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papa. mama. drei jungs. haus und garten. berlin.

Willkommen im Chaos!

Ich habe in einem Ermutigungsbuch für Mütter gelesen, was das Leben leichter macht.
Zum Beispiel: „Sich auf ein Grundmaß von Chaos einstellen und diese Aussicht abenteuerlich und interessant finden.“

Jap. Da bin ich gerade.
Nicht, dass es bisher kein Chaos in meinem Leben gab. Das kann ich nicht behaupten. Aber ein Grundmaß… naja, jetzt ist es wohl soweit.
„Wie ich lernte, das Chaos mit Gottes Augen zu sehen“ heißt das Buch übrigens. Das brauche ich jetzt!

Bevor diese ganze Geschichte mit Jari losging, war mein Leben auch schon unperfekt. Wirklich. Obwohl ich das auf dem Blog und im echten Leben nicht immer an erste Stelle setze.
Wer mich kennt, kennt meinen Grundoptimismus.
Ich suche das Gute und Schöne – und finde es.

Aber jetzt bin ich in einer Zwischenzeit, in der es fast nur um Milch und Pulver und Gramm und Uhrzeit und Wiegen und Füttern und Windel und Stillen geht. Was glaubt ihr, wieviele Tage ich für diesen Eintrag brauchte? Und er hat nichtmal ein einziges Foto. Aber es lohnt sich, bis zum Ende zu lesen!

Das ist grad keine normale Phase. Wir kämpfen um jedes Gramm und alles andere hat nichts mehr zu melden.
Mir geht das sehr auf die Nerven. Jari futtert ohne Ende. Und ich wecke ihn nach Uhrzeit und stille und füttere und noch mehr und noch mehr. Aber das ist nicht normal.
Ich wünsche mir, dass er weiter gesund zunimmt und wir anderen vier wieder einen etwas normaleren Alltag haben können.

Ich weiß nicht, wie ich das ohne meinen Mann schaffen würde!
Er arbeitet von zuhause und stellt mir (und den Kindern) mehrmals am Tag fertiges, warmes! Essen vor die Nase.
Wie auch immer: Wir müssen jetzt da durch und für Jari kämpfen wir.

Für Jari stopfe ich mich mit Essen voll und weine leise meinem straffen Körper hinterher.
Für Jari verzichte ich auf meinen Sport und weine wieder leise.  (Jillian, ich habe dich nicht vergessen!)
Aber: Papa hat Jari eine Flasche gefüttert und ich konnte in die Badewanne! Zum ersten Mal seit hundert Jahren!

***

Bevor diese ganze Geschichte losging, habe ich mal für euch gesammelt, was hier alles so nicht nach Plan läuft. Damit ihr mir das glaubt! Ich brauchte manchmal gar nicht sammeln, sondern konnte tagsüber einfach mitschreiben..

* Nachdem die drei großen Männer eines Morgens in Richtung Schule und Kita verschwunden waren, klingelte die Nachbarin bei mir: „Hier stand eine Schultasche auf dem Gehweg. Das ist doch eure, oder?“

* Liam war vom letzten Friseurbesuch so fasziniert, dass er das kurz darauf selbst mal mit der Schere ausprobierte. An seinen Haaren. Kurz vor dem Kita-Fotografen-Termin.

* Ich habe einer Freundin an einem falschen Tag zum Geburtstag gratuliert. Hallo? Sowas ist mir noch nie passiert. Willkommen, blödes Chaos…

