Kindersprüche


Ich weiss nichtmal genau, warum ich lange nichts von uns, so richtig, geschrieben habe. So richtig von uns. Muss ich mal wieder! Ich verbringe viel Zeit mit Mann, Kindern, Haushalt und Freunden. Einige Themen werden leiser und ruhiger, andere Themen beschäftigen uns mehr und werden lauter. So ist das.
Aber ich vermisse das Schreiben und verspreche, dass es hier bald wieder mehr gibt.

Vor allen Dingen aber gab es lang keine Kindersprüche mehr. Das ist auch nicht gut.

Kindersprüche

Im Zoo brüllt die Löwin immer wieder.
Liam: „Ich glaube, der betet.“

Vor Weihnachten erzählt Liam:
„Ich wünsche mir einen Notstand. Wie Papa.“
Wir haben lange gebraucht, um herauszufinden, dass er sich einen Notenständer wünscht…

Vor dem Käfig im Zoo sehen wir eine Überwachungs-Kamera.
Emilian sagt: „Guck mal, eine Überraschungs-Kamera!“

Beim Playmobil spielen suchen wir die Notärztin. Als wir sie gefunden haben, fehlt aber noch der Notarzt.
Liam: „Wo ist der Notpapa???“

In der ganzen Adventszeit gab es einen Satz von Liam, den wir schließlich alle, bzw. das Wort, irgendwie übernommen haben: „Darf ich jetzt meinen Kavenzlender aufmachen?“

Mama schimpft: „Meine Güte!“
Liam: „Wie heißt denn deine Güte?“

Liam fährt mit dem Laufrad von der Kita nachhause und schreit fremde Leute an. Ich sage ihm, dass er das lieber nicht tun soll. Ich glaube, er wollte mit seiner Stimme irgendwie die Klingel ersetzen.
Seine Antwort: „Ja das ist doch eine coole Aktion!“

Wir haben Emilians Fahrrad an der Kita gelassen, weil die Jungs mit dem Auto abgeholt wurden.
Am nächsten Tag laufen wir zur Kita und Emilian sieht sein Rad: „Oh. Ich bin schon da!“

Weisheit von Liam: „Weißt du, wann Schluss mit Deutschland ist? Wenn wir bei Gott sind.“

Liam ruft nachts im Bett nach mir. Als ich an sein Bett komme, sagt er: „Ich brauche einen Sessel, damit ich mich ausruhen kann.“
Weisheit von Liam: „Wenn ich groß bin, kann ich alles machen. Auch nackig ins Bett gehen!“

Emilian ruft kurz nach 22:00 Uhr nach unten:
„Kann ich zu euch kommen? Ich brauch mal wieder harten Boden unter den Beinen.“

Meine Schwester und ihr Mann besuchen uns. Wir haben sie lange nicht gesehen und die Kinder freuen sich sehr. Liam verschwindet im Bad und ruft nach einer Weile: „Kann ein Besucher meinen Popo abwischen?“

Weisheit von Emilian: „Ich werde langsam größer und sechsjähriger.“

Emilian zieht allein seine Strumpfhose an und ich bewundere ihn.
„Ja. Ich finde den Winter nämlich nicht fürchterlich.“

Emilian beobachtet den Himmel und sagt: „Guck mal, die Wolken ziehen auch in den Süden.“

Liam hat noch immer Schwierigkeiten, das R auszusprechen. Viele lustige Wörter sind dabei herausgekommen. Unser neues Frühstücks-Müsli sind diese „Fruit Loops“, wir nennen sie Frucht-Ringe.
Jetzt ratet, was Liam dazu sagt.
„Darf ich heute wieder Flüchtlinge essen?“

Liam soll sich die Zähne putzen, er steht aber mit klatschnassen Haaren am Waschbecken und sieht in den Spiegel. Als ich ihm die Haare abtrocknen will, protestiert er. Und er erzählt dann, dass er eigentlich gern schwarze Haare, wie seine Tante hätte und dass seine Haare deswegen nicht trocknen dürften.
Er fragt dann, wie alt seine Tante sei.
Ich sage: „Sie ist 30.“ (Jedenfalls wird sie im Sommer 30)
Liam: „Oh, dann muss ich auch richtig 30 werden!“

Emilian ist genervt von Liams Gedrängel im Bad und erklärt: „Die Ersten werden die Letzten sein. Das steht in der Bibel.“
Liam antwortet: „In meiner Bibel steht das nicht!“

Eines Abends stellt Liam ein paar Fragen:
„Woher wusste der Weihnachtsmann, dass ich mir eine Gitarre wünsche?“
Ich entscheide mich einfach für die Wahrheit und erzähle, dass wir die Geschenke gekauft haben. Er hat am 24.12. einen Weihnachtsmann gesehen und fragt, warum es dann aber Weihnachtsmänner gibt. Ich erzähle, dass das eine Verkleidung sei und wir beschließen, dass wir Eltern im nächsten Jahr die Geschenke in Weihnachtsmann-Verkleidung überreichen…

Emilian: „Also, ich finde Gott viel besser, als den Teufel. Bei Gott ist es schöner. Liam, findest du auch Gott toll?“
Liam: „Ich finde, Goliath ist am coolsten!“

Weisheit von Liam: „Warum heißt das Messer Messer? Weil es ein Messer ist. Mit scharf.“

Wir sehen die Zirkus-Show von Monte Carlo mit den Kindern. Sie sind absolut fasziniert und angesteckt. Emilian sagt: „Das muss ich in echt sehen. Sonst glaub‘ ich das nicht.“
Seit dem sind beide immer mal wieder in Strumpfhosen und Unterhemd beschäftigt, Kopfstand zu machen, sich beim Sprung in der Luft zu drehen oder sich irgendwo athletisch ranzuhängen.

Emilian schreibt. Ganz viel. Er übt frei, er schreibt ab und ich platze vor Stolz über mein kleines Schulkind.
Vor ein paar Tagen verschwand er, kam dann mit einem Zettel und ließ uns raten, wo er geschrieben hatte.

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Und als die beiden vorgestern am Wohnzimmerfenster malten und Emilian am Ende sagte: „Warte, ich schreib‘ noch unsere Namen dazu.“ fand ich auch, dass sich so ein Satz ganz neu und toll anhört.

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