Das Wunder von Weihnachten

19. Dezember 2018

Wir alle wissen, warum es Weihnachten gibt, oder?
Oder?

Geht es darum, das möglichst hellste Haus der Strasse zu haben?
Geht es darum, Schnee zu wünschen?
Geht es darum, den Gästen im Advent perfekte Plätzchen anzubieten?
Geht es um vier Kerzen?
Geht es um, einen grünen Baum mit Glitzer zu behängen?
Geht es um 24 Schokoladentürchen?
Geht es darum, last minute die besten Geschenke zu finden?

Geht es darum, das beste Foto zu machen? 😉 

Die Geburt eines Babys vor langer Zeit im Stall hatte nichts mit alldem zu tun! Ja, es gab ein helles, besonderes Licht. Und es gab sowas wie eine Wartezeit. Es gab Geschenke und vielleicht auch gutes Essen.

Aber vor allem hat dieses Baby den Menschen in der Zeit damals eine ganz wichtige Nachricht gebracht. Ein großes Aufatmen. Das Versprechen ist wahr. Endlich! Frieden für die Welt. Die Nachricht, auf die sie so dringend gewartet hatten.

Vielleicht waren die drei Reiter auf den Kamelen genervt von der langen Reise. Vielleicht brachen die Hirten hektisch auf, nachdem ihnen ein Chor von Engeln zuerst einen Schreck eingejagt und dann die gute Nachricht gebracht hatte. Und erst Maria! Hatte sie sich die Geburt ihres ersten Kindes so vorgestellt? Wusste sie, was auf sie zukommt?

Die überlieferten Bilder aus dem Stall strahlen so viel Ruhe aus, so viel Wärme und Geborgenheit und Licht.

Was ist bei uns noch davon übrig?

– Geschenke – Festessen – schöne Kleidung – ein sauberes Haus – viele Plätzchensorten – schöne Fotos – brave Kinder – süßes Geschenkpapier – Weihnachtspost – verkaufsoffener Sonntag – Adventskalender – Weihnachtsbaumkugeln – früher war mehr Lametta – eine Weihnachtsgans bestellen – Geschenke für Lehrer, Erzieher, Kollegen, Nachbarn – Lebkuchenhaus – selbstgemachtes verschenken – Fenster putzen – Kinderzimmer aufräumen – lackierte Nägel – Geschenke beschriften –

Ich weiß nicht, wie es euch geht.. aber wenn ich das lese, entsteht in mir sofort Stress. Es gibt eine Menge dieser Dinge, die ich noch nicht erledigt habe.
Vielleicht läuft bei uns in der Familie einiges ruhiger und entspannter – aber das ist unsere Entscheidung. Stress und Sorgen und Streit haben wir auch.

* Zusätzlich zu den Geschenk-Kartons, die seit Tagen eintreffen, wurde vorgestern auch in mehreren großen Paketen unsere neue Heizung geliefert. Teilweise steigen wir hier über Pakete, weil wir einfach keinen Platz mehr haben.

* So gern würde ich zu Fuß und romantisch Hand in Hand mit meinem Mann Geschenke einkaufen, am besten noch selbstgemachte vom Weihnachtsmarkt. Aber dazu fehlt sowas wie Zeit und Ruhe und Geld und Lust. Also bestellen wir vieles online. Ich fühle mich nicht unbedingt wohl damit, aber es spart Zeit und Stress.

* Ich würde in diesem Jahr gern wenigstens einmal auf den Weihnachtsmarkt gehen. Karls Erdbeerhof ist jetzt bestimmt auch ganz schön. – Stattdessen mache ich uns gebrannte Mandeln selbst. Die Kinder waren mit Oma und Opa und der Schulklasse auf dem Weihnachtsmarkt und haben selbstgemachte Kerzen und einen Krümel Zuckerwatte für mich mitgebracht. Hab ich ein Glück!

* Ich sauge fast jeden Tag die Fußböden.. aber hier wohnen irgendwie drei Kinder. Die basteln mit Papier, die essen Kekse, die haben Dreck an den Schuhen und die lassen ihre Mandarinen-Schnipsel fallen. Durchatmen, Augen zu, und wieder Staub saugen, wenn die Kinder im Bett sind.

* Heute hat Liam ganz allein die Wäsche aufgehängt. Eine ganze Ladung! Ich musste an einigen Kleidungsstücken später heimlich „nacharbeiten“, sonst wäre das an Weihnachten noch nicht getrocknet – aber hey, welcher 6jährige kann Wäsche aufhängen?

* Im Schlafzimmer stehen Kartons mit Büchern und Spielzeug, das zum Rumpelbasar muss. Aussortieren, bevor Neues kommt. Wegschmeißen befreit. Platz schaffen. Atmen.

* Den Weihnachtsbaum haben die Kinder geschmückt und so sieht er auch aus. Außerdem nadelt er schon leicht, weil wir ihn so früh gekauft haben. Aber dafür haben wir fast im ganzen Dezember einen schönen leuchtenden Baum hier.

* Jeden Morgen denke ich: „Oh, heute haben wir nichts vor. Wir können neue Plätzchen backen oder im Garten aufräumen oder Geschenke basteln.“ Und dann sind die Kinder aus der Schule da – und ich bin so müde. Das ist keine Schwangerschaft oder Depression, ich bin einfach müde. Und dann lege ich mich auf die Couch und schlafe. Die Kinder basteln oder puzzeln oder hören Hörspiele oder essen Kekse. Ich glaube nicht, dass sie das stört, dass ich da liege. Und mich stört es auch nicht. Eine ausgeschlafene Mama ist eine bessere Mama.

