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Wenn doch erst…

auf 9. Januar 2017

Wie dumm von mir, zu denken, der letzte Eintrag wäre der letzte vor dem Baby gewesen. Nichts ist los hier!
Obwohl, das stimmt nicht ganz.

Gestern wäre die Abfahrt nach Hannover gewesen, die mein Mann nun nicht angetreten ist. Wir verbrachten den Sonntag Nachmittag in der Kirche, um mit Freunden zu essen und zu spielen. Meine Freundinnen überraschten mich mit einer großen blauen Windeltorte und vielen Geschenken und Gutscheinen für mich und die Familie. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet und war wirklich überrascht! Wie schön, dass so viele mit uns mitfiebern und unser Baby jetzt schon so willkommen und geliebt ist!

Emilian kam ganz müde und blass vom Kindergottesdienst. Seine Stirn war ein bißchen heiß und daran hat sich bis jetzt auch nicht viel geändert. Er isst nichts, trinkt nur ganz wenig und das kommt dann sofort wieder raus.
Wir alle hatten keine gute Nacht und ich bin in jeder Sekunde froh, dass mein Mann bei uns in Berlin ist! Am Abend und in der Nacht dachte ich auch irgendwie, dass sich das Baby auf den Weg macht – aber es blieb alles ruhig. Vielleicht wäre es gekommen, wenn es Emilian besser gegangen wäre? Ausser zu warten, das Ziehen im Bauch zu beobachten und die Spuckschüssel bereit zu halten, machen wir heute gar nichts.

Der Sekt ist kalt gestellt, die schöne Windeltorte steht hier neben dem Stubenwagen bereit und es fehlt nur noch das Baby. Die ganzen kleinen gewaschenen und gefalteten Bodys hab ich schon fast wieder vergessen. Das Bettchen ist noch nicht aufgebaut, aber ich glaube, mein Mann sucht nach einem Grund, das Baby mit in unser Bett zu nehmen.

Selbst das Wetter ist nicht mehr nur kalt und stürmisch – es ist ein schönes Winterwetter, bei dem man es sich auf der Couch mit einem kleinen Baby gemütlich machen könnte…

 

Ich hab vor ein paar Tagen mit einer Freundin geschrieben, die in eine neue Stadt gezogen ist und noch nicht so richtig angekommen ist. Und wir beide träumten von einem „Wenn doch erst…“.
Dann erinnerte ich mich an ein ähnliches Gespräch mit meiner Cousine vor 5 Jahren. Ich wartete damals ungeduldig auf die Geburt von Liam und sie auf das Ende ihrer Prüfungen. „Wenn doch erst…“

Mehr als bei anderen Personen kommt dieser Satz in Köpfen von Eltern vor, denke ich.
„Wenn ich endlich schwanger bin…“
„Wenn die Übelkeit endlich vorbei ist…“
„Wenn das Baby endlich da ist…“
„Wenn der Körper sich erst von der Geburt erholt hat…“
„Wenn das Stillen endlich richtig klappt…“
„Wenn es erst sitzen/laufen/allein essen/reden kann…“
„Wenn es erst in die Kita/Schule geht…“
„Wenn die Kinder erst aus dem Haus sind…“

Von einer Phase in die nächste. Es gibt auch wirklich genug Phasen im Leben mit Kindern, in die man sich wünschen oder aus denen man sich wünschen kann. Und die Phasen wechseln schneller und sind einigermaßen absehbar.

Es gibt dieses „Wenn doch erst…“ auch ohne Kinder.
„Wenn die Schule/Ausbildung/Uni erst vorbei ist…“
„Wenn ich erst einen Partner habe…“
„Wenn ich erst den richtigen Job habe…“
„Wenn ich erst die Probezeit überstanden habe…“
„Wenn ich erst im eigenen Haus wohne…“
„Wenn ich erst die Rentenzeit genießen kann…“

Es gibt unendlich viele dieser Gedanken und ich staune, wie oft einer von ihnen in meinem Kopf vorkommt.
Vielleicht helfen diese Gedanken, schwere, zähe Phasen besser zu überstehen. Aber es macht noch etwas mit uns: Wir verpassen, den Moment zu genießen. Wir verpassen einzigartige Momente.

Im gleichen Atemzug, in dem ich mir wünsche, das Baby wäre endlich, endlich da, sehne ich mich vielleicht nach den leichteren Monaten der Schwangerschaft im Sommer zurück. Ich sehe, was war und was noch nicht ist und verpasse, im Moment zu leben und das JETZT zu schätzen.

JETZT kann ich wunderbar ruhige Zeiten mit meinen beiden großen Jungs genießen. JETZT kann ich schlafen, einigermaßen, kann allein duschen und muss das Baby nicht im Arm schukkeln. JETZT muss ich mich nicht um das Essen und den Schlaf des Baby kümmern. JETZT kann ich frei und ohne Kinderwagen oder Autositz einkaufen und Freunde treffen.
Mein Mann saß mir eben beim Essen gegenüber, strahlte mich an und sagte: „Wir können die Zeit jetzt noch nutzen! Was können wir denn jetzt noch machen, was später für lange Zeit nicht mehr geht?“

Ich, schwerfällig und müde und ungeduldig, konnte ihm nicht sehr sinnvoll antworten und ganz schnell waren wir dann doch wieder bei der Vorfreude auf Sushi und Rotwein und meine Beweglichkeit und ordentliche Jeanshosen…

Ich bin immernoch ungeduldig und würde gern wissen, wann es endlich soweit ist. Und ich male mir das Leben mit dem Neugeborenen zur Sicherheit mal in rosarot, bzw. babyhellblau und verdränge die Phasen, die mich dann wieder nerven werden. Und das überhaupt größte „Wenn doch erst…“ ist mein „Wenn doch erst Frühling ist!“

Ich warte auf das Baby, wirklich.
Weil ich mir die Geburt dann nicht mehr vorstellen muss, sondern sie verarbeiten, bestaunen und hinter mir lassen kann.
Weil ich dann mein Baby sehen und halten kann.
Weil ich dann meinen Söhnen zeigen kann, wovon wir ihnen seit Monaten vorschwärmen.
Weil ich dann wieder ordentlich Treppen steigen, meine Fußnägel lackieren, liegen und stehen kann.

Aber ich weiß nicht, ob es in 10 Stunden oder 10 Tagen soweit ist. Und ich möchte hinterher nicht an verschwendete Momente denken, die ich besser anders hätte nutzen können.

Ich möchte die Wartezeit genießen.
Ich bin dankbar für die Ruhe, die uns umgibt.
Ich bin dankbar für unzählige Freunde, die auf den Anruf warten und bereit sind, innerhalb von Minuten hier zu sein, um sich um uns oder die Jungs zu kümmern.
Ich bin dankbar für ein warmes, gemütliches Haus, in das unser Baby bald einziehen wird.

JETZT habe ich Zeit.
JETZT habe ich Ruhe.
JETZT habe ich keine Schmerzen.
JETZT habe ich zwei Söhne, für die ich Mama bin.
JETZT sind die letzten Momente, in denen wir zu viert am Tisch sitzen.
JETZT können wir, wenn wir wollen, einfach spontan aufbrechen, Filme gucken, Freunde besuchen, zusammen UNO spielen.
JETZT.

In welchen Phasen steckst du gerade?
In welche Phasen wünschst du dich?
Welchen Moment kannst du JETZT genießen?


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