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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Erziehungstipp: Unterbrich mich nicht!

Emilian ist jetzt in einem Alter, in dem er mehr als „Sag Bitte und Danke“, „Sag Hallo und Tschüß“ und „Teile dein Spielzeug“ lernen kann. Das sind in der Tat die Dinge, die ich Eltern hier am meisten zu ihren Kindern sagen höre.
Und zwar wirklich so:
Mama: „Sag: Ich möchte mein Spielzeug mit dir teilen.“
Kind: „Ich möchte mein Spielzeug mit dir teilen.“
Ob das Kind das auch so möchte, ist eine andere Sache. Ich mag dieses Vor- und Nachgespreche überhaupt nicht und probiere mit meinen Kindern eher den „Ich-lebe-es-vor-und-hoffe-sie-gucken-es-ab“-Stil.

Egal.
Emilian ist mit fast 5 (Was?? Eben war er noch in meinem Bauch!!) alt genug, um ein paar andere Dinge zu lernen, von denen wir Eltern denken, er könnte sie mal gebrauchen. Gestern erklärte ich ihm, was „Optimismus“ und was „Pessimismus“ ist, dieses Glas halbvoll/Glas halbleer-Ding. Da kam ein sehr cooler Kinderspruch bei raus, auf den ihr aber noch ein bißchen warten müsst…

In den letzten Tagen ging es bei uns darum, einander ausreden zu lassen.

Ich werde nie vergessen, dass ich das vor langer Zeit ein paar Mädels auf einer Hort-Reise erkärte. Als sie die Regeln verstanden hatten, achteten sie aber ordentlich darauf, dass auch jeder so einhielt. Eine von ihnen, die es nicht schaffte, bekam zu hören: „Du hast mir ins Wort gebrochen!“

 

So ähnlich lief es hier. (Auch dazu gibt es einen Kinderspruch, für später)
Emilian hatte das alles schnell verstanden. Nicht nur, weil er uns Eltern gern mal mit allen Mitteln unterbricht, sondern auch, weil er das eben von Liam und auch von uns kennt.

Wenn wir im Auto fahren, können es beide Kinder gar nicht leiden, wenn wir uns vorn unterhalten und scheinbar so tun, als hätten wir die beiden Schätze auf der Rückbank vergessen. Die beiden Schätze werden dann nämlich aktiv. Der kleine Schatz fängt laut an zu singen, oder aber er ruft mehrmals laut „Pupsi!“ in die Runde. (Was das bringen soll, weiß ich auch nicht…) Der große Schatz versucht, unser Gespräch zu verstehen, sich einzumischen, Partei für mich zu ergreifen oder er teilt einfach lautstark seine Meinung mit. Was keinem in der Situation hilft.

Kinder unterbrechen einen.
Manchmal mitten im Leben und manchmal mitten im Satz.
Sie sind laut, sie rufen „Mama! MAMA! MAMAAAA, guck mal!“, sie zerren an einem herum und machen das andere Gespräch, das gerade lief, unmöglich.

Bevor ich Mama wurde, arbeitete ich in einer Schule und hatte täglich mit meiner Klasse und drumherum mit hunderten Kindern zu tun. Im Laufe der Jahre habe ich mir angeeignet, mich wirklich nicht von einem Kind unterbrechen zu lassen. Dazu gehört eine Menge Konzentration, aber wir sind schließlich Multitasking-fähig, richtig?

Als ich noch keine Mutter war, gab es eine Sache, die mich am allermeisten an anderen Müttern genervt hat. Nämlich: Dass Kinder unser Gespräch unterbrechen dürfen.
Es war nicht so, dass wir Freundinnen uns für ein Wochenende verabredeteten und tagelang geredet haben, während die Kinder schweigen mussten. Es ging um kurze Treffen von ein paar Stunden, in denen eben nicht viel Zeit zum Reden ist. Und es war auch nicht so, dass irgendwelche Kinder in der Zeit unseres Gespräches verhungert, verdurstet oder anderweitig zu Schaden gekommen sind. Nein, es geht um die kleinen Dinge:
„Ich muss dir was zeigen.“
„Mama, guck mal, was ich gebaut habe!“
„Mama, guck mal, was ich gebaut habe!“
„Mama, guck mal, was ich gebaut habe!“
„Mama, kannst du mir ein Buch vorlesen?“
„Guck mal, was der hier in dem Buch macht…“

