5 Tipps für Schulanfänger-Eltern

Gestern war so ein schöner Tag!

Nach dem Gottesdienst gab es ein schnelles Mittag und wir sind raus! Raus in die Sonne! Ich konnte nicht aufhören, zu sagen, wie schön ich das alles fand! Meine Männer ließen mich geduldig juchzen. Aber so wie die Jungs sich vor die Krokusse gekniet haben, weiß ich doch, dass sie das genauso lieben. Aber echt. Frühling… haaach. Jedes Jahr wieder. Ich kann es gar nicht beschreiben, aber mein Herz liebt Frühling über alles!

Mein Mann hat uns begleitet und still und tapfer seine Allergien ausgehalten.

 

Während ich dann am Abend Staub saugte und so um die Schultasche herum stocherte, dachte ich daran, wie unsicher und aufgeregt ich vor einem Jahr war, was die Schule und Emilians Einschulung und so betraf. Und da kam mir eine Idee für einen neuen Artikel hier:

5 Tipps für Schulanfänger-Eltern

Die Einschulung kommt nicht plötzlich. Es gibt viele Schritte auf dem Weg dahin. Die Untersuchungen beim Arzt, die Schuluntersuchungen, die Anmeldungen, die Gespräche mit den Erziehern… und trotzdem habe ich mir so viele Gedanken gemacht und hatte keine Ahnung, was auf mich, auf uns zukommt.

Emilian war lange ein schüchternes, ängstliches, anhängliches Kind. Verglichen mit meiner eigenen Einschulung als ältestes Geschwisterkind malte ich mir aus, wie schwer er es haben würde. Wir hatten keine Ahnung von Schule. Nur das, was man halt so hört: „Dann ist das Ausschlafen vorbei!“, „Dann fängt der Ernst des Lebens an!“, „Macht das noch, solange ihr keine Schulkinder habt!“

Aber ach, es wird alles gut!!
Versprochen!
Ich schreibe mal auf, was uns geholfen hat und was ich gelernt habe.

 

1. Gute Vorbereitung

In Berlin, auch Deutschland, würde ich mal sagen, ist es so, dass Eltern gut auf den Schulanfang vorbereitet werden. Lange im Voraus wird das Kind zur Schulanmeldung und Schuluntersuchung gebeten. Die Schule in unserem Einzugsgebiet hat uns zukünftige Eltern zu mehreren Info-Veranstaltungen eingeladen. Wir durften die Schulleitung, die Räume, das Personal, den Hort und sogar den laufenden Unterricht kennen lernen – und alle Fragen stellen, die wir hatten.
Seit Jahren sagte ich immer, wenn wir an der Schule vorbei fuhren: „Emilian, guck mal: Das ist deine Schule!“ Trotzdem setzten wir erst zu diesen Veranstaltungen allererste Schritte in diese Schule. Die Einschulung lag noch weit vor uns, aber so fiel das Thema „Schule“ immer mal wieder in unserem Alltag.

Die Vorschulkinder durften mit den Erziehern die Schule an zwei Vormittagen besuchen, den Schulhof „erspielen“ und einmal in den Unterricht schauen. Das fand ich sehr gut. Emilian weiß jetzt noch, welche Lehrer er damals kennengelernt hatte.

Das kann man mit dem Kind auch allein machen. In den Wochen vor Beginn der Sommerferien holte ich mit Emilian zwei Freunde aus der Schule ab. Die Mama der beiden zeigte mir ein paar Sachen und Emilian zeigte mir, wo er mit seinen Erziehern gewesen war.
Noch wussten wir nichts vom Klassenraum oder einer Lehrerin, aber wir gingen die Wege, sahen die Einschulungs-Turnhalle und schätzten die Zeit für den Schulweg.

 

2. Angst und Unsicherheit nicht auf das Kind übertragen

Ich hatte Angst, natürlich. Alles, was zum Thema „Schule“ gehörte, war so neu und fremd für mich und dann erst Recht für Emilian.
Wie wird wohl die Lehrerin?
Kommt er mit seinem besten Freund in eine Klasse?
Wird Schule ihm Spaß machen?
Wird er sich morgens gut verabschieden können?
Darf ich ihn bis in den Klassenraum bringen?
Wird er schnell Freunde finden?
Wird er gut lernen können?

