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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Von der Rumpelkammer in die Vorweihnachtszeit

Ich habe mich mit einer Freundin über unseren Alltag unterhalten. Wie voll der Alltag ist, wie wenig Zeit wir für uns haben, wie wenig Zeit wir für die Kinder haben, wie wenig wir  schaffen, was wir gern anders hätten…

Und ich setze mich schon immer gerne dafür ein, unseren Alltag so leer wie möglich zu halten.. für unsere Verhältnisse. Wenig feste Termine. Viele Familien-Zeiten. Viele Pausen. Freie Wochenenden. Aber. Unser. Alltag. Ist. Nicht. Leer!

Auch ich habe das Gefühl, nichts zu schaffen. Auch ich habe das Gefühl, Sachen über Wochen liegen zu lassen.. über Monate. Auch ich habe lange to-do Listen, Müll-Ecken im Zimmer, verpeilte Tagesabläufe im Alltag, und so weiter.
Jari ist heute auf meinem Arm eingeschlafen, einfach so, völlig außer der Zeit, zu einer sehr ungünstigen Zeit! – weil ich heute am Nachmittag unterwegs war und einfach seinen Mittagsschlaf vergessen habe. Ob sich das in der Nacht rächt?

Auch ich muss die Kinder auf später vertrösten. Auch ich muss Termin absagen, Treffen verschieben, Trockenshampoo benutzen, kalten Kaffee trinken und den dreckigen Küchenfußboden mit zusammengebissen Zähnen ignorieren.

Die letzten Nächte waren nicht so schön, weil entweder Jari wach und hungrig war, oder ich viel gehustet habe und eben nicht schlafen konnte – beziehungsweise im schlimmsten Fall Jari wieder geweckt habe. Unsere besten und tiefsten Schlafzeiten waren in den letzten Tagen zwischen 5:00 Uhr bis 7:00 Uhr, die Zeiten, in denen wir normalerweise aufstehen.
Mein Mann hat also ganz viele Laufdienste übernommen und wir konnten weiter schlafen.

Planänderungen, das Gefühl, zu nichts zu kommen, Schlafmangel und spontane Absprachen kennen wir.

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Zum Alltag gehört für mich: Zusammen sein.

Wenn ich „arbeite“, nehme ich die Kinder mit.
Das ist mein Homeschooling.
Ich unterscheide nicht oft zwischen „Zeit mit den Kindern“ und „Zeit im Haushalt“. Ich sitze nicht nur rum, wenn ich mir Zeit für die Kinder nehme, sondern ich versuche, das zusammenzubringen.

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An den letzten vier Vormittagen habe ich die Kinderkleidung sortiert, die gerade keinem unserer Kinder passt. Ich saß mit einem tollen Hörbuch und einem aktiven Baby im Schlafzimmer und habe weg-sortiert, neu-sortiert, aus-sortiert, ein-sortiert.
Emilian kriegt neue Kleidung von Freunden.
Liam kriegt Kleidung von Emilian.
Dann gibt es viele Größen, die auf Jari warten.
Und alles, was Jari nicht mehr passt, kommt weg und nimmt keinen Platz mehr weg.

Ich habe in unseren Fächern aufgeräumt. Mal wieder alle Oberteile gefaltet und gestapelt. Kurze Hosen und Tops nach hinten, dicke Pullover wieder in die erste Reihe.

Dann habe ich gestern komische kleine Tierchen in meinem Backschrank gefunden und wieder sortiert. Und geputzt. Und mal in die Tiefen der Fächer geschaut. Ich habe gemerkt, dass ich im letzten Jahr mit Baby-Jari wenig zum Backen gekommen bin – also sind einige Lebensmittel inzwischen verfallen.
Emilian durfte auf allen Sachen das Verfallsdatum suchen, das hat ihm als Mathe-Ass großen Spaß gemacht. Liam durfte offene Verpackungen mit Clips verschließen. Und wir haben großzügig aussortiert und weggeschmissen.

Seit Tagen, eigentlich fast seit Korsika, habe ich den Kindern versprochen, die Weihnachtskiste vom Dachboden zu holen..
Heute war es dann soweit!

