Geschichten für Jungs

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Vor einigen Jahren erschien das Buch „Good Night Stories For Rebel Girls – 1000 aussergewöhnliche Frauen„. Ich fand es kurz toll, aber ich hab ja keine Töchter und … ganz ehrlich gesagt… stört mich der Unterton in diesem „Mädchen, du kannst alles sein“-Hype. Aber das ist ein anderes Thema.

Dann bekam ich die Anfrage, als Rezensionsexemplar „Stories For Boys Who Dare To Be Different – Vom Mut, anders zu sein“ zu testen. Und wir so: Jaaa!

Das Buch ist im Oktober 2018 im Loewe Verlag in der 1. Auflage erschienen, hat 208 Seiten und kostet €19.95. Geschrieben hat es Ben Brooks, der übrigens in Berlin wohnt! Ein Interview mit ihm könnt ihr hier lesen.

Der Autor Ben Brooks hat eine Collage aus persönlichen Geschichten und kleinen Anekdoten zusammengetragen, die von Mut und Individualismus erzählen und Epochen und Kontinente überspannen. Das Alphabet der Helden reicht von Roald Amundsen, dem tollkühnen Polarforscher, bis Philip Zimbardo, der als Psychologe eine Schüchternheitsklinik ins Leben rief. Alles erreichen zu können, so wie man ist:  Diese Botschaft zieht sich als roter Faden durch die Geschichten und versteht sich auch als Impuls der Ermunterung für introvertierte sowie besonders einfühlsame und empfindsame Jungen.

Berühmte Querdenker und unbeirrbare Innovatoren tummeln sich in diesem Who´s who des Andersseins, darunter Ai Weiwei, Barack Obama, Galileo Galilei, John Lennon, Oscar Wilde und viele andere mehr. Eintauchen lässt sich aber auch in weniger bekannte Biografien, wie die von Menschenrechts- und Umweltaktivisten, die drängende aktuelle Weltprobleme in den Fokus rücken.


©Carlota Bird

Ich freute mich riesig, dass wir das Buch lesen durften. Mein Mann beanspruchte das Vorlesen für sich. Und ich ließ ihn machen. Männer sollen Männer-Geschichten lesen!

Hier schreibt mein Mann:

Als Papa von drei Söhnen durfte ich dieses Buch mit meinen Jungs lesen. An dem Buch hat mich interessiert, wer es dort hinein geschafft hat. Und ich war erstaunt, wie viele auch noch lebende Männer ich kannte und gespannt, welche Eigenschaften von ihnen in diesem Buch herausgestellt werden würden.

Solche Sätze wie „Der ist ja so alt wie du, Papa!“ habe ich versucht zu kontern und habe Geschichten vorgelesen, in denen die Vorbilder schon als Kind sehr fleißig waren 😉 Rundum hat das Lesen sehr viel Spaß gemacht und gute Gespräche unter Männern hervorgebracht.

Sehr angenehm fand ich auch, dass es sich nicht um einen langen Roman handelt, der aufeinander aufbaut und sich lang hinzieht. Man kann also mal eben Zeit überbrücken und nur eine Geschichte vorlesen. Oder man kann auch mehrere Geschichten nacheinander verschlingen – ohne zu merken, wie die Zeit vergeht.

Mir gefällt, dass man sich nicht von vorne nach hinten durcharbeiten muss, sondern einfach bei den Menschen anfangen kann, die einen besonders interessieren, aus Sport, Politik, Wissenschaft, Kultur, Natur…

Viele Jungs suchen Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Dabei ist es egal, ob es sich um negative oder positive Vorbilder handelt. Nach jeder Geschichte hat jeder von uns – auch der Papa – gesagt, was er gut an der Person findet, bzw. was er über sie gelernt hat.

Ich glaube, dass durch solche kleinen Momente sehr wertvolle Grundlangen für eigene Lebensentscheidungen getroffen werden. Ich selbst habe mich über einige Männer geärgert, von denen in dem Buch geschrieben wird – einfach weil sie für Dinge gekämpft haben, die im Widerspruch zu meinen Werten stehen. Aber auch von der Lebensweise dieser Männer kann man etwas lernen.

Das Buch bringt also auch unbequeme Fragen ans Tageslicht, allerdings ohne jemandem eine Meinung aufzuzwingen. Wer solche Fragen vermeiden oder vertagen möchte, blättert einfach erst einmal weiter.

In diesem Fall empfehle ich, immer das letzte Drittel vor dem Vorlesen kurz zu überfliegen, in denen zusammengefasst wird, wofür die Männer sich eingesetzt haben und dann zu entscheiden, ob man in der Lage ist, eine zufriedenstellende Antwort zu geben und ob die Kinder diese Themen schon erfassen können.

Besonders spannend fanden wir als Familie zum Beispiel die Geschichte von Alexanders Gerst, von dem sowohl im Buch, als auch in den Medien für Kinder und für Erwachsene zeitgleich berichtet wurde.

Die Auswahl der Personen finde ich spannender als jedes Geschichtsbuch, da viele der Personen noch leben und eine große Bandbreite an Kulturen abgedeckt wird. Die Geschichten beleuchten immer nur einen oder wenige Aspekte einer Person und bringen das mit spannenden Anekdoten gut auf den Punkt.

Klare Empfehlung für das Buch!

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