Wie es meinem Mutterherz geht

Ich weiß, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind!
Und es fühlt sich so gut an!

Heute war der große Tag!

Nachdem Liam der Kinderbetreuung (ich schreibe dieses lange Wort in letzter Zeit ziemlich oft, aber ich mag keine Abkürzungen) gestern entwischen konnte, gab es heute keinen Plan B.

Wir waren gestern am Nachmittag noch in Santa Monica verabredet. Mein Mann musste arbeiten und eigentlich wollte ich nicht alleine die 70 minütige Fahrt machen, aber meine frühere Kollegin und Freundin ist gerade für 7 Wochen mit Mann und Tochter in den USA unterwegs. Santa Monica war ihr südlichstes Ziel und eigentlich ist es doch verrückt, so eine Chance nicht zu nutzen. Wir trafen uns also am Strand, redeten, ließen die Kinder zusammen spielen – und waren sehr spät wieder zuhause. Ich liebe diese nächtlichen Fahrten mit meinen Kindern eigentlich. Nach so einem vollen Tag sind sie abends oft.. glücklich. Hört sich gerade falsch an, aber es ist so. Wir gurkten in fremden Städten herum, weil das Navi der Meinung war, ich sollte besser nicht auf der Autobahn fahren. Wir hörten Maike (was wir eigentlich auf jeder Fahrt machen, aber bei 13 CDs ist es okay) und redeten ab und zu. Emilian kommt bei nächtlichen Autofahrten auf die verrücktesten Gedanken…

Als wir dann nach 21:00 Uhr zuhause waren, gab es noch schnell einen Joghurt und ich scheuchte die Kinder ins Bett.
Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter, ist mein Leitsatz. Es war nicht leicht, weil ich einfach nur müde war. Nicht genervt, nicht gestresst – nur sehr müde. Aber ich versuchte, die Kinder in Ruhe zuhause ankommen und sie ihren Joghurt aufessen zu lassen. Ich erlaubte Emilian, am nächsten Tag eine lange Jeanshose anzuziehen und mit Liam redete ich noch ein paar motivierende Wörter über ihr-wisst-schon-was. Es endete damit, dass Emilian sagte: „Ich glaube, du bist die beste Mutter der Welt… weil, ich hab dich lieb und du hast mich ja lieb!“
Bäm. Das war es doch wohl wert!

Mit dem „Hase und Igel“-Märchen schliefen sie schnell ein. Ich schrieb dann den Blog-Eintrag von gestern, packte die Kindertaschen, zerschnitt eine Melone für MOPS und räumte die Waschmaschine ein und den Trockner aus. Und dann war es spät. Oder früh.

Heute morgen musste ich die Kinder dann fast vom Bett ins Auto tragen. Sie sind einfach nicht wach geworden. Ich wollte extra früh da sein, weil ich Liam in Ruhe abgeben wollte und weil meine Gruppe das Frühstück für MOPS mitbringen sollte.
Beide Kinder wachten mit guter Laune auf und ich wollte das um jeden Preis halten!
Frühstück würden wir alle drei in unseren Gruppen bekommen, also zogen wir uns an, es gab einen Kakao und wir konnten abfahren.

Liam war sehr gut drauf.
Ich gab Emilian ab, stellte meine Melone kurz zur Seite und flitzte mit Liam in die Richtung seines Raumes. Er war gut gelaunt und lachte und rannte und kicherte und spielte… Als er aber merkte, dass ich vor seiner Tür stehen blieb, zogen dunkle Wolken auf seinem Gesicht auf. Ich nahm in auf den Arm und zusammem guckten wir durch ein Fenster in den Raum. Er strampelte und sagte immer wieder: „Nein!“
Penelope sah uns, begrüßte Liam und riet mir, ihn einfach schnell abzugeben und dann zu gehen. Naja, ist nicht leicht. Ich zeigte ihr Liams Tasche, sagte, was er dabei hatte und gab ihr Liam. Er weinte. Aber nicht aus Angst oder Trauer oder Verzweiflung, sondern einfach, weil etwas Neues bevorstand. Er atmete normal und würgte nicht, wie das sonst ab und zu in ganz schwierigen Situationen vorkommt.

Als ich zum MOPS-Raum ging, konnte ich nicht fassen, dass ich gerade mein weinendes Kind abgegeben hatte und gegangen war. Aber es ging mir gut. Mein Herz zerbrach nicht. Es ging mir nicht „Haa haa, ich habe endlich 2 Stunden Ruhe, egal was die Kinder machen“- gut, sondern es ging mir „Ich weiß, dass es Liam gut geht und dass alles gut wird“-gut.

Ich kam in Ruhe an, traf die Mädels von meinem Tisch und atmete durch. Wir stellten fest, dass zwei von ihnen Söhne in Liams Gruppe hatten und sie gingen ab und zu für mich gucken. „He’s fine! He’s playing. He stopped crying.“ Es ging ihm gut und er spielte!
Und dann konnte ich das zweite MOPS-Treffen wirklich genießen.

 

Abgesehen von diesem wichtigen Schritt in unserem und Liams kleinen Leben kann ich nicht in Worten beschreiben, wie gut mir die MOPS-Treffen tun.