Ihr kennt das. Es nervt.
(Ganz nebenbei, Eltern: Wenn ihr dann zu euren Kindern sagt: „Warte bitte, bis ich fertig bin!“, dann müsst ihr das auch durchziehen. Denn einige Kinder werden schweigen und warten – andere aber werden weiterfragen und betteln. Oh ja, das werden sie. Und sie wissen, ob ihr nachgebt.)
Auch meine Kinder nerven. Natürlich.
Aber ich werde mir und meinen Freundinnen so ein Stop-and-Go nicht antun.
Es gibt natürlich Zeiten, in denen wir und unser Besuch sich ganz unseren Kindern widmet. Die Kinder werden schon dafür sorgen, dass es solche Zeiten gibt! Und deshalb muss es auch Zeiten geben, in denen meine Kinder wissen: Mama und Papa reden. Und ich warte.
Und nun mein Erziehungstipp:

Wenn ich rede (was oft vorkommt), und mein Gegenüber nicht Emilian ist, weiß er, dass ich nicht möchte, dass er mich unterbricht. Wir haben diese Regel vereinbart: Er kann zu mir kommen und mir auf die Schulter tippen. Dann weiß ich, dass er mir etwas zu sagen hat und werde den nächst-möglichen Zeitpunkt nutzen, ihm zuzuhören. Und das tue ich dann auch, sollte sein Anliegen auch noch so… klein sein.

Emilian hampelt oft neben mir herum und tippt mir schneller als Sekundentakt auf die Schulter. Da kommt schon wieder viel Konzentration ins Spiel… Eine andere Idee wäre also, dass ihr mit euren Kindern vereinbart: Sie legen eine Hand auf eure Schulter/euer Bein – und ihr legt eure Hand auf ihre. Das ist ein gutes Zeichen für sie, dass ihr sie bemerkt habt. Und es vermittelt Ruhe und Nähe.
Denkt euch ein andere Zeichen oder „Geheim-Wort“ aus, wenn euch das zu viel Körperkontakt ist.. oder ihr nicht möchtet, dass eure Kind jedem Fremden auf die Schulter tippt, dem es was sagen möchte…

Aber probiert das mal aus! Je früher, desto besser.
Ihr müsst konsequent sein. Die Kleinen werden ihre Probleme damit haben und es vielleicht nur langsam lernen… Aber ihr werdet bewundernde Blicke für gut-erzogene Kinder von euren Gesprächspartnern ernten. Und ihr werdet Menschen in die Welt schicken, die einander ausreden lassen.

 

Brüder-Gespräche

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Happy Birthday, Emilian!

Vor vier Jahren um diese Zeit ist meine Beleghebamme nach der ersten Untersuchung gerade nachhause gegangen.
Ich hatte kaum spürbare mini-Wehen und eine angerissene Fruchtblase. Meine beste Freundin verabschiedete sich auch. Wir stellten uns auf eine lange Nacht ein… Aber schon 5 Stunden später sind wir Eltern geworden.

 

Liebster Emilian!

Wir sind sehr froh und dankbar, dass du unser erster großer Sohn bist!
Du warst das pflegeleichteste Baby, das wir kennen und auch jetzt noch bist du ein ruhiges, ausgeglichenes Kind.
Du bist ein stiller Beobachter, bist ausdauernd, sensibel und aufmerksam. Du hängst sehr an mir, deiner Mama, und fühlst dich sicher in meiner Nähe.

Du liebst es, Hörspiele oder Geschichten anzuhören und merkst dir sehr gut, was du gehört hast. In Bücher kannst du dich richtig vertiefen, dir Bilder angucken und immer wieder die Seiten durchblättern, dabei neue Sachen entdecken. Manchmal suchst du auch schon bestimmte Buchstaben heraus. Fast bis 100 kannst du schon zählen. Du singst fast immer irgendwas vor dich hin. Echt oder ausgedacht. Wenn du richtig gut drauf bist, tanzt du los und es ist faszinierend und amüsant, deine Moves anzugucken!

