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12 von 12 im Februar

Heute war ein Familientag. Montag. Schultag. Alltag. Irgendwie alles. Ich hab nichts geschafft – und viel geschafft. Alles durcheinander. Der Tag war voll, aber es gab Pausen. Und Sonne!

Ich habe in diesem Jahr zum ersten Mal das Gefühl, dass ich nicht seit Ende Januar Däumchen drehend da sitze und mit geputzten Fensterscheiben auf Frühling warte – sondern dass der Frühling in diesem Jahr irgendwie auf mich wartet.

Den Garten habe ich so lange nicht beachtet. Ich brauch noch ein bißchen Zeit. Wir haben im Herbst Tulpenzwiebeln gesetzt. Ich weiß noch, wie vorausdenkend ich mich damals gefühlt hab. Und jetzt hab ich keine Ahnung, wo sie auftauchen werden.
Und die Fensterscheiben – ha! Meine Schwester hat sie zweimal geputzt, aber dann sind da wieder diese Kinder. Und Kinder vertragen sich absolut nicht mit geputzten Fensterscheiben.

Aber das ist unser Alltag!
Das ist jetzt so.
Und das ist schön.
Wir haben heute so viel zusammen gelacht. Und Faschingskostüme vorbereitet. Und Kuchen gebacken. Und immernoch die Zimmer „eingelebt“.
Aber guckt selbst:

1. Die kleine Schnute auf dem Weg zur Kita.

 

2. Frühstück bei einer Freundin.
In letzter Sekunde ist mir eingefallen, dass ich Fotos machen wollte. Wenn wir uns treffen, dann reden wir. Und reden. Und egal, ob wir uns 2 oder 4 oder 6 Stunden unterhalten, es endet damit, dass wir beide mitten im Satz aufspringen, weil wir die Zeit vergessen haben und der nächste Termin ruft.

 

3. Sonne. Leider konnte ich sie heute fast nur von drinnen bewundern. Aber es wird wärmer. Und heller. Ich merke das. Der Garten wartet.

 

4. Letzte Winter-Deko vor einem frühlingshaften Nachmittags-Himmel.

 

5. Und wir räumen.
Es macht Spaß, weil wir plötzlich so. viel. Platz haben! Die Jungs hatten seit 5 Jahren ein gemeinsames Zimmer und gemeinsames Spielzeug. Sie geben nicht so zu, dass die Trennung nicht leicht fällt. Aber sie lieben es, das Spielzeug mal aufzuteilen, sich eigenes Zeug auszusuchen und sich dann zu besuchen (aber bitte KLOPFEN!) und sich wieder Spielzeug vom Bruder zu leihen. Haach.

 

6. Meine Schwester schickt Fotos von Experimenten, die sie mit den Jungs am Wochenende gemacht hat.

 

7. Bei Lidl. Echt jetzt?

 

8. Emilian und Papa gehen mit der Ur-Omi zum 88. Geburtstag fein essen.

 

9. Liam hat sich für seine Kita-Gruppe einen Papageien-Kuchen gewünscht. Also backen sie.

 

10. Jari. Ach Beebi. Er macht uns so viel Freude. Er ist so glücklich. So zufrieden mit seiner Familie. Die Tage ohne seine Brüder und das Geräume haben ihn verwirrt. Jetzt sind sie wieder da und lieben und locken ihn – und er ist einfach nur da und schaut und lernt und liebt.

 

11. Der Große hat sich Poster nebens Bett gehängt. Es war doch erst gestern, dass ich meine Poster an der Wand hatte! Haach. Wird es jemals leichter, die Kinder groß werden zu sehen?

 

12. Mein Mann hat mir einen neuen Wischer gekauft. Einfach mal so, das ist nämlich trotzdem kein gutes Geburtstagsgeschenk! Aber einfach mal so hat er mich damit sehr glücklich gemacht. Kein Bücken mehr, kein Auswaschen in der Spüle.. Ich weiß nicht, wann die Böden zuletzt so glänzend sauber waren. Nochmal haach für die kleinen Freuden im Alltag.

 

Morgen plane ich, Teil 5 meiner 1000 Fragen zu beantworten und dann, dann endlich kommt mal wieder ein bißchen Alltags-Geblogge. Einfach mal das, was ich schon lange und angedeuteterweise schreiben wollte.

