Großer Bruder, kleiner Bruder

Ich würde ja sehr gern mal wissen, was Emilian sich so denkt, wie er sich das Neue erklärt und ob er sich manchmal auch wundert oder wartet, bis es wieder „wie vorher“ ist. Das alles muss schon wirklich komisch für ihn sein. Wir versuchen natürlich, sein Leben nicht auch noch völlig zu verändern, aber er kennt vieles einfach nicht.

Er muss oft warten, muss manchmal leise sein, muss öfter alleine spielen, muss Mama manchmal etwas bringen, wenn sie nicht aufstehen kann und hat nicht mehr so viel Zeit mit Mama alleine. Andererseits gibt es mehr Besuch, der zum Spielen kommt, Essen mitbringt und dann viel Zeit mit Emilian hat.

Oft ist er ein lieber großer Bruder und bietet Liam gern mal eine Weintraube an, steckt ihm unermüdlich den Nuckel wieder in den Mund und weint manchmal mit, wenn Liam unglücklich ist. Er zählt täglich die kleinen Finger, schiebt den Stubenwagen, schleppt das Kuscheltuch hinterher und bringt neue Windeln, wenn er meint, die alte müsste gewechselt werden. Heute habe ich im Sandkasten seine „Kunst“ bewundert und er sagte „Liam angucken“. Liam muss immer dabei sein, auch beim Vorlesen möchte er, dass ich Liam direkt mit der Nase an das Buch halte – wenn er die Augen offen hat!

   
Er kann es nicht verstehen, dass Liam noch nicht essen, laufen, sprechen, spielen… kann – ich erkläre es ihm, aber es wird ihm bestimmt zu lang dauern.
Das erste Spielen und Lächeln geht ja bald los…
Wenn ich mich auf die Couch setze und das Stillen vorbereite, sagt Emilian „Nein, nein“, weil er weiß, dass ich dann erstmal da sitze und nicht weg kann. Er versucht, Liam schnell den Nuckel zu geben, um das Trinken zu verhindern. Oft hilft dann ein kleiner Film am Computer oder eine Buch-anguck-Zeit mit Mama.. und die Erklärung, dass Mama und Emilian auch essen und trinken müssen und Liam ja nur Milch von Mama trinken kann. Glücklicherweise haben wir ein Tierbuch gefunden, in dem auf jeder Seite auch ein Tierkind bei der Mama trinkt. Sehr gut!

Es gibt auch kritische Zeiten, in denen Emilian gern Lärm macht, obwohl Liam gerade eingeschlafen ist. Oder er nutzt die Zeit, in der Mama nicht aufstehen kann… und er testet, was passiert. Da muss dann viel Liebe und Geduld her..

Meist ist er ein sehr fröhlicher, bewegungsfreudiger, lustiger Junge, der seinen Garten liebt. Sobald einer von uns draussen ist und arbeitet, kommt er mit, nimmt seinen Besen und sagt „sauber machen“. Oder er rennt wichtig mit Eimer und Schaufel über die Wiese, sammelt Stöcker und Tannenzapfen, beobachtet Hummeln und Feuerkäfer und macht die Geräusche der Vögel nach. Wenn ich ihm einen Schmetterling zeige, guckt er ihm so lange nach, bis nichts mehr zu sehen ist und fragt dann „Nochmal?“
Ab und zu entsteht schon eine richtige Unterhaltung! Mama fragt: „Wo ist denn der große Eimer?“ Und Emilian antwortet: „Da hinten!“
Heute waren wir im Garten vor dem Haus, als ein Mann auf der anderen Strassenseite vorbei lief. Emilian hockte sich fachmännisch hin und sagte „Mann!“ Kurze Zeit später ging ein anderer Mann am Haus vorbei und Emilian kommentierte: „Noch einer Mann!“

Der Garten ist wirklich eine große Unterstützung für die Anfangszeit und ich bin sehr dankbar. Überhaupt sollte ich mir ein Wandtattoo in jedes Zimmer kleben: „Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!“
Denn zu dem ganzen nicht immer leichten neuen Alltag kommen meine täglichen Begleiter: „Hab-ich-vergessen“ und „Bin-nicht-dazu-gekommen“.. und da braucht man ja wohl Humor!

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