Szenen aus unserem Alltag 12

Wie geht es euch?
Wie war euer Valentinstag?
Ich habe eine Rose nach dem Gottesdienst bekommen.
Habt ihr ein paar Ideen von meinem letzten Blog-Eintrag ausprobiert? ­čśë
Also, mein Mann kommt ja am Freitag endlich wieder…

 

* Es geht uns gut. Im Gro├čen und Ganzen. Am Anfang dachte ich, ich drehe durch und wir drei werden das niemals ohne Schaden ├╝berstehen.. dann wurde es besser und ich bef├╝rchtete schon, dass sich die Kinder an diese Familien-Zusammenstellung gew├Âhnen… aber jetzt ist die Zeit reif!
Kennt ihr das, wenn ihr beim Sport eine ├ťbung macht, die euch anstrengt, ihr aber noch gut klarkommt? Sobald der Trainer aber sagt: „Noch 10 Mal!“ schafft ihr auch nur noch 10 Mal und keine einzige Bewegung mehr. So f├╝hle ich mich. Noch 3x schlafen und dann sind diese 3 Wochen ohne Mann vorbei! Jedesmal, wenn wir uns ins Auto setzen, fragt Liam, ob wir zum Flughafen fahren!
Wenn er mit Papa skypt, kichert er aufgeregt und ich sehe, dass er seinen Papa viel lieber in echt sehen w├╝rde. Gestern sagte er: „Papa lange weg. Wann wiederpomm?“

 

* In den ersten Tagen hatte ich das Gef├╝hl, die Zeit irgendwie rumkriegen zu m├╝ssen und so kam es auch vor, dass wir mal f├╝r ein paar Stunden einfach durch Gesch├Ąfte gelaufen sind – fast ohne was zu kaufen. Mit meinen Kindern kann man gut einkaufen gehen!
Alle Pl├Ąne, die ich hatte, haben wir gar nicht geschafft und einiges ist liegen geblieben. Im wahrsten Sinne. Es ist nicht aufger├Ąumt bei uns! Meine Sporthose lag heute noch auf dem Badfu├čboden, da hatte ich sie vorgestern hingeschmissen. In der K├╝che steht ein Tee, den ich mir vorhin gemacht habe und noch nicht getrunken habe. Es ist ein gr├╝ner Tee und er sollte mich wach machen. Heute Abend werde ich ihn besser nicht mehr trinken. Die W├Ąsche wartet seit gestern im Trockner auf mich. Unter dem Wohnzimmertisch liegt Spielzeug, die ganze Woche schon! Ich kann tats├Ąchlich solche Sachen liegen lassen und ignorieren. Wir sa├čen n├Ąmlich auch mal ein paar Stunden bei 31┬░C am Pool, wir haben viele H├Ârspiele geh├Ârt, wir haben uns mit Freunden getroffen… An einem Abend habe ich mit den Kindern Popcorn gemacht. Als die meisten K├Ârner gepoppt waren, habe ich den Deckel offen gelassen. Wie die Jungs gelacht haben! Wenn ich „dumme Ideen“ habe, lieben sie mich am meisten.

ApfelgebissApfel-Gebiss

 

* Emilian bettelte schon seit Monaten um ein Pizza-Rezept aus einem Conny-Buch, das er mit mir machen wollte. Wir kauften also Zutaten und fingen an. Emilian half mir, mit einem Glas den Teig f├╝r Mini-Pizzen auszustechen und zusammen belegten sie sie. Emilian wollte unbedingt „Pizza-Gesichter“ machen, wie sie auch Conni macht.

Minipizza                  Pizza

 

 

* Ziemlich sehr regelm├Ą├čig und diszipliniert mache ich meinen neuen Sport. Ich finde ihn toll. Habt ihr schon probiert? Die Kinder gingen oft ein bi├čchen sp├Ąter als sonst ins Bett und aus jetzt-gucke-ich-endlich-mal-Filme-die-mein-Mann-nicht-mag wurde also nichts. Ich kann aber sagen, dass ich mich hier kaum gef├╝rchtet habe. In Berlin war es mir schon manchmal unheimlich, in der Nacht in die untere Etage zu gehen, wenn mein Mann nicht da war. Aber hier.. ist es ruhig und sicher. Ich h├Ątte vielleicht nicht einmal abschlie├čen m├╝ssen. Selbst die parkenden Autos haben teilweise ge├Âffnete Fenster. Ob ich mich daran gew├Âhnen k├Ânnte?