Ich trage mich noch schnell bei Caro in die 12von12-Liste ein und dann hab ich fertig.

Enthält Affiliate-Links.

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12 von 12 im Juli

Es ist Juli.
Meine Güte.. seit Mo-na-ten warte ich auf den Sommer, und jetzt…
Egal. Lassen wir das.

Es ist Juli.
Und das war unser 12. Juli 2017:

1. Liam kann es jeden Morgen kaum erwarten, Jari zu begrüßen, nach dem er ihn die ganze Nacht nicht gesehen hat. Jeden Morgen.

 

2. Ich bringe einer Freundin, die gerade ein Baby bekommen hat, Mittag und frische Blumen.
Bis jetzt dachte ich übrigens, Jari wäre mein kleines, neugeborenes Baby… Ähm, ist er nicht.

 

3. Ich sehe mir kurz die Videos der „neuen“ Kelly Family an. Haaaach. Die Musik haut mich jetzt noch nicht unbedingt so vom Hocker… aber diese Menschen singen zu hören und zu sehen, macht schon was mit mir. Diese Phase gehörte fest zu meiner Jugend.

 

4. Im Kindergarten gibt es eine neue Magnetwand, an die Kunstwerke der Kinder gehängt werden. Ich find’s toll und Liam ist stolz!

 

5. Ich entscheide mich dafür, die Kinder zu Fuß abzuholen. Es endet wieder damit, dass wir alle nass werden. Noch nie war ich so oft im Regen unterwegs. Ich mag es nicht, aber es ist warm und wir machen das Beste daraus! Ich habe rosa Gummistiefel und einen rosa Schirm (der auf dem Foto ist von meinem Mann) – und Emilian geht mal wieder barfuß nachhause.

 

6. Weil Jari im Kinderwagen auch ein bißchen nass geworden ist, baden wir ihn schnell.
Wir kommen auf 
DIE BESTE IDEE überhaupt und legen ihn in die Wanne – in warmes, nur zentimeterhohes Wasser. Er strampelt vergnügt, saugt an seinem Zeh und wird warm und sauber. Natürlich haben wir ihn nicht aus den Augen gelassen und aufgepasst, dass er sich nicht auf den Bauch dreht. Diese Badezeit macht ihm sehr viel Spaß und ist unkompliziert und rückenfreundlich für uns.

 

7. Bei Instagram gibt es gerade eine „Leben mit Kind“-Reihe, zu der Eltern täglich Fotos zeigen.
Heute hieß das Thema: „Ohne geht’s nicht“.
Ich schreibe über unseren Glauben, ohne den es in unserer Familie nicht geht.

 

8. Darauf habe ich mich schon so lange gefreut: Unsere Sommer-Liste!

 

9. Wir beenden zusammen einen Film, den wir sehr mögen.

 

10. Am Abend treffe ich mich mit Freundinnen und laufe – durch den Regen.

 

11. Emilians Rucksack wird vorbereitet. Er macht morgen mit seiner Klasse einen Abschluss-Ausflug.

 

12. Und jetzt wartet noch ein abendliches Ritual auf mich. Gute Nacht!

Caro sammelt alle „12 von 12“ Blogs und da bin ich heute glatt die Nummer 160!

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Mein Vorschuljunge

Man sagt, dass ich früher mal mehr im Blog geschrieben habe. Sehe ich auch so. Mehr, als nur „12 von 12“ und „Hallo, neuer Monat!“ Und so.

Ich hatte mehr Zeit. Und weniger drumherum. Was auch so alles in meinem Kopf herumschwirrt… Soll ich mal sammeln?

Der Haushalt, Umräum-Pläne hier und da, das Büro sortieren, die Wäsche, Kinderkleidung passend und sauber halten, der Garten, der Mann, abends weggehen und so, die Ehe lebendig halten, die Kinder, der Große und der Kleine, Kitaprogramm, Vorschulkram, Eltern-Treffs, Beziehungen bauen und pflegen, Freundschaften, Freundinnen fragen, wie es ihnen geht, die Familie, Geburtstage, whatsapp, Hochzeitsgeschenke, Karten schreiben, Emails beantworten, die Kirche, Ehrenämter, Veranstaltungen, Kurse besuchen und vorbereiten, mit Freunden wegfahren, mal was für mich, einkaufen, die berufliche Situation, fast kein Einkommen haben, planen, vorsorgen, keine Sorgen machen, die Nägel lackieren, die Nachbarn kennenlernen, Bücher lesen, genug schlafen, gut aussehen, glücklich sein.

