Ruhepause

Zur Zeit wohnen wir bei Oma und Opa, weil der Papa weit weg ist und weil wir eine zu leere Wohnung und ein unordentliches und halbfertiges Haus haben.

Den Umzug haben wir mit viel Hilfe schnell überstanden und wir haben sogar eine Nacht im neuen Haus geschlafen. Emilian war fröhlich und gut dabei, dann hat er Fieber bekommen und hat so wahrscheinlich seine Verwirrung und sein Gefühl der Heimatlosigkeit zum Ausdruck gebracht. Manchmal tut es mir so leid, dass er keine Fragen stellen kann und mit uns mit muss – egal, ob wir sein Kinderzimmer ausräumen oder Wände anmalen oder fremde Leute in unser neues Zuhause lassen. Aber wir versuchen, es ihm so angenehm und ruhig wie möglich zu machen, kramen geliebte Spielzeuge aus, retten Kuscheldecken und vertraute Gegenstände aus den Umzugskisten und verbringen entspannte Zeiten mit der Familie. Andererseits sage ich mir auch, dass er sich später kaum an diese Zeit erinnern wird.. selbst unsere Wohnung, die das Nest ist, in dem er aufgewachsen ist und die ihm so vertraut ist, wird er vergessen.
Hier bei Oma und Opa geht es ihm gut, er taut auf, verkraftet das Ungewohnte und ich freue mich darauf, ihm bald sein neues Kinderzimmer vorstellen zu können.

Mich begeistert und überrascht täglich, dass aus meinem Baby langsam ein kleines großes Kind geworden ist. Das Kind hat einen eigenen Willen, lernt plötzlich schnell neue Wörter und vergisst sie scheinbar nie wieder, es ahmt nach – schneller, als wir gucken können und bringt uns mit seinen Schlussfolgerungen und Zusammenhängen zum Lachen.

Wenn ich mit Emilian ein Buch angucke und zum Beispiel auf einen Elefant hinweise, der den Rüssel hoch in die Luft streckt, dann strecke ich meinen Kopf auch nach oben, um das Bild zu verdeutlichen. Später schlägt Oma diese Seite mit ihm auf und wundert sich über Emilians gestreckten Hals und seinen wichtigen Blick nach oben.

Die Wörter, die er lernt, versucht er auch passend anzuwenden. Letztens saß er im Auto, der Keks war aufgegessen und plötzlich hörten wir „Bitte Nuckel“ von hinten!

Er erinnert sich an Situationen, die so lange her und unwichtig erscheinen.
Beim Besuch einer Therme faszinierte ihn besonders eine große bunte Schlange im Kinderbecken, aus deren Mund gelegentlich Wasser spritzte. Vor einigen Wochen ging es ihm scheinbar nicht so gut und eine Ladung Tee kam in hohem Bogen aus seinem Magen zurück. Verwundert über diese Flüssigkeit, die aus ihm herausspritzte, erinnerte er sich an das Wasserbecken und machte mit dem Mund das Zischgeräusch der Schlange.

Er lernt so viel, spricht Laute nach, die ich ihm nie zugetraut hätte und setzt sogar Wörter in Lieder ein, wenn wir sie beim Singen auslassen.
Aber er zeigt auch, dass er Ruhe und Nähe und Vertrautes braucht, schläft gut ein und freut sich am Morgen, uns zu sehen. Diese Pause tut uns gut – ich freue mich aber auch darauf, mit Emilian unser neues Zuhause zu entdecken!

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