Vier Monate Amerika

Ich habe – ehrlich gesagt – mehrmals nachgezählt, ob es wirklich erst 4 Monate sind. Das kann ich nicht glauben! Mir kommt es vor, als wären es 4 Jahre… Ich schrieb schon, dass ich viel Zeit habe und nicht so busy bin – aber wir haben doch schon SO VIEL erlebt! Und wir haben noch nichtmal die Hälfte rum, wenn die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis klappt.

Am 28. August, als wir drei Monate hier waren, saß ich im Flugzeug, den ganzen Tag. Da konnte ich nicht schreiben.
(Ist die Hochzeit auch schon wieder einen Monat her???)

Jetzt sind es also schon vier Monate.. Was soll ich sagen? Es geht uns gut!
Nicht zu gut: Im Hinterkopf steht fest der Gedanke an eine Rückkehr, aber es geht uns sehr gut hier. Es ist kein Opfer, kein Abwarten, kein Striche ziehen… es geht uns gut. Mit den neuen Terminen und den neuen Bekanntschaften wird die Zeit uns jetzt sicher auch nicht mehr lang werden.

 

* Wir hatten bis jetzt 7 Besucher. Mindestens 6 werden es noch, vielleicht gibt es ja noch spontane Entscheidungen eurerseits…?

 

* Unsere Jungs sind jetzt 4 1/2 und 2 1/2.
Wenn schon meine Schwester nach 3 Monaten aus allen Wolken gefallen ist, wird die restliche Verwandschaft erst recht staunen. Liams Sprach-Fortschritte verblüffen selbst mich. Er lernt schnell. Genau so schnell lernt Emilian englisch. Ich wünschte, das wäre der Grundstein für das „Englisch seines Lebens“. Wir sind auf einem guten Weg. Gestern morgen ließ er einen Kinderspruch vom Stapel, der uns Eltern sogar im Halbschlaf zum Gackern brachte. Kommt morgen auf den Blog.

 

* Dank „Shred“ fühle ich mich fit und einigermaßen gesund. Wenn ich eine Waage hätte, würde ich auch wissen, was mein Körper dazu sagt. Meine Beine sind durchtrainiert, Bauchmuskeln gibt es auch wieder. Kann mir bitte jemand sagen, wie ich das überschüssige Fett über den Bauchmuskeln loswerde? Echt jetzt!
Weniger essen? Mehr trinken? Mehr schwitzen? Power-Drink? Smoothie-Rezept? Babyspeck ist nach 2 1/2 Jahren keine Ausrede mehr…

 

* Ein paar Blätter verfärben sich, fallen herunter, es wird abends kühler und es wird früher dunkel. Soweit die Gemeinsamkeiten zu eurem Herbst. Wie „kühl“ es wirklich abends wird und wie un-kühl es tagsüber ist, wäre dann der kleine, feine Unterschied zum deutschen Herbst. Weswegen ich froh bin, JETZT hier zu sein.

 

* Heute habe ich wieder eine deutsche Frau kennengelernt, die mit Mann und 4 Kindern seit ein paar Jahren hier lebt. Je mehr Menschen wir kennenlernen, englisch oder deutsch, desto interessanter wird das Leben hier, desto mehr Geschichten lernen wir kennen – und desto schwerer wird irgendwann der Abschied.

 

* Emilian sagte heute: „Das hier ist die tollste Gemeinde, die ich kenne! (Sorry, Pastor Daniel!)
Ich bin froh, dass es meinen Jungs hier gefällt. Dass der Spielplatz noch nicht langweilig wird. Dass jetzt beide Jungs gern zum Kinderprogramm gehen. Das ist nicht einfach, denn ich kann nicht behaupten, dass ich in den 4 Monaten oft bekannte Gesichter gesehen habe. (800 Kinder pro Sonntag…) Heute haben meie Kinder während des Gottesdienstes so viele Bälle, wie sie konnten, eingesammelt. „Mama, wir machen ein Bällebad. Ich sammele Bälle und Liam passt auf. Und ich hab ihm gesagt, wenn ein anderes Kind kommt, soll er ‚No No No‘ schreien!“