Das ist alles so in meinem Kopf. Und noch mehr.
Mein Büro-Job hat mein Leben jetzt nicht unbedingt viel anstrengender gemacht – aber die 11 Stunden in der Woche sind halt weg. Ich bin egoistisch und nehme im Kopf fast nichts von der Arbeit mit nachhause, im Büro nicht an Privates zu denken, klappt nicht immer.

Das soll jetzt keine Ausrede sein, warum ich hier nicht mehr so oft schreibe. Material hab ich im Kopf und Herz genug! Irgendwas muss aber immer warten. So ist das.

Zum Beispiel habe ich in diesem Jahr auch (noch) nicht geschafft, die Geburtstagsbriefe an meine Jungs zu schreiben. Es kostet Zeit und Nerven, aber sowas lohnt sich. Zum Aufschreiben, zum Behalten, zum Vorlesen und zum immer wieder Lesen.

 

Heute schreibe ich deswegen einfach mal so ein paar Gedanken über Emilian auf. Mein Großer. Mein Vorschulkind.

Er ist so toll.
Er ist schlau. Er ist sensibel. Er ist aufmerksam. Er ist ausdauernd. Er ist gewissenhaft. Er ist ehrgeizig. Er ist fürsorglich. Er ist nachgiebig. Er ist humorvoll. Er ist schnell. Er ist gewitzt. Er ist liebevoll. Er ist geduldig. Er ist kreativ.

Wir teilen die Liebe zu Büchern und Hörspielen, die Freude am draußen sein, die Liebe zu Kleinigkeiten und Besonderheiten, die Fähigkeit, Freundschaften zu beginnen und zu halten.

Ich höre gern von seinen Gedanken, Fragen und Antworten und er hilft mir, die Welt zu erklären und zu verstehen. Er hat tolle Lieblingsthemen und kann sich viele Einzelheiten über lange Zeiten hin merken. Die Schule wird ihm neue Welten eröffnen und er wird begeistert in diese Welten eintauchen.

Ach ja… die Schule.
Ich erinnere mich an das kleine, stille, schüchterne Mädchen, das 1991 eingeschult wurde. Und in 4 Monaten ist es für Emilian soweit. Vier Monate!

Unsicherheiten und Sorgen und Fragen bewegen mich. Auf der anderen Seite ein fettgedrucktes „Das haben bis jetzt alle vor uns auch geschafft!“ 
Ich versuche, ganz viel Freude und Neuiger und Vorfreude mit Emilian zu teilen. Ängste werden schon früh genug kommen.

Es gibt Momente, in denen er sich fest an mich klammert und sich keinen Schritt wegtraut. Sehr häufig kam das am Anfang dieses Jahres vor, was mit dem Beginn meiner Arbeit zu tun haben kann. Umso wichtiger ist es mir geworden, Zeiten in Ruhe oder Zeiten zu zweit zu finden.

Weil er im Kindergarten und im Kindergottesdienst gar nicht gern ohne mich sein wollte, habe ich mich gefragt, woran das liegt. Vertraute Personen, gute Freunde, bekannte Umgebung.

Ich habe mich gefragt, was ihm wirklich Spaß macht.
Ist das Kinderzimmer zu voll?
Sind die Wochentage zu voll?
Ist mein Alltag zu voll?

Eine Veränderung brachte auf jeden Fall das wärmere Wetter. Wenn er mit Liam in seiner „Höhle“ oder auf dem Sandberg spielen, experimentieren, phantasieren und an frischer Luft Kind sein darf, ist er ausgeglichener. Eine Runde Rad fahren, schaukeln und klettern tut ihm gut. Hörspiele und Malhefte helfen ihm, den Kopf abzuschalten.

Dann ist mir aber noch eine andere Sache aufgefallen:
Seit Mitte März ungefähr gehen wir regelmäßig, einmal in der Woche zur „Teestube“. Das ist ein kleiner Raum in einer großen Gemeinschaftsunterkunft, ein paar Minuten entfernt von uns.