Dein Lächeln und deine Grübchen sind so süß und immer wieder blitzt der Schelm aus deinen Augen. Du verstehst lustige Späße, sogar unsere Ironie und du liebst es, in unseren Quatsch mit einzusteigen. Zusammen mit Papa kannst du die wildesten, lustigsten Geschichten erfinden. Beim Toben und Kitzeln kannst du richtige Gacker-Anfälle kriegen, die sehr ansteckend sind. Du liebst es, deinen kleinen Bruder zum Lachen zu bringen.

Du bist ein toller großer Bruder! Heute hast du im Garten eine dicke Taube verscheucht, weil Liam Angst vor ihr hatte. Du lachst mit Liam, du tröstest ihn, du verstehst ihn – manchmal besser als wir – du lässt dich von ihm umarmen und anpieksen, aber du weist ihn auch in seine Grenzen, wenn er dir zu frech wird.

Du stellst viele Fragen, die dir in den Kopf kommen und du fragst nach, bis die Antwort einen Sinn für dich ergibt. Du beobachtest und hörst gut zu. Du merkst dir viel und alle Informationen scheinen jederzeit abrufbar zu sein, denn oft überraschst du uns Wochen später mit einer neuen Frage zu alten Themen. Mit Papa lernst du viele Sachen auswendig.

Es macht dir Spaß, mit Papa auf „Männer-Abenteuer“ zu gehen. Kleinigkeiten machen dich glücklich und du liebst deinen Papa. Du liebst seine Video-Botschaften und nimmst es sehr ernst, wenn du dir eine für ihn überlegst.

Essen ist von Anfang an kein großes Glück für dich, aber am meisten Freude macht dir ein großer ungeschälter Apfel.

Es fällt dir schwer, dich von Mama und Papa zu trennen, aber das Spielen im Kindergarten, bei Oma und Opa oder deiner Cousine macht dir viel Spaß und du denkst dir kreative Spiele aus! Du hast überhaupt verrückte Ideen, verrückte Wörter für diese Ideen und verrückte Gegenstände, die du dann verwandelst. Auch allein im Zimmer kannst du dich lange beschäftigen. Du baust dann Duplo-Kreationen, stellst Tiere in Reihen, blätterst in Büchern oder fährst mit Autos auf dem Teppich herum. Du bist ein sehr guter Puzzler. Am liebsten aber spielst du mit den Duplo-Steinen!

Du bist sensibel für andere Menschen. Du nimmst Gefühle der Anderen wahr und weißt, was es bedeutet, anderen eine Freude zu machen. Du liebst es, wenn wir Gäste zuhause haben, du deckst dann wunderbar den Tisch und springst zur Tür, wenn es klingelt. Wenn dir die Person vor der Tür unbekannt oder komisch ist, verschwindest du aber wieder, ohne die Tür geöffnet zu haben. Du bist oft schüchtern, wenn du neue Leute kennenlernst – aber du lässt dich schnell gewinnen und hast ein großes Herz.

Du bist nicht so der Langstrecken-Läufer, aber auf deinem Laufrad bist du der Schnellste! Du rast mutig vor Mama und Papa her. Am liebsten hast du dabei deine Gummistiefel an. Ausser den Socken und der Strumpfhose kannst du fast alle Kleidungsstücke allein anziehen und es ist dir eine große Freude, Mama damit zu überraschen. Du kannst dich aber auch in jedem Fussel/Käfer/Windhauch verlieren und Mamas Geduld auf die Probe stellen…

Du liebst es, Mama in der Küche zu helfen! Heute hast du gelernt, eine Möhre zu schälen! Ausserdem schlägst du gern Eier zum Backen auf, schüttest Zutaten in die Schüssel, rührst um und kostest natürlich gern. Beim Einkaufen und Auspacken bist du ein stolzer Helfer. Du liebst es, mit Papa oder Opa zu bauen und alle müssen wissen und bestaunen, was ihr Tolles gemacht habt! Es macht dir Spaß, große Sachen mit großen Leuten zu machen. Du bist ja jetzt auch schon 4 Jahre alt!

Es macht Spaß, mit dir zu diskutieren, dir die Welt zu erklären und überhaupt das Leben mit dir zu entdecken.
Du kannst so kindlich staunen und dich freuen!