* Zusammen mit den Kindern war ich auf dem Weg zu meiner Oma. Vorher wollte ich noch schnell zwei Päckchen zur Post bringen. Auf dem Parkplatz stellte ich fest, dass ich mein Geld zuhause vergessen hatte. Ich düste nachhause, denn auch mein Führerschein und Ausweis waren im Portmonee. Vor dem Haus schrieb ich meinem Mann, er solle mir mal bitte mein Portmonee nach draussen bringen.
Keine Antwort.
Emilian ging zum Haus und kam zurück: „Ich glaube, Papa hört das Klingeln nicht.“
Ich ging selbst zum Haus und stellte fest, dass ich auch keinen Schlüssel hatte. Geld und Schlüssel lagen also in einer anderen Tasche – und der Mann war nicht da.. Ich konnte dann schnell zu meinen Schwiegereltern fahren, den Schlüssel vom Mann holen, wieder nachhause, meinen Schlüssel holen, den Schlüssel vom Mann in den Briefkasten legen (seinen Briefkastenschlüssel hatte er behalten) und weiter zu meiner Oma fahren…

* Bei uns kippen Becher um. Volle Becher. Mindestens einer in jeder Woche. Und Eier fallen auf den Boden und platzen. Die Kinder unterbrechen mich. Beim Reden und beim Denken. Und beim Schlafen.

* Auf dem Boden liegen Krümel. Und Bonbonpapier. Und Stöcker. Und Steine. Riesige „Schätze“. Und was die Jungs so sammeln…
Ihr glaubt nicht, wie sehr mich das Kinderzimmer aufregt. Dieses auf-Legosteine-treten und nachts über Kinderstühle stolpern kennen wir.

* Ich vergesse Dinge. Oh ja! Innerhalb von Sekunden, das ist gruselig.
Wir steigen ins Auto, ich habe einen tollen Porzellan-Kaffeebecher von Cynthia Barcomi in der Hand. Um alles ins Auto zu packen, stelle ich ihn auf das Dach und dabei denke ich: „Wie krass, wenn ich den jetzt hier stehen lassen würde!“
Das Zeug ist verstaut, wir setzen uns hin und fahren vom Parkplatz, bei der ersten Kurve rumpelt es auf dem Dach, irgendetwas rollt da. Wir sehen uns fragend an. Dann sehr geräuschvolles Einatmen und aus dem Auto springen meinerseits. Auf dem Dach liegt ein Kaffeebecher. Einfach so. Nicht kaputt. Ihr düft euch gern an den Kopf fassen… hab ich auch gemacht.

* Ich vergesse, an den Müll zu denken und jage meinen Mann nachts aus dem Bett, weil die gelben Säcke nicht an der Straße stehen. Ich vergesse die fertige Wäsche in der Maschine. Tagelang. Ich lasse den Kinderwagen (immerhin ohne Aufsatz) nachts draussen im Regen stehen. Ich vergesse, mich bei Freunden und Verwandten für Post oder Geschenke zu bedanken. Ich erzähle meinen Freunden Geschichten, die ich bereits erzählt habe.

* Ich bekam eine Nachricht von einer Freundin. Sie stand auf dem Schulhof und schrieb: „Wer holt heute eigentlich Emilian ab?“
Ich bin ohne Eintrittsticket zum Schwimmbad gefahren und musste auf halbem Weg umdrehen. Ohne meine Erinnerungs-App wäre mein Alltag eine Katastrophe. Und nicht erst seit der Still-Demenz.

* Wir haben Staub auf dem Boden und Flecken auf der Couch. Ich bügele nicht. Nie. Im Garten schießt das Unkraut und Laubhaufen liegen versteckt in irgendwelchen Ecken. Wir kommen zu spät – manchmal. Ich fahre mit blinkender Tankanzeige.

* Meine Kinder machen verrückte Sachen und ich weiß manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll:
Wir kaufen sechs Saftflaschen, die so in einer Folie eingeschweißt sind. Emilian schnappt sich sein Schnitzmesser, um die Folie zu entfernen und ritzt eine der Flaschen seitlich auf…

Liam weckt mich mit dem Satz: „Mama, kannst du mal kommen? Mir ist Lego ins Klo gefallen.“
Und nachdem er ins Klo gemacht hatte und auch schon ein bißchen Papier hinterher geworfen hatte, suche ich nach einem kleinen, orangen Legostein. Yeah!

