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Bin ich eine gute Mutter?

Wenn es dafür eine Checkliste gäbe, würde ich wahrscheinlich gar nicht so schlecht abschneiden.

Ich habe in der Schwangerschaft nicht geraucht und fast keinen Alkohol getrunken.
Ich habe „normal“ entbunden.
Ich habe lange und ausschließlich gestillt.
Die Kinder schliefen neben meinem Bett.
Ich bin Pädagogin.
Ich stand und stehe bei jedem nächtlichen Rufen auf.
Ich bin von Geburt an nahezu rund um die Uhr bei ihnen.
Ich gebe ihnen Obst und Gemüse.
Ich bringe die Kinder an die frische Luft.
Ich sage ihnen, dass ich sie lieb habe.
Ich bringe sie zum Lachen.
Ich bringe ihnen Lieder und Spiele bei.
Ich erkläre ihnen die Namen aller Tiere. Und Autos. Und Pflanzen. Und Dinosaurier!
Ich zeige ihnen, wie man kocht und backt, aufräumt, dekoriert, schreibt, malt…
Ich lese vor.
Ich versuche sogar, ihnen eine zweite Sprache beizubringen.
Ich erkläre ihnen die Welt.
Ich bin glücklich.

Das ist doch was!
Und das soll nicht heißen, dass Mamas, die das alles anders gemacht haben, schlechtere Mütter sind!!! Nein, nein. Mommy Wars gibt’s schon genug. Ich bin heute sarkastisch und urteile nicht.

Denn zum ersten Mal in fast 5 Jahren frage ich mich, ob ich eine gute Mutter bin!

Ich gebe zu, dass ich einen hohen Anspruch an Ordnung und Sauberkeit habe. Zu hoch vielleicht, wenn frau mit drei Männern zusammenlebt.
Ich gebe zu, dass ich meine Medien um mich brauche – was nicht heißt, dass ich sie nicht zugunsten der Kinder nutze.
Ich gebe zu, dass ich gern mal ausschlafe. Was auch immer das für eine Mama heißt.
Ich gebe zu, dass ich nicht so gern „Vater, Mutter, Kind“, „Einkaufen“ und sonstige Rollenspiele spiele.
Ich gebe zu, dass ich mich auch mal auf dem Klo einschließe und mir die Ohren zu halte, um einfach mal allein zu sein.

Aber ich bin doch eine gute Mutter, oder?

Zur Zeit bin ich alleinerziehend, in einem fremdem Umkreis, in einem fremden Land, auf einem anderen Kontinent. Da komme ich schonmal an meine Grenzen, was Geduld, Ideen, gute Laune und Toleranz der Lautstärke angeht. Auf der anderen Seite dreht sich mein Leben gerade ziemlich 100% um die Kinder. Echt jetzt. Es gibt keinen Mittagsschlaf mehr und so bleiben mir die Stunden von 21:00 Uhr bis 7:30 Uhr. Die ich mehr für Schlaf nutzen sollte.

Die Kinder bestimmen, wann wir aufstehen und wie bald danach es Frühstück gibt. Die Kinder suchen sich größtenteils ihre Klamotten raus.. und werden überraschender Weise noch immer von anderen Menschen süß gefunden 🙂 Was wir essen, düfen sie mit-entscheiden. Meine Tagespläne sind fast ausschließlich zu ihrer Bespaßung gedacht. Wie schnell wir es vom Haus ins Auto (3m Fußweg) schaffen, entscheiden sie. Wann wir zu dritt aufs Klo rennen, entscheiden sie. Und so weiter…

Scheinbar ist das nicht genug. Irgendwie.
Ich habe mich heute Morgen mit zwei deutschen Freundinnen und am Nachmittag mit einer amerikanischen Freundin getroffen. Zum Quatschen. Mit deren Kindern. AUF DEM SPIELPLATZ! Es war schwer möglich, mit 5 Kindern am Morgen und 4 Kinder am Nachmittag einen Satz ohne Unterbrechung zu wechseln. Emilian weinte und schluchzte, wie gemein es wäre, dass ich immer nur mit meinen Freundinnen reden würde und nie mit ihm. Er wollte getragen werden, er unterbrach uns, er weigerte sich…

Ihr glaubt nicht, wieviele Worte ich täglich mit ihm rede. Auch ohne die Wiederholungen.