Wir lieben dein Lachen, deinen gelenkigen Körper, deine strahlenden Augen und deine kreativen Ideen. Du bist sehr liebenswert.

Heute feiern wir mit dir deinen 4. Geburtstag.
Drei Freunde kommen, deine Tante und Oma und Opa.

Es ist so schön, dass es dich gibt, Emilian!

 

Baby Emilian

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Eltern und Kinder

Schon lange wartet dieser Artikel darauf, gepostet zu werden.
Ein Text einer sechsfachen Mutter, veröffentlicht im Heft der Deutschen Inland Mission.

Was sagt ihr dazu?

 

Eltern und Kinder – Führung im Spannungsfeld zwischen Harmoniesucht und Autoritätsgehabe

Führung – immer da, wo mehrere Menschen etwas zusammen erreichen wollen, ist sie nötig. Das gilt auch für die kleinste Zelle unserer Gesellschaft, die Familie. Schließlich haben die meisten Eltern doch Ziele für sich, ihre Kinder und ihr Zusammenleben, obwohl sie das oft erst merken, wenn die Sache aus dem Ruder zu laufen droht.

Wer hat nun in einer Familie die Leitungsposition inne? Wenn man sich beim Einkaufen oder an jedem anderen Ort, an dem Familien unterwegs sind, umsieht, hat man öfter den Eindruck, als ob das die Kinder wären. Kinder kommen mit einer Menge Fähigkeiten auf die Welt. Sie können mitteilen, wenn sie hungrig oder müde sind, wenn sie frieren oder schwitzen, wenn ihnen langweilig ist, sie Schmerzen oder Angst haben. Das Kind teilt jedes Mal mit: „Das ist mein Bedürfnis, aber ich kann es nicht alleine stillen. Ich kann mein Problem nicht selber lösen. Bitte hilf mir dabei!“

Die Eltern müssen die Situation in die Hand nehmen und das Kind durch die schwierige Situation führen. Sie müssen Nahrung anbieten, essen muss das Kind selber. Sie müssen einen Schlafplatz zur Verfügung stellen und dürfen auch bestimmen, wann das Kind ihn „belegen“ soll. Aber schlafen muss das Kind selber. Je älter das Kind wird, umso mehr kann es selber machen, aber immer noch nicht alleine. Liebevolle Begleitung ist viele Jahre lang nötig. Denn Kinder bringen zwar lebensnotwendige Fähigkeiten, jedoch keine Erfahrung mit auf diese Welt. Sie brauchen Eltern, die ihnen zeigen, wie das Leben funktioniert. Sie sind auf die Anleitung bzw. Führung ihrer Eltern dringend angewiesen.

Ich beobachte, dass Eltern heute öfter Angst haben, diese Führung in der Familie zu übernehmen. „Führung“ riecht nach Unterdrückung, nach schlechten Erfahrungen in Schule und Familie, nach Angst und Unmündigkeit, nach Lieblosigkeit, nach einem Stärkeren, dem man sich um jeden Preis unterzuordnen hat. Eine solch unangenehme Führungsrolle wollen Eltern heute nicht gerne übernehmen. Sie möchten auch nicht, dass ihre Kinder eine solche Art der Führung erleben.

Lieber schaffen sie für ihre Kinder eine Art Miniparadies, in dem es keinen Hunger, keinen Durst, keine Langeweile, am liebsten auch keine Schmerzen und vor allen Dingen keine Konflikte gibt. Alle Hindernisse werden aus dem Weg geräumt. Das Kind ist für nichts verantwortlich, Schuld sind immer die anderen. Jede Äußerung des Kindes wird sehr ernst genommen, jeder Wunsch zum Bedürfnis erhoben. Natürlich muss das Bedürfnis nach Nahrung befriedigt werden. Der Wunsch, das im Gasthaus „Zur goldenen Möwe“ zu tun, muss aber nicht unbedingt erfüllt werden.

Wer unter dieser Harmoniesucht leidet, ist rasch völlig erschöpft, findet seine Kinder anstrengend, herausfordernd, habgierig und macht sie für seine Erschöpfung verantwortlich. Er hat Angst, klare Ansagen zu machen, weil er von seinem Kind nicht nur geliebt werden will, sondern auch beliebt sein will.