Es war mir wichtig, dabei zu sein, weil diese Unterkunft so nah bei uns ist und weil die Kinder dort inzwischen fast fließend deutsch sprechen können. Wir sind dort meist so 2 Stunden und trinken Tee, Kaffee oder Kakao, wir spielen und puzzeln, wir klettern und rutschen, wir reden und lachen.

Es ist kein großes Ding für mich. Aber für die Kinder.

Als die Flüchtlingskinder mich nach den ersten Besuchen anlächelten, mich erkannten und nach meinen Jungs fragten, wenn nur einer von ihnen dabei war, wusste ich, dass ich da richtig bin.

Egal, wie voll der Tag oder wie spannend das Spiel gerade ist… Wenn ich rufe: „Wollen wir zur Teestube?“, rufen meine beiden Kinder „Jaaa!“ und ziehen ihre Schuhe an. Das berührt mich sehr, denn ich weiß, wie wichtig diese Beziehungen sind. Für uns alle.

Der Raum der Teestube ist nicht besonders warm, es ist laut und nicht sehr sauber. Die Stühle sind wahrscheinlich von überall gesammelt, es ist eng und die Regale sind voll mit irgendwelchem Zeug. Aber der Raum ist voller Liebe und Leben!

Ich sehe, wieviel Spaß Emilian dabei hat, völlig fremden Jungs ein Spiel zu erklären. Wie er vor Aufregung wie ein Flummi auf der Couch hüpft und die Zahl des Würfels kaum erwarten kann. Wie er loslacht, wenn ein Spielstein weiterziehen darf.

Ohne nachgedacht zu haben, habe ich ein Spiel mitgenommen, bei dem es keine Gewinner oder Verlierer gibt, sondern sozusagen die Gruppe gegen das Spiel spielt. Und der Jubel war soo laut, als die Kinder knapp gewonnen haben.

Die coolen Jungs, die heimlich lächeln, wenn sie eine gute Zahl würfeln. Die schüchternen Mädchen, die ihren Kakao löffeln und mir ihren Namen flüstern. Die Rabauken, die durch den Raum flitzen und alle ihren Namen aufschreiben lassen. Die Brüder und Schwestern, die jeweils dem anderen einen Platz freihalten. Und meine Kinder, die lernen, wie gut sich teilen anfühlt.

In der letzten Woche hatten wir einen Fußball dabei und spielten ein bißchen auf dem Hof. Als es kälter wurde, ging ich mit Liam in den Raum zurück, Emilian blieb draußen.
Später kam ein junger Mann zu mir und fragte mich auf englisch, ob er mit meinem Sohn spielen dürfe. Und dann spielten sie zu zweit, später zu dritt und zu viert – in mehreren Sprachen.

Die „Teestube“ hat mir wieder gezeigt, dass es etwas gibt, was Emilians Herz berührt und fröhlich macht. Ja, ich bin mit ihm da, aber er spielt frei, rennt umher, lacht und tobt.

Ich möchte viele dieser Momente in diesem Sommer mit Emilian erleben, im letzten Sommer vor der Schule. Und ich möchte ihm nicht vermitteln, dass Schule irgendwas mit dem Ernst des Lebens zu tun hat.

Ich möchte ihm zuhören, wenn er philosophiert. Ich möchte auf dem Fahrrad neben ihm fahren und reden. Ich möchte mit ihm lesen und schreiben, backen und Unkraut zupfen. Ich möchte ihn zum Lachen bringen und ihn auf den Schoß nehmen, so oft es geht.

Und wenn all‘ das Neue im Leben zu aufregend für uns beide ist, dann möchte ich ihn mit Geduld und Liebe ermutigen. Und festhalten, wenn es sein muss. Und loslassen, wenn es sein muss.

 

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Kinder aus Syrien

Ganz spontan sind wir heut wieder zu viert in „unser“ Flüchtlingsheim gefahren. Der Besuch war ganz anders, als der am Freitag. Deswegen muss ich euch schnell davon erzählen. (Am Samstag sind die Kinder wieder da, dann hört das alle-zwei-Tage-bloggen auf…)

