Wie die Kinder…

Ich genieße die Phase, in der beide Jungs (fast) laufen können, alleine und zusammen spielen, sich mitteilen und anfangen, mich nicht mehr zu brauchen. (Was bin ich froh, dass es nie ganz sein wird!) Ich denke über neue Deko-Ideen für das Haus nach, sortiere und packe mehr, lese mehr und habe mehr Zeit für den Garten. Ich genieße jede Phase und genieße es auch, mir noch keine Gedanken über die nächste Phase machen zu müssen.

Dann wieder nervt mich so vieles. Mich nervt, dass jeden Tag gekleckert wird! Das wird irgendwann besser. Mich nervt, dass die Jungs sich streiten. Das wird bestimmt auch besser – vielleicht auch erstmal schlimmer. Mich nervt, dass ich mich manchmal in  unmöglichen, entwürdigenden Situationen wiederfinde. Auf allen vieren durchs Kinderzimmer krabbelnd, mit Spielzeug in beiden Händen und im Mund, um schnell und effektiv aufzuräumen. Das wird mit Sicherheit schlimmer.

Denn gerade heute morgen überkam es mich wieder: Wir haben zu viel Spielzeug!!!
5 Geburtstage und 3 Weihnachtsfeiern plus jeder beliebige andere Anlass – und das Ergebnis überfordert mich und die Kinder. Ich liebe ihr Spielzeug und bin froh, dass sie es haben, wirklich!
Und deswegen sortiere ich. Aber warum muss beim Kauf eines Haus Platz zum Verstauen des Spielzeugs, das gerade nicht dran ist, eingeplant werden?
Wenn ich das hier sehe, wird mir immer ganz schlecht!

 

Ich habe auf Facebook ein Bild gefunden:

Kindheit

Es ist beneidenswert, Kindern zuzuschauen. Ja, sie werden getragen, gewaschen und das Essen wird ihnen gebracht, bzw. in Stückchen bereitet… aber abgesehen davon: Sie spielen. Sie lachen. Sie genießen. Sie entdecken. Kinder weinen oder jammern oder schreien und wüten auch mal –
aber wer sagt, dass das schlecht ist?
Ein paar sichtbare Emotionen würden uns auch nicht schaden…

 

Liam sitzt so oft einfach nur vor den Stufen unseres Hauses und guckt und atmet den Wind, zeigt auf die Vögel und summt.
Emilian liebt es, auf der Couch zu hüpfen, sich fallen zu lassen und dann vertieft er sich mehrere Minuten lang in seine Bücher und blättert und singt und reimt.
Liam lässt sich gern direkt von der Luft des Ventilators beblasen. Er hüpft dann knieend auf und ab und genießt den Wind.
Emilian liebt es, sich Berge aus Kissen und Decken zu bauen, um sich dann darauf zu schmeißen.
Liam genießt es, mit den Fingern die Marmelade vom Brot zu schlecken und sie sich auch mal -summend- ins Haar zu reiben.
Emilian spaziert gern mit seinem Regenschirm im Flur auf und ab.
Liam drückt gern die Knöpfe am Herd, weil es dann piept.
Emilian liebt es, die Finger in seinen Trinkbecher zu stecken, sie abzulutschen, aus den Tropfen auf dem Tisch ein Bild zu „malen“.
Liam klettert gern in Emilians Bett, um dort zu kuscheln.
Emilian freut sich riesig, wenn er mal auf dem Tisch umherlaufen darf.
Liam schiebt gern die Bücher von der Couch und lässt sie auf den Boden fallen.
Emilian lässt sich während des Laufens gern auf den Boden plumpsen… im Garten, auf der Strasse, bei Lidl..

Ich sage nicht, dass ich diese Sachen gut finde.
Aber wann haben wir zuletzt etwas Verrücktes getan – einfach, weil es uns gefällt?

 

Was sind denn die Sorgen unserer Kinder?
Da geht es nicht um Krankheit, Geld, Gesundheit, Wetter… es geht nichtmal um den nächsten Tag!
Beim Einschlafen fragte Emilian ohne jeglichen Zusammenhang:
„Machen Eisbären weißes Pipi?“

Und was sind meine Sorgen?

Ich weiß, dass Kinder sich natürlich nicht um Einkauf, um Finanzen, um Wochenpläne und den Haushalt kümmern. Brauchen sie auch nicht. Aber ich wünsche uns ein paar Kleinigkeiten aus dem Kinder-Leben, die wir uns ruhig abgucken dürfen:

– immer ein Lied im Ohr und auf den Lippen zu haben
– Zeit nehmen, zum da-sitzen und gucken und hören
– sich in etwas vertiefen können
– einfach mal in Tränen ausbrechen, wenn es sein muss
– sich fallen lassen können (in Gedanken – oder eben auf eine Couch)
– nicht so erwachsen sein zu müssen
– zu hüpfen, wenn einem danach ist
– das Tempo zu bestimmen
– schreien, wenn einem Unrecht getan wurde
– laut loszulachen
– den Tag genießen zu können
– …

Comments

  1. Sven says:

    Sehr schön zusammengefasst. Ja, warum machen wir es einfach nicht so, wie die Kleinen. Anscheinend sind wir in den letzten Jahren viel zu „verkopft“ geworden. Zeit auszubrechen.

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