WMDEDGT – 6

05. Juni 2019

Am 5. eines Monats möchte ich euch erzählen, was ich eigentlich so den ganzen Tag gemacht habe.
Falls jemand fragt:
„Was macht du eigentlich den ganzen Tag?“
WMDEDGT?

Heute sollte ein ruhiger Tag sein. Nach den ganzen freien Tagen am See und unterwegs (und auch wegen der großen Hitze) wollten wir einfach nur im Garten chillen. Und dann endete der Tag fast in einer.. oder sogar zwei Katastrophen. – Noch 8 Schultage.. mehr schaffe ich nicht.

Mein Wecker klingelt um 6:15 Uhr, aber viel später stehe ich auf. In unserer oberen Etage ist es hell und warm – wir kleben schon, bevor wir aufstehen. Ich gehe in die Kinderzimmer, den Jungs fällt es auch jeden Tag schwerer, aufzustehen. Wir ziehen wenig Kleidung an, einem Jungen ziehe ich die lange Hose wieder aus, dem anderen nehme ich die dicke Jacke aus dem Arm. Es wird warm, Leute!

Jari wird mit wach, aber er frühstückt mit meiner Schwester, die bei uns geschlafen hat und auch wach ist. Die Kinder essen zum Frühstück unseren selbstgemachten Joghurt (Yeah, keine Plastikbecher mehr!) und unser selbstgemachtes Müsli dazu (Doppel-Yeah!) und etwas knapp, aber nicht zu spät laufen wir zur Schule.

Ich bringe die Jungs in Richtung ihrer Klassen, quatsche kurz mit einer lieben Lehrerin und fahre mit dem Fahrrad nachhause. Es ist strahlend hell, noch nicht zu warm.. einfach wunderschön! Zuhause trinke ich einen Kaffee mit meinem Mann und ziehe Jari an, wir fahren zu einer Freundin zum Frühstück.

Bis 12:30 Uhr sitzen wir in einem wunderschönen Garten an einem voll gedeckten Tisch und reden, reden, reden. Die vier Kinder um uns herum spielen, kommen zum Obst naschen und verschwinden wieder. Solche Stunden sind so schön und wichtig.

Auf dem Weg nachhause schläft Jari ein, er merkt nicht, dass Papa ihn zuhause aus dem Auto in den Kinderwagen legt. Ich fahre gleich weiter in die Schule und hole vier Jungs ab. Sie hatten schon lange hitzefrei und sind wenig begeistert, dass ich so spät komme.

Jari schläft tief und fest im Garten. Die Jungs bekommen kalte Getränke und Nudeln mit Tomatensoße, danach ein Eis. Sie sind glücklich, aber erschöpft und ziehen sich je zu zweit zurück, Nach ein paar Minuten wird Jari wach und spielt mit. Wir holen die Hasen in ihr Außengehege, machen den Rasensprenger an und tun, wozu wir Lust haben. Die großen Jungs möchten mit Papa zeichnen und helfen sich mit Youtube-Videos. Die drei Kleinen sind nicht zu sehen und zu hören.

Ich räume den Mittagstisch auf, mache mir in der Küche laut Sommermusik an und bereite einen Waffelteig vor. Ich stelle fest, dass ich in einer Pfütze stehe und wische das Wasser schnell weg. Die Kinder rennen barfuß rein und raus, wahrscheinlich wird einer seinen Wasserbecher ausgekippt haben. Der Boden ist nass und schmutizg – aber heute ist ein Sommertag und sauber machen kann ich auch später. Der Teig ist fertig, die Kinder spielen zu fünft draussen – und ich stehe wieder in einer Pfütze. Es ist Wasser – und ich stehe da und denke scharf nach, woher dieses Wasser kommen kann. Dann sehe ich, dass die Hölzer unter unsere Küchenschränken feucht und leicht gewellt sind. Schnell hole ich meinen Mann aus seinem Arbeitszimmer (Ja, ich bin dankbar, dass ich das kann und Ja, ich gebe handwerkliche Dinge sehr gerne und dankbar an ihn ab.). Ich überlege schnell, ob wir jemand um Hilfe bitten können, aber mein Papa ist an der Ostsee und feiert heute da seinen Geburtstag (Viele Glückwünsche aus Berlin!!) und irgendwie sieht es doch nicht nach Total-Wasserschaden aus.

