Situationen

Heute habe ich mich wirklich gefragt, warum nichts passiert, was ich hier schreiben könnte. Irgendwie gab es wenig herausragende oder äußerst amüsante Ereignisse.. oder ich bin schon zu sehr daran gewöhnt. (Und ich kann es kaum erwarten, die ersten eigenen Kindersprüche zu veröffentlichen.) Dann gab es plötzlich ein paar Situationen hier, dass ich sogar mitschreiben musste, um es mir gut zu merken.

Wenn wir einkaufen, kommt es schonmal vor, dass Emilian auf dem Weg zur Kasse einen Finger tief in die eingepackte halbierte Melone steckt, dass er eine Banane aufbeißt und aussaugt, oder dass er (bisher vergeblich) versucht, seinen Kinderjoghurt zu öffnen. Da kann ich seinen Appetit verstehen, aber heute stellte ich beim Auspacken an der Kasse erschrocken fest, dass es die Butter fast nicht geschafft hätte. Ich müsste diese verdächtige Stille ernster nehmen..

Seit gestern hat sich Emilian einen ganz neuen Sport ausgedacht. Er lässt sich zu mir auf den Schreibtischstuhl heben, klettert hinter mich, setzt sich seitlich hin – die Beine unter die Lehne – und dann rutscht er durch die Lehne bis die Füsse den Boden berühren, zieht den Kopf hinterher, rennt um den Stuhl herum – und von vorn!

Dann musste ich heute zwei ernste Erziehungsmaßnahmen ergreifen.
Frechheit + Charme ist gar nicht gut, um ernst und konsequent zu sein!
Ich sitze im Kinderzimmer, Emilian war lange nicht zu sehen und nicht zu hören – dummerweise hab ich nicht darauf geachtet. Irgendwann kommt er dann angeschlendert, wieder sehr freundlich und irgendwie vergnügt. Mir fällt auf, dass er komisch und verlegen mit seinem Kuscheltuch hantiert und ich gucke, ob er darin irgendetwas eingewickelt hat. Er hält es mir sofort hin und beim Anfassen merke ich, dass es total nass… und orange gefärbt ist. (Er hat den Rest Möhrensaft aus seiner Flasche in das Tuch gedrückt – Verbot!) Ich bin froh, dass er wenigstens ins Tuch und nicht zu den anderen Flecken auf unsere weiße Couch gekleckert hat – lasse es mir aber natürlich nicht anmerken. Die ersten bösen Wörter kommen aus meinem Mund, er guckt mich ganz offen und ernst an (weil er genau weiß, dass er etwas verbotenes getan hat) und zeigt dann schuldbewusst in Richtung Küche. Ich nehme ihn an die Hand und gehe in den Flur – und sehe eine große Saftpfütze auf dem Boden.. Mich ärgert, dass er ganz genau weiß… naja.
Die Konsequenz ist, dass wir uns endlich von der alten Flasche trennen werden. Er liebt sie und trinkt sehr gut daraus, aber sie ist eben etwas kaputt und läuft aus. Bis jetzt trinkt er aus keiner anderen Flasche, aber heute haben wir uns eine neue Spezial-Flasche geleistet. Emilian hat sie sofort angenommen und versucht mit großem Ehrgeiz, daraus zu trinken. Das muss er jetzt lernen!

Beim Abendbrot hat er heute zum ersten Mal selbst das Essen für beendet erklärt, indem er einfach das Babyzeichen für „Hände waschen“ gemacht hat. Mit einem Stück Käse und einem Wienerwürstchen konnte ich ihn aber überzeugen, noch zu bleiben. Leider wirft er sein Brot oder sein Besteck gern auf den Boden, wenn er etwas besseres sieht oder einfach keinen Hunger mehr hat. Aber auch da weiß er, was wir davon halten! Heute gab es Wurstbrotstücken, er aß auch gut, sah dann aber mein Käsebrot und ließ sein Brot vor sich auf dem Tisch liegen. Manchmal isst er es einfach später, aber heute lag es da, bis er kleine Krümel daraus machte und sie unter den Tisch warf. Böse Worte und Blicke und ein Klaps auf die kleine Hand, große verständnisvolle Augen gucken mich an. Da er noch nicht spricht, frage ich mich, welche Worte meiner Predigt er überhaupt versteht. Ein bißchen später fällt ihm der Nussknacker, mit dem er beim Essen gern spielt, aus der Hand und rutscht unter den Tisch. Ich esse weiter, denn er hat ihn ja nicht absichtlich geworfen. Er guckt erschrocken dem Nussknacker hinterher.. hebt eine Hand, haut sich damit ein bißchen auf die andere Hand und guckt mich wieder ernst an. Ich muss lachen, weil er so lustig und auch wichtig aussieht – da hält er sich selbst die Hände vor den Mund und lacht auch.
Mist, ich glaube, ich hab’s versaut..

Comments

  1. Steffi says:

    Hey Marit,

    auch wenn ein Kind nicht sprechen kann, versteht es doch vieles. Kannste mir glauben, ich spreche aus Erfahrung 🙂

    Liebe Grüße
    Steffi

  2. Marit says:

    🙂 Wenn er nur eins von uns lernt, dann soll es Humor sein!

  3. Nee, Marit – nix hast du versaut. Kinder sind wie ein Spiegel. Mein Spiegel heißt Cedric, deiner Emilian. Oder war es doch Christians Spiegel?
    Neee, nach Rücksprache mit deinen Eltern wird klar sein, dass es dein Spiegel ist. Wetten?

    Ich mag deinen Post 🙂

    Grüße,

    Karsten

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