Als Jari auf die Welt kam

09. April 2019

Damit die Geburtsberichte hier auf dem Blog vollständig sind, erzähle ich euch, wie unser dritter Sohn geboren wurde. Es war die schnellste und unkomplizierteste Geburt.
Ich hatte plötzlich Wehen, wir sind ins Krankenhaus gerauscht, das Kind kam und wir sind nachhause gefahren. So wäre die Kurzfassung.
Aber ich kann auch rechts und links noch ein paar Details erwähnen 😉

Geburtsbericht

21. Januar 2017, 02:07 Uhr

Wir haben das Leben zu viert lange genossen. Wir haben 1 Jahr in Kalifornien gelebt und wir haben mit Freude und Stolz gesehen, wie unsere beiden Jungs immer größer werden und das Brüder-Band zwischen ihnen immer fester wird.

Irgendwann Ende 2014 wird der Wunsch nach einem dritten Kind größer und es dauert eine Weile, bis wir beide uns einig sind. Trotzdem probieren wir dann sehr lange und Ende 2015 bin ich endlich schwanger.

Ich freue mich wirklich sehr, aber das Baby verabschiedet sich Anfang des neuen Jahres 2016. Traurig und enttäuscht entscheide ich mich, das alles diesmal ohne Krankenhaus-Aufenthalt alleine hinzukriegen, ziehe mich für ein paar Tage zurück und leide still vor mich hin.

Danach werde ich schnell wieder schwanger und der neue Entbindungstermin ist Januar 2017 – wieder genau 1 Jahr nach der Fehlgeburt.

Ich genieße die Schwangerschaft sehr! Ich bin entspannt und glücklich, ich freue mich über meine großen Jungs, die schon so selbständig sind. Einmal sehe ich Blutungen und bekomme einen Schreck. Mein Mann ist auf Dienstreise und eine Freundin bringt mich ins Krankenhaus – dem Baby geht es aber gut. Das war wirklich hart, aber ich bin so erleichtert.

Weil beide Jungs vor dem Entbindungstermin geboren sind und ich wieder wie bei Kind 1 und Kind 2 mit einer schnellen Geburt rechne, stellen wir uns ab Dezember darauf ein, dass es losgehen könnte. Aber ich höre auch oft den Satz: “Beim dritten Kind ist alles anders.” Termin wäre der 18. Januar.

Entweder habe ich keine Zeit, um auf kleine Wehwehchen zu achten oder es gibt wirklich keine – in dieser Schwangerschaft ging es mir richtig gut. Ich fahre noch im Winter bis zum Ende der Schwangerschaft mit dem Fahrrad zur Schule und Kindergarten.

Die Vorwehen passieren fast nebenbei. Diesmal gehen wir zum ersten Mal ordentlich zur Anmeldung ins Krankenhaus.

Wir feiern Silvester. Und dann wird es Januar. Und die erste Woche geht vorbei, und die nächste. Und es kommt der Termin, ein Mittwoch. Zum ersten Mal schaffe ich es bis zum Entbindungstermin! Ich spüre am Morgen so etwas wie Wehen, auch regelmäßig, aber irgendwie nichts richtiges. Diese Vormittags-Zeit ist ganz ungewohnt für eine Geburt für mich. Wir sorgen dafür, dass die Kinder von der Oma abgeholt werden und fahren ins Krankenhaus. Wir bewundern die neu gestaltete Hotel-ähnliche Geburts-Etage im Krankenhaus Waldfriede. Ich werde untersucht und man schickt uns nochmal spazieren. Wir gehen einkaufen, an der Kasse veratme ich Wehen und ich fühle mich wie im Film, wie in einer anderen Welt, während um mich herum das Leben weiter geht.

Die Hebammen im Krankenhaus sagen, ich könnte bleiben – aber die Wehen werden weniger und ich entscheide mich, nachhause zu gehen.

Die nächsten Tage gehen irgendwie vorbei, dieses Warten und Wehen-Abstände zählen kann ich kaum aushalten. In einer Email schreibe ich meiner Mama: “Alle 2 Stunden habe ich mal eine Wehe. Jede Wehe, die ich jetzt habe, muss ich ja später nicht mehr haben…”

Am Freitag Morgen haben wir wieder einen Termin im Krankenhaus. Aber alles ist ruhig. Wir verabreden uns für Sonntag Nachmittag wieder.

Die Kinder haben keine Ahnung und auch irgendwie kein großes Interesse an dem, was auf uns zukommt. Ab und zu trauen sie sich mal, ein “Hallo!” in den Bauch zu rufen, aber eine Vorstellung haben sie wahrscheinlich nicht. Ihren Cousin, der Mitte Dezember geboren wurde, lieben sie allerdings sehr und ich freue mich jetzt schon über die werdenden großen Brüder.

Am Freitag Abend findet unsere monatliche LadiesNight in der Kirche statt, aber ich entscheide mich, nicht zu gehen. Der Abend ist ruhig, mein Mann und ich legen uns ins Bett. Ich kann nicht so richtig schlafen und spüre in mich hinein. Ich liege auf dem Rücken und nach Mitternacht spüre ich etwas wie ein kleines Knacken in meinem Unterleib, irgendetwas rutscht tiefer. Und dann zieht es im Bauch. Ich weiß sofort, dass es losgeht. Es ist kurz nach 1:00 Uhr.