* Wir stolpern manchmal durch den Alltag und schaffen es nicht, die Kinder pünktlich ins Bett zu bringen. Manchmal schaffen wir es nicht, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Manchmal muss ich mit Jari auf dem Arm um den Tisch wippen, während die Jungs Abendbrot essen.

* Ich bin unzufrieden mit dem Bücherstapel, der immer höher wird. Ich bin unzufrieden mit meinem after-baby-body. Ich bin unzufrieden, mit allem, was ich liegen lassen muss. Ich bin unzufrieden, dass ich es nicht mehr schaffe, Geburtstagskarten oder Geschenke zu verschenken und dass ich es gerade so für eine WhatsApp-Nachricht um 23:50 Uhr schaffe.

Aber:
Ich kann da, wo ich bin, zufrieden sein.
Ich kann mich in jedem Moment entscheiden, gelassen zu sein.
Ich kann mich über so viele kleine schöne Dinge freuen.

Ihr wisst, dass ich das Buch „Tausend Geschenke“ mag.
Unser Alltag ist voll von tausend schönen Kleinigkeiten. Tausend Momente, die mich lächeln lassen, die Gänsehaut bringen oder mein Herz berühren.

Und ich übe es, auch mit den Kindern, diese Moment zu finden. Jeden Abend am Bett fragen wir: „Was hat dir heute am besten gefallen? Über was hast du dich heute gefreut?“
Meine Kinder lieben Sonnenuntergänge und Blüten und Farben und süße Tiere und gutes Essen und tolle Musik, wie ich. Weil wir uns darauf hinweisen. Weil wir innehalten. Weil wir im Alltag diese Momente sehen und genießen.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter.

Ich hoffe, ihr habt euch auch amüsiert.
Humor und Optimismus halten uns doch am Leben! Ich kann darüber lachen, über vieles.
Und wenn es drunter und drüber geht, dann helfen diese kleinen Dinge, mich wieder zum Wesentlichen zu bringen. Und dann schreibe ich nicht über Schlafmangel und Pickel und Milchflecken oder über Ehekrisen. Sondern dann schreibe ich über Kindersprüche und Frühlingsgefühle und Bruderliebe.

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Update: Gewichtszunahme

Vielen Dank!

Vielen Dank für eure Reaktionen auf meinen letzten Beitrag! Wir waren wirklich überrascht. Es gab Whatsapp-Nachrichten, Anrufe, die ersten Flaschen-Spenden und Besuche, besorgte E-Mails und beruhigende Kommentare. Wir wissen, dass wir jeden von euch nachts aus dem Bett klingeln und um Hilfe bitten könnten!
Das alles hat uns sehr gut getan.

Am Tag danach wollte ich Liam nur schnell zur Kita bringen, 500m Fußweg! Ich war eine Stunde später wieder zuhause, weil ich hier und da angesprochen wurde und gefragt wurde, wie es uns geht. In der Kita, auf dem Weg und sogar bei Lidl an der Kasse traf ich eine Mama aus der Schule.

Vielen Dank, euch allen Müttern, die durch ähnliche Zeiten gegangen seid oder gerade geht. Wir sind nicht allein!
Euer Zuspruch tut gut.

Vielen Dank unseren Familien und Freunden für euer Nachfragen und an-uns-denken, für eure Gebete für Jari!

Ich bin außerdem wirklich dankbar, dass wir uns keinen einzigen negativen Kommentar wie „Ich hab mir sowas schon gedacht.“ oder „Der ist aber auch wirklich mager.“ durchlesen oder anhören mussten. Danke.

Danke für Freundlichkeit und Rücksicht in „meinem Internet.“

***

Heute Nachmittag war ich auf einem Klassentreffen.
Jari schlief die ganze Zeit in der Manduca. Ich fuhr später nachhause, als geplant und hatte keine Zeit, im Auto zu stillen, weil ich nicht genau wusste, wann die Hebamme bei mir sein würde. Wir tankten noch und ich schrieb ihr, dass ich gegen 19:30 zuhause sein würde.
Erst auf den letzten Metern fing Jari an zu jammern und ich schaffte es, vor der Hebamme da zu sein und ihn ordentlich abzufüllen.

