Zum Frauentag

08. März 2021

Unsere Gesellschaft ist so beschäftigt damit, zu beweisen, dass Frauen alles können, was Männer können. Frauen verlieren die Einzigartigkeit, die uns auszeichnet. Die von Gott gegebene Weiblichkeit und die Einzigartigkeit,
mit der uns unser Schöpfer ausgestattet hat.
Die Löwin versucht nicht, ein Löwe zu sein.
Sie lebt ihre Rolle als Löwin.
Sie ist kraftvoll, stark und sie versorgt.
Sie sieht ihre Sanftmut nicht als Schwäche.
Die Welt braucht mehr freundliche, mitfühlende, demütige, treue, ausdauerstarke, zuversichtliche, leidenschaftliche,

mutige und weichherzige Frauen.
S. Vogel

Ich weiß immer mit dem Frauentag nichts so recht anzufangen.
Yeah, es ist ein Feiertag in Berlin geworden!
Aber ich bekomme weder Blumen noch Schokolade und habe auch aus meiner Kindheit überhaupt keine Erinnerungen an den Tag.

Ich feiere die Frauen in meinem Leben!
Meine Omas, Mama, Schwiegermutter, Schwestern, Schwägerinnen, meine Tanten, Nichten und Cousinen. Meine Kolleginnen und Freundinnen. Meine Herzens-Mädels und Wegbegleiterinnen. Die, die ich 2020 kennengelernt habe und die, die ich schon seit mehr als 20 Jahren kenne. Es fällt mir leicht, Menschen in mein Herz zu schließen und es würde mich nicht wundern, wenn eine Liste von „Frauen, die ich in meinem Leben wichtig finde“, schon dreistellig sein würde.

Und ich liebe es, mit Frauen unterwegs zu sein.
Zu erleben, was möglich ist, wenn Vertrauen, Wohlwollen, Freundschaft, Mut, Ehrlichkeit und Nähe da ist. Fast alle meine Herzensthemen wären ohne andere Frauen nicht möglich. Ich wachse, wenn ich anderen Frauen beim Wachsen helfe.

Nun ist – meiner Meinung nach – die Stimmung des Frauentages etwas abgedriftet. Es geht zu viel um die Männer.
Wir sollen…
… erfolgreich wie Männer
… stark wie Männer
… einflussreich wie Männer
… tapfer wie Männer
… stolz wie Männer
… sein.
Aber wir sind doch keine Männer.

Ja, es ist so wichtig, dass Frauen laut sind. Und mutig. Und ihre Stimme erheben. Und den Weg frei kämpfen. Und aus der Reihe fallen. Dorthin gehen, wo niemand sonst hingeht. Die Augen vor Problemen nicht verschließen. Es ist wichtig, dass Frauen bei Ungerechtigkeit aufstehen. Dass sie sich für das Recht einsetzen. Dass sie für die Schwachen kämpfen.

Ich feiere aber auch die Frauen, die mit großer Liebe Haus und Hof und Familie pflegen, die Kinder auf dem Weg ins Leben begleiten, die eine offene Tür für Gäste haben und sich noch Zeit nehmen können. Die Platz im Kalender haben, immer frischen Kuchen da und hundert Geschichten aus dem Leben erzählen können.

Wir wollen keine Menschen zweiter Klasse sein. Wir wollen gleichwertig und gleichberechtigt sein. Wir wollen angemessen bezahlt werden. Wir wollen nicht auf unser Aussehen beschränkt werden. Wir wollen nicht als schwach gelten. Wir wollen Sicherheit. Wir wollen nicht auf unsere Fähigkeit, Kinder zu bekommen, beschränkt werden. Wir wollen anerkannt werden.

Geht denn nicht beides zusammen?

Ich persönlich glaube, dass wir Frauen unsere Eigenschaften, unsere Stärken, unsere Einzigartigkeit und unseren Reichtum verlieren oder verschenken, wenn wir den Männern so nacheifern.

