Neue Kindersprüche

Die von euch, die sich noch an Liam im letzten Frühling erinnern können.. an das, was er gesagt bzw. nicht gesagt hat, werden ihn nicht wiedererkennen! Er redet süß und man kann es noch als Babysprache bezeichnen.. aber er redet. Und er hat eine Meinung!

Emilian hat ja die Trotzphasen irgendwie halb verpasst oder ausgelassen und uns da gut verschont, uns das Eltern-werden sehr leicht gemacht. Liam war von der ersten Sekunde an anders. Und auch, wenn wir mit Liam von Geburt an so einige Trotzphasen durchlebt haben, spüren wir beide irgendwie: Da kommt noch was!

Der Bengel hat genauso viel Charme wie Willen. Da wird jetzt schonmal ein voller Becher oder ein Schuh durch die Luft geschmissen, wenn ihm danach ist. Heute hat er das Brot mit der Butterseite auf den Tisch gelegt und damit den Tisch gewischt… wer kommt denn bitte auf diese Idee?

Wir nehmen es mit Humor und Liam weiß genau, wo seine und unsere Grenzen sind. Ab und zu testet er dann doch nochmal nach. An jedem Tag sind wir froh und dankbar, dass wir Emilian als sanften, schlauen und liebevollen großen Bruder haben. Wir passen auf, dass er nicht als Puffer die Wut von Liam abfängt und auch genug Aufmerksamkeit von uns bekommt. Emilian hat ein Bedürfnis nach Harmonie, ganz wie Papa. (Moment. Hat Liam dann den starken Willen etwa von mir???) Und bevor es laut und wild wird, gibt Emilian schnell mal nach, um Klein-Liam zu besänftigen. Naja.. sie suchen und finden ihren Platz.

Als gestern der Becher durch die Luft flog und Emilian schon die Schreckens-Tränen in die Augen schossen, nahm ich ihn schnell auf den Arm, um ihm zu zeigen, dass es nicht seine Schuld war. Sein geflüstertes „Ich mag dich!“ hat mir gezeigt, dass er meine Umarmung gerade gebraucht hat.

Also. Sie reden und lernen und aus Babys werden Jungs.
Sie lieben sich über alles.

 

Wenn Emilian von Papa zu wild betobt wird, flitzt Liam an: „Nich main Büdaa ärgern!“

Und Liam betet vor dem Essen: „Danke, mein Büdaa wiedaa da is.“

Und er sagt nicht mehr so oft „Mimi“ zu Emilian, sondern versucht tapfer, Emilian zu sagen.
Papa sagt aus Spaß manchmal „Ham Li“ zu Liam. Umgedreht. Nur denkt Liam jetzt, er heiße so.
Einmal spielte er in der Küche neben meinen Füßen und ich bemerkte ihn nicht. Als ich dann fast auf ihn trat und mich erschrak, sagte ich: „Huch, wer ist denn da?“ Und er: „Na, nur Ham Li.“

Es gibt so ein paar Worte von Liam, die es …. eigentlich gar nicht gibt. Für uns gibt es sie, denn sie gehören zu seinen ersten Worten und sind für uns das normalste der Welt. Andere verstehen wahrscheinlich nichtmal die Sprache. Nun ist es aber so, dass er mehr Worte und auch bessere Aussprache lernt. Und wir beide wissen: Wenn wir ihm für Begriffe das richtige Wort beibringen, wird das „Baby-Wort“ für immer verschwunden sein. Und so lassen wir ihn noch ein bißchen.

Seit sehr langer Zeit sagt Liam schon „Momomon-bats-kakao.“
(Wollt ihr raten, was das heißt?)
Wenn er das sagt, möchte er trinken. Und ich kann euch dieses Wort auch logisch erklären!

Momomon heißt einfach Melone. Wir trinken hier oft Melonensaft.
Bats ist Liams umgedrehtes Wort für Saft.
Und Kakao heißt Kakao. Für Liam heißt es aber Getränk.
Er sagt dieses lange Wort also, wenn er trinken möchte.
Je nach Dringlichkeit ist das „Momomomon“ länger oder kürzer.

 

* „Gie!!“ sagt er, wenn er schlafen möchte.
Gut, das sagt er nicht mehr so oft, denn Schlafen wird nicht mehr ganz als Erholung empfunden. Und wir haben keine Ahnung, warum es „Gie“ heißt.

 

Und ein paar mehr Liam-Sprüche:

* „Staak, oda?“ sagt er, wenn er was Schweres trägt.

