„Wenn einer eine Reise tut, …

dann kann er viel erzählen.“

Unsere Sommerreise hat noch nicht begonnen und ich kann euch trotzdem schon viel erzählen. Es gibt Situationen im Leben, die nicht hätten sein müssen und über die man danach einfach lachen muss…

Unser Sommerurlaub wird in diesem Jahr über die deutsche Grenze hinaus gehen und lange vorher wurden wir über die Pass-Bestimmungen informiert. Kinder können nicht mehr in den Reisepass der Eltern eingetragen werden, sie benötigen einen eigenen Kinderreisepass. Ich nahm mir also vor, irgendwann in Ruhe mit den Kindern diese biometrischen Fotos machen zu lassen und zum Amt zu gehen.. Irgendwann in Ruhe..
Die Kinderreisepässe können sofort mitgenommen werden, also musste ich mich nicht gleich darum kümmern. Meinen alten Reisepass entdeckte ich in irgendeiner Umzugskiste, stellte fest, dass er längst ungültig war, vergewisserte mich, dass ich auch mit Personalausweis einreisen könnte und vergaß die Sachen wieder.
Der Urlaub rückte näher, doch ich schob die ganze Kinder/Foto/Amt-Aktion erfolgreich vor mir her. Vor zwei Tagen kam ich auf die Idee, einfach mal so nachzusehen, wie lange mein Personalausweis noch gültig ist. In der entsprechenden Zeile stand ein Datum, das noch vor unserer Urlaubszeit liegt!
Großer Schreck!
In der letzten Woche hatte ich mich nach Terminen beim Bürgeramt erkundigt, weil mein Arbeitgeber mein polizeiliches Führungszeugnis angefordert hat. Daher wusste ich, dass es erst im übernächsten Monat freie Termine gibt und vor Besuchen ohne Termin wird abgeraten.
Aber die Beantragung eines neuen Personalausweises dauert einige Wochen und ich musste SOFORT zum Amt! Um die Reisepässe zu bekommen, müssen die Kinder mit aufs Amt.. wie sollte das mit mehreren Stunden Wartezeit gehen?
Und ausserdem hatte ich noch nichtmal diese biometrischen Fotos…
Diese ganze plötzliche Herausforderung (die ich ja hätte vermeiden können) hat mich viel Stress und einige Tränen gekostet.
Ich informierte mich über die Sprechzeiten im Amt für den nächsten Tag.
Mein Mann musste arbeiten, die Schwiegermama konnte nicht. Ausserdem stand auch mein erster Schwangerschafts-Rückbildungstermin an, den ich nicht ausfallen lassen wollte. Aber noch einen Tag warten?
Ein nächstes Problem war, dass sich unser Auto zur Zeit in der Werkstatt befindet und ich also Fotografen suchen musste, die zu Fuß zu erreichen sind. Es gab keine. Es gab Architektur- und Journalismus-Fotografen, aber keine, die uns einfach diese blöden Passfotos geben. Mir fielen solche Fotoboxen ein, die auch biometrische Fotos machen, aber wie soll ich Emilian und Liam alleine da hinsetzen, davorhalten, sie biometrisch gucken lassen??

Meine Schwiegermutter erzählte mir dann von einer solchen Box, zu der ich zu Fuß gehen könnte. Ich verabredete mich dort mit meinem Mann.
Ganz kurz spielten wir mit dem Gedanken, uns doch mit dem Bus zu einem besseren Fotografen aufzumachen, gute Fotos machen zu lassen und eventuell gleich noch Familienbilder… nein, die Zeit, um alle schick und passend anzuziehen, war nicht da.
Auf dem Weg zur Fotobox erzählte ich Emilian von unserem Vorhaben.
Dass nur bestimmte Münzen eingeworfen werden dürfen und der Automat kein Rückgeld gibt, brauche ich gar nicht erwähnen – wir waren vorbereitet!
Erleichtert und mit erklärenden Worten für Emilian setzte ich mich auf den Hocker, zog den blauen Vorhang zu und sah auf den Bildschirm:
„Ladevorgang… bitte warten Sie!“

Das Geld fiel unten zurück in die Klappe und nichts passierte.
Liam quengelte, Emilian sah uns fragend an..

Ohne viel Gerede entschieden wir uns, mit dem Bus 12 Stationen stadteinwärts zu fahren, um eine andere Fotobox (oder in größter Not doch den guten Fotografen) zu suchen. Wenn ich mit den Jungs alleine Bus fahre, stehen wir natürlich unten im Gang. Vor ein paar Tagen versprach ich Emilian, dass er oben im Doppeldeckerbus sitzen dürfe, wenn wir mal mit Papa zusammen fahren. Dass es so schnell dazu kommen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Trotz dem ich unten stand, hörte ich oben sein Stimmchen: „Ein Müllauto!“

Die andere Fotobox war in Betrieb, Emilian war ganz aufgeregt. Ich setzte mich wieder auf den Hocker (den ich mir sehr zu Emilians Begeisterung erst in die richtige Höhe drehen musste), warf das Geld ein (das hier 1 Euro mehr sein musste, als in der anderen Box), verbot Emilian, wahllos die Knöpfe zu drücken, damit ich den Anweisungen der Stimme folgen konnte und  – bekam meine biometrischen Fotos!