Ich weiß, dass Emilian das alles nicht verstehen kann. Dass ich gerade fast ALLES für ihn mache. Wahrscheinlich merken das einige Kinder erst, wenn sie selbst Eltern werden. Söhne vielleicht nie so ganz. Ich möchte nicht, dass er mich so sieht.. als jemand, die alles für ihn tut. Selbst Liams häufige Bedankungen sind mir schon unheimlich.

„Danke Mama, du Kekse backen hast! Du backen hast?“

„Nein, die sind von IKEA.“

„Danke Mama, du Kekse kauft hast! Danke IKEA, du Kekse backen hast! Danke Mama, du Kekse mitnommen hast!“

Heute war es auch Liam, der Emilian einreden wollte: „Mama lieb, odaa?“
Emilian aber ist der Meinung: „Mama, du schimpfst zu viel.“

Ich versuche, solche Sätze von Emilian nicht persönlich zu nehmen. Es gibt ja für alles eine Phase und auch Gründe. Aber es tut weh. Gerade, weil so sehr das Gegenteil der Fall ist. Es tut mir weh, dass er gerade mehr von mir fordert, als ich geben kann. Dass er weint und bockt und schimpft und tobt.. und ich eigentlich auch gern mal weinen und schimpfen möchte.

Ich verstehe sowas von, wie schwer es auch für Emilian ist. Er vermisst Papa, die Abwechslung, die Strenge. Und mir ist heute aufgefallen, dass ich so ziemlich die Einzige bin, mit der er deutsch reden kann. Er kommt nach mir und braucht das Reden. Und ich kann nachfühlen, wie es sich für ihn in englisch-sprachiger Umgebung fühlt. Er kämpft seine Kämpfe und braucht irgendwie ein Gegenüber. Doch da ist nur die Mama, die das nicht kann.

Noch 8 Tage.

Wir haben unsere nächsten Tage gut verplant. Die Grenze zwischen „zu viel unterwegs“ und „zu wenig unterwegs“ ist sehr schmal. Die Zeiten, in denen wir zuhause sind und mit unseren Zeit- und Ordnungs-Plänen klarkommen müssen, werden herausfordernd. Aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass meine Kinder gern mit mir zusammen sind, dass sie meine verrückten Ideen lieben und mir gern helfen. Und diese Ebene muss ich erreichen, ohne ihnen und mir wehzutun.

Noch 8 Tage.
Noch 48 Tage.

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Kartoffel-Quiche

Bei uns gibt es heute Quiche.
Schon zum zweiten Mal mache ich das und es schmeckt uns gut. Liam amüsiert sich, als ich ihm sage, dass es „Kartoffel-Kuchen“ gibt. Während die Quiche im Ofen ist, Emilian vor der Haustür sitzt, Hörspiel hört und schnitzt (er wird ein Mann!) und Liam in der ganzen Wohnung die Lichter ausmacht, tippe ich das Rezept schnell für euch ab.

 

Kartoffel-Quiche

Zutaten:

– 200g Mehl (zur Hälfte Vollkorn)
– 1 Prise Salz
– 100g kalte Butter
– 80ml Wasser
– 500g Kartoffeln
– 150g geriebener Käse
– 200ml Sahne
– 2 Eier
– Salz, Pfeffer, Muskatnuß
– Kräuter wie Majoran, Rosmarin, Thymian…
– 1 Knoblauchzehe

 

Zubereitung

Mehl, Salz, Butter (in Flöckchen) und Wasser zu einem Mürbeteig verkneten. Eine Kugel formen und ca. 30 Minuten kalt stellen.

In der Zwischenzeit die Kartoffel schälen und in dünne Scheiben hobeln. Den Käse mit der Sahne und den Eiern verrühren und mit Salz, Pfeffer, Muskat und Kräutern würzen. Knoblauchzehe pressen und dazugeben.

