Wieder da?!

Ich frage mich, warum ich dachte, dass diese Durcheinander-Phase automatisch bedeutet, dass auch mit Emilian weniger passiert. Einerseits befinden wir uns noch im Ausnahme-Zustand ohne Papa, ohne Internet, in halb-fertigen Zimmern und mit mehr Nächten bei Oma und Opa als im neuen Zuhause – aber andererseits ist Emilian gerade in den letzten 2 Wochen deutlich „erwachsener“ geworden.
Er weiß jetzt genau, wer zur Familie gehört, kann die ca. 20 Personen zuordnen und braucht viel weniger Zeit zum warm-werden, obwohl wir so oft unterwegs sind und mal hier und mal dort übernachten. Bei allen Verwandten kennt er inzwischen die Spielecken, flitzt sicher und selbstbewusst durch die Gegend und hat seine Rituale. Das bedeutet bei der einen Ur-Oma, dass er die Tischdecke vom Tisch zieht, ein paar Würfel aus dem Schrank sucht und diese über den Tisch schnipst. Vor dem Mittagsschlaf im Garten müssen die Hühner des Nachbarn begrüßt werden und zum Nachtisch gibt es meist Pudding mit Erdbeeren. Die andere Oma hat eine Matruschka, die aus 10 Puppen besteht und die er inzwischen gefühlte 200 Mal auseinander gebaut hat – nur um sich immer wieder über die vielen Puppen zu wundern. Er sitzt dann immer auf dem Sofa, immer in der gleichen Ecke…  Und die nächste Oma hat tolle Kinderbücher, die er fast auswendig kennt und auch ohne Buch mit Wort und Geste davon erzählt. Manchmal muss man richtig raten, um zu verstehen, welches Buch er gerade im Kopf hat. Dort muss auch die volle Windel sofort nach dem Wickeln nach draussen in den Müll geworfen werden – sogar die weniger-stinkenden Windeln aus dem Müll in der Küche packt er aus, um sie dahin zu schleppen, wo sie hingehören. Mit Opa spielt er im Wohnzimmer auf dem Boden mit Glasmurmeln und lässt sie über ein Xylophon kullern. Seine Cousine hat ein Bällebad im Keller – auch davon erzählt er begeistert und mit Hand und Fuss.
Ab und zu gibt es Geräusche oder Situationen, die ihm Angst machen und die zeigen, wie feinfühlig und sensibel er ist – aber es gibt genug „Zauberworte oder -spiele“, die ihn ablenken und zum Lachen bringen. Solche Worte oder Erinnerungen helfen sehr. Auch das neue Haus und sein Zimmer gefällt ihm jetzt, weil es Sachen gibt, die er nur dort hat und auf die er sich freuen kann.
Sein Wachstum hat sich auch sehr in seiner Sprache bemerkbar gemacht. Meistens wiederholt er jedes gesprochene letzte Wort, als wäre es ein Spiel – aber trotzdem merkt er sich so viel und wendet die Wörter teilweise auch richtig an. Mit diesen ein bis zwei Wörtern, die er so nacheinander sagt, kann ich so viel besser verstehen, was er gerade denkt und was ihn beschäftigt. Er zieht Schlüsse, denen ich kaum folgen kann – umso mehr freut er sich, wenn ich richtig reagiere.
Zum Beispiel mag er geschälte Äpfel, die danach mit einem Apfelteiler in 8 kleine Stückchen geteilt werden. Er mag es, mit mir zusammen diesen Apfelteiler in den Apfel zu drücken und sofort danach wird das Mittelteil als „Müll“ bezeichnet und feierlich weggeworfen. Gestern sah er in einem Buch seiner Cousine einen Apfel, drückte ächzend beide Hände in den Boden und sagten dann „Müll“. Normalerweise ergibt diese Bewegung + Wort ja wenig Sinn…

Solche Kleinigkeiten sind besonders – und es kommt mir vor, als wäre unser Leben in der Wohnung schon lange vorbei.. wo wir zusammen im Zimmer gespielt haben, Enten im Park gefüttert haben und ganz normal Mittag gegessen haben.
Jetzt haben wir noch nicht mal einen Kühlschrank…
Ich glaube, ich freue mich jedes Jahr mehr auf den Frühling. Und diesmal freue ich mich wirklich schon sehr auf die Sonne, die Wärme, die Zeit im Garten, das erste Frühstück auf der Terrasse, die Erkundung von neuen Spielplätzen…

Comments

  1. Elias says:

    voll schön geschrieben! Freu mich auf Dienstag.

  2. Elsa says:

    Gut zu lesen, dass ihr den Humor und Mut in den letzten Wochen nicht verloren habt. Wünsche euch Gottes Schutz in eurem neuen Zuhause!

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