Bällelager

 

* Ich bin froh, dass wir so oft Ausflüge als Familie unternehmen. Los Angeles, San Diego, Las Vegas, Santa Monica, Laguna Beach, Costa Mesa, Beverly Hills, Long Beach, Newport Beach, Point Loma, Santa Ana, Mission Vijeo, Tustin. Wir waren an schönsten Stränden, auf Festivals, in „deutschen“ Ecken, in Parks, in Aquarien.
Ein paar Klamotten mit schönen „California“-Aufschriften hätte ich gern, ein paar Ausflugsziele haben wir noch: Legoland, Disneyland, San Francisco, Yosemite-Nationalpark, Huntington Beach (da, wo der Klinsmann wohnt), Rainbow-Schuh-Outlet, Octoberfest, …

 

* Ich kann jetzt nicht mehr behaupten, ich würde Deutschland nicht vermissen…
Einmal durch meine Strasse laufen und mein Gartentor öffnen, einmal meine Füße auf unseren häßlichen blauen Gemeindeteppich stellen, einmal mit geschlossenen Augen vor Lidls wunderbarer Back-Theke stehen und schnuppern, einmal auf dem Spielplatz Freunde treffen und in deutsch quatschen, einmal das schöne Geräusch hören, wenn ich den on-Knopf meiner Kaffeemaschine drücke, einmal wieder ein paar Gänge in unser Auto würgen, einmal mit den Kindern auf der Terrasse frühstücken, einmal wieder Wasser aus der Leitung trinken, einmal wieder einen Film auf deutsch gucken, einmal einfach ins Auto setzen und zu Mama fahren, einmal gleichzeitig mit meiner Freundin in whatsapp online sein, einmal meine Schwester zum Babysitten bitten und mit meinem Mann mit dem Bus in die Schloßstr. fahren und Sushi essen, einmal Lebensmittel kaufen ohne entsetzt über den Preis zu sein, einmal Emilian ohne Skype mit seinen Freunden reden hören, einmal wieder in ein Croissant beißen, einmal meine Freundin am Morgen zum Beten treffen, einmal mit Emilian und Liam mit der U-Bahn zum Zoo fahren, einmal die fünf neugeborenen Babys meiner Freundinnen sehen (und es werden noch sechs geboren, bis wir wieder da sind!!). Wie lange ich diese Liste weiterführen könnte…

 

* Ich genieße die Sonne. Ich genieße die kurzen Hosen und die FlipFlops. Ich genieße das Meer in der einen und den Pool in der anderen Ecke. Ich genieße die große, vielseitige, freundlich Kirche. Ich genieße das Reden, das irgendwie anders-sein in einer anderen Sprache. Ich genieße das Automatik-Auto. Ich genieße FrozenYogurt. Ich genieße die Berge vor meiner Haustür. Ich genieße die Palmen überall. Ich genieße das schnelle Wäsche waschen. Ich genieße unser Apartment. Ich genieße meine neuen Freundinnen. Ich genieße die christlichen Radiosender. Ich genieße Burger. Ich genieße Kaffee all you can drink. Ich genieße meine gebräunten, blonden, süßen Jungs. Ich genieße, die Kinder wachsen zu sehen. Ich genieße Emails von Familien und Freunden, die zeigen, dass wir trotz der Entfernung noch dazu gehören.

 

Jetzt kann ich mir aussuchen, welche Liste mir besser gefällt 🙂

Ich freue mich auf die nächsten Monate, weil jetzt gerade viele neue Dinge beginnen. Ich bin gespannt, wie Liam die nächste Kinderbetreuung erlebt. Ich freue mich auf neue Mama-Freundschaften. Und ich möchte noch mehr lernen, um es nach Berlin zu bringen.

 

american fall

Herbst am Springbrunnen

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