Eine Springform oder Quiche-Form einfetten. Den Teig ausrollen und in die Form legen. Rand andrücken. Den Teig mit den Kartoffelscheiben belegen und mit der Sahne-Eier-Mischung übergießen.

Die Quiche bei 200 Grad ca. 50 Minuten backen. Wenn sie zu dunkel wird, evtl. mit Alufolie abdecken.

Quiche-Helfer

Das ist es schon. Mehr nicht.
Für euch ist es noch einfacher, als für mich, weil ihr die Mengenangaben nicht erst umrechnen müsst. Boah, wie ich mich auf meine Waage freue! Und 500g Kartoffel kann man nicht in Cups rechnen…

Zum Nachtisch haben wir rote Grütze aus der Tüte gemacht.
Hat Oma aus Deutschland mitgebracht!

rote Grütze

Der Ofen piept. Liam hat eine volle Windel und Emilian freut sich auf den Nachtisch.

Guten Appetit!

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Neue Kindersprüche

Wie geht es euch?
Hilft euch der Family-Activity-Calendar vom letzten Blog-Eintrag im Alltag? Ich habe festgestellt, dass ein paar Aktivitäten für uns nicht funktionieren… Wir haben keinen Schnee (Tag 5), ich habe keinen eigenen Haushalt, den ich mir organisieren kann (Tag 7), wir haben nichtmal eine Badewanne zum Blubbern (Tag 10). Aber wir haben vorgelesen. Und gekuschelt. Und die Indoor-Ideen werde ich mir auch nochmal ansehen.

Heute habe ich meine „Über mich“-Seite ein bißchen aufgepeppt, das könnt ihr euch gern angucken.

Dann gibt es jetzt kleine Knöpfchen, auf die ihr drücken und damit eure Lieblingsbeiträge schnell bei Facebook oder Pinterest teilen könnt. Das hilft mir auch, neue Leser zu bekommen. Nebenbei.

Außerdem werden jetzt am Ende jedes Beitrags frühere Einträge zu ähnlichen Themen vorgestellt. Besonders interessant für neuere Leser, die meine alten Schätze noch nicht kennen. Und ich lese auch selbst gern mal, was zum Beispiel genau vor 2 Jahren war. Oder so.

Jetzt aber zu dem, was ich angekündigt habe:

 

Kindersprüche

 

* Kurz vor Weihnachten saßen wir vier zusammen am Frühstückstisch. Mein Mann und ich sagten Weihnachtsgedichte auf, die wir kannten. Wir fragten Emilian, ob er auch einen Reim sagen konnte. Die Antwort war: „April, April, es ruft der Grill.“

 

* Beim Skypen fragt Oma: „Hallo Liam! Na? Bist du noch zwei oder schon drei?“
Ohne zu überlegen sagt er: „Vieaa!“

 

* Liam zählt gern und er mag es, Zahlen mit den Fingern zu zeigen. Beides passt nie zusammen. Beim Zählen ist inzwischen aus: „Miemm, Ach, Neun“ ein „Eins, Zwei, Vieaa, Mieem, Äiit, Naiin, Ten“ (oder so ähnlich) geworden. Sein Alter kann er mit Zeige- und Mittelfinger zeigen, aber oft kommt dann eben noch ein „Vieaa“ dazu.

 

* Klassiker:
Emilian ist heiser und sagt: „Mein Hals ist verrostet.“

 

* Ich frage eines Morgens:
„Möchtet ihr ein Brot mit Honig?“
Emilian antwortet: „Ich möchte 14 Bröter mit Mutella und mit Honig.“

 

* Von Freunden bekamen unsere Jungs zu Weihnachten zwei Walkie-Talkie im Spiderman-Design geschenkt. (Ich muss wohl nicht dazu sagen, dass das auf Anhieb das coolste Weihnachtsgeschenk ever war.) Während Liam das mit dem Sprechen-und-Knopf-gedrückt-halten nicht so auf die Reihe kriegt, ist Emilian sofort der Profi und würde am liebsten nur noch so mit uns kommunizieren. Wieder einmal klappt es nicht und Emilian hört Liam aus dem Nebenzimmer – und nicht aus dem Walkie-Talkie. Er sagt: „Ich höre dich nur im Ohr.“ (Nicht aus dem Gerät)

