November

Der November ist nicht mein Lieblingsmonat.

Wenn es bis jetzt noch nicht geregnet hat, dann im November.
Wenn wir bis jetzt noch nicht krank geworden sind, dann im November.
Wenn es bist jetzt noch nicht zu kalt war, dann aber im November.

Emilian wurde in der Nacht zu Montag wach, glühte, sah Gespenster in seinem Zimmer und hustete. Ob die Gespenster von Halloween oder vom Fieber kamen, wissen wir nicht, aber er durfte zum ersten Mal zwischen Mama und Papa schlafen. Als ganz kleines Baby lag er manchmal da, aber dann nie wieder. Wir haben bewusst nie damit angefangen und es wird immer eine Ausnahme bleiben. Etwas Besonderes! Von uns werden die Kinder diese Idee nicht bekommen. Diese Nacht zu dritt im Bett war auch nicht so schön. Es war eng, warm, Emilian hustete laut und sah Gespenster. Am nächsten Abend und in der Nacht danach hat er natürlich gebettelt, wieder bei uns zu schlafen, aber wir haben versucht, seine Angst einzuschätzen und diese Ausnahme soll eine Ausnahme bleiben.

Gestern hat er viel geschlafen, geschwitzt, gewimmert und gechillt. Das war gut für ihn – Liam fand es komisch. Und weil Liam seinem großen Bruder alles nachmacht, wurde er auch gleich ein bißchen quengeliger und anhänglicher. Krank ist er noch nicht! Emilian geht erstmal nicht in den Kindergarten, wir hocken zuhause aufeinander und gehen uns dementsprechend auf die Nerven. November eben. Manchmal kann ich nicht glauben, wie sehr ich Liam gleichzeitig süß finden und .. von ihm genervt sein kann! Er kann so sehr an meinem Bein hängen und schreien, dass nichts anderes mehr geht.
Er kann sich winden und beugen, um vom Arm herunter zu kommen, er kann quengeln und brüllen, ob er nun im Recht oder im Unrecht ist. Es fällt schwer, nicht einfach nur irgendwie zu reagieren, damit Ruhe ist.

Aber auf der anderen Seite gucke ich ihn an und kann mir das Lachen nicht verkneifen, obwohl ich ihn am liebsten ignorieren würde. Er kann so süß, schelmisch, nachdenklich, verschmitzt, interessiert, geheimnisvoll, wichtig, erwachsen gucken.. Manchmal macht er extra ein bißchen Quatsch, weil wir gerade über ihn lachen – aber oft guckt er eben einfach so. Vor ein paar Tagen saßen wir vier zusammen auf der Couch und sahen uns einen Kinderfilm an. Eine Freundin kam vorbei, blieb aber am Türrahmen stehen, während sie mit uns redete. Liam wurschtelte sich von der Couch, tappelte zum Tisch, zog einen großen Stuhl zu uns heran und zeigte ihr, wo sie sich hinsetzen sollte.
Mir ist das gar nicht so aufgefallen.. aber wir „Großen“ saßen auf der Couch und bewegten uns nicht, aber Liam holte ihr einen Stuhl. Und wenn es eine „offene Tür-Phobie“ geben sollte, dann hat Liam sowas. Er kann es kaum aushalten, eine Tür nicht zu schließen und je wohler er sich fühlt, desto häufiger schließt er eben Türen. Das Gitter vor seinem Kinderzimmer steht keine Sekunde offen – und Liam schließt es. Wir haben sehr viel Spaß mit ihm – in einigen Momenten wünsche ich mir aber, er würde einfach schon reden und meine Erziehung verstehen können!

 

Ich will den schönen, goldenen Herbst jetzt dankbar hinter mir lassen und gehe in großen Schritten auf Weihnachten zu. Für Deko und Geschenke hat frau doch im Dezember sowieso keine Zeit mehr. Ich suche im Internet schonmal nach Petterson und Findus-Geschenken, erstelle einen Wunschzettel bei amazon (der „BMEL Wunschzettel“ heißt *räusper räusper*) und suche mir weihnachtliche Bastelideen. Männer, die 1 und 3 und fast 30 sind, haben nicht den größten Anspruch an jahreszeitlich-passender Deko, aber ein bißchen schön möchte ich es uns machen. Wir trinken mehr Tee, auch mal mit Fenchel oder Zitrone, der Gesundheit wegen, wir müssen fast keine Blätter mehr harken und ich werde nachher eine Weihnachts-Marmelade kochen. In ein paar Tagen werde ich wieder mal zu IKEA gehen und ich vermute, dass ich mich dort weihnachtlich verzaubern lasse.
Jetzt ist es soweit…

Hier sind neue Kindersprüche:

Emilian zieht eine Hose an. Vor ein paar Tagen zog er sie bei Oma an und Oma dachte, es wäre Liams Hose. Als ich sie ihm also anziehen will, sagt er: „Oma hat gefindet, die ist zu kurz.“

Ein Teil einer Uhr ist verschwunden, seit Liam sie irgendwo fallengelassen hat. Ich bitte Emilian, danach zu suchen. Er sagt: „Ich bin ein guter Finder, ich bin gar nicht blind.“ Er sucht, findet aber nichts. Ich zeige ihm, wo die Uhr sein müsste und sage: „Ich dachte, sie ist hier.. aber ich hab sie nicht gefunden…“ Emilian sagt: „Dann isse auch nicht hier.“
Und er entscheidet: „Dann bin ich doch kein guter Finder.“

Er denkt über etwas nach und sagt: „So hat das wahrscheinlich losgefangen…“

Liam hat seine Frühstücks-Smacks ausgekippt. Emilian räumt sie ein, stellt sie weg und sagt:
„Wenn Liam sie wieder auskippt, dann haben wir wieder das Geschrei.“

In unserem Garten sind weiße Blüten, die wir vor kurzem entdeckt haben.
Emilian ruft: „Wir haben weiße Pflanzen, hat mir aufgefallen.“

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