* Wenn ich ihn im Supermarkt auf die Suche nach Milch zBspl. schicke, stellt er sich dann vor das Regal und ruft: „Tataaa, funden!“

 

* Emilian fragt beim Vorlesen erstaunt nach:
„Auf offener Straße??“
Immer diese Wortspiele…

 

* Wir sind am Strand. Emilian lässt einen Stock liegen und ärgert sich, weil ein fremdes Mädchen ihn nimmt.
Er ärgert sich lautstark: „So ein Mistverständnis!“

 

* Wir sehen den Film von Pippi Langstrumpf, in dem ihre Nachbarskinder Thomas und Annika zu Pippi ziehen und abhauen, weil ihre Eltern zu viel schimpfen. So ganz nebenbei und völlig ohne Hintergedanken frage ich: „Würdet ihr das auch machen? Schimpft Mama auch zu viel?“
Emilian sagt dazu: „Nein. Wir haben ja keinem, zu dem wir gehen können.“

 

* Wir reden darüber, dass Gott möchte, dass wir unsere Feinde lieben und nett zu denen sind, die uns nicht leiden können.
Emilian: „Warum sollen wir nett zu denen sein? Dann sind sie ja keine Feinde mehr.“

 

* Ich erzähle Emilian ein bißchen, wie Obst wächst, dass man machen kann, dass es schneller und schöner wächst, warum wir Obst vor dem Essen waschen und so. Als ich das Wort „Dünger“ erwähne, hört er auf, zuzuhören und sagt: „Warte mal… Dünger hab‘ ich irgendwo schonmal gehört.“ Er überlegt und sagt irgendwann: „Aaaah ja! Papa hatte zuhause Rasendünger!“

 

* In einem Dinsoaurier-Park sind wir erfolgreich dabei, „Knochen“ zu suchen.
Emilian ist begeistert: „Das klappt ja wie am Schnürchen!“

 

* Papa kommt aus Afrika wieder.
Liam sagt: „Papa. Mein Liebster.“

 

* In einem Kinderheft sind „optische Täuschungen“ abgebildet. Emilian fällt natürlich darauf rein und ist fasziniert. Am nächsten Tag stellt er mir eine halb-ausgedachte Frage und ich gebe die falsche Antwort. Er feiert: „Ha! Da hab‘ ich dir aber eine Täuschung eingejagt!“

Welcher Mittelpunkt ist größer?

opt

 

Welche Linie ist länger?        optische-taeuschung-pfeile

(Tipp: Viele animierte Täuschungen mit Erklärung!)

Ich zeige ihm dann das bekannte Bild des Elefanten und frage: „Wie viele Beine hat der Elefant?“
Emilian, der ja überhaupt alles kann, grinst mich siegessicher an und sagt:
„Ha!
Also…
(lange Pause)
… na … Hundert!“

elefant-fuenf-beine

* Liam lässt alles Liegen und ruft „Iche dir helfen!“, wenn ich Koche oder Backe.
Am Samstag Morgen darf er im Teig für die Pancakes rühren. Als ich den braunen Zucker aus dem Schrank hole, rümpft er die Nase und sagt: „Wir mögen das niss.“

* Auf einem großen Feld am Straßenrand werden unzählige Stöcke aufgestellt. Es sieht aus, wie ein Feld für Weintrauben, wahrscheinlich werden Bohnen angepflanzt. Wir fahren dort oft vorbei und fragen uns, wozu die Stöcke gebraucht werden. Emilian sagt: „Vielleicht ist das zum Menschen totmachen. Man kann sie einfach rauflegen und hüpfen.“
(Was????)

* Wir sehen Fotos von den Kindern an. Auf einem Foto ist Liam als Baby.
Liam fragt: „Welcher Junge ist das?“

* Ich backe Laugenbrezeln auf und stelle sie den Kindern hin. Emilian bemerkt es nicht und jammert, er habe Hunger. Als ich ihm die Brezeln zeige, sagt er: „Oh! Hab‘ ich ja noch gar nicht gesehen!“
Und Liam: „Danke Mutti!“
(Es gibt kaum ein Essen oder eine „Tat“, die von Liam nicht bedankt wird!)

* Emilian rennt unsren Gästen hinterher, die am Strand spazieren gehen. Liam sieht mich verstört an und sagt: „Was mein Büdaa los?? Iche ‚leine hierbleiben? Iche traurig..“

* Emilian kommt von der Toilette zurück geflitzt.
Verdächtig schnell. Und verdächtig leise war es auch.
Ich frage ihn, während er mich mit großen hellen blauen Augen ansieht.
„Emilian, hast du gespült?“
„Ja.“
„Lügst du mich an?“
„Ja.“

* Wir spielen mal wieder das „Ich denke mir ein Tier aus und ihr müsst raten“-Spiel.
Als Emilian unsere Fragen immer wieder mit „Ja“ beantwortet und wir überlegen, sagt er:
„Wenn ich Recht habe, stimmt es.“

* Emilian plant:
„Könnt ihr mal die Kinder sein, wenn wir Mutter-Vater-Kind spielen? Liam soll die Mutter sein und ich möchte nämlich der Vater sein. Weil der Vater ist immer am schönsten und am stärksten und am wichtigsten.“
Ich frage ihn: „Findest du unseren Papa auch am schönsten und am stärksten und am wichtigsten?“
„Ja! Aber nicht am stärksten. Weil ich bin ja natürlich der Stärkste!“