 

* Emilian versucht sich im Frühsport. (Das hat er sich bei der einen Folge vom „Mr. Bean“ abgeguckt, die er kennt) Als er fertig ist, sagt er: „Meine Arme und Beine sind ganz vermuskelt.“

 

* Liam kommt mit einer tropfenden Nase zu mir und sagt: „Mama! Nasenhusten!“

 

* Im Geschäft möchte Liam mir was zeigen. Ich laufe neben ihm und er ruft mich:
„Guck mal, Papa…. Mimi.. Miam?“
‚Mimi‘ nennt er Emilian und ‚Miam‘ ist er selbst. Wahrscheinlich hat ihn mein Lachen so durcheinander gebracht, dass er am Ende aus lauter Verzweiflung sich selbst angesprochen hat..

 

* „Mama, möchtest du ein Likörchen?“
Das ist es, was Emilian aus Geschichten lernt. Wenn ich frage, woher er das Wort kennt, kann er auch immer ganz genau antworten.

 

* Emilian parkt sein Fahrrad am Spielplatz und sagt: „Guck mal, es glänzt wie vergnügt im Sonnenlicht.“

 

* Mein Mann und ich streiten sehr selten, fast nie. Und wenn, dann nicht laut und schon gar nicht vor den Kindern. Aus diesem Grund spüren die Jungs sofort die kleinste Spannung zwischen uns. Im Auto passiert es dann, dass Emilian entweder laute Störgeräusche aller Art von sich gibt oder mit den tollsten Argumenten für mich einen von uns Partei ergreift.
In der letzten Woche diskutierten wir dann einmal etwas aufgeregter in der Küche und beide Jungs versuchten, auf ihre Weise, uns zu beruhigen. Emilian verkündete laut irgendwas wie: „Papa muss auf Mama hören. Und Mama auf Papa. Und alle müssen immer nett sein.“
Liam rannte energisch zwischen uns hin und her und sagte immer: „Papa Meinde gehn. Imma. Päh! Flugzeug gehn. Unser Haus. Päh!“

Vielleicht wollte er, dass Papa in die Gemeinde zum Arbeiten geht. Keine Ahnung. Aber gerade bei Liam spüre ich irgendwas von Abschiedsstimmung oder von Zuhause-ist-alles-wieder-gut? Ich weiß es nicht. Eigentlich ist er der, der so langsam Dinge aus Berlin vergisst. Eigentlich war vor Weihnachten gerade die Zeit, in der das Heimweh und das Erinnern weniger wurde. Nun ja.. jetzt wissen sie, dass wir nicht mehr so lange hier sein werden. Verwirrt, die Beiden.

 

* Am Frühstückstisch.
„Mama, wenn ich groß bin, möchte ich Ritter sein. Und was möchtest du, wenn du…. äh… Liam, was möchtest du sein?“
Liam: „Iche Micky Maus sein!“

 

* Während wir bei Yogurtland unsere Eissorten aussuchen, beginnt das Lied „Because I’m happy“ zu spielen. Liam strahlt, dreht sich zu seinem Bruder um, fässt ihn an den Armen an und sagt: „Mimi, unsa Lied!“

 

* Beim Abendessen sagt Emilian:
„Fast hätte ich gerülpst. Und zwar eklig.“

 

* Emilian malt und kommentiert.
„Die Welt ist rund. Und wir sind gerade hier.
Aber wir wohnen hier.
Und ein großes Meer ist zwischen uns und China. Und das alles hier ist der Strand. Und das ist die Welt.