Wir stellen fest, dass ein Hahn unter der Spüle aufgedreht ist. Mein Mann dreht ihn zu und das Wasser läuft nicht mehr. Wir wischen ein bißchen weiter und freuen uns sehr über die warmen Temperaturen. Wir können nicht hinter diese Bretterverkleidung sehen und vielleicht will ich auch gar nicht wissen, wie es da aussieht. Es entsteht keine neue Pfütze mehr und der Boden dahinter wird hoffentlich auch trocknen.

Für die Kinder stelle ich ein Tablett mit Tellern, Gabeln, neuem Wasser mit frisch selbstgemachten Holunderblütensirup, Apfelmus und Puderzucker auf die Terrasse und fange an, Waffeln zu backen. Schneller, als das Gerät backt, sind die aufgefuttert und mein Herz freut sich, diese fünf verschwitzten, hungrigen, glücklichen Jungs durchs Fenster zu beobachten. Sie kleckern mit Apfelmus, krümeln mit Puderzucker, der Küchenboden sieht nicht schön aus, weil ich mit meinen Schuhen immer wieder raus und rein laufe – aber was soll’s? Es ist Sommer!

Die Mama des einen Jungen kommt, um Holunder zu ernten. Sie schneidet 60 Dolden ab – man sieht dem Baum nicht einmal an, dass etwas fehlt! Die letzten Waffeln sind gebacken und ich stelle mich mit ihr in den Garten zum Quatschen. Die Jungs sind inzwischen vom Wikinger-Schach-Spiel zum Hasen füttern und jetzt zur Wasserschlacht übergegangen. Mit Kleidung oder Badehosen kämpft Sprenger gegen Wasserpistole, es wird laut und nass.

Irgendwann kippt die Stimmung, die Hitze macht uns müde und genervt. Meine großen Jungs streiten sich, es wird lauter, es wird provoziert, es wird gehauen – und plötzlich gibt es Geschrei – und eine zerbrochene Wasserpistole und eine Platzwunde am Kopf…

Wieder stürme ich ins Büro, um meinen Mann zu holen und bringe den einen Jungen ins Bad, wo er sich beruhigen soll. Mein Mann hilft dem anderen, das Blut zu stillen. Die Gastkinder und Jari stehen erstarrt daneben. Nach dem ersten Schreck verabschiedet sich meine Freundin und auch der zweite Gastjunge wird von seinem Papa abgeholt. Volltreffer. Sorry, wir sind eigentlich ganz normal.. sonst.

Als alle Gäste weg sind, der Kopf nicht mehr blutet, die Tränen nicht mehr fließen und wir alle wieder normal atmen, setzen wir uns an den Küchentisch und reden. Und es ist gut. Unsere Jungs sind reflektiert, nehmen Rücksicht, reden mit zitternder Unterlippe über ihre Gefühle und können am Ende sagen: „Es ist alles wieder gut, aber ich möchte jetzt allein sein.“ Ich bin so dankbar für meinen Mann, den Coach, der sanft die richtigen Fragen stellt und den Kindern hilft, das zu klären, wofür sie noch keine Worte haben.

Für mich und mein Herz dauert es ein bißchen länger, bis alles wieder gut ist. Mein Sohn hat gerade dem anderen Sohn eine Platzwunde am Kopf verpasst! Aber vielleicht bin ich auch glücklich, dass das mit 3 Söhnen erst nach 9 Jahren passiert ist… ich weiß auch nicht. Sowieso stelle ich fest, dass ungefähr einmal am Tag, meist gegen Mittag/Nachmittag die Stimmung wechselt und kriselt und ich versuche, herauszufinden, woran das liegt und was ich oder wir dagen tun können. Ferien, wir brauchen euch!