 

* An einem Tag sind wir mit einer Kollegin meines Mannes nach San Diego gefahren. Es war sehr sonnig, als wir losfuhren. Unterwegs war es richtig grau und dunkel, aber das lag nur an den Bergen, denn in San Diego war es wieder strahlend hell. Wir liefen am Wasser entlang, sahen uns die riesigen Schiffe und kleine L├Ądchen an. Die Kinder wurden dann m├╝de und quengelig. Ich sprach englisch mit unserer Freundin und so hatten die Jungs nicht viel von mir.
Zur├╝ck am Auto wunderten wir uns, dass der automatische T├╝r├Âffner die T├╝ren nicht ├Âffnete. Die Batterien waren seit einiger Zeit schwach, aber bis jetzt hatte es immer irgendwie funktioniert. Diesmal nicht. Ich schlo├č die T├╝ren mit dem Schl├╝ssel auf, wir verpackten alles, schnallten uns an und wollten losfahren. Als ich den Schl├╝ssel ins Schlo├č steckte und drehte, passierte nichts. NICHTS. Es gab kein Ger├Ąusch, gar nichts. Wir sahen uns an.. ich war in diesem Moment froh, dass ich nicht mit den Kindern allein war. Wir warteten.. aber das ├Ąnderte nichts. Dann fiel mein Blick auf den Lichtschalter. Das Licht war an! Ich hatte das Licht angelassen!! Das Piepsen bei ge├Âffneter T├╝r, das mich genau davor warnen sollte, hatte ich wahrscheinlich ignoriert, weil ich beim Ankommen, noch bevor das Auto richtig stand, mit Emilian aufs Klo rennen musste. Wie auch immer. Das Auto war tot.
Theoretisch wei├č ich, was in diesem Fall zu tun ist und ich h├Ątte in meinem Handy bestimmt auch die englischen Worte daf├╝r gefunden, aber meine Freundin kannte sich auch aus. Wir standen auf einem Parkplatz und warteten eine Weile auf ein vorbeifahrendes Auto. Wir hatten fast kein Zubeh├Âr im Kofferraum, aber einfach so, weil wir nichts zu tun hatten, stieg ich aus und sah in der Erste-Hilfe-Tasche nach. Und da war tats├Ąchlich dieses Kabel. Rot und schwarz und nagelneu! Wir stellten uns vors Auto, ├Âffneten die Motorhaube, fuchtelten ganz unauff├Ąllig ein bi├čchen mit dem Kabel herum – und schon hielt ein Auto an. Wir schlo├čen die Kabel an – ich startete – und das Auto lief. Wir stiegen ein waren stolz auf uns und fuhren ohne Probleme nachhause.

 

* Als Idee des Februar-Kalenders ├╝berlegten wir, wie wir unserem Postboten eine Freude machen konnten. Ganz so kreativ, wie diese Familie waren wir nicht. Emilian malte ein Bild und ich schrieb ihm „Thank you Mr. Mailman“ vor. Er packte das in einen Umschlag und tackerte! ihn zu. Ich versuchte, ihm zu erkl├Ąren, dass unser Postbote die verschlossenen Umschl├Ąge weiterverschicken w├╝rde. Das ist seine Aufgabe: Briefkasten ├Âffnen, Post zum Verschicken raus nehmen und unsere Post reinlegen. So ist das in Amerika. Und wenn nichts auf dem Brief stand, w├╝rde der Postbote nicht wissen, dass er f├╝r ihn sei… Wir diskutierten eine Weile und verga├čen die Sache erstmal.
Ein paar Tage sp├Ąter hoffte ich, dass Emilian sein Gem├Ąlde vergessen hatte. Ich fand es „nicht perfekt genug“ und… ja, ich warf es in den M├╝lleimer. Er schrieb den Satz noch einmal auf, ich klebte ein paar S├╝├čigkeiten drauf und hoffte, sie w├╝rden im Briefkasten nicht zu weich werden. Emilian war gut dabei und freute sich, jemandem eine Freude zu machen. Als die Karte fertig war, wurde Emilian ganz unruhig, weil er sein Bild nicht finden konnte…
Er suchte. Er konnte es ganz genau beschreiben. Er fing zu weinen an. Und als er im Kinderzimmer war, schlich ich in die Garage, ├Âffnete die M├╝lltonne, w├╝hlte gedem├╝tigt ein bi├čchen in nicht-getrennten M├╝ll und fand den Brief. Emilian strahlte mich an. Nat├╝rlich w├╝rde Mama den Brief finden! Wir klebten die Karte mit den S├╝├čigkeiten an den anderen zugetackerten Brief (der schon im M├╝ll war), in Gedanken entschuldigte ich mich beim Postmann und wir legten es in unser Fach. Nach zwei Tagen war der Brief weg. Wer wei├č…

 