Und hier oben ist der Himmel.
Und da ist Gott. Und da sind die Engel. Und die fliegen immer hier rum.
Und Gott ist in Wirklichkeit viel größer.“

Bild dazu

Gott und die Welt

 

* Liam und ich sitzen im heißen Pool und spielen mit einem Ball. Emilian kommt an und fragt: „Darf ich mitspielen?“ – Liam sagt: „Gerne.“

 

* In einem Hörspiel hören wir: „… und er gab ihr einen Nasenkuss.“
Emilian kichert: „Hihi, Nasenkuss! Darf ich das auch mal bei dir machen?“

 

* „Mama, ich wünsche mir, dass du mal Vierlinge in deinen Bauch machst.“

 

* Während einer Autofahrt schläft Liam ein, kurz vor dem Ziel. Wir versuchen, ihn zu wecken.. erfolglos. Nach ein paar Minuten vergessen wir das und hören plötzlich: „Hier issa wieda!“ Er hatte wirklich geschlafen, glaube ich.. aber er hatte auch gemerkt, dass wir ihn wecken wollten und fand sich sehr lustig.

 

* Am Abend sage ich:
„Wenn ihr morgen wach seid, können wir auf den Spielplatz gehen!“
Mein Sohn:
„Nee Mama, wenn DU wach bist, können wir gehen.“
Ähm. Ja..

 

* Die Jungs sind früh wach und spielen im Wohnzimmer. Emilian zeigt mir später die Sessel und sagt: „Mama, und da haben wir eine Höhle gebaut und darüber gesprochen, wie wir eine Frau kriegen können.“

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Entwicklung und Erziehung

Neben Alltagsgeschichten, Fotos, Berichten von Ausflügen und neuen Entdeckungen gibt es auch ganz pups-normale Entwicklungsschritte der Kinder und pups-normale Alltagssorgen, über die ich heute mal schreiben will.

Falls ihr euch nämlich fragt, ob ich auch irgendwann mal nicht so gut drauf bin: Ja! –
Vielleicht liegt’s am Alter der Kinder und ich hätte diese Sorgen in Berlin auch gehabt?
Ich weiß es nicht. Aber zur Zeit gibt es Momente, in denen ich die Kinder an die Wand klatschen (Hallo Jugendamt: Natürlich nicht wirklich!) und durchschütteln könnte….

Meine Theorie ist, dass die Jungs ihre zwei Monate zum Ankommen gebraucht haben – und die sind jetzt um. Zuerst hatten wir ja noch Besuch und das war toll für die Kinder. Endlich Abwechslung, endlich deutsche Freunde, endlich Leben in der Bude.
Jetzt ist der Besuch weg. Und der Alltag hat uns hart erwischt.

Schon nach den ersten Wochen hier fiel mir auf, wie sehr die Kinder den Garten und einiges Spielzeug vermissen. Duplo, mit dem man stundelang bauen kann. Die Holzeisenbahn, Bausteine. Und Platz vor der Tür, um zu rennen, zu matschen und zu schaukeln. Wir besorgten Bücher, Mal-Zeug, Autos und Bälle… Und ich finde trotzdem, dass sie sich nicht so gut alleine und in Frieden beschäftigen können, wie zuhause. Liam kann das noch eher. Er sitzt gern draussen und sammelt Blätter, singt, sieht den Autos zu und so eben. Das konnte Emilian in dem Alter auch. Aber Emilian ist jetzt groß und kennt die Möglichkeiten, die es gäbe, wenn es sie mal nicht gibt. Und dann hängen sie aneinander und können nicht mit und nicht ohne. Was der eine hat, will der andere auch.. wir haben nicht jedes Spielzeug doppelt.

Wir haben nicht viel Spielzeug. Amerikanische Kinder würden wahrscheinlich sagen, wir hätten nichts. Aber Langeweile müssten meine Kinder nicht haben. Ein Stock und ein Ball reicht ihnen manchmal. Es gibt hier ein „Second Hand Shop“ in der Gemeinde. Man kann dort sowohl Zeug abgeben, als auch kaufen. Alles, Kleidung, Spielzeug, Bücher, Küchenutensilien. Das Angebot wechselt fast täglich, weil der Laden sehr beliebt ist. Emilian wühlt gern in den Kisten. Heute waren wir da und die Kinder haben sich ein paar Bücher, einen Kreisel und ein Auto für $2 gekauft… Meine Güte. Ich gucke nach Schuhen und Kinderklamotten und Liams Kinderbett haben wir auch dort bekommen. Wenn wir zurück nach Berlin gehen, werden wir unser Zeug dort wieder abgeben…