Aber auch den Kindern geht es nicht gut in diesem Schlaraffenland. Sie kennen ihre eigenen und die Grenzen ihrer Eltern nicht und fühlen sich allmächtig, weil sie nie auf Widerstand stoßen oder enttäuscht werden. Sie müssen Entscheidungen treffen, für die sie noch zu jung sind („Welches der 99 Gerichte auf der Speisekarte möchtest du essen?“). Das, was wir als Tyrannei erleben, ist oft nur ein Schrei nach der Sicherheit, dass die Eltern den Überblick haben. Wie beantworten wir diesen Schrei? Wo fängt Führung an?

Liebe Eltern! Denkt bei aller Liebe zu euren Kindern auch an euch selbst! Achtet auf eure eigenen Bedürfnisse! Was braucht ihr selber, um euch wohl zu fühlen und entspannt mit den Kindern umgehen zu können? Wo ist eure Grenze des Erträglichen im Alltag? Bitte teilt das euren Kindern mit! Sie wollen echte Menschen mit echten Gefühlen um sich haben, keine Mitarbeiter im Schauspielhaus „Familie“, die zur Bespaßung angestellt sind. Behandelt eure Kinder wie echte Menschen, so wie ihr euren besten Freunden begegnen würdet.
Denn das möchtet ihr doch nach 18 Jahren Erziehung gerne sein: beste Freunde eurer Kinder!

F. Schäfer

 

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Als Mutter…

In einer Serie, die mein Mann und ich gerade gucken, sagte ein Vater:
„Durch ein Kind sollte das Leben leichter werden… aber es wird schwerer.“
Als Mutter erlebe ich Situationen oder tue ich Dinge, die meiner Meinung nach kaum jemand sonst tut oder erlebt. Das kann bescheuert oder schwer sein – es kann aber auch wunderschön und durch nichts zu ersetzen sein!

Ein paar dieser Sachen habe ich mal für euch gesammelt.. vielleicht geht es anderen Müttern ja ähnlich.
Ich möchte noch sagen, dass diese Dinge erstmal nicht konkret mit meinen Kindern zu tun haben. (Haha, ich bin ihre Mutter – also geht es nur um sie…) Aber ich möchte mir hier nicht von der Seele reden, wie sehr mich meine Kinder nerven!
Im Gegenteil: Für meine Kinder tue und erlebe ich all‘ diese Sachen – und ich bin stolz darauf!

 

Als Mutter finde ich es nicht ganz so toll:

… dass ich geweckt werde. Nachts. Mehrmals. Durch Geschrei. Auch wenn gar nichts war.

… dass ich sämtliche Körperflüssigkeiten, die nicht meine sind, irgendwo wegputze.

… dass ich kleine Brote schmiere, zerschneide, füttere und wieder vom Boden aufhebe, bevor ich frühstücke.

… dass ich manchmal in der Öffentlichkeit singe. Unterwegs mit den Kindern oder beispielsweise zum Laternenfest mit sämtlichen anderen Eltern.

… dass ich manchmal in der Öffentlichkeit eine Windel wechsle. Auch wenn es weit und breit keinen Wickeltisch gibt.

… dass schon wenige Minuten nach der gründlichen Säuberung der Fenster nichts mehr davon zu sehen ist.

… dass ich am Morgen zwei Strumpfhosen, vier Socken, zwei Oberteile und zwei Hosen anziehe, bevor ich überhaupt im Bad war.

… dass es nicht oft vorkommt, dass der Kaffee noch heiß und das Mittagessen noch nicht kalt ist, wenn ich soweit bin.

… dass ich mich, wenn auch nur in meinem Kopf, rechtfertige, für die Filme, die meine Kinder sehen.

… dass ich die meisten Sätze zwei- oder dreimal sagen muss. (Das machen doch echt nur Eltern, oder?)

… dass ich sämtliche Titelsongs von Kinderfilmen und -hörspielen mitsingen kann. Hallo, hallo, ich bin dein Ohrwurm…

… dass ich beim Arzt, beim Einkauf, bei Freunden, … für meine Kinder antworte, am besten noch in der „Wir“-Form, weil sie zu schüchtern sind.

