Die erste Woche

Es wird wohl so kommen:
Die Beiträge werden seltener, aber länger.
Entweder sind wir lange unterwegs, wir treffen uns mit Freunden oder fallen einfach am Abend ins Bett. Langeweile haben wir jedenfalls nicht!

Ich habe im letzten Beitrag bei der Hochzeit aufgehört – also fange ich am besten da wieder an.

Die Hochzeit war toll. Natürlich!
Hochzeiten sind meist beeindruckend und bewegend. Einerseits waren wir sehr berührt, natürlich, weil der „kleine“ Bruder und somit das letzte Geschwisterkind meines Mannes der Bräutigam war. Aber auf der anderen Seite war das die erste Hochzeit aus der Familie, auf der ich weniger als die Hälfte der Leute kannte. Amerikanische Hochzeiten kenne ich nur aus dem Film – dies sollte eine deutsch/amerikanische Hochzeit sein – und ich denke, das war sie auch.

Ich mag ja das mit dem abgeschnittenen Kopf und so nicht so.
Aber das müsst ihr sehen!

Unsere Jungs

 

Die Trauung fand unter freiem Himmel – auf einem Golfplatz statt! Direkt neben einem dieser Tümpel, die es eben so auf Golfplätzen gibt. Die Sonne strahlte heiß von oben, die Frösche quakten.. Weiße Stühle waren aufgestellt, ein Gebilde aus Baumstämmen als Bühnendeko. Ein Stück Abseits stand der Bräutigam mit seinem „best man“, den drei „grooms men“ und dem Pastor. Wir setzten uns. Erst schritten die Eltern des Bräutigams einen kleinen Hügel zu uns herab, dann Mama und Bruder der Braut, dann jeweils ein „brides maid“ von oben mit einem der „grooms men“ von der Seite. Sie trafen sich kurz hinter den Stuhlreihen und schritten dann zusammen nach vorn. So romantisch! (Das lag natürlich auch daran, dass einer der Trauzeugen mein Mann war – und er sah so gut aus!) Wir erhoben uns – und am Arm ihres Vaters kam die Braut den Hügel hinunter geschwebt… Nein! Kurz vor ihr liefen natürlich die „Flower Kids“ – Emilian und seine Cousine. Am Tag davor hatten sie alles bestens geübt und begeistert gelernt – und nun, Angesicht zu Angesicht mit den vielen erwartungsvollen Gästen trauten sie sich nicht ein Blättchen zu werfen. Am liebsten wäre ich ja als Mutter dazwischen gesprungen und hätte die Rosenblätter eben selbst gestreut… Egal. Alle fanden sie süß! Und DANN kam die Braut!

Das neue Ehepaar

Brautpaar

 

Es war sehr warm und luftfeucht – das ist es hier überhaupt jeden Tag – aber die Trauung ging nicht zu lang. Sie sagte das Trauversprechen an ihn in deutsch und er für sie in englisch. Eine süße Geste. Im Anschluss gab es eine Reihe angeordneter Familienfotos, auf die ich sehr gespannt bin und gutes Essen. Da amerikanische Hochzeiten meiner Erinnerung nach direkt nach der Trauung damit enden, dass das Paar in die Flitterwochen fährt, begann nun die Mischung. Wir hielten uns lange auf diesem Golfplatz auf, machten Fotos, aßen „real Southern Barbecue“ und fuhren im Anschluss ins Hotel, um den Abend mit Programm-Beiträgen, Snacks und Tanz ausklingen zu lassen. Wie viele anderen Gäste hatten auch wir die Nacht von Samstag zu Sonntag im Hotel gebucht und konnten somit länger bleiben und am Morgen zusammen frühstücken.

Geraspelte Teelichter werden zur Schwimmkerze

Tischdeko

 

Getöpferte Geschenke der Brautmutter für jeden Gast

Geschenk

 

Für fast alle war der Sonntag schon der Rückreise-Tag.
Wir besuchten die Kirche unserer Freunde. Emilian und seine Cousine schlugen sich tapfer im Kindergottesdienst. Ich gab mein Bestes, um ihnen zu übersetzen, aber da dies scheinbar der letzte Kindergottesdienst vor der Sommerpause war und die Lehrerin mit den Kindern die Themen des gesamten Jahres wiederholte, gab es nicht viel Anschluss. Die Lehrerin sprach ein paar Wörter deutsch und war beeindruckt von dem guten Benehmen der beiden Kinder.