Ich dachte an meine Erfahrungen als Kind und an meine Erfahrungen als Schulerzieherin in den ersten Klassen.
Aber Emilian hatte diese Erfahrungen nicht. Für ihn war Schule natürlich auch neu und fremd. Aber die Kita begann ihn zu langweilen und wir wollten Schule ein neues, spannendes Abenteuer für ihn sein lassen. Was sollte er mit meinen unbegründeten Sorgen anfangen?

Wir erzählten ihm keine Lügen und Verschönerungen und er fragte nicht direkt nach, weil er ja nicht wusste, was auf ihn zukommen würde. Mir war es wichtig, ihm ungefähr den Ablauf eines Schultages klar zumachen. Ich erzählte ihm, was er alles tolles lernen würde. Und wir würden das zusammen entdecken und kennen lernen. Unsicherheiten kann man dem Kind negativ unsicher oder positiv unsicher erklären. Mein Mann kann das ganz toll und wir versuchten, in Emilian viel von dieser aufgeregten, freudigen Neugier wachsen zu lassen.
(Tatsächlich finde ich schon nach dem ersten Schulhalbjahr, dass die Erstklässler mehr „fürs Leben lernen“, als ich das so von mir in Erinnerung hatte. Da kommt die Fahrbücherei im Bus und die Kinder lernen, Bücher auszuleihen und zu verlängern. Dann kommt ein BVG-Bus und die Schüler lernen das richtige Ein- und Aussteigen und das Verhalten in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Dann die Stunde zum Sozialverhalten, die Polizei erklärt den Strassenverkehr und so weiter…)

 

3. Mit anderen Eltern austauschen

Sowohl der Austausch mit anderen „Schulanfänger-Eltern“, als auch die Gespräche mit Schul-Eltern haben mir sehr geholfen.
Was planst du?
Wie macht ihr das?
Was könnt ihr empfehlen?
Wo habt ihr das gekauft?
In der Nachbarschaft und in der Kita finden sich bestimmt solche Eltern, wenn es im Bekanntenkreis noch keine gibt.
Wir haben eine Freundin, die selbst Lehrerin einer ersten Klasse ist und auch sie hat uns ganz viel geholfen. Wir haben uns Einkäufe mit anderen Eltern geteilt, wenn 3 Schnellhefter gebraucht wurden, es sie aber nur im 6er Pack zu kaufen gibt. Wir haben auf den Info-Veranstaltungen nebeneinander gesessen und uns über den Hort, den Schulweg und das Schul-Konzept ausgetauscht. Das beruhigt und bringt auf andere Gedanken.
Und von den Kindern, die bereits ein oder zwei Schuljahre hinter sich gebracht haben, lernte ich, wie schnell so ein kleines Kind tatsächlich in den aufregenden Schulalltag hinein wächst und Wege, Abläufe, Personen, Räume und Veränderungen ganz schnell kennenlernt und damit umgehen kann.

 

4. Ein Tempo mit dem Kind finden

Zusammen mit Emilian haben wir aufgeregt die erste Post der Klassenlehrerin geöffnet. Wir haben die Einschulungs-Feier geplant, die Schultüte ausgesucht und uns einen Mama-Papa-Kind-Tag für den Kauf der Schultasche genommen.

Wir haben ihn viel miteinbezogen und ihm viel erklärt. (Ich bin hier die Pädagogin, die redet und erklärt.)

Wir haben uns über sein Interesse an Zahlen und Buchstaben gefreut, aber wir haben ihn nicht gebremst oder gepusht. Es gab Übungsheftchen hier, Schwungübungen und so, aber er fing ganz langsam an und konnte vor der Schule gerademal seinen Namen schreiben. Alle Kinder lernen lesen und schreiben und für Emilian war es ganz gut, dass er vor der Schule noch nicht zu viel wusste.

Wir haben uns und ihn auf die Schulzeit vorbereitet, aber ihn auch Kind sein lassen, wenn es genug war. Die 7 Wochen Ferien vor der Schule waren Ferien und Freizeit. Kinder leben im Jetzt und können mit dem großen Wechsel trotzdem gut umgehen.
Und sie machen das in ihrem Tempo. In ihnen drin passiert in der Zeit so viel und oft ist außen davon nicht viel zu sehen. Ein ruhiger Alltag und viel Zeit zum Abschalten und Spielen hilft, mit all dem Neuen klarzukommen. Wir haben mit dem Schwimmkurs und mit neuen Verabredungen bewusst gewartet, damit Emilian sich in den ersten Monaten wirklich nur um Schule kümmern konnte.
Der Alltag bestand dann aus Gewohntem und Vertrautem und dort konnte er spielen und Kind sein.