Und in diesem Zuge habe ich natürlich gleich Sommer-Kleidung und Baby-Kleidung und Schuhe und einen Hochstuhl auf den Dachboden gestellt. Und ich habe andere Sachen runtergeholt. Zum Beispiel neues Baby-Spielzeug für Jari, (Tadaa: Weihnachtsgeschenke für Jari haben wir jetzt), Winter-Kleidung, Winter-Schuhe und so. Die Jungs lieben den Dachboden und durften tragen helfen.

(Die letzten Tage haben sich echt angefühlt wie ein Nestbautrieb im 9. Monat, nur ohne riesigen Bauch. Auch was Schönes.)

Und auch, wenn es jetzt in ein paar Zimmern und Schränken sauberer und leerer aussieht, steht eben in anderen Zimmern wieder mehr rum. So ist das, denke ich.

Wir haben viel kleines Spielzeug und alte Kleidung, Zeitschriften und seltsame Sammlungen weggeworfen. Dabei helfen die Kinder auch. Wir werden in den nächsten Tagen oft zu unserem Rumpelbasar fahren und Kleidung und Spielzeug und Küchensachen abgeben – auch das ist ein besonderer Schritt für die Kinder – und wir werden diese Freiheit vor Weihnachten genießen!

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Meine Mama hat uns vor ein paar Tagen ein Foto geschickt, auf dem unsere Küche zu sehen war, als sie noch völlig neu und völlig frei und völlig sauber war. 2012 war das.
Und wir alle konnten kaum glauben, wie viel Kram in den letzten Jahren dazugekommen ist. Und wir alle mochten das Bild der sauberen und leeren Küche viel lieber, auch die Kinder.
Natürlich können Geräte wie ein Toaster und ein Wasserkocher und eine Küchenmaschine nicht einfach in den Schränken verschwinden (jedenfalls nicht bei uns), aber diese freien Flächen haben etwas in mir gemacht.

Und ich möchte dahin. In diese Richtung. Ich rede nicht von Minimalismus, davon bin ich zu weit entfernt. Aber ich spüre, wie wir alle – wir Eltern und die Kinder – aufatmen, wenn wir Platz und Freiheit haben.

Arbeitsflächen, Wände, Fensterbretter, Böden, Treppenstufen, Nachttische… Ich möchte weg davon, alles vollzustellen. (Wer noch?)

Wenn wir etwas lange nicht nutzen, nicht vermissen, nicht mehr brauchen, kaputt gemacht haben, dann kommt es weg. Es wird nicht für den Notfall, für irgendwann, für den nächsten Sommer, für „falls wir mal…“ aufgehoben – sondern weggeworfen.

Das klappt nicht immer und ist nicht leicht. Aber Kleinigkeiten, wie halb-kaputte Schuhe, zu kleine Mützen, kleine Spielzeuge (Überraschungseier und McDonalds!) , Werbegeschenke, alte Zeitschriften usw.: Weg! Wir brauchen den Platz!

Wahrscheinlich bedeutet das auch manchmal, gut gemeinte Geschenke von anderen wegzugeben oder wegzuwerfen. Wahrscheinlich bedeutet das, Erinnerungen wegzuschmeißen. In jedem Fall bedeutet das, Kinderzeichnungen wegzuwerfen. Welche Mama schafft es bitte, alles aufzuheben??

Aber wenn mir hier Dinge begegnen, Lebensmittel, Zeitschriften, Tischdecken, Spielzeug, Kleidung, Taschen, Basteleien, Millionen Kugelschreiber, Vasen, … die seit unserem Einzug hier stehen (Verfallsdatum 2012), und ich in einer entsprechenden Verfassung bin – dann atme ich kurz ein, schließe die Augen und dann: Weg damit!

(Diesen ganzen Artikel habe ich übrigens in wenigen Minuten in mein Handy diktiert, während ich – ihr dürft raten – durch die Wohnung gelaufen bin und sortiert habe. Ich war dabei allein! Ich schreibe sehr gerne, aber ich frage mich jetzt ein bisschen, warum ich das nicht immer schon so gemacht habe.)

