Auf in die nächste Runde!

Ein letzter Gruß aus North Carolina.
In ein paar Stunden fliegen wir nach Kalifornien, noch 3 Stunden weiter weg von Deutschland und unserem Ziel ein Stückchen näher. Nur ein Stückchen, weil wir scheinbar heute noch nicht in das Apartment kommen, in dem wir die kommenden Monate wohnen werden. Meine Schwiegereltern sind seit einer Woche in Kalifornien und es gefällt ihnen sehr gut! Um die Zeit bis Juli (wenn unser Programm beginnt) perfekt zu genießen und um den Großeltern noch ein paar Tage mit den Enkeln zu geben, sind wir also bei ihnen in Corona del Mar einquartiert. Gerade rief mich eine Freundin aus Kalifornien an. Wir kennen uns bis jetzt nur über Facebook. Sie ist eine deutsche, erwartet ihr drittes Kind und hat mir während der Vorbereitungen schon sehr geholfen. Eben am Telefon erzählte sie mir, wie sehr sie sich auf uns freut, wie schön es da ist, wie sehr es uns alles gefallen wird und dass es in Corona del Mar am Strand so wunderbar ist. Ich freue mich sehr!!!

 

Wir wurden gestern Abend mit einer sehr schönen Gartenparty verabschiedet. Es gab gutes Essen und Hausmusik auf der Terrasse. Die Kinder sind jetzt so richtig warm geworden und trauen sich, mehr zu reden… und müssen sich jetzt wieder verabschieden. Aber es gab kaum Kinder hier, mit denen sie spielen konnten, also freue ich mich auf einen beständigeren Freundeskreis in Kalifornien. Ausserdem freue ich mich sehr auf eigene vier Wände. Das wird sich durch den Urlaub am Meer scheinbar noch verschieben – aber es ist in Aussicht! Ich möchte nicht mehr aus Koffern leben. Ich möchte nicht mehr aus fremden Kühlschränken mitessen – obwohl wir hier alles durften und unglaublich beschenkt wurden. Ich möchte gern eine eigene Küche mit eigenen Lebensmitteln haben. Ich möchte die Kinder nicht mehr ständig zurechtweisen müssen, weil das und das und das nicht uns gehört. Mit uns wohnen hier 3 Hunde und 3 Katzen, mehrere Hühner und Schlangen. Die Tiere sind sehr kinderfreundlich und angenehm, trotzdem verfallen beide Kinder noch immer in eine Schockstarre, sobald ein Tier in der Nähe zu hören ist. Und das belastet irgendwie.

Gerade weil wir jetzt weiterziehen, schreibe ich euch mal, welche Unterschiede wir hier so wahrgenommen haben. Denn ich kann mir vorstellen, dass vieles davon an der Westküste schon wieder anders sein wird.

Vor der Reise haben wir oft gehört: „In Amerika ist alles größer!“
Da ist viel Wahres dran. Wir kennen jetzt einen winzigen Teil von Amerika und können niemals von „dem Amerika“ sprechen. Aber ja, die Autos sind größer, jeder Mini Cooper hier wirkt wie ein Spielzeugauto. Die Läden sind größer, die Parkplätze dementsprechend… Aber wenn man Berlin kennt, dann sind die Unterschiede jetzt auch nicht riesig. Der Besitz ist größer. Unsere Familie hier besteht aus 5 Personen. 3 davon leben noch hier im Haus. Ich fragte gestern: „Wieviele Autos habt ihr eigentlich?“ – 8 !
Die Häuser sind größer! Wir bewohnten hier den „Homeschool-Bereich“. Eine Tochter der Familie erzählte, dass sich die Eltern das Haus beim Planen wohl ein bißchen kleiner vorgestellt haben. Eins von drei Kindern wohnt noch hier.. und viele Zimmer sind irgendwie leer. Was wirklich größer ist, sind die Verpackungen, die man kaufen kann. Und die Auswahl! Oh ja..

Draussen:
Die Umgebung, Flora und Fauna sozusagen, kommt mir noch ziemlich bekannt vor. Ein paar europäische Bäume, Spatzen, Glühwürmchen am Abend, bekannte Blumen und Kräuter im Garten. Mich beeindrucken die riesigen Rhododendron-Bäume hier! Meine Mama hat ein paar Büsche im Garten und die sind schon groß. Aber das hier ist krass. Die Bäume wachsen hier auf Grund der sauren Erde so gut, habe ich mir sagen lassen. So, wie wir Rindenmulch überall verteilen, um Unkraut fernzuhalten, liegen hier in Gärten und in öffentlichen Grünanlagen riesige Piniennadeln. Das sieht toll aus! Dass es Schlangen, Kolibris und jede Menge andere schöne bunte Vögel in den Gärten gibt, ist auch ein Unterschied. Emilian ist es ganz wichtig, zu betonen, dass es hier größere Ameisen gibt.