Und so kann ich euch mitteilen, dass Jari schon über 100g zugenommen hat! Tadaa!

Ab sofort braucht er nicht mehr 5-6 Fläschchen am Tag, sondern nur noch 3. Und die machen wir dann aber ein bißchen voller.

Wir haben uns an das Flaschen-Gedöns mit allem Zubehör gut gewöhnt. Ich ziehe es jedoch vor, das zuhause zu machen und plane meinen Tag so. Es war gar nicht so einfach für mich, diese 5-Mal-am-Tag-eine-Flasche-Zeiten einzuhalten. Ich brauchte viel Zeit und Ruhe zum Stillen und die Zeit verging so schnell – aber ich kann weiter stillen! Jari schlief wieder gut – das hat den Rhythmus zusätzlich gesprengt. Ich bin absolut keine Struktur-Freundin. Ich stille nach Bedarf, nicht nach Zeit.
Aber es scheint zu funktionieren. Jari strahlt uns mit seinen rundlicheren Bäckchen an, er strampelt und pupst, er schaut zufrieden und schläft gut. Wir sind sehr glücklich.

Leider wieder nur ein Schlaf-Foto – aber eins mit Bäckchen!!

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Mit Baby im Krankenhaus

Es gibt ja so Dinge, die möchte man als Mutter nicht hören, nicht sehen, nicht entscheiden und nicht erleben. „Bitte gehen Sie heute noch mit Ihrem Baby ins Krankenhaus!“ ist zum Beispiel so ein Satz, den man nicht hören möchte. Gar nicht.

Ich hatte gestern mit Jari einen Termin beim Kinderarzt, um die erste Impfung abzuholen. Die Ärztin betrat das Zimmer, sah Jari dort liegen, bat die Schwester, ihn zu wiegen und dann sagte sie: „Bitte gehen Sie heute noch mit Ihrem Baby ins Krankenhaus!“

Es ist ja kein Geheimnis, dass Jari – und seine Brüder – nicht gerade die Kilos sammeln. Uns war bewusst, dass er sehr klein und leicht für sein Alter ist. Das liegt in der Familie und bei voll-gestillten Babys macht man sich ja auch erstmal keine Sorgen.
Ich möchte betonen, dass wir Jari für altersgerecht entwickelt und gesund und munter halten und ihn keine Sekunde aus den Augen gelassen haben.
Heute hätten wir einen, wahrscheinlich letzten, Kontroll-Termin mit der Hebamme gehabt und wahrscheinlich hätte auch sie festgestellt, dass Jari Gewicht verloren hat. Und auch sie hätte uns, mit ein bißchen weniger Panik, darauf hingewiesen und uns dann beratend zur Seite gestanden.

Die Kinderärztin sah jedenfalls gestern, dass Jari abgenommen hatte und weniger wog, als andere Neugeborene. Und ohne noch viel zu untersuchen, bat sie uns, ins Krankenhaus zu fahren. Sie kennt Jaris Brüder und weiß, dass ich alle gestillt habe. Sie weiß, dass in den Familien keine Schilddrüsen- oder Stoffwechsel-Erkrankungen vorliegen. Nur Gewichtsabnahme ist nicht lustig. Das sah ich auch so.

Noch auf dem Parkplatz telefonierte ich mit der Hebamme. Ich wollte einerseits ihre Meinung, ich wollte, dass sie mich ein bißchen beruhigt und ich wollte, dass sie Bescheid weiß. Ohne meine Hebamme wären die letzten Stunden ganz anders verlaufen.
Sie packte ihre Tasche und kam sofort zu mir. Die Sache mit dem Krankenhaus konnte sie auch nicht ändern, die Kinderärztin hatte uns dort schon angemeldet. Die Hebamme sah auch, dass Jari abgenommen hatte und sie schloß aber ernste Erkrankungen oder einen Organschaden aus. So empfahl sie uns, jetzt doch zuzufüttern.