Bei rooted fühle ich mich (noch) ein bißchen fremd. Viele oder alle Frauen sind 10 Jahre älter als ich, teilen andere Lebens-Bereiche und Sorgen. Sie reden über ihre Kinder, die dem Druck des Colleges nicht standhalten können und tauschen Erfahrungen über Gesichtsbehandlungen aus. Das ist hier wirklich so! Als eine Lady dann sagte, sie sei Dermatologin und überhaupt, falls wir Fragen hätten… „Wir könnten doch mal eine Botox-Party zusammen machen!!!“ – wusste ich wirklich nicht mehr, was ich sagen oder denken sollte. Mir fiel dann auf, dass viele von ihnen wirklich schöne Haut, schöne Haare, schöne Figuren haben und dass ich mich um Jahre vertat, wenn es darum ging, ihr Alter zu schätzen. Oh my goodness. Eine Frau ordnete ich in mein Alter oder jünger ein.. bis sie sagte, sie hätte vier Söhne und der älteste sei 18. Und wahrscheinlich hatte sie ihn nicht mit 12 bekommen…
Also.. das ist mir alles noch ein bißchen.. unheimlich.

 

Umso mehr liebe ich die MOPS-Treffen… die zwei, die ich schon hatte.
Wir sind alle Mütter.
Wir haben alle Kinder unter 5 Jahren.
Wir wohnen (zur Zeit) in der gleichen Gegend.
Wir sind alle verheiratet.
Wir sind alle stolz, es an diesem Morgen ohne Kinder an diesen Tisch geschafft zu haben.
Und das reicht absolut schon, um sofort auf einer Wellenlänge zu sein!
(Okay, die Sprache wäre natürlich noch wichtig.. Aber es geht gut!)
Wir können sofort losreden. Jede versteht, was die andere meint. Jede kennt die Sorgen, Freuden, Ängste, Erfolge der anderen. Das ist SO TOLL!

Wenn so eine Grundlage da ist und wir so viel gemeinsam haben, dann fällt es mir leicht, nicht nur auf die schönen blonden Haare und die glatten Gesichter und die schlanken Beine der andere Mamas zu gucken, sondern dann sehe ich starke Frauen, die jeden Tag die gleichen Kämpfe kämpfen, wie ich.

Als eine Mama uns bat, für einen neuen Baysitter für sie zu beten und zwei von uns sofort ihre guten Tipps weitergaben, war ich kurz erschrocken, dass es hier scheinbar „normal“ ist, Babysitter einfach zu engagieren. Über eine Agentur. Sogar „last minute“, wenn es sein muss. Es gibt wohl eine Homepage, auf der man auch nach deutschen Nannys suchen kann… Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Wie auch immer. Wir sind trotzdem auf einer Wellenlänge. Und vielleicht kann ich ja als „gute deutsche bodenständige Mutter“ (die wirklich seit 4 1/2 Jahren fast rund um die Uhr anwesend ist) auch ein paar Tipps weitergeben.

 

Es gab ein wunderbares Frühstück, Kaffee, Zeit zum Reden und ein paar Ankündigungen. Es wurden andere Kurse der Kirche vorgestellt, die Mütter mitmachen können. Bibel Studium, Gebets-Treffen, …
„Finde deine Bestimmung!“
„Lass dein Gebetsleben aufregend und eine Freude sein!“
„Lerne, für deine Kinder zu beten, sie zu segnen!“
Ja.. brauche ich. Alles bitte.

Der Redner, der eigentlich da sein sollte, konnte irgendwie nicht aus Kenia einfliegen und in der Nacht zu Freitag sagte ein anderer Redner zu. (Everything is possible here…) Suresh Kumar. Er ist Inder und ist Chef in einer großen Organisation, die sich um Leprakranke und Waisen in Indien kümmert. Sie haben Tausende versorgt und geheilt und in Familien gebracht – und sie haben Tausende zu Gott geführt. Er, als so ein krasser und einflussreicher und demütiger und gottesfürchtiger Mann redete zu uns hundert Frauen: über seine Mutter.

Sie war diejenige, die als junge Frau als einizige von Hunderten aufstand und ein Leben mit Gott begann.
Sie rief diese Organisation vor fast 50 Jahren ins Leben.

Suresh selbst hat 3 leibliche und 16 Pflegekinder.

Er sprach von der Bühne zu uns – genau in unsere Herzen.
Plötzlich wurden unsere Probleme mit 2 oder 3 Kindern in einem der wolhabensten Orte der Welt ganz ganz ganz ganz klein. Und ich war nicht die einzige, die ab und zu eine Träne wegwischte.

Er redete darüber, wie seine Mutter ohne Mann ihn und seinen Bruder erzogen hat. Wie sehr sie auf Gott vertraut hat. Und wie sehr sie gesegnet wurde.
Er sagte: „Wenn du möchtest, dass deine Kinder so oder so werden, musst du so oder so sein und das vorleben. Ihr seid die nächste Generation Mütter und eure Kinder könnten eines Tages Gottes große Kämpfer sein. Diese Welt bietet so viele Möglichkeiten, nutzt sie!“

 

Am Ende redeten wir ergriffen über seine Worte und vervollständigten den Satz:
„Ich möchte eine Mama sein, die…“

Der Reihe nach sagten wir uns unsere Sätze und redeten darüber.
Ich möchte geduldig sein.
Präsent.
Glücklich.
Aufmerksam.
Ruhig.
Ich möchte mit jedem meiner Kinder Extra-Zeiten verbringen.
Ich möchte hören, wenn mein Kind ruft.
Ich möchte mein Kind nicht anschreien, sondern ansehen und anfassen.
Ich möchte es schaffen, die Wäsche und das Geschirr sein zu lassen,
wenn mein Kind mit mir sein will.
Ich möchte die kurze Zeit, die ich mit meinen Kindern habe, genießen!

„Stell‘ dir die Person vor, die dein Kind einmal sein soll – und sei diese Person!“

Beflügelt und überglücklich holte ich meine glücklichen Söhne aus ihren Räumen.
Liam wollte weiterspielen – was soll ich dazu sagen?

Wir aßen unser Belohnungs-Eis, machten eine lange Mittagspause und gehen jetzt an den Pool!

Belohnungs-Eis

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