Die Jungs sind meist dabei, wenn ich so wühle. Sie helfen, sie stören, sie verzögern und lernen, sie puzzlen und hören Geschichten, sie malen und streiten, sie machen Hausaufgaben und essen und langweilen sich… das ist Familie bei uns.

Gerade hocken sie in ihrem Kinderzimmer. Sie haben einen alten Adventskalender entdeckt und befüllen ihn gerade für Mama und Papa. Voller Heimlichkeit.
Ich liebe das. Und ich sehne mich vor Weihnachten nach dieser Ruhe, dieser Entschleunigung, dieser Besinnung.

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Die Kinder brauchen keine Geschenke, wenn ihr Zimmer voll ist und sie nicht atmen können.
Und wir brauchen keine Geschenke, wenn wir volle Schränke haben und nicht atmen können.

Ich bin sehr glücklich, dass die Kinder lernen, was abgeben heißt, was es heißt, anderen eine Freude zu machen, was Teilen ist, was „Weihnachten im Schuhkarton“ ist, dass es Kinder in dieser Welt gibt, die nichts haben. Nichts.

Das ist nicht so einfach, wie es sich anhört. Auch ich hänge an Dingen, ich hänge an den Kuscheltieren, die meinen Babys gehört haben, ich weiß, wer welchen Body geschenkt hat, ich hänge an Erinnerungen, ich hänge an Andenken – und es ist immer eine Entscheidung.

Ist das Deko – oder kann das weg?
Brauchen wir das noch – oder kann das weg?
Brauchen wir das wirklich – oder kann das weg?

Mein Mann hängt weniger an Zeug, er ist großzügig und gutmütig, aber genau wie bei ihm und mir spüre ich, genau wie bei den Kindern, was zu viel ist.

Der Satz „Zeit statt Zeug“ klingt immer lauter in meinem Ohr.
Beim Abendessen haben wir heute schön zu viert darüber geredet.

Lieber ein Eis mit Mama, als ein billiges Auto?
Lieber mit Papa Fussball spielen, als eine neue Zeitschrift?
Lieber zusammen in Buch lesen, als an Überraschungseiern kurz Freude zu haben?

Was hatten wir in der Vergangenheit schöne Familienzeiten im Zoo, im Legoland, im Schwimmbad, im Kletterpark und so weiter, weil wir Jahreskarten geschenkt bekommen haben!

Unser Leben ist aber nicht schwarz-weiß.
Wir gehen immernoch zu McDonalds und die Kinder bekommen Überraschungseier und dürfen sich kleine Spielzeuge kaufen. Sie müssen auf meinen Zug nicht aufspringen und es ist schwer, diese Entscheidungen zu treffen.

Aber sie denken nach. Immer mehr reden wir auch über den Wert einer Sache, über Geld und Qualität und wir lernen eben, zu sortieren und Prioritäten zu setzen.

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Jetzt habe ich euch meine Vorweihnachts-Gedanken um die Ohren und Augen gehauen.. Mir hilft es beim Denken.

Ich freue mich auf weihnachtliche Familienzeiten, auf Platz und Freiraum – und ich bin gespannt, wie sich unsere Wünsche und Pläne und Ideen umsetzen lassen und halten.

Und zwischendurch werde ich innehalten, die schönen Dinge des Lebens suchen und genießen und zufrieden sein!

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Gruß aus dem Familienurlaub

Kurz vor Weihnachten, in der Ruhe vor dem Sturm, haben wir uns in diesem Jahr entschieden, einen kleinen Familien-Erholungsurlaub zu buchen. Und nun sind wir im Seehotel Templin und lassen uns verwöhnen.

Das Hotel ist riesig und erst jetzt, im Sonnenschein, sehen wir, was wirklich alles dazugehört. Uns allen gefällt das große Frühstücks- und Abendessen-Angebot, die Kinder kommen auf ihre Kosten und weil das Hotel natürlich zu dieser Zeit verhältnismäßig leer ist, genießen wir Platz und Ruhe.