Während ich versuchte, Liam bei guter Laune zu halten, verschwand Papa mit Emilian in der Box.

Wenn der Hocker ganz unten war und Emilian sich darauf stellte, war er zu hoch – wenn wir den Hocker höher drehten und Emilian sich setzte, war er zu niedrig. Irgendwie, hingehockt oder auf Knien, ging es dann. Aber wie soll Emilian, der das alles so spannend findet, den Kopf ruhig halten, den Mund schließen und auf den „Knips“ warten, während die Stimme 3x darauf hinweist, dass es jetzt losgeht?
Wir hatten mehrere Versuche und irgendwann ging es.. einigermaßen. Ich hatte gelesen, dass das Amt bei Kindern unter 10 Jahren nicht so streng auf die Vorschriften achtete.
Und dann war Liam dran…
Wir gaben Emilian ein Bonbon, baten ihn, zu warten und gingen mit Liam in die Kabine. Die Fotobox steht in einer Bahnhofshalle, durch die viele Menschen laufen und in der es sonst nicht sehr viel zu sehen gibt…
Ich kniete mich vor den Bildschirm, hielt mein Baby wie einen Pokal in die Luft (nur, dass der Pokal seinen Oberkörper noch nicht alleine halten kann) und mein Mann sagte, ob die Position stimmte. Mal abgesehen davon, dass Liam überhaupt nicht der Norm entsprechend guckte, waren auch noch meine Hände zu sehen.
Um es kurz zu machen: Wir nutzten alle sechs Versuche und waren mit dem Ergebnis doch nicht zufrieden. Es war kurz vor 20:00 Uhr und um bei bekanntermaßen launischen Amts-Menschen kein Risiko einzugehen, beeilten wir uns, den „richtigen“ Fotograf zu suchen. Er machte von beiden Kindern wunderschöne Passfotos. Liam wurde im Liegen fotografiert – wie schlau!

Zuhause sammelte ich sämtliche Geburtsurkunden zusammen, bat meinen Mann um eine Einverständniserklärung, die mir erlaubte, die Kinderreispässe allein zu beantragen und nahm auch gleich die Unterlagen für das Führungszeugnis mit.

Am nächsten Tag sollte das Amt um 8:00 seine Tore öffnen. Eine Freundin, die einen Tag zuvor beim Amt war, hatte wartende Menschen in dreistelliger Zahl vor sich und eine entsprechende Wartezeit. Da ich mich aber jetzt auf das Übel eingestellt hatte, planten wir, nicht vor dem Wach-werden loszufahren und das Haus gegen 8:00 zu verlassen. Es wurde natürlich später, ich packte Verpflegung ein und wir fuhren los. Meine Schwiegermutter fuhr uns, denn wir hatten ja kein Auto. Ich hatte keine Ahnung, wie die Zeit in so einem vollen Raum mit 2 Kindern werden würde..
Im Amt kam es mir sehr ruhig vor und ich machte mich auf den Anblick im Wartezimmer gefasst. Als wir in der richtigen Etage waren und den Bildschirm mit den Wartenummern sehen konnten, traute ich meinen Augen nicht:
„Anzahl der wartenden Personen: 7“
Ich begann, Liam zu stillen, währenddessen klingelten die Nummern vor uns nacheinander weg und schon waren wir dran. Wirklich unglaublich!
Eine Dame, die freundlicher war, als sie aussah, bearbeitete meine Aufträge. Sie beantragte meinen neuen Ausweis, nahm unzählige Unterschriften und Fingerabdrücke vom linken und rechten Zeigefinger, aber nicht ohne mir auch Infomaterial zum neuen Personalsausweis zu geben.

Für die Kinderreispässe brauchte sie auch nicht lange. Auf die Frage, wie groß Emilian sei, bekam sie von mir nur ein „Ääh..“.
Anhand seiner Konfektionsgröße schätzen wir seine Größe und sie trug 90 cm ein. Bei Liam steht 60cm.
Sie forderte mein Führungszeugnis an, ich bezahlte und wir waren fertig!
Wir saßen länger am Schreibtisch dieser Frau, als im Wartezimmer.
Erleichterung!

Kleiner Tipp: Achtet auf die Gültigkeit eurer Dokumente und schiebt Termine nicht zu lange vor euch her!

Comments

  1. […] das Hotel gut finden, wie die Kinder mitmachen, was wir vergessen haben… Erinnert ihr euch an diesen Artikel? Unsere Foto-Session, die Zeit und Kraft gekostet und uns irgendwann doch die ach so […]

  2. pueppi says:

    Na wenn ihr euch nach der Aktion mal keinen Urlaub verdient hab, dann weiß ich auch nicht 🙂

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