… dass ich in jedem Zimmer irgendwo Spielzeug suche und im Idealfall finde.

… dass ich niemals mehr einfach mal schnell irgendwo hinlaufen kann.

… dass ich Bücher vorlese, die meine Kinder lieben, deren stupide Handlung mich aber völlig wahnsinnig macht.

… dass ich beim Kinderturnen, mit anderen Müttern im Kreis sitzend, irgendwelche albernen Fingerspiele vor mich hin brumme.

… dass ich Gesprächszeit mit meinem Mann erkämpfe.

… dass ich alles stehen und liegen lasse, wenn die Windel voll ist.

… dass ich mit den Kindern backe und es dadurch länger dauert, schmutziger wird und anstrengender ist.

… dass ich immernoch sowas wie: „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ höre.

… dass ich mir die verrücktesten Rezepte raussuche und auch nachmache, nur weil sie bunt und kinderfreundlich sind.

… dass ich im vollen Bus nicht nur den Kinderwagen, sondern auch zwei Kinder festhalte.

… dass „Pünktlichkeit“ ein schwer zu erreichendes Ziel geworden ist.

… dass ich immer mal wieder auf Fahrstühle oder hilfsbereite Mitmenschen angewiesen bin.

… undsoweiterundsofort.

 

Als Mutter finde ich es wunderschön:

… dass ich, so oft ich will, zwei süße Kindergesichter abknutschen darf.

… dass ich meine Kinder zum Lachen bringe und sehe, wie glücklich sie sind.

… dass ich sie trösten kann und dass ICH ihre Welt wieder in Ordnung bringen kann.

… dass ich in der Öffentlichkeit singen darf.

… dass ich an der Kasse vorgelassen werde und in Ruhe einpacken darf.

… dass ich kleine gemalte Kunststücke an den Kühlschrank hängen kann.

… dass ich von meinem Sohn mit seinen Sprüchen zum Lachen gebracht werde.

… dass ich kitschige Deko basteln und aufhängen darf, weil sie meinen Kindern gefällt.

… dass ich Bücher vorlesen darf, die wunderschön gemalt, geschrieben sind und auch zu meinen Lieblingsbüchern gehören.

… dass ich sehe, wieviel Spaß mein Sohn beim Kinderturnen hat und dass er nach dem fünften Mal auch die Fingerspiele wiedererkennt.

… dass ich voller Stolz meinen Mann, mich oder andere Verwandte in meinen Kindern wiedererkenne.

… dass ich meine Kinder sehr glücklich machen kann, wenn ich mit ihnen backe.

… dass ich ruhige Vormittage zuhause genießen kann, weil ich Hausfrau bin und ja sonst nichts zu tun habe.

… dass ich bei Filmen, bei Büchern, bei Geburtstagen, bei Einschulungen oder einfach so weinen darf, weil ich Kinder habe und Mutter bin.

… dass ich zu den ruhigsten Zeiten einkaufen gehen kann.

… dass ich, ohne komisch angeguckt zu werden, stundenlang in der Kinderbücherei oder im Spielzeuggeschäft wühlen kann.

… dass ich alles um mich herum vergessen darf, wenn das Kind auf der Couch kuscheln will.

… dass ich Mittagsschlaf machen darf.

… dass der Zoo-Besuch auch nach dem zehnten Mal noch große Freude macht.

… dass ich immer einen Grund (und auch Zeit) finde, um zu IKEA zu „müssen“.

… dass ich immer irgendwie eine Ausrede für komische Körperrundungen habe. (Stimmt leider nicht ganz)

… dass ich von mindestens zwei Wesen immer toll gefunden werde.

 

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Alles nur eine Phase?!

