir planten diese Tage dafür ein.

Ich hatte die Jungs am Donnerstag und Freitag zuhause, weil viele Erzieher krank waren und ich einfach nicht wollte, dass meine Kinder in fremde Gruppen aufgeteilt werden. Das Angebot, sie also zuhause zu lassen, wurde dankbar angenommen. Ist ja kein Opfer für mich.. wir schliefen aus, am Donnerstag hatten wir einen tollen Tag im Zoo – und als ich Liam am Freitag Morgen wickelte, kam die Idee!
Wir haben wieder drei freie Tage vor uns. Potty Training! Wir könnten es wieder versuchen!

Ich weihte Liam in meine Gedanken ein und diese Nachricht kam gar nicht gut an. Er schrie und tobte, er trat und wütete mit knallrotem Kopf und dicken Tränen – aber er konnte sich die Windel auch nicht selbst umbinden und war also auf uns angewiesen. Papa kam aus dem Arbeitszimmer und fragte, ob alles okay sei.. Als er Liam schreiend ohne Windel auf dem Bett liegen sah, lächelte er und umarmte Liam mit ein paar ermutigenden Worten. Kam bei Liam wieder nicht so gut an…

Ich blieb neben Liam im Bett sitzen und sortierte Zeug für die Kirche – so war ich bei ihm, tat aber so, als würde mich sein Geschrei und seine Tritte in den Rücken nicht stören. Nach ein paar Minuten wurde das Geschrei weniger ernst und Liam vergaß seine Sorgen.

Er setzte sich ein paarmal probeweise aufs Töpfchen, quetschte mit Müh‘ und Not einen kleinen Tropfen heraus und genoß unseren Beifall. Langsam merkte er, dass wir es ernst meinten und uns riesig über ihn freuten. Und weil er dieses Lob + Aufmerksamkeit schon ganz toll fand, machten wir weiter. Er erlaubte mir, ihm eine Unterhose anzuziehen und ging spielen.

Nach kurzer Zeit kam er mit zerknirschtem Gesichtsausdruck zu mir: „Ich hab aus Versehen depullert…“ Den kleinen Fleck auf dem Teppich hatte er selbst schon mit Toilettenpapier „weggewischt“.
Ich wechselte Unterhose und Socken und machte ihm weiter Mut, immer mal wieder auf die Toilette zu gehen. Das Gefühl, zu „müssen“ und das „anhalten“ waren die beiden wichtigsten und schwierigsten Dinge, die er lernen musste. Emilian versuchte, zu zeigen, wie das „Halten“ geht. Naja, ihr könnt euch denken…

Wir haben einen wunderbaren „Toilettentrainer„, der von Anfang an und noch immer von Emilian genutzt wird. Auch Liam gab mir dann gestern bald das Töpfchen und sagte, ich „könnte es einem anderen Bibi verschenken“.

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Emilian und der Toilettentrainer

Und von da an, bis jetzt, gab es keinen Unfall!
Anfang rannte er alle zwei Minuten mit einem verschmitzten Grinsen „Ich muss auf Toilette!!!!!!“ ins Bad, machte was, spülte (Wehe, einer von uns spülte!) und rannte zurück ins Kinderzimmer. Zwei Minuten später rannte er dann wieder.
Das große Geschäft klappte auch wunderbar – er liebte es, ins Bad zu flitzen und aus allen Zimmern die Jubelschreie zu hören. Als er das erste Mal Emilians Standardsatz „Mama, wisch‘ mir bitte den Popo ab!“ rief, konnte ich mein Glück noch nicht fassen. Der Satz aus seinem Mund!

Die Abstände wurden größer, aber er schaffte es rechtzeitig. In der Nacht bekam er eine Windel und gegen 7:00 Uhr am Morgen bat er mich, ihm die Windel abzumachen, damit er gehen konnte.

Heute bleiben wir noch im Haus, damit er in Ruhe und in Nähe einer Toilette spielen kann. Morgen gehen wir in den Gottesdienst und am Montag werden wir den Erziehern die frohe Botschaft verkünden. Ich kann es echt nicht glauben…

Seit dem 21. März 2010 wickeln wir. Das waren 2070 Tage! Wenn ich pro Tag 3-5 Windeln gewechselt habe, wisst ihr, wieviele Male das waren.

Keine Windeln mehr!
Was für ein Moment im Eltern-Leben!

Comments

  1. Michaela says:

    Wow, Gratulation an Liam! Auf den Moment warte ich bei Ben auch noch(auch wenn mir dann noch ein Wickel Kind bleibt).
    Immerhin haben wir es gestern geschafft, dass er sich von seinem Schnuller getrennt hat. Auch ein Meilenstein.

    1. Marit says:

      Genau, immer mit der Ruhe!
      Sie werden so schnell groß und wir freuen uns über jeden kleinen Schritt 🙂

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