Unterwegs:
Die Strassen fallen vor allem durch die gelben Mittelstreifen/Markierungen und die Ampeln auf. Die hängen nämlich an der gegenüberliegenden Strasse. Nach rechts darf immer abgebogen werden, wenn keiner kommt – das hab ich noch nicht so ganz verstanden. Das „Halt“-Zeichen der Fußgängerampel ist eine orange Hand, die man vielleicht aus Filmen kennt. Und bei grün werden rückwärts die Sekunden angezeigt, wie lange die Ampel noch grün ist. Wenn man bei uns auf der Autobahn fährt, muss man manchmal ziemlich lange warten, bis ein Restaurant ausgeschildert ist. Hier ist es so, dass neben fast jeder Ausfahrt eine Tafel mit entsprechenden fast Food – Restaurants steht. Das können dann 2 – 6 Möglichkeiten sein. Warnhinweise, Werbung oder Wegweiser sind auf kleine Tafeln gedruckt und werden einfach in den Rasen gesteckt. Das erinnert mich an die Wiese vor dem Geldspeicher von Dagobert Duck… Ausserdem gibt es Schilder, auf denen „Adopt a Highway“ steht. Uns ist schon am ersten Tag aufgefallen, dass sehr viel Müll auf den Autobahnen liegt. Nicht Papier und Plastik-Müll, sondern Teile von Autoreifen, von früheren Unfällen. Viele Teile. Und „Adopt a Highway“ heißt, du kannst mit deiner Kirche/Gemeinde/Gruppe/Nachbarschaft einen Strassenteil adoptieren und für Ordnung sorgen. Die erlaubte Höchstgeschwindigkeit ist 65 mpH. Das sind ungefähr 100 kmH. Langsam. Die Sonne, die fehlenden Kurven auf der Strasse und diese Geschwindigkeit machen, dass man, dass ich beim Autofahren sehr schnell müde werde. Dazu kommt auch noch, dass die Klimaanlage kalte Luft bläst und die Augen austrocknen. Beim Tanken ist es so, dass man entweder normal wie bei uns tankt und anschließend mit Kreditkarte zahlt. Weil wir mit unserer Kreditkarte extra Gebühr bezahlen müssten, haben wir das noch nicht gemacht. Mein Mann geht also in die Tankstelle, sagt, für wieviel Geld er tanken möchte, bezahlt bar und füllt dann diese Menge ins Auto. Wenn man zuviel tankt, hat man zu viel. In allen öffentlichen Gebäuden, Parks, im Zoo… gibt es so genannte „Water Fountains“. Das sieht aus, wie ein Waschbecken. Wenn man auf einen Knopf drückt, kommt Wasser aus einem Hahn, wird aber nach oben gespritzt. Und dann hält man seinen Mund dorthin und trinkt. Aus dem Strahl. Mein Mann und ich haben festgestellt, dass wir beide das noch nicht können… Noch eine Sache, die ich bemerkenswert finde und bei der ich mich im Ernst frage, ob das noch keinem ausser mir aufgefallen ist: Die Toilettentüren in öffentlichen Gebäuden haben rechts und links eine Lücke. Also, ich sehe die Menschen da draussen laufen, wenn ich … sitze. Dann sehen sie mich doch auch?! Zum Spülen drückt man mit Hand oder sogar Fuß einen Hebel nach unten. Und dann wird alles samt Wasser mit ordentlicher Kraft weggesaugt, das Wasser läuft dann langsam nach.

