Das Kind wird groß

Zu jedem halben Geburtstag unserer Kinder machen wir ein Foto mit Kind + Kerze und kleben sie in ein besonderes Album. Das sieht gut aus und wir staunen, wie sich ein Kind in 12 Monaten verändern kann.
In der letzten Woche wurden unsere Söhne ein halbes Jahr und zweieinhalb.

Seitdem ich noch verschärfter darauf achte, eine Zwiebel nichtmal anzusehen, geht es Liam besser. Er beginnt, sich zu drehen, er hatte seine ersten Sitzungen in Emilians Hochstuhl (worauf dieser sehr stolz war – Emilian, nicht der Hochstuhl) und er juchzt und lacht und quietscht vor Zufriedenheit. Mit Brei und Banane klappt es noch nicht, aber es gibt ja Mamas Milch. Er erkennt uns an der Stimme und auf Fotos und ist nicht ruhig zu halten, wenn er abends Papas Stimme hört. Wenn er neben Emilian gelegt wird, versucht er, dem großen Bruder den Nuckel zu klauen und wir amüsieren uns über ihr Gekicher.
Ab und zu passiert es, dass sich beide Jungs gegenseitig wach machen und dann knatschig und unausgeglichen sind, aber ich staune immer mehr (wirklich!),
was für ein besonderes, aufmerksames Kind Emilian wird.

Ich kenne vielleicht kaum Zweieinhalbjährige oder habe im Beruf wenig gute Erfahrungen gemacht, aber mir war nicht bewusst, wie sensibel und höflich Kinder in diesem Alter schon sein können.
Und ich möchte jetzt auch nicht unsere wunderbare Erziehung loben…

Aber ich bin stolz auf Emilian!
Ich bin stolz, dass er Rücksicht auf mich und Liam nehmen kann, dass er „Bitte“ und „Danke“ sagen kann und dass er Grenzen kennt. Wenn wir als Gäste zu Freunden kommen, putzt Emilian umständlichst seine Schuhe am Abtreter ab, zieht sie sich aus und stellt sie in ein Schuhregal.

Neue Dialoge:

Wir sitzen im Auto und hören Musik. Weil das Lied vorbei ist, drehe ich kurz leiser. Da komt von hinten ein: „Mama, kannst du bitte wieder lauter machen?“

Wenn beim Spielen irgendetwas nicht klappt, kommt er und sagt: „Kannst du bitte helfen?“

Wenn ich ihm morgens seinen Kakao hinstelle, guckt er mich ganz lieb an und sagt: „Danke Mama!“
Heute morgen sagte er: „Danke, mir geholfen hast!“

(Das hört sich jetzt bestimmt komisch an und ich sage euch, dass dieses Kind manchmal wirklich weniger nett ist. Trotzdem denke ich, dass er ab und zu das Bedürfnis hat, sich zu bedanken oder seine Gefühle auszudrücken und dann einfach nette Sätze nimmt, die er so kennt.)

Vorgestern umarmte er mich stürmisch und sagte: „Wir haben lieb!“

Als wir in einem Einkaufzentrum unterwegs waren, hörten wir ein Lied von Tim Bendzko, das zuhause auch oft läuft. Emilian erkannte es – was ich toll fand – und sagte: „Unser Lied!“

Wir waren im Auto unterwegs und Emilian hatte Husten. Bei so einem Husten flog der Nuckel auf den Boden. Ich gab ihm seinen Ersatznuckel, weil es spät war und er schlafen wollte – doch auch der wurde kurz danach rausgehustet. Er war ganz aufgeregt und ich versprach ihm, daran zu denken, die Nuckel zu suchen, wenn wir angekommen waren. Ich sagte: „Wir müssen uns das im Kopf merken und dürfen es nicht vergessen!“ Da sagt er: „Nicht im Kopf – Nuckel in den Mund!“

Vor zwei Tagen hat er zum ersten Mal das Wort „Warum“ benutzt! Ich ahne, dass jetzt die lange wissbegierige Phase beginnt – aber ich bin froh, dass er dann auch meine Warum-Fragen beantworten kann.
Bis jetzt kannte er das Wort nicht und konnte nicht antworten.

Er liebt Bücher und hört auch noch aufmerksam zu, wenn wir ein Buch zum vierten Mal am Tag zusammen lesen. Aber so lernt er gut und erzählt dann nach oder vermischt die Geschichten mit dem, was er so erlebt.
Wie gut, dass wir den Bücherbus haben!

Comments

  1. Heidi says:

    „Unser Lied“, das hat er bestimmt von seinem Papa! Lustig 🙂

  2. Andrea Kuhley says:

    Danke, Mama!!:-)

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