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Der weite Weg zum Baby

auf 8. August 2016

Im Sommer 2014 haben wir, vielleicht ich zuerst, angefangen, über ein Baby Nummer 3 nachzudenken.
Wir fühlten uns wohl als Familie. Die zwei Brüder wuchsen immer mehr zu einem Team zusammen, was uns alle vier gleichzeitig zu einem perfekten Gespann machte. Dass uns nun offensichtlich auch ein längerer Auslandsaufenthalt nicht aus der Ruhe bringen konnte, machte mich noch sicherer.

Der Zeitpunkt war nicht ganz so sicher. Wir wussten erstens nicht, wie lang wir wirklich in Kalifornien bleiben würden und zweitens dürfte der Rückflug der Schwangerschaft nicht im Weg stehen und andersrum. Über ein amerikanisches Baby mit Staatsbürgerschaft und so dachten wir kurz nach… aber nicht wirklich.

Als ich mir immer sicherer für ein drittes Baby wurde, merkte ich aber, dass mein Mann noch Zeit brauchte. Als er von einem Mitarbeiter-Wochenende in Mexiko voller intensiver Gespräche und Gebet zurückkam, hatte er ein Ja.

Ich weiß noch, wie aufgeregt ich war! Die Planungen und die Gedanken an das, was sein könnte, sind so wunderbar und rosig und schön – aber sollte es wahr werden, gäbe es kein Zurück mehr. Und alle Baby-Freuden und Baby-Sorgen würden von vorn beginnen…

Die meisten von den Freundinnen an meinem MOPS-Tisch hatten zwei Kinder. Zusammen dachten wir darüber nach, ein drittes Kind zu bekommen. Zwei von ihnen haben es bereits, eine andere sogar das vierte.

Ich beobachtete Mamas mit mehr als zwei Kindern und wusste, dass ich das auch wollte. Liam war inzwischen fast 3 und ich fand diesen größeren Abstand gut. Seine ersten Monate waren ganz anders als die, von Emilian und wir alle waren in einer anderen Zeit gewesen. Aber ich wusste, dass ich nicht fertig war. Ich sah mich gar nicht als Mama von zwei Kindern, hatte mich noch nie so gesehen – aber ich wollte doch nach jedem Kind neu entscheiden und überlegen.

Und dann vergingen die ersten Monate und dann weitere Monate ohne Erfolg und ich fing an, mich zu wundern. Ich wusste, dass Amerika und der bevorstehende Umzug vielleicht Stress für meinen Körper sein könnten. Und ohne Stress schwanger werden zu wollen, macht irgendwie automatisch Druck. Ich fühlte mich nicht alt und zweifelte nicht an unserer Entscheidung… aber so ganz entspannt konnte ich die Wartezeit nicht aushalten.

So viele Gedanken gingen mir immer wieder durch den Kopf:

– Ich weiß, dass es klappen muss. Ich hab ja schon zwei Kinder.
– Denk nicht zu viel nach, du musst deinen Kopf ausschalten, damit es klappt.
– Wir sind eine tolle Familie. Wir genießen die Zeit mit unseren Jungs doch so.
– Zwei Kinder sind mir zu wenig.
– Warum klappt es nicht? Was, wenn es nicht mehr geht?

Wir waren dann inzwischen lange wieder in Deutschland und ich schätzte alles, was ich jetzt mit meinen beiden großen selbständigen Jungs tun konnte! Ich ging abends aus, ich fuhr sogar allein weg, wir schliefen jede Nacht durch, ich genoss das Gläschen Wein am Abend und die ruhigen Vormittage, wenn die Kinder im Kindergarten waren.

Die beiden waren und sind so ein dickes Team, was mich sehr glücklich machte und macht! Vieles wird einfacher, weil sie sich haben und größer sind und nicht mehr so an uns hängen.

Diese Pause tat uns allen gut und ich wusste, dass ich das so gewollt hatte. Ich hatte nicht geplant, wie lang diese Pause sein sollte und ich machte den Fehler, mich mit anderen zu vergleichen. Trotz dieser Pause und unserer wunderbaren Familienzeit zu viert wusste ich ja noch immer nicht, ob wir tatsächlich noch ein Baby bekommen würden.

Auch mit den Fragen und Blicken von außen konnte ich manchmal schwer umgehen. Die gab es nämlich. Vorsichtige und interessierte Fragen und auch weniger sensible Bemerkungen. Ich konnte plötzlich den Schmerz der Unfruchtbarkeit ein bisschen, bisschen besser verstehen und fühlte mit.
Denen, die von unserem Wunsch wussten und nicht fragten, bin ich wirklich dankbar.

Mein Frauenarzt versicherte mir, dass alles gut sei und dass es schon 1 Jahr dauern könnte, schwanger zu werden. Immerhin waren wir gerade von einem Auslandsaufenthalt zurück gekommen und hatten einige Jahre verhütet.