Mit dem Freund, der auch am Freitag dabei war und einer anderen Freundin fuhren wir gegen 17:00 Uhr zum Heim. Wir waren diesmal vorher angemeldet und wären gar nicht mehr in den Haupteingang gelassen worden, hätten wir das nicht getan. Ein paar Security-Männer fragten sehr genau, wer wir seien, warum wir gekommen waren und dass spontane Hilfe nicht mehr so gesucht war. Als wir allerdings sagten, dass wir zu einer Kirche gehören und gern Kinderbetreuung machen wollten, machten sie augenblicklich Platz und schoben uns fast in das Gebäude. Allerdings erwähnte der „Chef“ noch, dass viele der Kinder wirklich sehr traumatisiert seien und wir uns nicht wundern sollten, wenn sie plötzlich um sich schlagen oder Dinge nach uns werfen würden…

Wir zeigten unserer Freundin kurz die untere Etage. Viele Menschen waren diesmal in den Gängen und Zimmern unterwegs. Es roch nach Rauch, Essen und feuchter Kleidung. Ein paar Jungs und Männer warteten im Kinderraum, sie hatten freie Tickets bekommen und sollten später zum Fußballpiel Hertha – Köln abgeholt werden.

Mein Mann gesellte sich zu ein paar Jugendlichen, die Tischtennis spielten und wir drei gingen wieder in den Kinderraum. Es sah anders dort aus, ein paar Tische fehlten und die vollen Spielzeugkisten waren verschwunden. Die Schränke, die am Rand standen, waren wild durcheinander vollgestapelt und der Boden sah wieder so chaotisch aus. (Noch mehr Puzzleteile) Ein großes Fenster stand offen, Spielzeug lag im Hof, die Poster an den Wänden waren verschwunden – aber der Raum war voller Kinder.

Wir brauchten ein paar Minuten, um uns einen Überblick zu verschaffen. Ich besprach mit meiner Freundin, dass wir uns einfach irgendwo dazu setzen könnten.. malen, Bücher angucken, puzzlen. In der hintersten Ecke saßen zwei Kinder um ein Duplo-Haus herum, kleine Kinder stapften mit unsicheren Schritten über den Boden und wir entdeckten später eine andere deutsche Frau, die mit ein paar Männern die Sprache lernte.

Ich erkannte ein kleines Mädchen wieder, suchte mir einen angespitzten Stift und einen Fetzen Papier vom Boden und kniete mich neben sie. Aber sie wollte lieber Puzzleteile durch die Luft schmeißen. Auch gut, wir hätten sowieso niemals alle Teile eines Puzzles gefunden. Sie legte immer ein Teil auf einen kleinen Holzstock (Warum liegt da sowas rum?), zählte „Eins, zwei, drei“ und warf es fröhlich hinter sich. Eine Mama aus Afghanistan saß mit am Tisch. Ihre Tochter sei 4 1/2 und sie 27, erzählte sie mir. Sie staunte, dass ich schon zwei Söhne habe, denn sie hätte mich viel jünger eingeschätzt.

Meine Freundin saß inmitten einiger älterer Kinder, die alle etwas englisch sprachen und sie waren gut im Gespräch. „Ich heiße“, „Wie alt bist du?“, „Das ist meine Schwester.“ und so weiter. Später saß sie mit einem Vater und zwei Söhnen zusammen und mit Hilfe von Kinderbüchern lernten sie viele Worte wie Auge, Nase, Mund, die Tiere, du, ich, Mann, Frau… in deutsch und arabisch. Der Vater lebt seit 11 Monaten hier und konnte schon ein paar Sätze bilden.

Ich fand ein vollständiges! Holzpuzzle mit Tieren und puzzelte mit dem Mädchen, sie war ungefähr vier Jahre alt, weiter. Sobald ich mich kurz weg drehte, stubste sie mich wieder an und rief „My friend, my friend!“. Ich brachte ihr die Namen der Tiere bei, sie wiederholte sie richtig gut. Immer wieder sagte sie aber „Elefantsch“ und ich versuchte, deutlicher zu sprechen.

Sie gestikulierte, machte Geräusche, um ihre Gesten zu unterstützen und lachte und scherzte. Ich sah mir ihr Gesicht an und fragte mich, was sie in ihrem kurzen Leben schon alles erlebt und gesehen hatte. Wir fanden dann alle Tiere vom Puzzle auch als Kuscheltiere und sie versuchte, sich an die deutschen Namen zu erinnern. Elefant, Eisbär, Reh, Katze, Pferd, Giraffe, Löwe.