Wir Frauen können so viel mehr, wenn wir uns annehmen. Unseren Körper. Unsere Stimme. Unsere Kraft. Unser Herz. Wenn wir aufhören, sein zu wollen, wer wir nicht sind. Wenn wir aufhören, uns zu vergleichen. Der anderen Erfolg und Schönheit als fehlenden Erfolg und Schönheit bei uns zu deuten. Wenn wir anfangen, das in uns zu sehen, was Gott in uns sieht.

Auf uns!
Auf die Frauen in meinem Leben!
Auf die Frauen, die ihren Platz gefunden haben!

Comments

  1. Simone R. says:

    Hallo Marit,
    wir haben uns seit Ewigkeiten nicht gesehen und gehört, daher erstmal einen lieben Gruß an dich 😉

    Ich denke, es geht eigentlich gar nicht um Männer. Es bedarf aber den Vergleich mit Männern um zu zeigen, was genau schief läuft und um zu sehen, dass die Sicht auf Frauen gesellschaftlich betrachtet defizitär ist.
    Einige Beispiele bringst du selber, die Bezahlung stimmt z. B. nicht.
    Aber du schreibst auch:
    „Wir sollen…
    … erfolgreich wie Männer
    … stark wie Männer
    … einflussreich wie Männer
    … tapfer wie Männer
    … stolz wie Männer
    … sein.
    Aber wir sind doch keine Männer.“
    Die Sache ist doch: Wir SOLLEN nicht so sein, wir SIND doch schon so! Aber uns werden überall Steine in den Weg geworfen, weil wir Frauen sind, und können unser Potential eben NICHT ausleben!
    Ich arbeite gerade einen Monat Vollzeit im Krankenhaus und erlebe sehr deutlich, was ich kürzlich in der Zeit gelesen habe (https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-03/gender-care-gap-frauen-hausarbeit-sonntage-feiertage-studie?utm_referrer=https%3A%2F%2Fwww.ecosia.org%2F)
    Ich stehe 4:50 auf. Meine einzige freie Zeit ist morgens zwischen 5:15 und 5:30 (heute habe ich Spätschicht und opfere meine Freizeit für diesen Beitrag;)). Dann 8 h arbeiten, zuzüglich Pause 30 min, Kinder abholen, Kinder bespaßen, Haushalt, Essen vorbereiten fürs Abendbrot und die Kinder am nächsten Tag, Essen, Kinder ins Bett und selber ins Koma fallen. Da bleibt kein Raum für Entwicklung. Und Männer nehmen das als selbstverständlich hin. Nun könntest du sagen: naja, hast dich mit deinem halt nicht gut geeinigt. Aber das betrifft nicht nur mich, das betrifft so gut wie alle Kolleginnen von mir!
    Und nicht nur das, in meiner Seminargruppe an der Uni sind sehr viele Mütter und auch dort berichten mir meine Kommilitoninnen (Humanmediziner) exakt dasselbe: Wir schufften uns dumm und dusselig, leisten wirklich unmenschliches, und dann kommen wir nach hause und was machen unsere Männer? Fußball spielen, vorm PC hocken, Spaß haben. Nicht alle, aber viele. Das Ergebnis davon ist klar: Männer in den Chefposten, in der Politik, etc. – das könnten wir alles mit links, wir haben nur keine Zeit dafür.
    Warum mir Feminismus wichtig ist: nicht nur wegen der defizitären Sicht auf Frauen, sondern auch ganz praktischer:
    – Frauen werden in der Forschung häufig übersehen und sind oft unsichtbar, was dazu führt, dass ihre Bedürfnisse Gesellschaftlich nicht gesehen werden (aktuell z. B. gibt es nicht annähernd genug Hilfen für Frauen, die von Häuslicher Gewalt betroffen sind – oder ganz banales Beispiel: ich habe als Studentin keinen Anspruch auf Kinderkranktage und kann meine nicht auf meinen Mann übertragen. daher haben für unsere Kinder nur halb so viele Tage wie alle anderen Familien oder Alleinerziehenden – dabei habe ich Anwesenheitspflichten und werde nicht zu Prüfungen zugelassen, wenn ich fehle. Frauen mit Kindern haben halt nicht zu studieren)
