Zwischenbericht

Die letzte Woche fängt an. Die letzte…
Sie wird so schnell vorbei sein, zu schnell. An den meisten Tagen haben wir noch zwei Termine. Meist Abschiede. Das wird nicht so leicht und ich merke, dass ich an einigen Orten bereits zum letzten Mal war und einige Personen bereits zum letzten Mal gesehen habe, ohne mich richtig zu verabschieden…

Bis jetzt konnte ich mich emotional ganz gut aus allem raus halten. Ich hab mich einfach auf Berlin konzentriert und nicht so krampfhaft ans Verabschieden. Aber jetzt stelle ich fest, dass es hier Freunde gibt, denen wir wirklich fehlen werden. Und das ist schwer für mich.. sie einfach hier zu lassen und nichts dagegen tun zu können. Ich kann so viele Einladungen nach Berlin aussprechen, wie ich will.. niemand weiß, ob wir Irvine, Californien, die Kirche und die Freunde irgendwann wiedersehen. Krasse Sache.

Ich mag diese Zwischenzeit jetzt überhaupt nicht.
In Berlin hatte ich damals 3 oder 4 Mädels, die zum Packen gekommen sind. Und alles, was eingepackt war, hatten wir bestimmt mehrmals ersatzweise noch im Haus.
Hier bin ich allein, dazu kommen zwei wilde Kerle, die komplett gegen meinen Plan arbeiten. Und: Alles, was ich einpacke, ist weg.
Noch bin ich mir nicht so sicher, ob ich langsam anfangen soll, oder kurz vorm Schluß eine riesige Hau-Ruck-Aktion starten soll. Ersteres wäre besser, oder?

Wir haben erfahren, dass ungefähr 24 Stunden nach unserem Auszug eine Familie aus der Schweiz hier einziehen wird. Sie haben drei kleine Kinder und werden für 3 Wochen hier wohnen. Wir können also sämtliche Lebensmittel, Kinderbetten, Hochstühle, Spielzeug, Kinderbesteck einfach hier lassen. Das ist sehr schön!

Ich freue mich, dass so viele Freunde aus Deutschland unser Leben hier verfolgt haben. Manchmal hätte ich gern auch mehr Lebenszeichen und Neuigkeiten von zuhause gehört – aber das werde ich mir bald alles erfragen.
Immer wieder und aus allen Ecken hören wir, dass man sich auf uns freut, es kaum abwarten kann, schon Treffen und Aktionen plant… Yeah! Bald sind wir wieder da und lassen es krachen, wie eh und je! Dass ich bald 30 werde, wird ja daran hoffentlich nichts ändern.

 

Was ich aus diesem Jahr vermissen werde:

– die Sonne und die Sonne, das Wetter und das Wetter

– die Nähe zum Strand

– die Palmen überall

– die atemberaubenden Sonnenuntergänge

– FlipFlops und Sonnenbrille all year long

– das Automatik-Auto
(Es fährt sich so entspannt damit. Und glaubt mir, wir haben gesehen, wie Leute im Auto telefonieren, texten, essen, trinken, sich schminken, eincremen, kämmen, rasieren!)

– FrozenYogurt

– die Freiheit, mal ein Jahr anders zu leben

– wochenlang Gäste haben

– immer wieder neue, deutschland-fremde Produkte zu entdecken

– Pools und Spielplätze in nächster Nähe

– unzählige kreative Spielplätze im Stadtteil

– in einer großen Kirche untertauchen und Schätze heben

– Mega-Gottesdienste mit immer guten herausfordernden Predigten und immer guter, lauter Musik

– in der Öffentlichkeit nicht belauscht werden können 🙂

– an der roten Ampel rechts abbiegen dürfen

– die vielen Familienzeiten

– großartige Orte um uns herum

– MOPS und die tollen Frauen von meinem Tisch

– das Einpacken der Waren an der Kasse

– keine Mülltrennung. Sorry. Ist bequem. Aber böse!

– die Freundlichkeit von Fremden

– schnell mit allen ins Gespräch kommen

– die schnelle Waschmaschine + Trockner

– Garage als Abstellplatz direkt an der Küche

– die Sicherheit in der Wohngegend

– unsere Lieblings-Familien hier

– Wasserspender im Kühlschrank

– Platz im Kühlschrank 🙂

– Wasserspender in öffentlichen Gebäuden und Parks

– sich nicht um Haus und Hof kümmern zu müssen

– immer wieder neue liebe Menschen um uns herum zu haben

– Oreos

– Milch im Großpack

 

 

Auf was ich mich freue:

– Berlin!

– Familie in der Nähe zu haben

– zu Freunden laufen zu können

– zum Einkaufen, zum Arzt, zur Kirche laufen zu können

– Platz im Haus und Platz im Garten

– meine Kaffeemaschine

– mehr Platz für Kleidung

– beim Shoppen nicht mehr an „die 7 Koffer“ denken zu müssen

– deutsch lesen und sprechen zu können

– mehr Sicherheit für gesundes Einkaufen zu haben

– beim Kochen und Backen nicht mehr umrechnen zu müssen!

– Studentenfutter-Mischung von aldi

– Schwarzbrot

– Pomelo

– Lachs aufm Brot

– Marmelade selbst machen

– frische Tomate mit Mozarella

– viel preiswerter Einkaufen können

– saubere Geldscheine

– dm

– ordentliche Groß- und Kleinschreibung und Interpunktion. Echt jetzt.

– Menschen, die nach mir fragen UND zuhören UND sich später daran erinnern

– ohne Zeitverschiebung mit Freunden reden

– Freunde einfach mal zum Frühstück/Kaffee trinken/Abendessen einladen können

– einfacher Babysitter finden

– Döner

– mehr Platz für die Jungs und ihr Spielzeug haben

– deutsche Kinderbücher vorlesen können

– Fruchtsäfte

– Wasser aus dem Wasserhahn trinken können

– die Badewanne

– in eigenen vier Wänden wohnen und sich so benehmen dürfen

– wieder normal zum Arzt gehen können
(Wir waren hier nicht ein.einziges.Mal!!)

– Ahnung vom Postamt, Strassenverkehr, Arztsystem, … haben

– bei Freunden wissen, wie der Wasserhahn/die Türklinke/die Spülung… funktioniert

– meinen Staubsauger

– ohne Tax bezahlen, bzw. davon wissen 🙂

– Filme in deutsch sehen können

– alle Stecker passen in alle Steckdosen

– wieder ein aktiver Teil einer Kirche sein

– Ideen umsetzen und Neues probieren

– die Kinder in den Kindergarten zu bringen

– bekannte Lebensmittel kaufen, keine Kompromisse

– nicht soweit weg zu sein

– die Kinder einfach mal zu Oma und Opa bringen können

– Kinderbücherei

– meinen Jungs nicht ständig alles übersetzen zu müssen

– mit meinen Jungs zu deutsch-sprachigen Kindern zum Spielen gehen

– nicht mehr nur schriftlich über alles mit Freunden kommunizieren

– mit Bus und Bahn fahren zu können

– irgendwie „normal“ leben

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