* Emilian war in der letzten Woche der Meinung, mir die n├Ąchste Farbe f├╝r die Fingern├Ągel aus meiner Box suchen zu m├╝ssen. Tats├Ąchlich fragt auch Liam nach, wenn ich lange keine bemalten N├Ągel hatte. Als ich also einen rosa Nagellack auf die Fingern├Ągel malte, kam Liam ins Bad. Er kommentierte irgendwas. „Ah, deine Finger rosa! Rosa Frau.“ oder so. Emilian hat sowas nie gemacht und ich bin fasziniert, wieviel ein kleiner Liam so mitkriegt. Er flitzte dann kurz weg und kam mit meinem iPhone wieder. Darauf zeigte er mir ein Foto, von seinem Farben-Spiel. Daran musste er denken, als er mich so mit dem rosa Nagellack sah..

Rosa Frau

 

* In der letzten Woche plantschten die Kinder zum ersten Mal wieder am Pool. Sie waren nicht drin, daf├╝r war es zu kalt. Aber sie bespritzen sich mit Wasser und hatten Spa├č. Pl├Âtzlich sagte Emilian: „Da ist wieder eine Maus. Aber sie lebt noch.“ Ich sprang aus meinem Liegestuhl und sah, dass da tats├Ąchlich eine winzige Maus herumzappelte. Sie hatte keine Chance herauszukommen und so hielt ich ihr, ohne lange zu ├╝berlegen, das Schwimmbrett hin. Sie krabbelte auf das Brett und ich setzte sie ins Gras.
Die Kinder waren so aufgeregt. Emilian besorgt, Liam ├Ąngstlich.
Wir sa├čen dort schon eine Weile und wir haben die Maus nicht reinfallen sehen – sie war einfach pl├Âtzlich da. An einem anderen Pool fanden wir mal eine tote Maus.. Scheinbar ist das Wasser f├╝r die M├Ąuse nicht so zu erkennen.
Unsere Maus lag im Gras und r├╝hrte sich nicht. Wir legten ihr einen Apfel, einen Keks und Weintrauben hin (da kommt die Tiersch├╝tzerin in mir durch) und lie├čen sie. Nach ungef├Ąhr 2 Stunden machte sie wieder erste Bewegungen, aber sie fiel oft um und war nicht gut drauf. Weil sie immer wieder in Richtung Pool stolperte, nahm ich sie nochmal mit einem Spielzeug-Schwert (was man alles so dabei hat!) und setzte sie weiter weg ins Beet. Wir haben keine Ahnung, was aus ihr geworden ist. Aber das war ein Erlebnis!

Nasse Maus

 

 

* Liam ├╝berrascht uns immer wieder mit Sachen, die wir von Emilian nicht kennen. Das war eigentlich von Geburt an so… Br├╝der, die sich so ├Ąhnlich sehen, k├Ânnen so unterschiedlich sein… Er sieht andere Sachen, er fragt, er findet anderes Zeug lustig und ist in der Zeit hier einiges ├╝ber sich hinausgewachsen. (Das ist Emilian auch!) Interessant ist, was Liam so vor sich hinplappert, wenn er mit Autos oder Figuren spielt. Dabei kommen Sachen zum Vorschein…
In den letzten Tagen h├Ârte ich ihn mehrmals englische W├Ârter oder auch S├Ątze sagen! Mit Akzent. Das waren S├Ątze, die er wahrscheinlich dreimal in der Woche in der Kinderbetreuung h├Ârt. Am Anfang war ich mit ihm dort und kannte die S├Ątze. Ich war so stolz auf ihn und auf meine Nachfrage hin hat er mir alles erz├Ąhlt, was er dort macht, wenn sie zusammen sitzen. Oder er sagt „Good job, buddy“. Haaach. In solchen Momenten finde ich es schade, dass wir nicht l├Ąnger bleiben.

 

* Es ist mir in den letzten Wochen mehrmals passiert, dass ich mich in meine Kindheit zur├╝ckversetzt f├╝hlte. Zum Beispiel, wenn ich die Kinder nachts mit den Z├Ąhnen knirschen h├Ârte. Oder wenn die beiden spielen, pl├Âtzlich stichelt der eine und der andere schreit wie am Spie├č los, weil das zur Zeit seine beste Verteidigung ist. Oder wenn ich f├╝r Emilian „Hausaufgaben“ zum ├ťben schreibe. Dann f├╝hle ich mich wieder wie die gro├če Schwester von drei Geschwistern. Ist das schon so lange her? Merkw├╝rdiges Gef├╝hl.