Kinder sind in Phasen. Meistens.
Wir sicherlich auch, aber bei Kindern redet man oft darüber, man entschuldigt damit eigenartiges Verhalten, man erklärt sich Fieber, Schrei-Attacken und anhängliches Gequengel. Es gibt Wachstums-Phasen und Entwicklungs-Phasen, Trotzphasen, die orale Phase, „Warum“-Phasen, anale Phasen, Zahnschübe…

Ein- oder zweimal habe ich im Internet nachgesehen, ob sich Emilians Verhalten gerade einer Phase zuordnen lässt. Und dann habe ich es gelassen. Die meisten Phasen sind nämlich schnell wieder vorbei und das zu wissen, hilft. In Zeiten der Krankheit leidet mein Schlaf, aber selbst Fieber und Schnupfen sind irgendwann vorbei. (Bei uns fängt sowas gerade an.. oh Sommer, wie werde ich dich vermissen!) Auch Gejammer und Gesabber bei Zahnschmerzen oder an-Mama-Gehänge beim Fremdeln oder das Rumwerfen von Gegenständen in Trotzphasen hört auf. Wirklich.
Zumindest für eine Weile…

Liam durchlebt oder beginnt gerade eine Trotz-Zeit. Immer vor dem Laufen oder vor dem Sprechen sind (meine) Kinder besonders unzufrieden und wenig geduldig mit sich und uns. Auch wenn Teller und Löffel durch die Gegend fliegen, Liam wütend schreit oder um sich haut – es geht vorbei.
Und an Liams Verhalten kurz nach so einem Anfall sehen wir, dass es wirklich nur ein Austesten ist. Er beruhigt sich sehr schnell. Und es ist wichtig für ihn. Das zu wissen, hilft auch!

Emilian ist gerade in einer „Warum“-Phase. Absoult. Eigentlich in der „Warum“-Phase.. denn ich hoffe, davon gibt es nicht so viele. Ja, das ist auch wichtig für ihn. Und Fragen, die ich beantworten kann und möchte, beantworte ich auch.
Aber einige Fragen möchte ich nicht beantworten. Auch nicht mehrmals.
„Emilian, heute abend bekommen wir Gäste, die heißen … und … .“
„Warum?“

„Emilian, komm mal bitte.“
„Warum?“

„Bitte sei leiser, weil Liam gerade schläft.“
„Warum?“

Gar nicht so einfach.
Viel mehr Sorgen bereiten mir aber andere Sachen, die Emilian gerade so sagt…

Wenn es Ärger oder eine Strafe gab, sagt er neuerdings gerne: „Ich möchte lieber bei Oma und Opa wohnen.“
Oder wenn er Rücksicht auf Liam nehmen soll: „Ich will, dass Liam weg ist. Liam soll nicht mehr bei uns wohnen.“

Gestern abend sagte er: „Ich mag nicht Papa. Nur dich. Ich will nicht, dass Papa mich mag. Ich will nicht mit Papa spielen. Nur mit dir. Sagst du das Papa? Ich will nicht Papas Sohn sein.“

Auch wenn sowas erstmal ein bißchen im Herz sticht, bin ich mir sicher, dass wir uns da keine wirklichen Sorgen machen müssen. Weder würde Emilian gern zu einer anderen Familie wechseln, noch würde er wollen, dass Papa einfach verschwindet.
Ich denke, Söhne lieben Mütter und Töchter lieben Väter, oder?

Vielleicht gibt es gerade eine solche Phase – wie auch immer sie heißt. Aber ich sehe auch, dass wir mit Emilian natürlich ganz anders reden, als mit Liam. Liam ist klein und süß (meistens) und wird mehr in Babysprache und mit höherer Stimmlage angesprochen. Emilian hört mehr Befehle und „vernünftige“ Sätze von uns.
Aber auch wenn das vielleicht eine nicht so ernstzunehmende Phase ist, wissen wir, dass Liam vielleicht mehr Mama-Zeit und Emilian dann auch mehr Papa-Zeiten braucht…

 

Im Kindergarten wurde wieder Geburtstag gefeiert, jedes Kind bekam ein Tütchen mit Süßigkeiten. Scheint so üblich zu sein, ich find’s gut. Emilian ist kaum davon abzuhalten, schon auf dem Nachhause-Weg diese Schätze aufzufuttern.
Das Tütchen gibt’s nämlich erst beim Abholen. Auch schlau. Als wir heute zuhause ankamen, verschwand Emilian – ich wusste erst gar nicht, wohin – und rief: „Du sollst nicht zu mir kommen, Mama.“ – „Gut“, dachte ich… „Er braucht seine Ruhe.“
Und dann suchte ich… und fand ihn hinter der Couch.

Schatztüte

 

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