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Wir gehen jetzt entweder auf den Spielplatz oder in den Pool und um 16:30 Uhr sind wir dann in der FilmBar…

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Zeit für mich

Unsere derzeitige Situation ist aussergewöhnlich.
Weil wir lange davon ausgingen, dass unsere große Reise im April beginnt, wurde der Arbeitsvertrag meines Mannes zu Ende März beendet. Anfang März erfuhren wir dann aber, dass wir eigentlich erst im Juli in Californien erwartet werden. Um die Hochzeit meines Schwagers, die Ende Mai in Amerika stattfindet, nicht zu verpassen, reisen wir also Ende Mai ab.

Die aussergewöhnliche Situation bedeutet also:
Wir sind alle vier zuhause! Emilian ist der einzige, der morgens sozusagen raus muss. (Wenn das mal nur so wäre…) Eine Erzieherin sagte dazu: „Ach, ich möchte auch mal zwei Monate Urlaub haben, bevor ich dann ein Jahr Urlaub habe!“

Als mein Mann und ich uns kennenlernten, ging ich arbeiten und er studierte noch. Er machte sich dann selbstständig, war viel zuhause, ich arbeitete weiter. Gerade im ersten Jahr als Eltern genossen wir es, fast rund um die Uhr zusammenzuhocken. Wir gehören zu den Paaren, die das können. Eine Weile. Deswegen machte ich mir auch nicht viele Sorgen über diese 2 Monate, in denen wir jetzt stecken. Und ich muss sagen, es läuft gut. Allein, jeder in seinem Büro/Bereich, würden wir vielleicht schneller voran kommen, aber die Kaffeepausen, die gemeinsamen Frühstücke und einfach das Unnormale, das jetzt möglich ist, tut gut. Auch den Kindern! Emilian ist zur Zeit außergewöhnlich ausgeglichen. Er verabschiedet sich fröhlich und schnell, wenn ich ihn in die Kita bringe, er weint nicht, wenn ein Babysitter kommt, er lacht und quatscht und tut uns gut. Zu diesem wachsenden Selbstbewusstsein gehört auch, dass er lauter und frecher und aufmüpfiger wird. Ein richtiger Junge! „Warum sagt ihr so oft ‚Nein‘?“ – „Ihr seid blöde Eltern!“ Aber trotz allem ist er sensibel, liebevoll und aufmerksam. Wir entschieden uns gestern nach einer Shoppingtour spontan gegen ein gemeinsames Eis essen, weil Emilian nicht gut auf uns gehört hatte und viel quengelte. Das machte es natürlich nicht besser. Er weinte und tobte im Auto. Als er sich beruhigte, schluchzte er unter Tränen: „Aber das Einkaufen war doch schön, oder?“ Er ist sanft trotz allem und wir können gut über alles reden.

 

Das alles… die Zeit mit meinem Mann, die Zeit mit der Familie, die entspannten Kinder… das alles trägt dazu bei, dass ich, die Mama, mehr Zeit für mich haben kann! Ich bin aus irgendeinem Grund dafür verantwortlich, Emilian in den Kindergarten zu bringen. So beginnen die Tage schonmal früh genug. Neben Erledigungen, Kaffee trinken, Haushalt-Zeugs und sonstwas bleibt jetzt viel Zeit für mich. Mehr Zeit als sonst. Mehr Zeit, als Mamas sonst so für sich haben. Tagsüber.

An meinem Geburtstag konnte ich mit Mann und Kindern und vielen anderen Gästen einen Tag im Britzer Garten verbringen. Am Tag danach hatten wir als Paar einen Termin zum „Floaten“. Schweben im warmen Wasser mit 33% Salzgehalt… seid ihr schonmal schwimmend eingeschlafen?
Danach entführte er mich in ein Café, das schon lange auf meiner Wunschliste stand. Barcomis Deli. Cynthia Barcomi ist meine Heldin, das wisst ihr vielleicht. Und es war ein Traum. Wir haben Gebäck bewundert, das ich schon nachgebacken haben, wir haben zauberhafte Bagels mit Lachs, Sprossen und Frischkäse gegessen, Kaffee getrunken und Cynthias Aura genossen. Traumhaft! Zu Zweit unterwegs sein. Tagsüber.