 

* Am Montag waren wir zum zweiten Mal in einem Kindermuseum, das den Kindern sehr gefallen hat. Nicht ohne Grund suche ich mir f├╝r solche Dinge meist den Montag aus. Obwohl es hier sehr viele gute Angebote f├╝r Familien und Kinder gibt, sind solche H├Ąuser schnell voll. Am Montag Morgen kam mir ganz weit weg der Gedanke, dass es sein k├Ânnte, dass heute ein Feiertag ist. Presidents Day. Ich war mir aber nicht sicher, ob ├╝berhaupt und wenn ja, ob die Schulen tats├Ąchlich geschlossen sein w├╝rden und ├╝berhaupt: Wer w├╝rde denn bei 30┬░C in ein Museum gehen?
Die Antwort: Alle waren sie da. Alle Schulen waren geschlossen und alle Familien hatten die gleiche Idee.
Als Erzieherin und Mutter bringt mich Kinderl├Ąrm lange nicht aus der Fassung. Auch das Laufen und Stehen auf hohen Schuhen kann ich ab. – Aber das war zu viel. Mein Hals tat weh. Liam war ├╝berfordert, Emilian war unruhig und die Schlange hinter uns am Eingang wurde immer l├Ąnger. Wir blieben eine Weile, weil die Tickets nicht billig waren. Ich war froh, dass wir die meisten R├Ąume kannten. Nur zwei Themen-Hallen hatten sich ge├Ąndert. Ich konnte die genervten Mitarbeiter gut verstehen und machte mir zum ersten Mal Sorgen ├╝ber ansteckende Kinderkrankheiten. Wie gut, dass es ├╝berall Desinfektionsmittel-Spender gab.

 

* Auch ein Besuch bei IKEA stand auf unserem Programm. Bei IKEA f├╝hle ich mich zuhause. Bei IKEA war es leer, verh├Ąltnism├Ą├čig. Und bei IKEA gibt es gutes Mittag. Emilian hatte einen Holundersaft und stellte fest: „Das erinnert mich an zuhause…“ Ja, der Baum in unserem Nachbars Garten wartet bestimmt schon auf mich.
Wir spielten, liefen so rum, kauften Kleinkram und ein Eis – was man eben bei IKEA so macht.

 

* Es sind noch 42 Tage.
Ist das zu glauben???
Ich lasse diese „Ich freue mich auf…“-Sachen noch nicht in meinen Kopf. Sie sind da, aber ich ignoriere sie. Noch. Denn sonst w├╝rde ich die letzten Wochen hier verpassen und nicht genie├čen k├Ânnen. Genauso kommen n├Ąmlich die „Das wird mir fehlen…“-Sachen in meinen Kopf. Und beide haben Recht. Oh ja, es ist nicht leicht!
Nat├╝rlich freue ich mich auf Berlin, weil ich dann endlich wieder….. , aber ich wei├č, dass der Abschied hier endg├╝ltig sein wird. Wahrscheinlich. Man wei├č es nicht. Und wir haben noch so viel vor!
F├╝r die Kinder erkl├Ąre ich: „Dann kommt Papa wieder, dann kommt unser Besuch, dann hat Liam Geburtstag, dann hat Emilian Geburtstag und dann fliegen wir nachhause!“ Und sie freuen sich – nicht wissend, wie viele Tage es noch sind. Sie freuen sich auf die Filme im Flugzeug…

Heute haben wir eine deutsche Familie besucht, die wir in der letzten Woche kennengelernt haben. Die Tochter ist 3 1/2 und spricht fast nur deutsch. Ich habe es tief in meinem Herzen genossen, Emilian spielen zu sehen. So richtig mit Sprache und so. Wenn ich das so sehe, wei├č ich, dass Amerika ein wichtiger Teil in seinem Leben war – aber dass er irgendwie nach Deutschland geh├Ârt. Ja, er versteht immer besser und redet sogar mit anderen in englisch und in ein paar Monaten w├╝rde er wahrscheinlich… Aber irgendwie freue ich mich, dass sich die Jungs bald nicht mehr fremd f├╝hlen m├╝ssen.

Ich werde hier bald aufschreiben, auf was ich mich freue. Und auch, was mir fehlen wird.
Wenige Tage nach unserer Landung in Berlin werde ich mich von der 2 vor meinem Alter verabschieden. Normalerweise w├╝rde das eine Krise in mir ausl├Âsen und tausend „Jetzt ist das Leben vorbei“-Gedanken w├╝rden mir durch den Kopf gehen. Aber so habe ich nichtmal richtig Zeit, dar├╝ber nachzudenken. Wenn ich mich dann mit 30 schrecklich alt f├╝hle, dann erinnert mich bitte daran, dass das der Jetlag ist!

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