Gestern waren wir mit ein paar anderen Familien bei Freunden aus der Kirche. Im Haus gab es ein Spielzimmer –  und dort gab es alles. Es war nicht zu voll, aber es gab schon irgendwie von allem etwas. Viel Spielzeug mit Licht und Geräusch, das ist hier ganz beliebt. Liam fing sofort an, in der Kinderküche zu kochen und mir Essen zu bringen. Emilian lief von Schrank zu Schrank und von Tisch zu Regal.. und dann sagte er ganz traurig und überfordert zu mir: „Mama, ich weiß gar nicht, womit ich zuerst spielen soll!“
Das fand ich schon krass. Ich könnte mir vorstellen, dass er die „Leere“ hier bei uns genießt, aber warum weiß er dann nichts mit sich anzufangen?

Wir sind entweder bis Papa kommt im Haus und auf dem Spielplatz/am Pool – oder wir bringen Papa zur Arbeit und haben dann das Auto für Unternehmungen.
Gestern und heute haben wir Papa zur Arbeit gebracht, weil ich am Nachmittag das Auto brauchte. Nachdem mein Mann im Büro verschwunden war, kaufte ich mir einen guten Kaffee und ging mit den Kindern auf den Spielplatz, den sie lieben. Danach waren wir in dem Second-Hand-Laden, verabredeten uns mit Papa zum Mittag und fuhren nachhause. Das war gut.
Wenn wir draussen sind, geht es den Kindern gut. Wenn ich das Auto habe, ist das toll – aber es ist anstrengend, denn wir fahren viel, müssen oft vor dem Aufstehen los und sind zu viert von einem Auto abhängig. (Blöd, ich weiß!)

Wenn ich so darüber nachdenke, sind das schon echte Luxus-Sorgen, die ich hier habe.
Ich möchte mich auch nicht beschweren. Ich liebe die Umgebung hier! Es ist unglaublich, dass wir zu jeder Zeit mehrere Spielplätze und einen großen Pool zu Fuß erreichen können. Dass die Sonne einfach immer, immer, immer scheint, ist ein Traum!
Mein Problem ist: Ich möchte vieles gleichzeitig machen. Ich möchte mit den Kindern auf dem Spielplatz sein und lesen. Ich möchte Bücher vorlesen und gleichzeitig was im Haushalt schaffen. Ich möchte mit den Kindern sein und Zeit für Wäsche haben. Und ich vermute, das ist wirklich ein Problem. (Abgesehen davon, dass es sowieso gesünder und effektiver ist, sich voll auf eine Sache zu konzentrieren.) Aber ich bin wirlich gut darin, mehrere Sachen gleichzeitig zu machen!

Wie gesagt: Die Kinder sind angekommen. Sie kennen unser Haus, die Strasse, die Umgebung, die Kirche, das Gelände da und ein paar Freunde. Sie werden sicherer – und auch älter.

Liam ist 2 Jahre und 5 Monate alt und hat es faustdick hinter den Ohren. Noch immer ist er es, der uns mit nur einem Blick zum Lachen bringt. Aber die Trotzphase ist am Start und so gibt es ein mit-dem-Fuß-auf-den-Boden-stampfen, er wirft sich bäuchlings hin, egal, wo er ist und er kann schreien!
Das Stampfen ist okay. Das habe ich Emilian sogar vor kurzem beigebracht, wenn er Wut loswerden musste. Dass Liam es nachmacht, war ja irgendwie klar. Bei ihm sieht es noch süß aus. Das auf-den-Bauch-schmeißen ist auch okay. Es gibt hier keine Pfützen und kaum Hundehaufen.. und es dauert nie lange. Das Schreien… nervt mich. Es tut mir in den Ohren weh, im Herzen und es macht mich wahnsinnig. Eine meiner Schwestern hatte das auch drauf und ich erinnere mich, dass es ihre Art war, sich zu wehren. (Kinder, wie die Zeit vergeht!) Und so ist es mit Liam. Er ist der Kleine, er redet kaum und ziemlich undeutlich, Emilian kann (und will) ihn nicht verstehen – also quietscht Liam. Und dann ist es meine Aufgabe, für Ruhe zu sorgen und von vier unschuldigen Augen die zwei Schuldigen zu finden.
Liam sagt auch mal ordentlich „Nein!“, wenn ihm danach ist. Bei Emilian gab. es. das. nicht! Liam weiß, was er will. Mit ein bißchen Nachdruck, Lautstärke und Erziehung geht es aber wunderbar und diese Phase gilt es jetzt auszuhalten und zu überstehen. Weder soll er sich mehr Freiheiten bei Emilian abgucken, noch soll Emilian sich das Trotzen bei Liam abgucken. Sachen gbt’s…

