Glück und Gelassenheit

Ich gucke ab und zu regelmäßig auf der Seite nido.de vorbei.
Es gibt dort schöne Beiträge, Interviews, Artikel, Videos, Ideen zu den Themen Familie, selber machen, Wohnen, Unterhaltung… Es werden andere Blogs vorgestellt und die „Links der Woche“ gesammelt. Genau das Richtige!

Eben habe ich einen Artikel zum Thema „Gelassenheit“ gelesen.
Und ich sitze hier in der Sonne am Frühstückstisch, habe Kaffee, Liam wuselt glücklich und summend durch das Wohnzimmer und ich fühle mich unglaublich gelassen und glücklich. Obwohl einige trockene Kleidungsstücke auf dem Wäscheständer hängen, obwohl ich eine Reinigung für meine Kleider suchen will, obwohl ich den Fensterputzer meiner Schwägerin ausprobieren wollte, obwohl ich einen Arzttermin am Telefon bekommen wollte, obwohl ich für diese Woche noch keinen Mittagsplan erstellt habe, obwohl ich für meinen Mann ein Paket bei der Post abholen muss, obwohl ich für eine Trinkflasche einen neuen Strohhalm bestellen wollte, obwohl ich zwei Fotobücher fertig machen muss, obwohl die Sommer-/Winterschuhe getauscht werden müssen und obwohl noch nichtmal der Frühstückstisch abgeräumt ist.
Und der Garten? Egal!
Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!
Und ich bin glücklich, wenn mein Tag gut und ruhig anfängt. Ich nehme mir die Zeit jetzt und erledige die „Arbeiten“ lieber dann, wenn die Kinder dabei sind, denn erstens haben sie auch ihren Spaß dabei und zweitens bin ich nicht so eine
„Spiele-Mutter“, die mit den Kindern Rollenspiele, wie Vater-Mutter-Kind, einkaufen, Arzt, Zoo und wasweißichnicht alles spielt. Vielleicht kommt das noch. Aber Emilian putzt auch mal gern mit mir die Fenster. Dass ich nach seinem Einsatz schnell nochmal wirklich sauber wische, merkt er gar nicht. Liam krabbelt gern unter dem Wäscheständer rum, wenn ich da stehe und Wäsche auf- oder abhänge. Das ist unser Haushaltsraum, nicht der sauberste, in den er sonst nicht darf.. und ich bemühe mich sowieso, meine Arbeit schnell zu erledigen, weil „Wäsche machen“ nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist. Aber ich nehme die Kinder mit und das klappt ganz gut.
Auch beim Einkaufen nehme ich sie mit. Ich plane dann mehr Zeit ein und so können wir zusammen meist stressfrei durch die Läden bummeln und einkaufen. Ich habe Emilian von Anfang an mitgenommen, weil ich ja immer mit ihm zuhause war und jetzt ist es „normal“. Wir gehen zu dritt oder zu viert, manchmal gehe ich natürlich auch alleine, aber mit den Kindern geht es auch. So lernen sie, dass man Lebensmittel bezahlen muss und sie erst nach der Kasse (frühestens) essen darf, sie lernen kennen, was Obst und was Gemüse ist, sie lernen eine Auswahl kennen und lernen, dass man Entscheidungen treffen muss.. wenn sie sich zBspl. eine Kleinigkeit aussuchen dürfen.

Wenn wir uns anziehen, um irgendwo hinzugehen, wird meine Gelassenheit auf die Probe gestellt. Emilian trödelt, Liam macht die Windel nochmal voll, inzwischen ist Emilian wieder in ein Spiel vertieft, dann fehlt das Trinken, die Mütze…
Das geht ja jetzt wieder ein bißchen schneller, wenn es wärmer wird.
Aber ich versuche, mir immer wieder einzureden, dass ICH es bin, die für die Zeit verantwortlich ist. Ich muss rechtzeitig anfangen, ich muss überhaupt mal rechtzeitig aufstehen, rechtzeitig ansagen, dass es losgeht…
Wenn Emilian allein spielt, will ich ihn nicht so gern dabei stören und ausserdem schwebt er dann wirklich in einer anderen Welt und kann nicht auf jedes Rufen seiner Mutter reagieren. Dann kann man die Schuhe schonmal im Spiel anziehen oder kann Abmachungen treffen: „Du darfst noch … und dann machen wir ….!“
Das alles sind (jetzt musste ich gerade Liam und eine blutige Lippe verarzten.. wenn er müde ist, fällt er öfter mal beim Krabbeln auf die Nase) ja, das alles sind kleine Tipps und Tricks, die unseren Alltag ein bißchen ruhiger, langsamer oder wenigstens stressfreier machen. Theoretisch sind 24 Stunden genug – nur einige Dinge müssen eben warten oder ausgelassen werden. Dass das meist Dinge sind, die uns Mütter oder Eltern betreffen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Doch auch den Kindern kann ich sagen, wenn ich eine Pause brauche, wenn ich eben mal nicht vorlesen will, wenn ich mich beeilen will oder wenn ich mal kurz im Bad meine Ruhe haben möchte..
Das verstehen sie und es ist doch im richtigen Leben auch so, dass wir aufeinander hören und uns abwechseln.

Ich bin gut darin, die Kinder anzutreiben, weil ICH nicht zu spät kommen will. Ich bin gut darin, Emilian vom Spielen wegzuscheuchen, weil ICH möchte, dass er irgendetwas anderes macht.
Aber ich möchte auch gut darin sein, die kleinen Pausen und Glücksmomente zu schätzen. Wenn Liam zwei Minuten in meinen Armen liegt, aus seiner Flasche trinkt und mir dabei in die Augen schaut. Wenn Emilian etwas länger braucht, um einen Satz zu beenden, aber wenn dabei tiefe Herzensangelegenheiten zum Vorschein kommen. Wenn Emilian beim Einschlafen meine Hände festhält und an seine Brust drückt, damit ich noch ein bißchen an seinem Bett stehenbleibe.
Wenn Liam auf meinen Schoß gekrabbelt kommt und seinen Kopf gegen meinen lehnt. Dafür möchte ich mir Zeit nehmen.

Ich möchte für meine Kinder glücklich sein. Ich möchte ihnen nicht viele Kurse, Schulen, Angebote anbieten, sondern hier zuhause für sie da sein und ihnen Zeit geben. In dem Artikel, den ich eben gelesen habe, gibt es Regeln für den Umgang mit Kindern von 1918:
– Lass sie in Ruhe.
– Lass sie in Ruhe.
– Lass sie in Ruhe.

Ich wünsche mir und anderen Eltern mehr Gelassenheit.
Durchatmen. Zuhören. Zusehen. Ausreden lassen. Zeit haben. Stehen bleiben.

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