Vorher – Nachher

Manche Paare fragen sich nach den ersten Monaten mit Baby:
„Mensch, was haben wir denn früher den ganzen Tag gemacht??“
Und wenn ich mal kurz zurück denke, kommt es mir wirklich so vor, als hätte das Leben vor dem Baby aus sehr viel Langeweile und nichts-tun bestanden.
Aber dann fällt mir ein, dass ja zum Beispiel mein Beruf und der dazugehörige Fahrtweg jetzt wegfällt..

Jeder weiß, dass sich eine Menge verändert, wenn ein Baby die Familie bereichert.
Mir sind Veränderungen aufgefallen, über die ich vorher gar nicht so genau nachgedacht habe:

– Das Baby-Zubehör breitet sich schneller in der Wohnung aus, als mir lieb ist. Die Couch wurde zur Spielwiese, das Regal zum Windellager und in der Küche stapeln sich Breigläschen, bunte Plastiklöffel und Lätzchen.

– Der Begriff  „spontan“ muss neu definiert werden. Bevor wir irgendwohin fahren oder etwas unternehmen, muss an mindestens 10 Kleinigkeiten gedacht werden, die nicht vergessen werden dürfen. Wenn sie vergessen wurden, ist es nicht „Egal, Pech gehabt!“ , sondern wir müssen umdrehen und sie einpacken.

In meiner Handtasche sind ungefähr 5 Dinge für mich – die anderen 50 für das Baby.

– Ich esse Reste sämtlicher Babynahrung auf, sogar Krümel, die aus seinem Mund gefallen sind. (Das hätte ich vorher nie geglaubt..)

– Flecken und Krümel und Fingertatscher auf dem Spiegel kann ich inzwischen fast ignorieren.

– Ich lerne, 90 min. im Wartezimmer der Kinderärztin zu sitzen, zu stehen, zu laufen, ein krankes Kind zu beschäftigen, merkwürdige Gerüche auszuhalten, interessante Umgangstöne zwischen Eltern und Kind kennenzulernen und dabei gut gelaunt zu bleiben.

– Trotz einiger Jahre Lebenserfahrung entdecke ich eine große Auswahl an neuen Gefühlen, die mich unvorbereitet überkommen.

– Voller Respekt sehe ich, zu welchen Gefühlen und körperlichen Leistungen Mütter fähig sind – ohne es vorher geübt zu haben.

– Wenn ich früher mal weinenden Babys in der Bahn oder beim Einkaufen genervt aus dem Weg gegangen bin, kann ich jetzt entspannter sein und den Eltern ein mitfühlendes Lächeln schenken.

– Es stört mich nicht, wenn mein Sohn mit im Badezimmer sitzt und mir zuguckt..

– Viele Bedürfnisse, auch Hunger oder eine volle Blase, können „verschoben“ werden, wenn erst das Baby dran ist.

– Es stört mich nicht, mit anderen Eltern über Windelinhalte und -gerüche zu reden. (Auch nicht, wenn wir im Restaurant sind und gerade unser Essen bekommen haben)

– Die Zeiten zwischen 0:00 Uhr und 8:00 Uhr gibt es wirklich!

 
Eine fast unheimliche Intuition und starke Muttergefühle und göttliche Kraft helfen mir bei diesen Veränderungen. Und nur ganz selten habe ich das Gefühl, zu kurz zu kommen oder irgendetwas zu verpassen.
Wie schön mir auch immer die Vergangenheit vorkommt – die Freude über Gegenwart und auf die Zukunft überwiegt!

Comments

  1. Elsa says:

    Du hast eine ganz besondere Gabe zu Schreiben und Formulieren und du bist eine so besondere Mutter, die jede Sekunde und jeden Krümel genießt

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