* An den Vormittagen schaffe ich nicht so viel, weil ein quietschfideles Kleinkind durch die Wohnung hüpft und am Nachmittag.. naja, wisst ihr ja jetzt. Aber ich möchte gern bloggen oder Emails schreiben oder Geschenke bestellen oder Rezepte suchen oder lesen oder so. Und dann finde ich es nicht schlimm, wenn wir zusammen ein Hörspiel hören oder die Kinder einen Weihnachtsfilm gucken. Es ist sowieso dunkel draussen und gemütlicher wird’s fast nicht.

* Falls ihr denkt, unsere Kinder sitzen nur am Handy oder Fernseher: Liam hat vorgestern von seiner Deutschlehrerin ein paar Seiten mit Buchstaben-Übungen für die Ferien bekommen. Was soll ich sagen? Gestern war er damit fertig.

* Frau Frische Brise hat gestern einen überraschend ähnlichen Beitrag zum Thema „Stille Zeit?!“ gepostet. Sie schreibt, dass ihre Kinder gar nicht so wild auf den Adventskalender sind. Das kann ich von hier auch berichten. Meine Jungs kommen verschlafen nach unten, legen sich für ein paar Minuten auf die Couch und ziehen sich dann an. Sie freuen sich auf ein warmes Toast, wir reden über den Tag, der sie erwartet und die Türchen werden oft erst nach der Schule ausgepackt.
(Den Artikel von Frau Frische Brise müsst ihr unbedingt lesen!)

* Es ist mir so unglaublich wichtig, wie ich morgens, mittags, abends mit den Kindern umgehe. Lieber beiße ich mir auf die Zunge, kämpfe mit den Tränen oder atme tief durch, bevor ich sie anschreie oder beschimpfe.
Es ist mir so wichtig, dass wir am Morgen Zeit zusammen haben. Dass ich sie lieber mehrmals leise ermahne oder erinnere, statt laut und böse zu reden.
Das ist manchmal nicht leicht. Und manchmal bringt ein scharfes „Zieh. Dich. JETZT. An!“ viel schneller Wirkung, als leise Worte. Aber geht es darum?
Egal, wie der Morgen war.. ich möchte, dass wir uns auf dem Schulhof nochmal anlächeln, winken, „Hab einen schönen Tag“ und „Tschüß“ sagen. Ich stelle mir vor, wie der Schultag oder die Nacht für ein Kind sein muss, wenn es vorher Streit gab und das bricht mir das Herz.
Es ist mir wichtig, am Abend am Bett über den Tag zu reden. Warum habe ich so reagiert? Warum macht mich das traurig?
Es ist mir wichtig, dass wir Großen im Alltag Zeit für die Kinder haben. Für ihre Worte. Für ihre Witze. Für ihre Berichte. Für ihre Sorgen. Das kann schonmal ne Weile dauern. Aber es ist wertvoll.
Das klappt nicht immer. Ich bin keine Heilige.
Gerade fällt mir ein, dass der Große mir gestern am Bett in Ruhe erzählen wollte, warum er in der Schule traurig war. Aber er hat lange gebraucht, um ins Bett zu gehen und ich hab es nicht geschafft.

Es ist mir sehr wichtig und ich tue viel dafür, Ruhe und Geduld für die Kinder zu haben. Besonders jetzt. Was können diese kleinen süßen Kinder dafür, dass ich mir einen stressigen Dezember mache?

Sonnenaufgang von heute. Gott ist da.

Ich liebe den Abend des 24. Dezember. Dieses Knistern in der Luft. Dieses Leuchten in den Augen der Kinder, fast heller als die Lichter am Baum. Das Gefühl „Wie schön, dass wir uns haben!“ liegt in der Luft. Die Mama-Tränen, wenn ein holpriges Gedicht aufgesagt wird oder ein krächzendes „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ auf der Geige gespielt wird. Der Blick von meinem Mann zu mir: „Alles ist gut. Ich liebe dich!“

Ich möchte dieses Glück nicht erst am 24. haben.

Ich möchte dieses „Frieden für die Welt“ spüren und das Gefühl haben: „Es wird gut.“ Die Welt um uns herum sieht kaum nach Frieden aus, im Gegenteil. Aber das war damals nicht anders. Maria und Josef mussten sogar um das Leben des Babys fürchten. Trotzdem kann Frieden in die Herzen kommen und weitergegeben werden.

Ich möchte am Nachmittag schlapp und verschlafen auf der Couch sitzen dürfen und, ein bißchen wie Maria im Stall, zwischen all dem Dreck und Chaos meine Familie bewundern.

Ich möchte, dass die Anwesenheit von lieben Menschen gut tut und viel mehr Wert hat, als teure Geschenke.

Ich möchte mit meinem Leben zeigen, dass ich an einen Gott glaube, dem wir wichtig sind. Der sich die Welt und uns und dann Weihnachten ausgedacht hat, um näher an uns dran zu sein. Der sehnsüchtig auf ein paar ruhige Minuten mit uns wartet und der uns sagt: Ich bin da. Ich bin Weihnachten. Alles wird gut.

Ich möchte, dass auch jetzt schon unsere Augen und Herzen hell leuchten und vom Wunder von Weihnachten erzählen.

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