Emilian ist jetzt 4 Jahre und 5 Monate alt und er kann schüchtern und frech, mutig und weinerlich, ängstlich und übermütig sein. Normal eben. Ich freue mich riesig über die Fortschritte, die er macht. Manchmal schießt er über sich hinaus und geht mutig auf andere zu. Manchmal fragt er mich Dinge, über die ich noch nicht einmal nachgedacht habe. Er denkt oft über den Tod oder das Sterben nach und fragt dann. Aber mithilfe einer tollen Kinderbibel können wir ihm antworten und ich bin dankabr für seinen tiefes, kindliches Vertrauen. Beim Essen betete er letztens: „…und Danke, Gott, dass alle in den Himmel können und keine Angst haben müssen und Danke, dass du uns geschenkt hast, dass wir schon weg sind, wenn die Haut abgeht…“
Er hat einen feinen Humor und ich liebe sein Kichern, wenn er Quatsch erzählt oder über einen Witz lacht. Er hat ’ne wilde Phantasie, was oft dazu führt, dass ihm das Einschlafen schwer fällt. („Mama, ich träume, dass Meerschweinchen an mir knabbern.“)

Heute hat er so getan, als würde er Papa ins Bett bringen. Und sehr süß und fast wortwörtlich hat er ihm die Geschichte von David, dem Hirtenjungen „vorgelesen“. Diese „Zeit zu zweit“ tut ihm gut. Er sagt mir oft, wie lieb er mich hat und er hängt an mir. So habe auch ich eine enge Herzensbindung zu ihm. Wahrscheinlich kann er mich deswegen auch so wütend machen. Ich verstehe nicht, warum er das macht, was er macht. Mit ihm rede ich viel über Regeln.. in der Familie, in der Kirche. Über Höflichkeit und Verhalten. (Ich lese gerade ein Buch dazu und möchte es bald, Kapitel für Kapitel, hier im Blog weitergeben.)
Ich bitte ihn, dankbar zu sein, für das, was er hat – und nicht auf das zu gucken, was er nicht hat.
Ewiges Reden, selbst wir müssen das lernen. Aber wir können ja klein anfangen. Bei Emilian ist es Spielzeug im Laden, Filme, die zuende sind, Süßigkeiten.. Wahrscheinlich die Phase nach der Trotzphase: Auf-das-harte-Leben-vorbereitet-werden-Phase.
Und er kann auch bocken und schreien und trotzen. Nur anders. Erwachsener.
Ich ermutige ihn, Wut rauszulassen.

Er versteht, dass er ein Vorbild für Liam ist und ihm viel beibringen kann. Das macht ihn sehr stolz und Liam ist ein Musterschüler. Er guckt sich aber nicht nur die lobenswerten Eigenschaften ab. Und der große Emilian muss um seinen Platz kämpfen, dem sich der kleine Liam mit riesen Schritten nähert. Das ist interessant – und äußerst herausfordernd. Für mich.