Immer wieder flog tatsächlich Spielzeug durch die Luft und immer wieder weinte ein Kind, wenn es getroffen wurde. Mamas oder ältere Geschwister redeten auf die kleineren Kinder ein. Ich versuchte es auch erbärmlich mit „Nein“ und stellte fest, dass sich ja auch einige Kinder untereinander wahrscheinlich nicht verständigen konnten. Eine ältere, verschleierte Frau lief mit ihrem Telefon durch den Raum. Sie hatte feuchte Augen und auf dem Telefon war zu erkennen, dass sie gerade mit jemand skypte und der Person alle Verwandten in diesem Raum kurz zeigte.

Irgendjemand stand plötzlich hinter mir und hielt mir die Augen zu. Ich drehte mich um und sah, dass es dieses Mädchen war, die mich am Freitag nach einer kleineren Hose gefragt hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass sie mich wiedererkennen würde und zeigte ihr, dass ich mich freute, sie zu sehen.

In einer Ecke hatte sich ein anderen kleines Mädchen, wahrscheinlich die Schwester meiner Freundin, einen kleinen Zaun aus Büchern gebaut und nun hockte sie lächelnd in ihrem „Häuschen“. Andere Kinder jedoch warfen die Bücher um und schleuderten Kuscheltiere in ihre Richtung. Mehrmals zog ich eins meiner Mädels vom Regal oder vom offenen Fenster weg. Es herrschte wirklich ein lebendiges Gewusel in diesem Raum.

Inzwischen waren die Fussball-Jungs gegangen, mein Mann hatte beim Tischtennis gewonnen und unser Freund beim Backgammon verloren. Es wurde leerer, weil auch das Abendessen im Nebenraum verteilt wurde. Ich setzte mich zu meiner Freundin und den Jungs, die immernoch Wörter in den Sprachen austauschten. Wir blätterten in einem Donald Duck-Comic, suchten uns Gegenstände und übersetzten sie. Bei Worten wie Banane oder Fisch freuten sich die Jungs, dass es in englisch ähnlich klang. Sie lernten so gut. Der Papa fand ein Kuscheltier hinter sich und fragte uns nach dem Namen. Wir waren uns nicht sicher, was es sein sollte und entschieden uns für „Eichhörnchen“. Er sah uns mit großen Augen an und brach sich fast die Zunge. Als wir es ihm aufschrieben, sagter er: „Nicht gut, nicht gut.“. Aber auch seine Worte nachzusprechen, war wirklich nicht leicht für uns. Als wir uns verabschiedeten, fragten sie, zu welcher Zeit wir morgen wiederkommen würden.

 

Das alles und mehr ist ungefähr in einer Stunde passiert. Länger waren wir nicht da.
Heute habe ich diese vielen, fremden Kinder wirklich in mein Herz geschlossen.

 

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12 von 12 im April

Gestern und heute Morgen hatte ich mal keine Lust, in diesem Monat wieder bei den 12 von 12 mitzumachen. Der Akku meiner Kamera war fast leer und es war Samstag und irgendwie… ach ja.

Ich war mit einer Freundin im Britzer Garten verabredet. Und ich hatte die Kamera mit frischem Akku dann doch dabei. Seht, was draus geworden ist…

Ein bißchen viel Natur heute.. aber schön.
Die Freundin ist meine liebste Jugendfreundin – wir kennen uns länger als 10 Jahre.
Jetzt haben wir zusammen vier Söhne. 1, 2, 3 und 4 Jahre alt. Irgendwie unglaublich.
Also waren wir zwei Mamas heute draussen, in Berlin, unterwegs.
Die Sonne schien so, wie es im Frühling sein muss. Und es war einfach wunderschön!

 

1. In 7 Stunden kommt man da gut rum…

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2. Die ersten Tulpen sind da!

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3. Mutti uff’n Spielplatz

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4. Emilians Übersetzung:
„Achtung! Kröten! Lebensgefahr!“

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5. Frisches Grün

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6. Junge, dreh‘ dich! Junge, dreh‘ dich…

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7. Naturbursche

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8. Auch ein Bursche…

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9. Wie im Traum.

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10. Und ich musste dann den Nuckel aus’m Teich fischen…

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11. Die beiden Kleinen

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12. Das Beste kommt zum Schluss!

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Auf der „12 von 12“-Liste bin ich Nummer 139.
Viel Spaß beim Stöbern!

 

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