 

5. Ganz entspannt sein!

Es wird alles gut!
Auch wenn jeder Schritt für mich und für Emilian der allererste war, habe ich mir immer gesagt (hilft vor einer Geburt auch): „Das haben schon soooooo viele vor uns geschafft!“
Die Schulleitung weiß Bescheid. Die Lehrerin kennt sich aus. (Interessanterweise fragt mich Emilians Lehrerin manchmal nach Eltern-Tipps, während ich mir von ihr die Schul-Tipps hole)

Zur Einschulung haben mir die Worte der Schulleitung so gut getan, weil sie genau ansprach, was uns frischen Eltern auf der Seele lag. Und doch macht sie das einmal im Jahr und holt immer wieder aufgeregte Kinder und Eltern ab und führt sie durch die erste Zeit.

Zu den Herbstferien und spätestens zu Weihnachten können die meisten Erstklässler lesen und auch schreiben. Wirklich! Emilian hat jetzt noch nicht alle Buchstaben gelernt (also bearbeitet), aber das geht Stück für Stück und plötzlich kann mein Baby lesen!
Die Lehrerinnen haben so tolle Lern-Methoden. Sie lernen die Kinder schnell kennen und entwickeln individuelle Hilfen und Unterstützungen. Unsere Mathe-Lehrerin klebte Emilian letztens einen Zettel mit den Zahlen von 1-10 auf seinen Bleistift, weil er die 3 oft noch spiegelverkehrt schreibt.

Wir wachsen mit unseren Aufgaben.
Das erste Schuljahr besteht (in unserer Schule) tatsächlich noch aus vielen Spielen und viel Freizeit. Das sind pädagogische Spiele, Lernspiele und Spiele zum Sozialverhalten, aber für Emilian bedeutet das Wort „Schule“ nicht Stress und Lernen.
Zur Einschulung legte uns die Schulleiterin ans Herz, unsere Kinder noch Kinder sein zu lassen, mit den AGs zu warten, das Nachmittagsprogramm leicht zu halten und nicht zu hohe Erwartungen stellen.
Und so erleben wir den Schulalltag.
Emilian ist locker und entspannt – und er macht seine Fortschritte.

Zur Einschulung wurde Emilian 6 1/2 und in den Monaten vom 6. Geburtstag bis zur Einschulung ist ganz viel Schulreife gewachsen. Irgendwann war er einfach soweit.
Die „Langeweile“ in der Kita und die Neugier haben sicher dazu beigetragen, aber es passierte etwas in ihm. Wenn auch die ersten Abschiede schwer waren und das frühe Aufstehen ihm nicht immer gefiel – er wuchs und wurde innen und außen ein Schulkind. Das passierte fast übernacht.

Auch mit ängstlichen Mamas und Papas können die Lehrer umgehen. Ich habe mich verrückt gemacht, weil ich am ersten Schultag vergessen hatte, die große Tüte mit allen Heften mitzugeben. War gar nicht schlimm!
Das Schild am Schuleingang „Mama, ab hier schaffe ich es allein!“ durften wir bis zu den Herbstferien ignorieren und unsere Kleinen bis zum Platz bringen, wenn wir wollten.
Manchmal suche ich Emilian auf dem Schulhof, oder ich suche ein bestimmtes Heft in seiner Tasche – aber er kennt sich aus. Er weiß inzwischen viel besser, was seine Aufgaben sind. Auch, wenn er für die erste Stunde in ein anderes Gebäude muss und das vergisst, steht er nicht weinend und verlassen vor dem verschlossenen Klassenraum, sondern dreht um und sucht den richtigen Raum.

Die Begeisterung für die Hausaufgaben lässt ganz langsam nach. Aber nicht, weil er nicht möchte. Er macht es gern und gut – aber lieber in der Schule. Noch können die fehlenden Hausaufgaben in der Schule ergänzt werden und dass damit Spielzeit weg fällt, stört ihn scheinbar nicht. Er arbeitet schnell und schusselig und er langweilt sich manchmal. Und ich lerne ein bißchen, ihn Fehler machen zu lassen, damit die Lehrerin seinen Stand sieht – und nicht meinen.

