Dritte Urlaubswoche

Wir packen. Morgen geht’s nachhause.
Der Urlaub war wunderschön – nahezu perfekt. Trotz einiger Krankheiten und Anfangsschwierigkeiten hatten wir so eine gute Zeit, sind erholt, braun gebrannt, gut drauf – und wir freuen uns auf das Zuhause! Heute morgen wurde Emilian wach, stellte sich im Bettchen hin und sagte: „Urlaub vorbei.“

Ich kann den Ort, Pobierowo in Polen und das Hotel sehr empfehlen und wer weiß, ob wir hier nicht noch einmal landen… Pobierowo ist ein überschauliches Urlaubsdörfchen mit viel sauberem Strand, kleinen Souvenir-Lädchen, Spielplätzen, guten Cafés und viel Wald.
Emilian hat sogar zwei polnische Wörter gelernt: dziękuję – heißt Danke.
Und kukurydza – heißt Mais. Das haben wir von den Strand-Verkäufern gelernt.

Emilian ist jetzt 2 Jahre und 5 Monate alt, seine Haut ist gebräunt, seine Haare sind hellblond, er ist hier sehr mutig und selbstsicher geworden und er spricht, dass es alle fasziniert! Gestern ist er alleine von unserem Zimmer im 3. Stock zur Oma in den Hotel-Garten gelaufen. Mama und Papa standen beobachtend auf dem Balkon und sind vor Stolz geplatzt! In den ersten Wochen hat er sich nicht getraut, die Treppe mit uns zu laufen, sondern wollte getragen werden. Dabei hat er gelernt, dass wir „möchte“ statt „will“ und ein „Bitte“ hören wollen. Und der Satz hieß dann: „Emilian möchte Arm bitte!“
Und wenn er sich in den ersten Tagen hier regelrecht totgestellt hat, wenn ein anderes Kind auf ihn zukam, hat er in der letzten Woche mit einem anderen Mädchen zusammen mit dem Ball gespielt.

Eines Abends saß er auf Papas Schultern, ich lief neben ihnen und aß ein Eis. Emilian hatte seins schon aufgegessen und wollte gerne von Mamas Eis kosten. Opa sagte: „Nur, wer läuft, bekommt Eis. Komm doch runter von Papas Schultern!“ Und Emilian: „Nicht läufen. Im Stehen kann man besser Eis essen!“

Er singt auch sehr gern und liebt Fingerspiele. Die Sprüche und Bewegungen kann er sich immer besser merken und singt erste Lieder schon ganz alleine. Als er einmal mit dem Refrain nicht weiter wusste, sang ich das Lied vor – allerdings mit der Strophe. Und prompt kam ein: „Nicht! Emilian hat schon gesagt.“

Gestern abend sah er sich Tierbilder mt Geräuschen im iPhone an und ich machte die Bewegungen dazu. Er musste sehr darüber lachen. Als er nicht mehr konnte, legte er seinen Kopf aufs Bett und sagte: „Ich glaub’s nicht!“
Bei solchen Sätzen staune ich über mein kleines Baby.

Wenn ich Emilian zuhause ins Bett bringe, lese ich ihm vor, wir beten und reden noch und dann gehe ich und er spielt oder erzählt noch. Hier in ungewohnter Umgebung bleibe ich an seinem Bett sitzen, bis er eingeschlafen ist. Das geht zwar schneller, weil die frische Luft und der kurze Mittagsschlaf ihn müde machen, aber trotzdem sitze ich oft lange an seinem Bett und rede und streichle und beruhige. Obwohl meine Familie mir versichert, dass es nicht so ist, habe ich doch das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn ich da so sitze und warte. Aber ich muss zugeben, dass diese Zeiten auch ganz besondere Zeiten sind. Emilian verarbeitet, erzählt von lange und sehr lange zurückliegenden Ereignissen, singt, hat Angst, kuschelt… Dann steht er plötzlich auf, krallt sich an meinem Arm fest und sagt: „Eine Katze kommt!“ Aber er ist schnell zu beruhigen, ich staune über seine Gedanken und Eindrücke und wenn dann ein verschlafenes „Emilian Mama auch lieb!“ kommt, dann kann ich mich nicht mehr beschweren.

Wir haben viele Strand-Tage erlebt, wir haben eine Schiff-Fahrt gemacht, sind Tretboot gefahren, haben Städte besucht, Eis gegessen, Möwen gefüttert, Angler bestaunt, Surfer beobachtet, wir sind Fahrrad gefahren, sind im Pool geschwommen und haben Sonne genossen. Emilian und auch Liam wurden von einer Wespe gestochen und haben es aber gut verkraftet. Ich bin sehr positiv überrascht, dass wir zu viert  so lange in einem Zimmer schlafen konnten.
Ich bin gespannt, wie Emilian jetzt zuhause spielt – ohne Oma, Opa, Onkel und die beiden Tanten.
Ich freue mich auf unsere Kaffeemaschine, auf die saubere Wäsche, auf den ersten Alltag und ich hoffe, dass Zeitdruck, Termine, Stress und kühle Herbsttage noch eine Weile von uns fern bleiben!

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