Blog-Zeit

Ich sitze draussen in der Sonne, beide Jungs spielen in ihren Kinderwägen.
Der eine ist schon wach, der andere ist noch wach. Aber ich habe Zeit und alles andere muss jetzt warten.

Ich stelle leider fest, dass ich zur Zeit weder mit dem Bloggen noch mit Emilians Entwicklungsbereichten hinterher komme. Das bedeutet, dass gerade viel passiert und wir nicht gelangweilt in unserem Häuschen sitzen. Ist doch schön!
Ich freue mich über Abwechslung und viele Termine sind Treffen mit Freunden oder Ausflüge und keine Arzt-, Amts- oder sonstige Pflichtbesuche. Vielleicht habe ich ja bei schlechterem Wetter mehr Zeit zum Schreiben und Fotografieren.
(Ich brauche Sachen, auf die ich mich im Herbst und Winter freuen kann!)

Heute habe ich im Garten sauber gemacht, Emilian hat ganz allein mit ein paar Gießkannen und ein bißchen Wasser gespielt. Liam lag draussen im Wagen und schlief. Das ist mein neuer Plan: Er schläft an frischer Luft, kann bei uns sein und trotzdem schaffen wir was.
Liam ist stets vergnügt – wenn er nicht an Bauchkrämpfen leidet. Denn dann weint er, dass es einem in der Seele weh tut. Sobald er sich drehen und seine Verdauung selbst in Schwung bringen kann, hört es hoffentlich auf!
Er möchte überall dabei sein, verdreht sich den Kopf, um die Bewegungen seines Bruders zu verfolgen und himmelt Emilian an, wie ein kleiner Junge seinen großen Bruder nur anhimmeln kann!

Emilian macht riesige Wachstumsschritte, die nicht sofort sichtbar sind, uns aber doch umhauen. Manchmal kann ich nicht audrücken, wie stolz ich auf ihn bin und wie süß ich ihn finde! Er merkt es aber und ich sehe es an seiner Verlegenheit.
In seinem Kopf müssen unglaubliche Dinge passieren, Verknüpfungen entstehen und Fächer wachsen, mit denen er sich die Welt erklärt. Er kann sich so viel merken, versteht Zusammenhänge und beginnt, in Rollen zu spielen. Da er das Vorlesen so liebt und sich häufig Bücher mehrmals vorlesen lässt, kennt er die Geschichte und die Personen (meist Tiere). Und völlig ohne Zusammenhang
(für uns) erzählt er tagsüber davon. Das ist so cool – wenn man die Geschichten kennt und weiß, wo er gerade im Kopf ist.
Er kommt zum Beispiel an und sagt: „Ich bin Lilo, die Hausmaus – und du?“
Oder er sagt: „Hofkatze wundert sich – fremde Katze nicht laufen kann?“
Auch sagt er gern Wörter wie „manchmal“ und „übrigens“ und versucht, höflich zu sein.. Ich weiß nicht, ob er genau weiß, wie – aber oft hört es sich gut an.
„Emilian, brauchst du eine neue Windel?“ – „Ja, manchmal.“
„Möchtest du einen Apfel essen?“ – „Ja, gerne.“
Und er sagt Bitte und Danke, dass ich ganz entzückt bin.
Neuerdings packt er auch gern irgendwelche Sachen „für Oma und Opa“ zusammen, erklärt mir (mit Strassen- und Ortsangabe), wo er hingeht, verabschiedet sich mit herzlicher Umarmung und Küsschen von Mama, öffnet die Haustür und stiefelt los. Ich bin nicht mehr sicher, ob er nicht wirklich gehen würde, aber ich weiß, dass er die Gartentür (noch) nicht aufkriegt. Als wir letztens vor der Gartentür standen, sagte er, dass er jetzt in den Urlaub gehen würde.
Aber als er sah, dass ich zurück in den Garten ging, kam er an und meinte: „Urlaub vorbei. Emilian wieder da!“
Vor ein paar Tagen saß er morgens verschlafen im Bett, als ich zu ihm kam und er sagte: „Guten Morgen, Mama!“ Wow.
Es ist eine Freude, so mit ihm zu spielen.

Die abendliche Einschlaf-Phase dauert auch nicht mehr so lange. Ich habe beschlossen, Dinge, die wir regelmäßig tun, zu benennen.
Einschlafzeit. Essenszeit. Vorlesezeit. Mittagsschlafzeit.
Und dann weiß er das und dann ist es so.
Als ich wieder lange an seinem Bett saß, weil er nicht wollte, dass ich gehe, versuchte ich es damit: „Mama möchte gern runter zu Papa gehen, Papa ist ganz alleine und möchte mit Mama kuscheln.“
Und er? „Mama nicht mit Papa kuscheln. Einfach schlafen!“
Hmm..
Wir haben trotzdem noch ab und zu kleine Trotz- und Stress-Phasen, ist ja klar. Und meist liegt es daran, dass ich wegen Liam irgendetwas unterbrechen muss oder eben mehr Zeit für Liam brauche. Aber mit Regeln und Grenzen, mit Strenge und Liebe, mit Verboten und Belohnungen kriegen wir das schon gut hin!

Morgen gehen wir schon zum zweiten Mal mit Liam zur Physiotherapie –
dabei wollte ich euch doch davon erzählen.
Bei Liam wurde eine asymmetrische Haltung festgestellt, weswegen er eine Überweisung zur Physiotherapie bekam. Schon vor dem Urlaub. Es ist im Laufe der Zeit deutlich besser geworden, trotzdem gehen wir. Die Therapie an sich ist fast unsichtbar – eine Therapeutin nimmt sich Liam und „massiert“ oder drückt an Nacken und Hüfte und beobachtet einfach, wie er Geräusche und Bewegungen verfolgt. Ich war sehr froh, dass er gut drauf war, schön „erzählt“ hat und sich von der besten Seite gezeigt hat. Viel interessanter war Emilian. Ich hatte geplant, ihn nicht mitzunehmen, dann ging es aber nicht anders und es war gut so.
Der Vorraum der Praxis hat ihm mit dem Aquarium und der Haribo-Schüssel schon total gefallen. Dann aber der Behandlungs-Raum..
Ich weiß nicht, ob ihr die Zimmer von Therapeuten oder Logopäden kennt?
Spielzeug, Spielzeug, Spielzeug.
Emilian durfte dabei sein, durfte alles nehmen und wir mussten nicht aufräumen, durfte erzählen und genießen. Ich sag euch, wenn er bei der U7 nur halb so viel berichtet und gezeigt hätte… Aber die Therapeutin ist sehr nett, wir duzen uns sofort und unterhalten uns schön während der Behandlung.
Da die Praxis in unserem Einkaufsviertel liegt, hat Emilian schon oft gefragt, wann wir wieder dorthin gehen… Morgen!

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