Das frühe Aufstehen war im Winter nicht einfach, aber Emilian macht das gut. Er hat es gut gelernt. Seit Jari da ist, bringt Papa ihn zur Schule und wir beide haben ganz unterschiedliche Arten, unseren Morgen zu planen. Aber Emilian weiß das, er kennt seine Pflichten und Zeiten. Mit kleinen bunten Zetteln haben wir unsere Uhr markiert, so dass Emilian weiß, wie viel Zeit ihm für Anziehen, Spielen, Essen, Mama Tschüß sagen usw. bleibt. Das klappt wunderbar. (Von Jako-o gibt es dazu eine professionellere Uhr)

Ein Wort zu den Lern-Utensilien:
Wir bekamen rechtzeitig eine Liste mit Dingen, die wir für Emilian besorgen sollten. Das kann von Schule zu Schule und auch von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich sein. Manchmal wurde sehr spezifisch nach einer Marke gefragt, manchmal stand da nur ein Farbwunsch.
Und dann habe ich das Zeug zusammengesucht.
Schon – und besonders – im Babyalter wird Eltern oft vermittelt, das Teuerste sei gerade gut genug für den Nachwuchs. Ab und zu habe ich mich da überreden lassen und ärgere mich noch heute. Natürlich gibt es Dinge, die nicht gebraucht oder sehr billig  gekauft werden sollten. Aber es gibt eben auch Gebrauchsgegenstände, die günstig erstanden werden können.

Ich empfehle euch auch da den Austausch mit erfahrenen Eltern. Eine Schultasche muss nicht in erster Linie blinken oder glitzern. Sie sollte stabil sein, ein paar Schuljahre aushalten und dem Rücken des Kindes gut tun.
Uns wurde im Geschäft ein Schulrucksack empfohlen, aber weil wir uns das nicht merken konnten, bzw. den Unterschied nicht ganz sahen, ist es doch eine Schultasche geworden. Wir sind sehr zufrieden damit. Die dazugehörige Federtasche war gut mit Stiften ausgestattet und die dicken und dünnen Buntstifte, zwei Bleistifte und eine Schere passen gut hinein. Alles andere, wie Kleber, Lineal, Pinsel.. kommt in die Kramfedertasche. Filzstifte werden noch nicht gebraucht.
Natürlich wäre es toll, passend auch Trinkflasche und Brotbox zu haben. Aber in den ersten Schultagen bekamen die Kinder mindestens drei gefüllte Frühstücksboxen und eine oder zwei Trinkflaschen geschenkt.
Die Buntstifte verschwinden schneller, als wir gucken können. Anfangs hat Liam treu einmal in der Woche angespitzt – jetzt freue ich mich, wenn ich am Freitag (wenn ich die Tasche kontrolliere) wenigstens einen Bleistift finde. Mein Mann zuckt mit den Schultern und sagt: „Meine Mutter ist früher bei mir auch verzweifelt..“ Emilian sagt einfach: „Ich hatte keine Zeit, ich musste spielen!“
Kauft nicht die teuersten Stifte. Es werden viele Bunt-und Bleistifte verbraucht und verloren, zerkaut und zerbrochen, getauscht und verschenkt…
Den Radiergummi am Stift kann ich daher empfehlen. Wenn er auf dem Stift steckt, dann geht er nicht so schnell verloren.

Den faltbaren Wasserbecher kann ich empfehlen, Emilian bekam ihn zur Einschulung.

Für die Schultüte habe ich ein Bastelset gekauft und auch darüber geschrieben. Sie steht noch immer hier, hat einige Stürme und viele Einschulungsgeschenke ausgehalten und ich bin sehr mit dem Arbeitsaufwand und der Haltbarkeit zufrieden. Und eigentlich hatte sie ja ihren großen Auftritt, einen halben Tag lang, und dann war es das.

Seid entspannt!
Es wird alles gut und dein Kind hat Zeit!

Fragt mich gern nach speziellen Situationen oder Materialien.
Wir sind alle entspannter geworden, weil die Schule in Ruhe und Gemütlichkeit anfängt. Wir machen keinen Stress und Emilian geht es gut damit. Wir gehen den „Schulweg“ Stück für Stück und trotz einiger großer Veränderungen (auch zuhause) ist es angenehmer, als ich es mir vorgestellt habe.

Mein anhängliches, schüchternes Kind ist ein sehr beliebtes, waches, schlaues, witziges Schulkind geworden. Manchmal bin ich fast froh, wenn er vor neuen Situationen ängstlich wird, wenn er beim Spazieren meine Hand nimmt oder zum Einschlafen meine Nähe braucht, weil ich dann weiß, dass mein kleines Kind eigentlich noch da ist.

„Hallo, ich bin Emilian und ich möchte dir einen Kaffee machen.“

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