Bin ich eine gute Mutter?

Wenn es dafür eine Checkliste gäbe, würde ich wahrscheinlich gar nicht so schlecht abschneiden.

Ich habe in der Schwangerschaft nicht geraucht und fast keinen Alkohol getrunken.
Ich habe „normal“ entbunden.
Ich habe lange und ausschließlich gestillt.
Die Kinder schliefen neben meinem Bett.
Ich bin Pädagogin.
Ich stand und stehe bei jedem nächtlichen Rufen auf.
Ich bin von Geburt an nahezu rund um die Uhr bei ihnen.
Ich gebe ihnen Obst und Gemüse.
Ich bringe die Kinder an die frische Luft.
Ich sage ihnen, dass ich sie lieb habe.
Ich bringe sie zum Lachen.
Ich bringe ihnen Lieder und Spiele bei.
Ich erkläre ihnen die Namen aller Tiere. Und Autos. Und Pflanzen. Und Dinosaurier!
Ich zeige ihnen, wie man kocht und backt, aufräumt, dekoriert, schreibt, malt…
Ich lese vor.
Ich versuche sogar, ihnen eine zweite Sprache beizubringen.
Ich erkläre ihnen die Welt.
Ich bin glücklich.

Das ist doch was!
Und das soll nicht heißen, dass Mamas, die das alles anders gemacht haben, schlechtere Mütter sind!!! Nein, nein. Mommy Wars gibt’s schon genug. Ich bin heute sarkastisch und urteile nicht.

Denn zum ersten Mal in fast 5 Jahren frage ich mich, ob ich eine gute Mutter bin!

Ich gebe zu, dass ich einen hohen Anspruch an Ordnung und Sauberkeit habe. Zu hoch vielleicht, wenn frau mit drei Männern zusammenlebt.
Ich gebe zu, dass ich meine Medien um mich brauche – was nicht heißt, dass ich sie nicht zugunsten der Kinder nutze.
Ich gebe zu, dass ich gern mal ausschlafe. Was auch immer das für eine Mama heißt.
Ich gebe zu, dass ich nicht so gern „Vater, Mutter, Kind“, „Einkaufen“ und sonstige Rollenspiele spiele.
Ich gebe zu, dass ich mich auch mal auf dem Klo einschließe und mir die Ohren zu halte, um einfach mal allein zu sein.

Aber ich bin doch eine gute Mutter, oder?

Zur Zeit bin ich alleinerziehend, in einem fremdem Umkreis, in einem fremden Land, auf einem anderen Kontinent. Da komme ich schonmal an meine Grenzen, was Geduld, Ideen, gute Laune und Toleranz der Lautstärke angeht. Auf der anderen Seite dreht sich mein Leben gerade ziemlich 100% um die Kinder. Echt jetzt. Es gibt keinen Mittagsschlaf mehr und so bleiben mir die Stunden von 21:00 Uhr bis 7:30 Uhr. Die ich mehr für Schlaf nutzen sollte.

Die Kinder bestimmen, wann wir aufstehen und wie bald danach es Frühstück gibt. Die Kinder suchen sich größtenteils ihre Klamotten raus.. und werden überraschender Weise noch immer von anderen Menschen süß gefunden 🙂 Was wir essen, düfen sie mit-entscheiden. Meine Tagespläne sind fast ausschließlich zu ihrer Bespaßung gedacht. Wie schnell wir es vom Haus ins Auto (3m Fußweg) schaffen, entscheiden sie. Wann wir zu dritt aufs Klo rennen, entscheiden sie. Und so weiter…

Scheinbar ist das nicht genug. Irgendwie.
Ich habe mich heute Morgen mit zwei deutschen Freundinnen und am Nachmittag mit einer amerikanischen Freundin getroffen. Zum Quatschen. Mit deren Kindern. AUF DEM SPIELPLATZ! Es war schwer möglich, mit 5 Kindern am Morgen und 4 Kinder am Nachmittag einen Satz ohne Unterbrechung zu wechseln. Emilian weinte und schluchzte, wie gemein es wäre, dass ich immer nur mit meinen Freundinnen reden würde und nie mit ihm. Er wollte getragen werden, er unterbrach uns, er weigerte sich…

Ihr glaubt nicht, wieviele Worte ich täglich mit ihm rede. Auch ohne die Wiederholungen.

Ich weiß, dass Emilian das alles nicht verstehen kann. Dass ich gerade fast ALLES für ihn mache. Wahrscheinlich merken das einige Kinder erst, wenn sie selbst Eltern werden. Söhne vielleicht nie so ganz. Ich möchte nicht, dass er mich so sieht.. als jemand, die alles für ihn tut. Selbst Liams häufige Bedankungen sind mir schon unheimlich.

„Danke Mama, du Kekse backen hast! Du backen hast?“

„Nein, die sind von IKEA.“

„Danke Mama, du Kekse kauft hast! Danke IKEA, du Kekse backen hast! Danke Mama, du Kekse mitnommen hast!“

Heute war es auch Liam, der Emilian einreden wollte: „Mama lieb, odaa?“
Emilian aber ist der Meinung: „Mama, du schimpfst zu viel.“

Ich versuche, solche Sätze von Emilian nicht persönlich zu nehmen. Es gibt ja für alles eine Phase und auch Gründe. Aber es tut weh. Gerade, weil so sehr das Gegenteil der Fall ist. Es tut mir weh, dass er gerade mehr von mir fordert, als ich geben kann. Dass er weint und bockt und schimpft und tobt.. und ich eigentlich auch gern mal weinen und schimpfen möchte.

Ich verstehe sowas von, wie schwer es auch für Emilian ist. Er vermisst Papa, die Abwechslung, die Strenge. Und mir ist heute aufgefallen, dass ich so ziemlich die Einzige bin, mit der er deutsch reden kann. Er kommt nach mir und braucht das Reden. Und ich kann nachfühlen, wie es sich für ihn in englisch-sprachiger Umgebung fühlt. Er kämpft seine Kämpfe und braucht irgendwie ein Gegenüber. Doch da ist nur die Mama, die das nicht kann.

Noch 8 Tage.

Wir haben unsere nächsten Tage gut verplant. Die Grenze zwischen „zu viel unterwegs“ und „zu wenig unterwegs“ ist sehr schmal. Die Zeiten, in denen wir zuhause sind und mit unseren Zeit- und Ordnungs-Plänen klarkommen müssen, werden herausfordernd. Aber im Grunde meines Herzens weiß ich, dass meine Kinder gern mit mir zusammen sind, dass sie meine verrückten Ideen lieben und mir gern helfen. Und diese Ebene muss ich erreichen, ohne ihnen und mir wehzutun.

Noch 8 Tage.
Noch 48 Tage.

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