Was wir so machen

Wir sind noch da.
Es geht uns gut. An warmen Tagen sind wir unterwegs, genießen Haus und Garten und wenn es regnet, dann sind wir eben im Haus. Emilian spielt selten alleine in seinem Zimmer – eher wuselt er dort rum, wo ich bin. Dann hilft er in der Küche, bei der Wäsche oder sonstwo. Aber ich denke, er genießt es, „wie die Großen zu arbeiten“.
Ich habe ihn mal ein bißchen beobachtet, um zu sehen, wie sein Tag so abläuft.
Wenn man kurz darüber nachdenkt, dann fängt sein Tag genauso an, wie meiner. Er steht auf, wird angezogen (na gut: Ich ziehe mich schon selbst an!), dann essen wir, wir spielen, räumen, schlafen, freuen uns auf Papa, essen, spielen…
So ungefähr. Aber in Wirklichkeit unterscheidet sich Emilians Tag noch sehr von dem der Erwachsenen.
Wenn er morgens aufwacht, sucht er meist im Bett seine Flasche und trinkt.. das höre ich an dem Pfeifton beim Saugen. Dann spielt er oder guckt Bücher an, erzählt oder singt und wartet, bis Mama ihn aus dem Bett hebt.
Wenn mein Tag so anfangen würde…
Vom Anziehen und Wickeln mal abgesehen dauert es dann noch eine ganze Weile, bis er am Frühstückstisch sitzt. Er flitzt morgens gern noch mit Unterwäsche durch die Zimmer, kugelt sich auf dem Teppich, schubst ein Auto über den Teppich, tobt über Mamas Bett und sagt „Gemütlich!“ und spielt mit einer Taschenlampe in unserem Kleiderschrank.
Da hören die Gemeinsamkeiten dann wirklich auf.
Essen ist für ihn auch nicht Essen, sondern eher „Entdecken“. Die Finger sind noch immer beliebter als jedes Besteck und das Essen wird gezählt, zermatscht, geschlabbert, begutachtet – vielleicht sollten wir Großen auch so ein bißchen aufmerksamer essen.. ein bißchen.
Dann ist mir aufgefallen, wie oft Emilian unter Tischen spielt. Er kullert Murmeln und Flummis über den Boden und kriecht in kleinste Ecken, um sie wieder zu finden. Wann war ich das letzte Mal freiwillig unter einem Tisch?
Und wenn er wie Mama und Papa auf einem Stuhl sitzt, dann ist das auch ein weiter Weg bis dorthin. Kinder in dem Alter brauchen nämlich beide Arme und Beine und ihren Kopf, um auf den Stuhl zu kommen!
Und auch, wenn Emilian mir auf Schritt und Tritt folgt – wir aber nicht weiter als bis zum Briefkasten kommen, sind das ja für ihn viel viel mehr Schritte.
So ein Tag zu Hause mit Mama kann schon anstrengend sein!

Ich merke aber bewusst zum ersten Mal seit dem Mama-werden, dass ich nicht mehr ganz hinterherkomme und die Entwicklungsschritte mich überholen. Einerseits habe ich vielleicht weniger Zeit, alles aufzuschreiben – aber sehen und beobachten kann ich es ja trotzdem. Andererseits wird es daran liegen, dass einfach immer mehr passiert!

Ein neues Wort ist zum Beispiel „sondern“!
Emilian sagt:
„Ketschup nicht scharf sondern kalt.“
„Windel nicht voll sondern …. nicht voll.“

Es ist ein gutes Gefühl, sich mit Emilian unterhalten zu können, fragen zu können, was er erlebt hat, ihn bitten zu können, bestimmte laute und unkontrollierte Gefühlsausbrüche zu lassen und mit dabei zu sein, wenn er erzählt, verarbeitet, fragt und lernt.

Liam ist ein fröhliches Baby und das zeigt er mit vielen Tönen und Geräuschen. Er hat das laute Schreien oder Kreischen entdeckt – ich weiß noch nicht genau, wann es Frust und wann Freude bedeutet.
Er lächelt, wenn er Emilian sieht oder hört – und Emilian ist ein stolzer, fürsorglicher großer Bruder. Meistens.

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