Wir wurden von unseren Gasteltern zum Mittag ausgeführt. Fast Food. Sobald wir auf uns allein gestellt sind, werden wir uns das verkneifen. Es ist laut in den Restaurants, es gibt entweder Burger, Pizza, Pommes oder Chicken, es gibt Getränke mit Eis, so viel man mag … und es ist anstregend. Und das mit der Klimaanlage schrieb ich ja schon. So ist es hier ÜBERALL! Ohne Klimaanlagen würde es allen wahrscheinlich schlecht gehen, aber der Temperatur-Unterschied ist irgendwie zu hoch.

Den Sonntag Nachmittag verbrachten wir mit unserer lieben Freundin aus Berlin. Wir spazierten durch schöne Gärten des Uni-Viertels in Durham und brachten sie dann zum Flughafen. Erst im Oktober sehen wir sie wieder, wenn sie uns in Kalifornien besucht.

Manchmal weiß ich selbst nicht, wer wer ist…

Brüder

 

Am Sonntag Abend und am Montag Morgen verabredete sich mein Mann mit dem Vater der Braut zum Golfen. Er kam glücklich wieder und brachte den ersten Sonnenbrand mit. Eine der Gasttöchter fuhr mit den Kindern und mir in ein „childrens museum“, ähnlich dem „Spektrum“ in Berlin. Auch wenn die fehlenden Sprachkenntnisse alles ein bißchen schwierig für sie und die Kinder machten, tauten meine Jungs auf und freundeten sich mit ihr an. Schritt für Schritt kommen sie hier an, werden mutiger, cooler und fühlen sich wohler.

outdoor percussion

childrens museum

 

Mit dem Gastvater war mein Mann am Dienstag morgen zum Schießen verabredet. Das macht man hier so. Und ihre Augen leuchteten.
Später waren wir mit Freunden verabredet und chillten einfach zusammen. Es war unerträglich heiß draussen. Am Abend half uns unsere Gastfamilie, eine Fahrt zum Strand zu planen. Sie wollten uns für einen Tag begleiten und buchten aber für uns eine Übernachtung im Hotel. Wir fuhren zu neunt und mit vollen Autos los – ca. 3 Stunden ostwärts. In Wilmington parkten wir und fielen an den Strand. Es war wunderschön!! Es war sehr sehr heiß, das Wasser war gerade kalt genug, um noch erfrischend zu sein. Wir sammelten Muscheln, staunten über Ebbe und Flut, aßen Chips und Sandwiches und Brownies (wie klischeehaft!), lasen, spielten im Sand und genoßen das Leben! Emilian verstand nicht, warum er nicht ohne Badeklamotten am Strand umherspringen durfte… Am Abend waren wir voller Salz und Sand, ein bißchen verbrannt, aber glücklich. Wir checkten schnell im Hotel ein, badeten die Kinder und fielen ins Bett. Seit wir hier sind, schlafen wir zu viert in einem Zimmer, aber weil der Mittagsschlaf meist ausfällt oder versehentlich im Auto stattfindet, stören wir uns nicht gegenseitig und die Kinder schlafen schnell ein.

Atlantik, wir kommen!

Ab an's Meer

Atlantik

Foto Kopie

 

Heute, Donnerstag, waren wir fast die Letzten, die zum Frühstücksbuffett im Hotel gingen. Mit dem Frühstück bin ich auch noch nicht so ganz warm geworden. Ich habe noch nicht einen guten Kaffee gefunden (Liebe Grüße an meinen Vollautomaten, der zuhause wartet), es gibt meist zähe Bagels, süße Muffins, noch süßeres Müsli und Waffeln oder Pancakes. Sorry, ihr americans, aber das können wir besser. Meist esse ich Joghurt, Cerealien oder Melone.
Nach dem Frühstück fuhren wir zum Aquarium. Es war ziemlich windig, aber dafür endlich mal nicht mehr drückend! Die Gegend dort sah noch ein bißchen mehr wie Amerika aus. Unser Haus hier in Durham steht mitten im Wald und die Flora und Fauna erinnert noch sehr an die Heimat. Aber dort am Strand stehen die bunten Holzhäuser auf Pfählen, in den Gärten wachsen Palmen und es fühlt sich sofort wie Urlaub an. (Ich freue mich auf Kalifornien!!!)

