Tiere

Tiere haben im Leben von Emilian noch keinen richtigen Platz gefunden..
Er kennt Hunde und Vögel – das sind die Tiere eines Großstadtkindes – und er mag sie. Wenn irgendwo ein Hund bellt, hält er inne, hebt synchron seine Augenbrauen und macht mit großen Augen das Hundegebell nach. Am See guckt er gerne den Vögeln hinterher, wenn sie sich unsere Brotkrümel schnappen und weghopsen.

Langsam versuchen wir, ihm zu ermöglichen, auch die paar anderen Tiere kennenzulernen, die es noch so gibt. Aber ein Besuch im Kinderbauernhof oder Tierpark war bis jetzt immer mit viel Herzklopfen, Zittern und sogar einigen Tränen verbunden.
Das wilde Toben der jungen Ziegen, die kaum größer sind als er, der furchterregende Schrei vom Pfau, das Quieken der hungrigen Schweine, die unkontrollierten Sprünge der Affen oder das unerwartete Geräusch vom Pinguin jagen Emilian schreckliche Angst ein. Sein Herz klopft fürchterlich und er bewegt sich erst wieder, wenn unsere beruhigenden Worte ihn erreichen.
Das einzige, was ihn zum Beispiel bei den Erdmännchen und Affen wirklich fasziniert hat, war das, was sie aßen. Er sitzt auf dem Rand des Geheges und zeigt (wieder aufgeregt schmatzend) auf die vielen Äpfel und Mohrrüben, die überall herumliegen. Wenn die Affen nicht hinter einer Scheibe sitzen würden, hätte er sich bestimmt auch ein Stück Obst genommen..
Seine 3 Monate jüngere Cousine sitzt ganz entspannt im Kinderwagen und lässt sich unbeeindruckt direkt vor den Ställen der Tiere vorbeischieben. Emilian sitzt auf meinem Arm, krallt sich fest und starrt die Tiere an, die so unerwartete Bewegungen machen. Mich wundert, dass er vor dem freilaufenden Kampfhund vor der Scheibe weniger Angst hat, als vor den Affen hinter der Scheibe..
Als wir am Ende des Rundgangs durch den Kinderbauernhof am Spielplatz ankamen (der übrigens die Cousine dann langweilte), lebte Emilian auf und stapfte fröhlich durch den Sand.
Er mag Spielsachen, die sich bewegen, wenn er sie bewegt und die einen Ton von sich geben, wenn er einen Knopf drückt!

Comments

  1. Elsa says:

    Marit, es ist so lustig…… du warst ganz genauso vorsichtig und ängstlich.
    Selbst in der 1. Klasse hast du nur an der Hand von FrauWellner (Lehrerin) Mut gehabt 🙂
    Ich lese so gerne eure Geschichten!!!

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