* Es ist Morgen, Liam schläft noch neben uns und Emilian und ich unterhalten uns flüsternd:
„Mama, warum können wir nicht mal mit Papa nach China reisen?“

„Naja, China ist weit weg und da ist das Leben ein bißchen anders. Es gibt anderes Essen, andere Gerüche, andere…“

„Aber ich mag Reisen!“

Voller Stolz über meinen reifen, großen Sohn antworte ich:
„Ja! Du darfst reisen, wenn du größer bist!“

„… Reis und Fleisch!!“

Oh. Ah! Er hat Reis gesagt?! Nicht Reisen…
Ich muss sehr lachen und schreibe mir den Spruch schnell auf.
Emilian sieht mich kichern und sagt: „Du bist bestimmt einfach zu dumm für meine Fragen…“

* Emilian findet etwas Kleines, was wir gesucht haben und überschwänglich bedanken wir uns und loben ihn. Da sagt er: „Natürlich. Ist doch Ehrensache!“
(Wenn er solche erwachsenen Wörter oder Sätze aus Hörspielen, Büchern oder Filmen nimmt, finde ich das sehr cool.)

* Liam sitzt im Autositz und vermisst eine kleine Spiel-Kamera. Er sucht, kann sie aber nicht finden. Ich bin mir sicher, dass sie im Haus liegt und suche nicht in seinem Sitz. Als er wirklich nichts finden kann sagt er: „Wo meine Kamera? Iche beten.“

* In einem Buch steht groß die Überschrift „Wilde Tiere“.
Emilian zeigt auf das erste Wort und sagt: „Mama guck mal hier steht ‚wilde‘.“
Ich bin ausser mir vor Erstaunen, weil er eigentlich gar nicht alle dieser Buchstaben kennt, erst Recht nicht die kleinen Buchstaben. Ich frage ihn: „Hast du das gerade gelesen???“ – „Ja“, sagt er.
Dann fällt mir etwas ein.
„Aber du wusstest, wie das Buch heißt, oder?“
„Ja…“

* Ich koche in der Küche, Liam möchte gewickelt werden. Ich frage ihn, ob er mir die Tücher und eine Windel in die Küche bringen kann. Er flitzt weg, kommt wieder, pfeffert mir das Zueg vor die Füße und sagt: „Sit down.“
Dann legt er sich auf den Mini-Küchenteppich und sagt. „Supa Supa Wickeltisch, odaa?“

(Ich muss nochmal erwähnen, dass für beide Jungs jetzt gerade absolut der Englisch-lernen-Schuß kommt. Liam merkt sich ganz viel, weiß vielleicht keine Übersetzung, aber weiß, in welcher Situation es gesagt wird. Dafür ist dann Kindergottesdienst mit sehr viel Routine und Wiederholung gut. Und Emilian spricht und singt sehr viel, fragt dann nach und kombiniert. Schade eigentlich..)

* Papa spielt mit den Kindern ein Spiel.
Jeder soll lautlos sagen, was er jetzt gern essen würde, nur mit Lippenbewegungen.
Als Papa dran war, sagt Emilian zu mir: „“Wir mussten ganz lange raten, bis wir raus aus ihm bekomen haben, was er heute essen möchte.“

* Ich mache den Kindern einen Obst-Smoothie – mit Mandeln.
Liam verzieht das Gesicht und gibt mir den Becher zurück: „Ingtwie ekliss.“

* Liam schnieft und hustet wieder und ich frage, ob ich ihm Nasenspray geben darf.
Da sagt Emilian: „Ich könnte auch mal in jedes Loch zwei Nasenspritzer vertragen.“

* Liam wird von mir aus der Kinderbetreuung abgeholt und ich frage ein bißchen, wie es war.
„Iche streitet. Iche Traktor haben. Ein Kind auch Traktor haben. Iche danz feste weggenehmt. Iche streitet.“

So sieht’s bei uns aus!
Wenn wir in der Wohnung oder in der Stadt sind, sehne ich mich nach Berlin.

Aber heute fuhren wir zusammen neben Palmen auf dem Pacific Coast Highway zum Strand.
Es war sonnig, auf dem Wasser sahen wir eine riesiege Nebelwand heransausen. Als sie da war, sah man fast nichts mehr. Es war nicht kalt, aber sehr grau und verschwommen. Mystisch. Nach ungefähr einer Stunde kam die Sonne wieder. Und später ging sie klar unter.

Und in solchen Momenten, wenn ich die Wellen rauschen höre und mich 10 Minuten nicht bewege und nicht ansprechbar, weil ich der Sonne bis zum letzten Fitzel zusehe… dann weiß ich, dass ich genau das schmerzlich vermissen werde. Und dass die Sonnenuntergänge unter Palmen für mich immer zu Kalifornien gehören werden!

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