Wir hatten eine gute Zeit im Aquarium, weil wir beeindruckende Tiere sehen und anfassen konnten, viele Fotos machten (die ich euch später zeige) und weil wir lange mit meiner Familie skypten. Zum Geburtstag meines Vaters waren nämlich alle versammelt und der Video-Anruf hat beiden Seiten viel Freude bereitet. Im Aquarium skypen geht auch nur, weil es hier fast überall, wo es eine Klimaanalge gibt, auch wifi gibt…

Lieblingstiere

Schildkröten-Parade

Die lange Fahrt zurück schafften wir ohne Probleme. Mich wunderten die Schildkröten auf der Autobahn!

Den lauen Abend verbrachten wir mit unserer Gastfamilie auf der Terrasse. Langsam werden wir Freunde und können uns zwangloser unterhalten. Die „Tochter-Freundin“ hatte eine Hängematte aufgehängt und bespaßte unsere Jungs. Weil wir uns über amerikanische und deutsche Tierlaute und deren Unterschiede unterhielten, kamen wir auf unser Lieblingslied „What does the fox say?“. Natürlich kennen wir alle vier unser meistgehörtes Lied auswendig. (Liam in Lautsprache) Und natürlich verstehen unsere Freunde hier den Text des Liedes – und den Un-Sinn umso mehr. Mutter und Tochter konnten sich kaum halten, als Emilian und Liam (die ja nun aufgetaut waren) das Lied sangen und „What does the fox say?“ in den nächtlichen Wald brüllten. Dass das Emilians erster vollständiger Satz in englisch war, warf sie förmlich vom Hocker! Es tut gut, sich zu verstehen!

 

Ich schreibe alle Eigenarten oder Unterschiede, die mir auffallen, auf.
Aber darauf müsst ihr noch warten, denn bei uns ist es 00:35 Uhr, bei euch 06:35 Uhr.

Dafür aber schnell die neuesten Kindersprüche:

Emilian sortiert sich seine Couch zum Schlafen zurecht. Kissen, Decke, Spieluhr, Tuch.
Er sagt: „Ich hab ganz schön viel Arbeit.“

Kurz nach unserem Einzug „durchsuchte“ Emilian erstmal das ganze Zimmer. Hinter einem Vorhang fand er eine kleine Schraube. „Guck mal, Mama, ich habe eine Schraube gefunden…
Die hat bestimmt der Bauarbeiter verloren, als er das Haus hier gebaut hat!“

Als ich den Jungs voller Freude deren Hochzeits-Outfit präsentiere, sagt Emilian: „Ich bin so enttäuscht.“ Und dann kam: „Ich dachte, wir ziehen das an, was wir auch zu Weihnachten alle anhatten…“
(Pullover.. Und hier schwitzt man in allem, was mehr als Unterwäsche ist)

Ab und zu – und meist, wenn ihm alles zu viel wird, wird Emilian ein bißchen frecher und bockiger.
Er testet dann einerseits neue Wörter und Sätze an uns aus und zeigt aber auch, wann er einfach mal die Nase voll hat. Als wir im Auto redeten, sagte er zu mir: „Hast du das jetzt kapiert???“

Und noch so ein Versuch: „Mama, kneif‘ dich zusammen!“

Die Autoschlüssel hier haben mehrere Knöpfe, ich glaube, vier. Einmal Öffnen, einmal Schließen, einmal „Panic Button“ (?) und noch was. Wenn man zweimal „Schließen“ drückt, hupt das Auto als Bestätigung. Besser kann ich das jetzt auch nicht erklären. Fast jeder Mitbewohner hat hier bei uns ein eigenes Auto und die Autos parken vor unserem Fenster. Vor ein paar Tagen wunderten wir uns, warum irgendjemand draussen immer wieder hupte. Und dann sahen wir Liam ganz wichtig mit dem Autoschlüssel spielen…

Am Morgen, nach dem wach-werden, wird Liam fröhlichst von Emilian begüßt:
„Na, du Freu-Blase?“

Emilian wollte irgendwas erzählen, was er sich überlegt hatte, oder was ihm eingefallen war.
Heraus kam: „Ich hab mir auch grad was eingelegt!“

 

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