    – Medizin ist eine Wissenschaft alter weißer Männer (Das fängt bei Medikamentenstudien an und hört bei der Facharztausbildung von Gynäkologen nicht auf, diese hören zum Beispiel extrem wenig über die Wechseljahre und die Zeit davor und können ihren Patientinnen nicht helfen bei Problemen, Medikamente diesbezüglich sind praktisch gar nicht erforscht, seit 1998 wissen Mediziner überhaupt erst, dass die Klitoris nicht nur ein kleiner Boppel ist sondern einen ca. 10-12 cm großen Schwellkörper hat – 1998! bis dahin hat man Jahrzehnte lang Körperspender präpariert und es ist niemanden aufgefallen!) – die Folge davon: wir werden falsch behandelt, haben krasse Nebenwirkungen, leben zwar länger, leiden aber auch länger und bei vielen Themen bekommen wir gar keine medizinische Hilfe, weil gibt’s nicht.
    – es gibt keine richtigen Worte für uns. Frage mal Frauen, wie ihre Geschlechtsorgane heißen. Ich wusste bis in meiner zwanziger nicht, dass „Vagina“ nicht die äußeren Geschlechtsorgane bezeichnet – weil es in sämtlicher Literatur, die ich in jungen Jahren gelesen habe, falsch beschrieben war (und in Unterhaltungsliteratur, in der Musik, etc…) – gesellschaftlich ist das ein absolut blinder Fleck und in seiner Sicht ebenso defizitär (was sind kleine Jungs doch alle stolz auf ihren Penis – und Mädchen? Die haben da ein Loch. Da fehlt was. Nur wofür es keine Worte gibt, dafür gibt es auch kein Bewusstsein und erst recht kein Selbstbewusstsein – davon hör ich mal auf, das Thema ist unerschöpflich *g*)
    – es Frauen gibt, die sich sehr wohl an ihrem zugewiesenen Platz fühlen und meinen, das müsse immer so sein. Mich hat es krank gemacht, zuhause zu sein, mich um die Kinder zu kümmern und nebenbei zu verkümmern, weil das nicht meinen Fähigkeiten, Neigungen und Anlagen entsprach. Und auch hier bin ich nicht alleine damit sondern eher die Norm. Ich kenne beinahe KEINE! Frau, die sich mit einer Rolle als fürsorglicher Frau und Mutter wohl fühlen würde. Ich nehme mich heute sehr ernst damit, dass ich eben nicht so bin, wie die CMH mich damals versuchte zu sozialisieren. Ich entspreche nicht dem, was traditionell von Frauen erwartet wird (diese Erwartungen lese ich bei dir oben rein, das mag mein „Mangel“ sein und du vielleicht gar nicht sagen wollen). Und ich fordere ein, mich entfalten zu dürfen. Ich habe meinen Platz gefunden, aber ist ganz anders als der der meisten Frauen, die ich kenne (die leider zu oft mit ihrem eher nicht so glücklich sind).
    Ich für meinen Teil sehe Feminismus nicht als etwas gegen Männer, sondern als für Frauen (und was auch immer irgendwo dazwischen ist). Und das Kontrastmittel ist halt der Mann, denn dieser gibt die Norm vor und ist bemüht uns zu verdeutlichen, dass wir dieser nicht entsprechen.
    Ich will in einer Welt leben, in der Menschen sein und tun dürfen, was ihnen und nicht etwaigen Rollenzuschreibungen entspricht und in der die Aufgaben fair verteilt sind. Das ist mein Hintergrund dafür, dass ich mich als Feministin sehe.
    Dass ich zum Mann werden muss, damit ich sein darf, wer ich bin, ist nämlich tatsächlich ein Unding.

    liebe Grüße

    1. Marit says:

      Danke Simone. Schön, von dir zu hören 🙂
      Danke für deine Meinung.

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