Ich konnte mit meinen Eltern und Großeltern ins Kino gehen. Eine ungewohnte Situation – und wir haben den Film genossen. Tagsüber!

Ich plane einen Kosmetik- und Kino-Tag mit meiner Freundin, nur wir beide. Tagsüber.

Ausserdem habe ich mich endlich mal getraut, meinen Frauenarzt nach einer Physiotherapie zu fragen. Und er hat sie mir verschrieben. Massage. Wärme. Reden. Übungen zur Kräftigung des Rückens. Erklärung, woher die Kopfschmerzen kommen. Und so. Einfach mal Entspannen. Tagsüber.

Ich kann alleine zum Kindergarten gehen, um Emilian abzuholen. Die paar Minuten spazieren gehen tun auch gut. Tagsüber.

Heute gingen mein Mann und ich zu einem Treffen aller Kita-Eltern in ein Eis-Café. Abends.

Morgen früh bin ich mit einer Freundin zum Kaffee trinken verabredet.

Ihr seht schon: Ich genieße das. Weil ich es kann. Weil wir tolle Babysitter haben und weil mein liebster Mann mir diese Zeiten freimacht und mich gehen lässt.
Die Ruhe und die Zeit gibt uns Kraft, für das was kommt.
Von dem wir ja nicht wissen, was es ist.
Es tut mir gut, dass es Emilian gut geht, dass die Sonne scheint, dass Liam seinen Papa so sehr genießt und dass wir vier viel Zeit zusammen haben!

 

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Glück und Gelassenheit

Ich gucke ab und zu regelmäßig auf der Seite nido.de vorbei.
Es gibt dort schöne Beiträge, Interviews, Artikel, Videos, Ideen zu den Themen Familie, selber machen, Wohnen, Unterhaltung… Es werden andere Blogs vorgestellt und die „Links der Woche“ gesammelt. Genau das Richtige!

Eben habe ich einen Artikel zum Thema „Gelassenheit“ gelesen.
Und ich sitze hier in der Sonne am Frühstückstisch, habe Kaffee, Liam wuselt glücklich und summend durch das Wohnzimmer und ich fühle mich unglaublich gelassen und glücklich. Obwohl einige trockene Kleidungsstücke auf dem Wäscheständer hängen, obwohl ich eine Reinigung für meine Kleider suchen will, obwohl ich den Fensterputzer meiner Schwägerin ausprobieren wollte, obwohl ich einen Arzttermin am Telefon bekommen wollte, obwohl ich für diese Woche noch keinen Mittagsplan erstellt habe, obwohl ich für meinen Mann ein Paket bei der Post abholen muss, obwohl ich für eine Trinkflasche einen neuen Strohhalm bestellen wollte, obwohl ich zwei Fotobücher fertig machen muss, obwohl die Sommer-/Winterschuhe getauscht werden müssen und obwohl noch nichtmal der Frühstückstisch abgeräumt ist.
Und der Garten? Egal!
Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter!
Und ich bin glücklich, wenn mein Tag gut und ruhig anfängt. Ich nehme mir die Zeit jetzt und erledige die „Arbeiten“ lieber dann, wenn die Kinder dabei sind, denn erstens haben sie auch ihren Spaß dabei und zweitens bin ich nicht so eine
„Spiele-Mutter“, die mit den Kindern Rollenspiele, wie Vater-Mutter-Kind, einkaufen, Arzt, Zoo und wasweißichnicht alles spielt. Vielleicht kommt das noch. Aber Emilian putzt auch mal gern mit mir die Fenster. Dass ich nach seinem Einsatz schnell nochmal wirklich sauber wische, merkt er gar nicht. Liam krabbelt gern unter dem Wäscheständer rum, wenn ich da stehe und Wäsche auf- oder abhänge. Das ist unser Haushaltsraum, nicht der sauberste, in den er sonst nicht darf.. und ich bemühe mich sowieso, meine Arbeit schnell zu erledigen, weil „Wäsche machen“ nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung ist. Aber ich nehme die Kinder mit und das klappt ganz gut.
Auch beim Einkaufen nehme ich sie mit. Ich plane dann mehr Zeit ein und so können wir zusammen meist stressfrei durch die Läden bummeln und einkaufen. Ich habe Emilian von Anfang an mitgenommen, weil ich ja immer mit ihm zuhause war und jetzt ist es „normal“. Wir gehen zu dritt oder zu viert, manchmal gehe ich natürlich auch alleine, aber mit den Kindern geht es auch. So lernen sie, dass man Lebensmittel bezahlen muss und sie erst nach der Kasse (frühestens) essen darf, sie lernen kennen, was Obst und was Gemüse ist, sie lernen eine Auswahl kennen und lernen, dass man Entscheidungen treffen muss.. wenn sie sich zBspl. eine Kleinigkeit aussuchen dürfen.