Ich stehe auf und sage meinem Mann Bescheid, dass es jetzt sofort los geht. JETZT! Als wir das Schlafzimmer verlassen, sehe ich nochmal auf mein Handy: Es ist 1:14 Uhr.

Wir sagen den Schwiegereltern Bescheid und fahren wieder los, bevor sie da sind. Ich hab es sehr eilig! Die Vorwehen in den letzten Tagen haben gute Arbeit geleistet – denn jetzt geht es sofort richtig los.

Beim ersten Kind taten die Wehen im Rücken weh, beim zweiten in den Beinen und jetzt zieht es am meisten unten im Bauch. Ich finde, das sind die schmerzhaftesten Wehen! Ich hab das Gefühl, diese Wehen nicht so richtig wegatmen zu können.

Um 1:30 Uhr melden wir uns im Krankenhaus an, ich habe alle 3 Minuten Wehen. Es ist ruhig im Krankenhaus. Auf meinen Mann und auf die Hebamme gestützt, schleppe ich mich in den Kreißsaal. Es ist genau der Raum, in dem mein zweites Kind zur Welt kam. Das fühlt sich so gut und vertraut an. Ich stelle mich wieder an die gleiche Stelle, an das Kopfteil des Bettes und fühle mich wohl.

Um 1:40 Uhr wird ein externes CTG angeschlossen. Mein Mann füttert mich die ganze Zeit mit Traubenzucker und so geht es mir relativ gut. Er hilft mir, mich auszuziehen. Die Wehen werden stark und unangenehm im Bauch und ich weiß einfach, dass es bald vorbei sein muss. Der Druck nach unten ist kaum auszuhalten.

Ich stehe noch immer und stütze mich mit aller Kraft auf die Hände meines Mannes. In den kurzen Wehenpausen bin ich ganz bei mir und nehme diesmal viel bewusster wahr, was um mich herum geschieht. Es ist ganz ruhig, die Hebamme erledigt ihre Aufgaben und ist da, wenn wir sie brauchen.

Um 2:00 Uhr ist der Muttermund vollständig geöffnet und ich merke, dass ich pressen muss. Der Druck ist unglaublich. Ich wundere mich, dass die Fruchtblase noch immer nicht gesprungen ist und die Hebamme bietet an, sie zu öffnen. Dankbar nicke ich.

Ich drücke und drücke und bewundere meinen Mann, wie er mich in dieser Position halten kann. Ich sehe unter mir auch andere Flüssigkeiten aus mir herauskommen und es tut mir leid um die Straßenschuhe meines Mannes. Sorry.

Um 2:05 Uhr ist der Kopf des Babys da und auch beim dritten Kind kann ich nicht länger warten und presse den Rest meines Babys hinterher. Ich stehe noch immer am Bett und bis heute erzählt mein Mann beeindruckt, wie gekonnt die junge Hebamme das Baby unter mir mit einer Hand auffängt.

Es ist 2:07 Uhr. Vor 53 Minuten haben wir unser Schlafzimmer verlassen.

Ich bekomme meinen Sohn in die Hand und kann nicht glauben, wie warm und weich und klein und flutschig er ist. So lange hatte ich kein Baby mehr im Arm!

Ich lasse mich rückwärts auf das Bett fallen und 8 Minuten später kommt ohne Probleme die Plazenta.

Obwohl diese Geburt mir sehr schmerzhaft und kraftvoll in Erinnerung ist, sehe ich sie jetzt fast wie einen Spaziergang. Natürlich hatte ich unglaubliche Schmerzen und Verletzungen. Die Geburtsverletzungen wurden genäht. Das konnte ich einigermaßen aushalten. Aber ich weiß noch, wie gut es mir während der ganzen Zeit ging. Wie sehr ich, anders als bei der ersten Geburt, anwesend und im Kopf bei mir war.

Um 2.45 Uhr bin ich bereits etwas sauber gemacht worden und das Baby trinkt an meiner Brust. Ich spüre ordentliche Nachwehen und bekomme Schmerzmittel.

Um 3:30 Uhr, also etwas mehr als 1 Stunde nach der Geburt, wechseln wir in ein Krankenzimmer. Ich laufe selbst in das andere Zimmer und schwebe wie auf Wolken. Im Bad wasche ich mich und gehe auf die Toilette. Alles ohne Probleme. Ich kann es kaum glauben und bin wie im Rausch. Das Baby trinkt nochmal, dann schläft es ein.

Wir drei liegen in dem großen Krankenhausbett und können unser Glück kaum fassen. Immer wieder sehe ich mein Baby an und weiß nicht, was ich sagen soll.

Am Morgen, gegen 6:00 Uhr verlassen wir das Krankenhaus.

Meine Schwiegereltern können es kaum glauben, dass ich nach nur so kurzer Zeit an ihnen vorbei wieder ins Haus gelaufen komme. Die Brüder werden wach und mit großen Augen sehen sie zum ersten Mal ihren kleinen Bruder.

21. Januar 2017
02:07 Uhr
3410 g
50 cm


Comments

  1. Margit says:

    Danke für Deine wunderbare Geschichte, Marit. Ich habe die Geburt unseres zweiten Sohnes so erlebt, wie Du es beschreibst. Vor 4 Monaten. Mir kamen grad die Tränen.
    Alles Gute Euch!

    1. Marit says:

      Ach, du bist aber lieb. Dankeschön! Für mich sind diese Berichte auch ganz besonders und immer wieder ❤️

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.