Nun waren aber 10 und auch 11 Monate ohne Erfolg vergangen. Ich wusste, an welchen Tagen ich hoffen konnte und dann … gab es plötzlich Hoffnung. Ich wartete ein, zwei Tage und traute mich nicht, daran zu denken. Ich verspürte leichte, wohl-bekannte Anzeichen und konnte mich aber erst nach dem ersten Test so richtig mehr und mehr freuen.

Naja, das war im November 2015. Ihr wisst, wie die Geschichte ausging. Ohne Grund und ohne Vorwarnung und wirklich überraschend ging diese Schwangerschaft in der 10. Woche viel zu schnell zu Ende.

Von der ersten Fehlgeburt wusste ich einerseits, dass es kurz und schmerzhaft werden wird, dass ich mir keine Vorwürfe machen sollte und dass das keine Auswirkungen auf spätere Schwangerschaften haben muss. Trotzdem. Nach dieser langen Wartezeit war das echt nicht schön! Und nicht verständlich. Und unfair. Und blöd. Und so.

Wir waren sehr froh, dass wir den Kindern und überhaupt kaum jemand erzählt hatten, dass ich wieder schwanger war. Ich war froh, dass mein Mann mir zur Seite stand und ich einfach eine Woche leidend im Bett liegen durfte. Und als es dann vorbei war, tat es gut, es anderen zu erzählen.

Genau wie 2009 und als wäre nichts gewesen, bin ich wenige Monate später wieder schwanger geworden. Einfach so. Ich war – anders als ein Jahr bevor – nicht vorbereitet und ziemlich überrascht. Und sehr glücklich.

Ich konnte die Wehwehchen fast genießen und schwor mir, mich nicht ein einziges Mal über irgendwas zu beschweren. So gewünscht war dieses Baby!
Ihr könnt euch vorstellen, wie meine Gedanken durchdrehten, als ich in der 10. Woche mit leichten Blutungen ins Krankenhaus fahren musste. Mich bringt nicht schnell irgendwas richtig durcheinander, aber in dem Moment hab ich mich selbst kaum wiedererkannt. Ich weinte und zitterte und wollte das alles einfach nicht nochmal.

Und es war gut.
Wir bekamen unendlich viele Fotos, alle Ärzte freuten sich und wollten uns wirklich zeigen, dass alles gut aussah. Wir sagten es den Kindern – und musste uns dann nicht mehr darum kümmern, dass es alle anderen auch erfuhren.

Ich genoß die Gratulationen und Glückwünsche und erfuhr, dass so einige unsere Familie doch als „fertig“ eingeschätzt hatten. Wahrscheinlich hatten Amerika und das Häuschen mit Garten und meine Rückkehr ins Büro und so diesen Eindruck vermittelt – warum auch nicht? Umso mehr freuten wir uns über das „Überraschungsbaby“.

Auch, wenn ich mich mal fragte, ob diese Pause nach Liam nicht zu lang sei – jetzt bin ich froh. (Als könnten wir das entscheiden. Wir können eben doch nur planen…) Ich kann nicht oft genug sagen, wie wir dieses Brüder-Team genießen! Sie entwickeln sich immer mehr zu richtigen Lausbuben und die Sommerferien mit den vielen freien Tagen tragen ihren Teil dazu bei… aber sie lieben sich sehr.

Sie sind so gleich und so unterschiedlich! Sie können sich trösten, wie kein anderer und sie können sich zum Lachen bringen, wie kein anderer.

In der letzte Woche hatte Liam einen Splitter hinter dem Fingernagel, den nur Emilian herausziehen konnte. Liam ist der einzige, der in Emilians Hochbett darf. Es gibt Momente, in denen sie mal Ruhe brauchen, aber das sind Sekunden. Keine körperliche Nähe ist zu viel. Sie umarmen und prügeln und gackern und toben. Sie sitzen unter eine Decke und hören Hörspiele. Sie suchen den anderen im Kindergarten, bei Spaziergängen, die Besuchen.
Neuigkeiten, eklige Witze und krasse Tiere im Garten muss der Bruder zuerst sehen und erfahren!

Und sie freuen sich auf das Baby!
Beide Jungs wünschen sich einen Bruder.
Emilian ist ein ruhiger, stolzer, lieber großer Bruder. Er kann sich das alles wahrscheinlich nicht vorstellen, aber er lächelt, wenn ich erzähle, wie klein das Baby ist, was es am Anfang noch nicht kann und wobei es seine Hilfe braucht. Er würde sofort Kuscheltiere und wahrscheinlich seinen Platz im Bett teilen. Einmal bis jetzt hat er meinen Bauch angefasst und heimlich, fast nebenbei „Ich mag dich, Baby.“ gesagt.