Wenn wir uns anziehen, um irgendwo hinzugehen, wird meine Gelassenheit auf die Probe gestellt. Emilian trödelt, Liam macht die Windel nochmal voll, inzwischen ist Emilian wieder in ein Spiel vertieft, dann fehlt das Trinken, die Mütze…
Das geht ja jetzt wieder ein bißchen schneller, wenn es wärmer wird.
Aber ich versuche, mir immer wieder einzureden, dass ICH es bin, die für die Zeit verantwortlich ist. Ich muss rechtzeitig anfangen, ich muss überhaupt mal rechtzeitig aufstehen, rechtzeitig ansagen, dass es losgeht…
Wenn Emilian allein spielt, will ich ihn nicht so gern dabei stören und ausserdem schwebt er dann wirklich in einer anderen Welt und kann nicht auf jedes Rufen seiner Mutter reagieren. Dann kann man die Schuhe schonmal im Spiel anziehen oder kann Abmachungen treffen: „Du darfst noch … und dann machen wir ….!“
Das alles sind (jetzt musste ich gerade Liam und eine blutige Lippe verarzten.. wenn er müde ist, fällt er öfter mal beim Krabbeln auf die Nase) ja, das alles sind kleine Tipps und Tricks, die unseren Alltag ein bißchen ruhiger, langsamer oder wenigstens stressfreier machen. Theoretisch sind 24 Stunden genug – nur einige Dinge müssen eben warten oder ausgelassen werden. Dass das meist Dinge sind, die uns Mütter oder Eltern betreffen, muss ich ja nicht extra erwähnen.
Doch auch den Kindern kann ich sagen, wenn ich eine Pause brauche, wenn ich eben mal nicht vorlesen will, wenn ich mich beeilen will oder wenn ich mal kurz im Bad meine Ruhe haben möchte..
Das verstehen sie und es ist doch im richtigen Leben auch so, dass wir aufeinander hören und uns abwechseln.

Ich bin gut darin, die Kinder anzutreiben, weil ICH nicht zu spät kommen will. Ich bin gut darin, Emilian vom Spielen wegzuscheuchen, weil ICH möchte, dass er irgendetwas anderes macht.
Aber ich möchte auch gut darin sein, die kleinen Pausen und Glücksmomente zu schätzen. Wenn Liam zwei Minuten in meinen Armen liegt, aus seiner Flasche trinkt und mir dabei in die Augen schaut. Wenn Emilian etwas länger braucht, um einen Satz zu beenden, aber wenn dabei tiefe Herzensangelegenheiten zum Vorschein kommen. Wenn Emilian beim Einschlafen meine Hände festhält und an seine Brust drückt, damit ich noch ein bißchen an seinem Bett stehenbleibe.
Wenn Liam auf meinen Schoß gekrabbelt kommt und seinen Kopf gegen meinen lehnt. Dafür möchte ich mir Zeit nehmen.

Ich möchte für meine Kinder glücklich sein. Ich möchte ihnen nicht viele Kurse, Schulen, Angebote anbieten, sondern hier zuhause für sie da sein und ihnen Zeit geben. In dem Artikel, den ich eben gelesen habe, gibt es Regeln für den Umgang mit Kindern von 1918:
– Lass sie in Ruhe.
– Lass sie in Ruhe.
– Lass sie in Ruhe.

Ich wünsche mir und anderen Eltern mehr Gelassenheit.
Durchatmen. Zuhören. Zusehen. Ausreden lassen. Zeit haben. Stehen bleiben.

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