Brüder

Ich kann mir vorstellen, dass mich all‘ das zuhause nicht so stören würde. Da hätten wir Platz und die Nachbarn wären deutlich weiter weg. Hier leben wir enger zusammen und die Nachbarn sind überall. Und das setzt mich unter Druck. Die Wohnung gehört nicht uns. Wir haben keine Lust, Möbel, Wandfarbe, Boden oder Deko-Artikel zu erstatten. (Die ersten Kratzer gibt es natürlich schon)
Ich bin hin- und hergerissen zwischen: „Hallo? Es sind Kinder. Lass sie!“ und „Boah, reißt euch zusammen. Geh da weg. Fass das nicht an. Sei ein bißchen leiser.“
Und es tut mir leid, dass ich die Freiheit für meine Kinder (noch) nicht habe.

 

Damit war ich heute am Ende meiner Kraft. Wir waren mit einem Freund und seinen Töchtern am Pool verabredet, aber ich habe kurz entschlossen meine Männer dort rausgeschmissen und bin einkaufen gefahren. Alleine. Das war sehr gut!

Traum in rosa

Sowas fehlt mir hier. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich zuletzt allein mit meinem Mann unterwegs war…

Am Abend mache ich jetzt wieder „Shred“ und das tut gut. Es tut übrigens auch gut, dass alles mal aufzuschreiben. Morgen werden wir das Auto nicht haben und wir werden in aller Ruhe auf den Spielplatz gehen.

Ich werde ab September an zwei Vormittagen einen Termin haben, die Kinder werden dann in der Kinderbetreuung sein. Emilian braucht das und es wird auch für sein Englisch eine gute Hilfe sein. Und ich brauche das auch. Ausserdem werden wir im September und Oktober fast immer Besuch haben. Darauf freuen wir uns!

 

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Vor dem 1. Geburtstag

Gerade sitze ich mit Liam am Frühstückstisch, die Sonne scheint, leider glitzert noch der Schnee im Garten und Emilian ist bei seinen Freunden im MiniClub.
Ich genieße die Ruhe und freue mich über Liam.

Immer öfter stelle ich fest, wie unterschiedlich die beiden Jungs sind!
Von Emilian waren wir einiges gewohnt und das war dann für uns in den letzten drei Jahren normal so. Emilian war nie richtig laut, er schlief gut ein und ans Essen mussten wir ihn immer wieder erinnern.

Liam hat uns an Lautstärke einiges beigebracht, er schläft vor allem tagsüber viel weniger und er futtert! Seit ich vor einer Woche einfach mit dem Babybrei aufgehört habe, gibt es kein Halten mehr. Er genießt die neuen Konsistenzen und Geschmackserlebnisse! Er isst Portionen in Emilians Größe – wenn nicht sogar mehr, weil Emilians Portionen eben nicht groß sind. Und manchmal glaube ich sogar, Emilian lässt sich von Liams Appetit antstecken…
Liam isst unser Mittag mit, er isst Toast und Brot und Obst und Kekse – wenn das letzte Stück geradeso nicht mehr im Mund zu sehen ist, kommt schon das Zeichen für „mehr“… und das alles ohnen einen einzigen Zahn!

Ich bin sehr dankbar, dass er isst und sitzt und steht und krabbelt und spielt und kommuniziert. Als er in den ersten Monaten solche Bauchkrämpfe hatte, war das nicht leicht für uns. Und jetzt nimmt er fröhlich am Familienleben teil, er liebt seinen Papa und seinen Bruder, er lacht und quietscht und kichert, er möchte dabei sein und mitspielen und mitessen und mitlachen!

Und morgen feiern wir seinen 1. Geburtstag!
Im Elternbrief von dm steht:

„Sehr geehrte Frau B.,
wir feiern den 1. Geburtstag von Ben Liam!
Gemeinsam wagen wir einen kleinen Jahresrückblick: kaum Schlaf, über 1.000 verbrauchte Windeln und unzählige Flecken auf Ihrem Lieblingsshirt.
Anders gesagt – vielleicht die beste Zeit Ihres Lebens!“

Ich denke an meinen Eintrag zum 1. Geburtstag von Emilian… oder an meine Gedanken vor seiner ersten Feier… Und ich bin dankbar!
Ich bin so beschenkt mit meinen süßen Jungs und meinem allerbesten Mann!
Und ich hoffe und wünsche mir und bin eigentlich überzeugt, dass diese Zeit noch nicht die beste Zeit meines Lebens war…

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