Liam schreit seine Freude heraus, brüllt mal ein „Hallo!“ in den Bauch, er begrüßt das Baby jeden Morgen und fragt, ob es Schluckauf hat. Wenn ich mich bücke, passt er auf, dass ich das Baby nicht zerquetsche. Wenn ich esse, fragt er, ob das dem Baby schmeckt. Wenn er möchte, dass ich ihm irgendwohin folge, sagt er: „Das Baby möchte auch dahin.“ In den ersten Tagen ist er fast vor großem-Bruder-Stolz geplatzt und war so glücklich, endlich nicht mehr „der Kleine“ zu sein. Inzwischen sieht es so aus, als würde er die Baby-Phase noch genießen, so lange er kann. Er wird anhänglicher und kuschelt viel, er spricht in Baby-Sprache und ist eben doch eigentlich „der Kleine“. Noch ein paar Monate.

Ich bin sehr gespannt!
Die Jungs sind selbstständig und verständnisvoll, aufgeregt und voller Vorfreude.
Trotzdem weiß ich nicht, wie dann der eine und der andere reagiert. Wie ich einen Tag mit zwei Rüpeln überstehen soll, wenn die Nächte wieder kürzer werden. Wie sehr sie ihre „Brüderband“ rettet, wenn es ernst wird.

Wir freuen uns und sind vorbereitet.
Wir sind sehr glücklich.
Die erste Schwangerschaft war neu und aufregend. Die zweite war anstrengender, ich hatte ein Kleinkind in Windeln und ein neues Haus. Jetzt wird es besser und entspannter und ich möchte alles genießen, was ich kann. Erinnert mich daran, falls ich mal anderer Meinung sein sollte 😉

Auch, wenn dieser Eintrag schon lang geworden ist, möchte ich noch mehr Gedanken loswerden.

Ich weiß, dass es Freundinnen und liebe Blog-Leserinnen gibt, Mädels, die ich kenne und nicht kenne, die noch auf ihre Babys warten. Die Fehlgeburten erleiden. Die schwere Diagnosen bekommen und damit leben. Die sich mehr als alles andere auf der Welt ein gesundes Baby wünschen.

Ich möchte mir nicht anmaßen zu behaupten, ich würde euch verstehen!
Aber ein kleines bißchen kann ich nachfühlen, wie schwer dieses Warten und wie hart die Enttäuschung Monat für Monat ist. Wie weh es tut. Wie ungerecht es sich anfühlt, überall schwangere Frauen zu sehen.

Ich verstehe euch. Ein bißchen.
Ich wünsche euch Kraft und Trost für die Zustände, die ihr so nicht geplant habt, für die Blicke und Kommentare, die ihr aushalten müsst, für die Fragen, die ihr beantworten müsst.

Und uns, die wir Babies bekommen können, wünsche ich, dass wir dieses kostbare Geschenk mehr schätzen lernen. Und dass wir weise und sensibel mit unseren Freundinnen umgehen.


6 Antworten für “Der weite Weg zum Baby”

  1. Susanne F. sagt:

    Hi! Erstmal danke für die schöne und freundliche Seite! Ich habe eine Frage. Und zwar habe ich hier http://wir-sind-alleinerziehend.de/ernaehrungstipps/ gelesen, dass sich Babys ab dem 5. bis 7. Lebensmonat zunächst an püriertes Gemüse, danach Gemüse-Kartoffel-Fleisch-Brei oder Gemüse-Kartoffel-Getreide-Brei als Mittagessen gewöhnen sollen. Andererseits wird immer gesagt, dass so lange wie möglich gestillt werden soll. Was ist denn jetzt richtig? (bin gerade Schwanger)

    • Marit sagt:

      Hi!
      Ich hab es so gemacht, dass ich bis zum 7. Lebensmonat voll gestillt habe. Ab dann kam eine Mahlzeit dazu, meist erst der Mittagsbrei, aber ein Abendbrei geht auch. Zu allen anderen Mahlzeiten habe ich weiter gestillt. Nach und nach kann dann immer eine Still-Mahlzeit mit Brei ersetzt werden. Als die Kinder dann ungefähr 1 Jahr alt waren, habe ich dann komplett mit Stillen aufgehört.
      Hoffe, das hat dir geholfen 🙂
      Alles Gute für deine Schwangerschaft!

  2. Carina sagt:

    Ich freue mich so für euch! Danke für diesen Beitrag, der auch mein Herz berührt hat!
    Ich wünsche dir alles Gute und Gottes Segen für deine weitere Schwangerschaft
    LG Carina

  3. Mag sagt:

    Danke für deinen Beitrag. Er hat mir direkt aus der Seele gesprochen und mich sehr berührt. Wir probieren nun auch schon eine Weile und unsere Tochter ist inzwischen 4, so dass man ständig: „Das Kind braucht doch Geschwister“ Kommentare zu hören bekommt.

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