Essen und Trinken:
Das ist so’ne Sache. Man schwärmte uns vor, wie lecker alles ist. Bestimmt könnte ich das auch so sehen, wenn ich nicht immer so ein schlechtes Gewissen hätte. Es gibt Getränke und Lebensmittel, die schreien mich förmlich an „UNGESUND!“. Dann gibt es „organic-Food“, als „Bio“. Und dann gibt es dazwischen noch jede Menge Zeug, von dem ich nicht weiß, was davon zu halten ist. Weil wir noch keine eigene Küche haben und oft eingeladen wurden, waren wir in einigen fast Food Restaurants. Es ist dort oft laut und hektisch, trotzdem würde uns das Essen bestimmt schmecken, wenn es für die Kinder nicht so herausfordernd wäre. Liam steht meist beim Essen und ist unruhig und wählerisch. Emilian braucht eigenlich Ruhe und Regelmäßigkeit. Also, nicht so gut. Dazu kommt, dass das Essen meist zu heiß/salzig/scharf/irgendwas ist. Und bis sie dann soweit sind, ist der Rest am Tisch fertig. Die Getränke sind immer mit Eis, immer im Becher mit Strohhlam und Deckel, werden schneller nachgefüllt, als man gucken kann und ja.. das ist irgendwie alles so unruhig. Für Kinder gibt es normalerweise French Fries, Burger, Mac&Cheese oder Pizza. French Fries sind Pommes, Mac&Cheese sind Makkaroni mit Käse. Das sind die einizigen Gerichte, die sie einigermaßen gegessen haben. Gestern waren wir in einer Bagel Bar. Und Bagels mit Frischkäse gingen auch. Wir werden sehen… Ich freue mich auf meine eigene Küche und nehme die Herausforderung an, ordentlich kochen zu lernen. Das „Getränk des Südens“ hier ist süßer Schwarztee. Ich habe noch nie so süßen Tee getrunken! Ausserdem ist es Schwarztee. Nichts für die Kinder. Und für mich auch nicht. „Soda“ beeinhaltet alles mit Kohlensäure, Saft in den Trinkflaschen der Kinder wird auf Grund der Wärme sehr schnell schecht, also bleibt für die Kinder nur noch Wasser übrig. Das muss so gehen. Ach übrigens: Das Leitungswasser kann man trinken, aber es riecht so sehr nach Chlor, dass wir es nicht trinken möchten. So kaufen wir also Wasser.

Sonstiges:
Mir ist aufgefallen, dass sehr viele Mädchen und Frauen hier sehr kurze Hosen tragen. Frauen jeglicher Statue tragen Hosen, die nichtmal die Hälfte des Oberschenkels bedecken. Es gibt hier sehr, sehr „kräftige“ Menschen, aber es gibt auch schmale Personen. Mut und Selbstbewusstsein gehört also dazu.. und das finde ich gut. Ich schätze North Carolina eher konservativ ein – mal sehen, wie es in Kalifornien aussieht. Am Strand war jedenfalls nichtmal ein einziger nackter Babypopo zu sehen und auch sonst waren wir da eher vorsichtig. Diese überschwängliche Freundlichkeit, von der auch geredet wird, fällt bis jetzt nur nebenbei auf. Ja, wir werden freundlichst begrüßt und begrüßt-werden, heißt: „Hey, wie geht’s dir? Wie war dein Tag? Alles klar?“ und zum Abschied sagt man dann: „Bye. Viel Spaß. Hab einen guten Tag!“ Das ist schon deutlich mehr als „Hallo“ und „Tschüß“! Allerdings sind es oft genuschelte Floskeln, die ich kaum verstehe und noch nicht so beantworte. Vielleicht kommt das noch, denn ein bißchen mehr Offenheit und Freundlichkeit würde Berlin bestimmt auch gut tun. Ich habe mich über frische Blumen an diesen „Militärgedenkstätten“ gewundert. Diese Wiesen mit unzähligen identisch aussehenden Kreuzen. An einigen Autos stand auch sowas wie „Gedenkt der Helden, die unserem Land dienten“. Ich fand das komisch, aber dann fiel mir ein, dass das ja nicht, wie bei uns, schon ewig her ist, sondern dass das für die Menschen hier ein tägliches Gedenken oder Erinnern oder Fürchten ist.

 

Nun geht es also Richtung Westen. Unsere Gasttochter erklärte uns mithilfe von Google, dass es in Kalifornien nicht so warm wie hier sein wird und dass vor allem das Wasser eher kühl sein wird. Ich muss sagen, ein paar Grad oder Fahrenheit weniger stören mich jetzt gar nicht. Es war nicht immer sonnig hier, aber immer warm und luftfeucht. Die Haare der Kinder locken sich und das Atmen fällt manchmal schwer. So kommt uns die frische Meeresbrise sehr entgegen! In Deutschland habe ich mich vor allem auf die Sonne hier gefreut, denn selbst der Mai in Berlin war.. wechselhaft. Hier ist es einfach immer warm! Immer. (Na gut, ausser in den Räumen. Da ist es fast immer zu kühl!) Ich konnte es einfach nicht übers Herz bringen, lange Hosen und lange Oberteile zuhause zu lassen. Hätte ich aber. Ich laufe hier nur in Oberteilen mit Spaghetti-Trägern rum und ich kann einfach keine langen Hosen anziehen. (Ihr, die ihr uns besucht: Merkt euch das! Ich melde mich, falls sich das in Kalifornien ändern sollte.) Und ich will jetzt nicht direkt sagen, dass ich schon in den ersten Tagen genug Sonne abbekommen hätte, aber jede Wolke ist doch irgendwie willkommen.
Unsere Haut wird braun, die Kinder sind inzwischen fast blond. Wir lieben es!

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