Angekommen

Man kann jetzt nach 11 Tagen sagen, dass Emilian angekommen ist. Ich kann nur wiederholen, dass ich damit nicht gerechnet hätte und froh bin, dass wir uns für einen 3wöchigen Urlaub entschieden haben!

Diese Unsicherheit und Verwirrtheit haben ihn manchmal wirklich unausstehlich werden lassen, aber ich bin der Meinung, dass wir uns um Strukturen (Mittagsschlaf, genug Essen und Ruhe) kümmern müssen – er würde nie darum bitten. Aber irgendwann steht er sich dann selbst im Weg und nichts geht mehr.
Wir hatten einerseits Abende, an denen er bis nach 22:00 Uhr fröhlich über unsere Betten gehüpft ist, wir hatten kuschelige Vorlese-Runden und schnelle Einschlaf-Zeiten, bei denen er im Bett lacht, erzählt und mitten im Satz einschläft. Dann ist es nicht schwer, an seinem Bett zu sitzen und zu warten, bis die Äuglein zufallen.
Aber wir hatten auch unglaubliches Theater, harte Zähneputz-Kämpfe,
plötzliches Einschlafen im Hochstuhl oder auf Mamas Schoß im vollen Speisesaal um 19:00 Uhr, Tränenausbrüche bei Kleinigkeiten…
Ich sag‘ euch: So ein Mittagsschlaf bewirkt Wunder!
Vorgestern war so ein Tag, an dem er beim Abendessen eingeschlafen ist und dann sofort ins Bett gelegt wurde. Als wir gegen 23:00 Uhr in unser Zimmer kamen, merkten wir, dass wir seine Windel hätten wechseln sollen. Weil er schnell wunde Haut bekommt, beschlossen wir, ihn schnell aus dem Bett zu holen und ihm einfach eine neue Windel zu verpassen. Das war ein großer großer Fehler!
Er war völlig durcheinander und fing an zu weinen. Wahrscheinlich hätte ich ihn wieder beruhigen können, aber erstens ging es mir nicht so gut – ich hatte Gliederschmerzen, Hals- und Kopfschmerzen – und zweitens musste Liam gestillt werden, weil er kurz vorm Einschlafen war.
Und so begann eine lange Zeit mit fürchterlichem Gebrüll, in der sich die beiden Jungs immer wieder gegenseitig wach machten. Das schreibt sich hier schnell, aber es war wirklich hart! Vielleicht hätten wir unsere Sachen gepackt und wären nachhause gefahren, wenn es nicht so weit gewesen wäre. Auf jeden Fall weiß ich, woher der Spruch „Ich klatsch‘ dich gleich an die Wand.“ kommt…

Seitdem versuchen wir, Emilian um jeden Preis einen Mittagsschlaf zu ermöglichen. Und ob es daran oder an den besagten 11 Tagen liegt – es geht ihm besser. Er lacht, er erzählt, er fährt mit Oma und Opa mit dem Fahrrad, er traut sich im Hotel auch mal ein paar Schritte von uns weg, um die Welt zu erkunden…

Und wenn er gut drauf ist, ist es richtig schön mit ihm!
Beim Abendbrot sollte ich ihm ein Würstchen mit dem Messer kleinschneiden. Es ging schwer und ich wollte selbst essen und sagte: „Das geht nicht so richtig, du kannst es doch abbeißen.“ Aber er liebt das Besteck der Großen und er hatte mehr Geduld und so sagte er nach kurzer Zeit: „Geht doch!“ und hatte das Würstchen zerschnitten.

Seit gestern wünscht er sich vor dem Einschlafen, dass wir beten, was uns sehr berührt. Ich bete also, zähle die Ereignisse des Tages auf und danke für Schutz und schöne Zeiten. Als ich für das Abendessen danke, erinnert er sich an ein kleines Kräuterblatt auf seiner Kartoffel, welches ihn gestört hat und unterbricht mich: „Kartoffel ekliges Blatt, Emilian macht ‚Ääähhrg‘. “
(Oder so ähnlich klang sein Geräusch)

Heute fuhren wir in eine andere große Stadt und landeten ungeplant mitten in einem Strassenfest. Die lauten Trommler faszinierten Emilian am meisten.
Wir sagen: „Guck mal, da sind ganz viele Trommler. Was machen die denn?“
Emilian: „Gitarre spielen!“

Meine Geschwister versuchen in diesen Tagen, ihm die Zahlen beizubringen.
Und: Er fängt wirklich an, sich die Zeichen zu merken.
Mein Bruder erklärte ihm auf einem Autonummernschild eine 5550. Daraufhin blinzelte Emilian in die Ferne in Richtung eines anderen Autos (dessen Zahlen er niemals hätte erkennen können) und sagte wichtig: „4 5 6 7“.
Meine Schwester zeigte ihm auf einer Spielkarte eine 4, Emilian bestritt das so lange und behauptete, es wäre eine 5, bis wir nachgeben mussten..

Manchmal spielen wir dieses Spiel, wo einer von uns fragt: „Kann man … essen?“ und Emilian sagt dann „Ja“ oder „Nein“. Inzwischen macht es ihm selbst Spaß, die Fragen zu stellen. Vor ein paar Tagen lag er im Bett, wir redeten noch und plötzlich ohne Zusammenhang kam: „Kann man Unkraut essen?“ – „Nein…“

Inzwischen ist hier jeder Tag ein Sonnentag,
wir sind angekommen und fühlen uns wohl.

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