Gleich anders

Es ist Sommer. Immernoch.
Es ist immernoch schön warm hier in Berlin.
Wir essen immernoch Eis, sind immernoch gern im Wasser.
Wir genießen unseren Garten, unsere Mini-Ernte und wir müssen noch 4x schlafe, bis Papa endlich auch Urlaub hat. Liam kann immernoch nicht (aber fast) laufen, Emilian kann sich immernoch schwer von seiner Windel trennen.
Gut.. es gibt ein paar neue Kindersprüche. Aber sonst ist alles irgendwie wie immer.
Und gar nichts ist wie immer.
Am Freitag ist mein Opa gestorben.
Er war 77.
Und er ist der erste Mensch in meinem Leben, von dem ich mich bewusst verabschieden muss.
Ein Onkel starb, als ich 7 war.. davon weiß ich nicht mehr viel.

Das alles ist so komisch. Einerseits geht wirklich alles weiter, wie immer. Wir spielen, reden, essen, verabreden uns, gehen einkaufen, backen, lesen und schlafen… Und Opa fehlt erstmal nicht direkt.

Er war lange krank. Trotzdem haben wir uns noch als Großfamilie getroffen, haben Hochzeiten, Geburtstage und sogar die „Goldene Hochzeit“ unserer Großeltern zusammen gefeiert. Ab und zu habe ich meine Großeltern mit den Kindern besucht und von meiner Mama wusste ich aber fast täglich, wie es ihnen geht. In den letzten Wochen wurde er immer schwächer, die Nachrichten der Ärzte waren weniger hoffnungsvoll, beim Besuch gab es manchmal eine ganz leise Stimme im Kopf: „Was, wenn du ihn jetzt zum letzten Mal siehst?“…
Trotzdem kommt die Nachricht dann überraschend und die Welt bleibt erstmal stehen.

Opa war ein toller Opa!
Er hatte immer, bis zuletzt,  Interesse und Anteilnahme am Leben seiner 3 Kinder, seiner 15 Enkel und seiner 3 Urenkel. Er ist mit uns in den Urlaub gefahren, hat ein Baumhaus für uns gebaut, hat uns manchen Quatsch durchgehen lassen – wie Opas das eben so machen.
Er hat uns Werte vermittelt, hat uns einen tiefen Glauben an Gott vorgelebt, hat uns aus der Bibel vorgelesen, hat für das gebetet, was uns auf dem Herzen lag, hat uns viele Kinder-Wünsche erfüllt … und dieser Ort, das Haus und der Garten werden immer immer einen großen Platz in meinem Herzen haben! Wir durften so glückliche Enkel dort sein!

Und jetzt verändert sich dieses Bild. Etwas ist nicht wie immer. Jedesmal, wenn ich dort sein werde, wird er fehlen. Er wird nicht mehr draussen sitzen, nicht mehr im Garten wuseln, nicht mehr auf dem Harmonium spielen oder an seinem Computer sitzen.

Drei Tage vor seinem Tod haben wir ihn nochmal besucht. Obwohl er kaum zu verstehen war, hat er mich kurz erkannt und wusste von meinen Jungs. Und das war dann der Abschied.

Ich bin erwachsen. Natürlich weiß ich, dass alte Menschen sterben. Ich weiß, dass ich mich im Laufe des Lebens wahrscheinlich öfter von geliebten Menschen trennen muss. –
Aber ich musste es noch nicht. Ich weiß nicht, wie man das macht.
Ich habe mich nicht drauf vorbereitet. Ich weiß nicht, wie ich es meinen Kindern sagen soll.

Auch wenn der Alltag erstmal weitergeht, gibt es Momente, in denen mich der Gedanke doch trifft. Gestern hatten wir Besuch und wir sahen zusammen unsere Hochzeitsfotos an. Und da war ein Foto vom Brautpaar – mit Oma und Opa. Ich war nicht darauf vorbereitet und es war so komisch und schwer, diese Foto anzusehen. Opa ist nicht mehr da?
Wenn wir mit den Kindern über unsere Familie reden, über Oma und Opa, dann passt es nicht, dass Opa eigentlich nicht mehr da ist.

Urenkel und Uropa
Emilian und Opa im November 2011

Ich bewundere meine Oma für ihre Kraft, für ihr tiefes Vertrauen in Gott, für ihre riesengroße Fürsorge, für ihre Liebe über 50 Ehejahre „bis dass der Tod euch scheidet“, ich bewundere ihr loslassen-können und ihre Tapferkeit. Ich bin dankbar für meine Großeltern, Eltern, meine Geschwister, Onkel, Tanten, Cousinen und Cousins.. Ich weiß, dass Gott uns trösten wird. Ich glaube an ein Leben bei Gott nach dem Tod und ich weiß, dass ich meinen Opa wiedersehen werde!

Gartenschönheit

Hortensie

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