Der Fast-Wasserschaden und Fast-Krankenhaus-Nachmittag wird zu einem ruhigen Abend, an dem die Kinder kreativ und rücksichtsvoll miteinander spielen. Auch das stelle ich in den letzten Tagen fest: Ab 18:00 Uhr beginnen sie mit den besten Spielen und noch 8 Tage, dann muss ich ab halb acht nicht mehr der Spielverderber sein.

Der Große liegt auf dem Liegestuhl und starrt in den Himmel. Plötzlich sagt er: „Da oben hängt eine Radkappe im Baum.“
Was???
Nach ein paar Versuchen sehe ich, dass tatsächlich ganz ganz oben im Baum, weit über unserem Baumhaus, eine Drohne, oder ein Quadrokopter oder so im Baum hängt. Wow! Wir sind ganz aufgeregt und fragen uns, warum und wie lange schon da so ein Gerät in unserem Baum hängt. Es gibt keine Chance, sie zu erreichen.. also lassen wir es dabei.

Mein Mann fährt in die Kirche zur Bandprobe, wir räumen auf, bringen die Hasen in den Stall, ich stelle den Sprenger in meine Beete und zum Abendbrot essen wir wieder Joghurt und Obst. Die müden Kinder werden schnell abgeduscht und ins Bett geschickt. Der Blick in die Kinderzimmer sorgt für nächstes Herzrasen. Ich finde volle Wasserbecher, zerbrochene CD Hüllen, Schuhe und… aber diesen Kampf kann ich jetzt nicht mehr kämpfen. Und wahrscheinlich will ich ihn auch in den nächten 8 Tagen nicht kämpfen. Vielleicht hole ich auch zwei große Kisten, fülle sie mit.. Zeugs.. und gebe sie den Kindern Anfang Oktober wieder. Wer weiß?

Die Jungs liegen in den Betten, wir reden und beten über den Tag. Und es ist gut. Der Ventilator läuft und ich gehe nach unten, um die Küche aufzuräumen. Die zweite Ladung Holunderblütengelee möchte ich kochen – aber die Mischung riecht leider nicht so gut. Wahrscheinlich war es zu heiß. Egal.. dem heißen Kochtopf trauere ich nicht hinterher. Ich stelle den Sprenger um, als mein Mann nachhause kommt. Wir reden kurz, sind erschöpft, aber zufrieden. Wir kriegen das hin. Noch 8 Tage!

Ich schreibe diesen Eintrag und verarbeite, was passiert ist. Puh. Das war ein bißchen zu viel für 24 Stunden, finde ich. Den Boden zu saugen und zu wischen, habe ich vergessen… aber das ist mir egal. In der Dunkelheit sieht das doch keiner. Ich sitze auf der Terrasse mit einem kalten Getränk in wunderbarer Abendluft und komme zur Ruhe. Morgen werde ich als Doula unterwegs sein und freu mich darauf! Auch auf Regen freue ich mich.. und auf einen weiteren ruhigen Tag. Wir werden sehen..

Mehr Berichte eines 5. Juni 2019 könnt ihr euch hier (Klick!) durchlesen.

Comments

  1. estlandmama says:

    Dein Tag ist genauso einer gewesen wie hier so oft. Unsere Jungs sind 14, 12 und 9 Jahre alt, vor ein paar Jahren sind wir mit ihnen alla paar Monate immer wieder in der Notaufnahme gewesen – Jungs eben, sagte ein Freund, der drei Söhne und drei Enkelsöhne (alle von selbem Sohn) hat.
    Vielleicht würde eine Mittagspause helfen? Nicht zum Schlafen bei den Grossen, aber so, dass sie jeder allein eine Stunde oder so etwas leise spielen oder lesen?
    Liebe Grüsse aus Estland!
    Reet (oder Estlandmama)

    1. Marit says:

      Oh wow. Da habt ihr fast den gleichen Abstand. Nur ein paar Jahre weiter 🙂 Vielen Dank für den Tipp. Das ist eine sehr gute Idee – auch für mich als Mama. Ich versuche das mal. Liebe Grüße aus Berlin!

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