Wir fuhren zu einem Rossmann und zum allerersten Mal im Leben, zum ersten Mal seit 7 Mama-Jahren stand ich vor dem Regal mit dem Milchpulver. Das kann einen schon gut durcheinander bringen. Die Hebamme hatte mir aber auch da einen Tipp gegeben. Ich kaufte noch eine Flasche und sprang zurück ins Auto.
Wir holten Emilian von der Schule ab, aßen Mittag und bereiteten das erste Fläschchen unseres Lebens vor.

Erfahrene Flaschen-Mütter werden jetzt lachen, aber ich habe mir jedes Wort auf der großen Packung durchgelesen. Wir testeten ordentlich die Temperatur und hielten Jari die Flasche hin. Er zögerte eine halbe Sekunde – und dann trank er die Flasche in einem Zug leer!

Das war ein komischer Moment für mich.
Einerseits war ich so dankbar für diese Milch und ich wusste, dass er nun eine ordentliche Portion warmer Mich im Bauch hatte. Aber andererseits…
Habe ich mein Kind hungern lassen?
Waren seine Bauchschmerzen nie Koliken, sondern immer Hunger?
Warum habe ich nicht gemerkt, dass er so abgenommen hat?

Nachdem er die Flasche leer getrunken hatte, lag Jari in seinem Wipper und schaute einfach nur ganz ruhig und zufrieden vor sich hin. Wir packten ein paar Sachen fürs Krankenhaus und fuhren los.

Nach der Anmeldung warteten wir eine ganze Weile. Jari schlief und ich las den großen Jungs vor. Als mein Mann gerade mit den beiden fahren wollte, wurden wir aufgerufen. Jari wurde ein bißchen untersucht, er bekam einen Beutel in die Windel geklebt, damit sein Urin untersucht werden konnte, mir wurden ein paar Fragen gestellt und dann sollte ich auf die Oberärztin warten.

Vorher machte ich mir Sorgen, wie Jari die Untersuchungen verkraften würde. Es war von Blutabnahme und anderen Kontrollen die Rede. Ich nahm mir vor, ganz selbstbewusst immer an seiner Seite zu bleiben. Aber die Sorgen waren unbegründet. Ich durfte Jari tragen und stillen, wann ich wollte. Ich durfte ihn an- und ausziehen und ständig überwachen.
Weil wir doch über Nacht bleiben sollten und die ganzen Untersuchungen wahrscheinlich Tage dauern würden, fuhr mein Mann dann nachhause.

Nach über einer Stunde kam kurz nach 17:00 Uhr eine freundliche Ärztin. Sie sah Jari kurz an, überprüfte die Aufzeichnungen des ersten Arztes und sagte: „Stillen Sie? Wahrscheinlich kriegt er nicht genug. Wir machen mal eine Stillprobe und wiegen ihn vor und nach dem Stillen und dann können wir uns die anderen großen Untersuchungen vielleicht sparen…“

Sie telefonierte mit der Kinderstation, bat um ein Zimmer mit Beistellbettchen und brachte mich höchstpersönlich nach oben, statt einen Krankentransport zu rufen. Das führte zwar dazu, dass keine der Schwestern wusste, dass und warum ich da war – aber ich wurde von allen sehr freundlich behandelt.

Ich muss ja sagen: Dieses Gefühl, mit einem Baby im Krankenhaus zu sein, ist nicht schön.
Das kalte, spärlich eingerichtete Zimmer wurde zwar schön vom Sonnenlicht geflutet – aber irgendwie war ich einsam (mein Buch lag im Auto) und angespannt und verunsichert. Jaris Weinen hallte schrecklich in dem Raum, ich hatte keine Hausschuhe und konnte nicht alleine aufs Klo.
Später bekam ich Krankenhaus-Abendbrot und zwei Flaschen Wasser, eine kurze Einweisung in die Station und dann war ich alleine. Ich stillte Jari, schrieb an die Familie, aß meine Brote und stellte mir vor, ich wäre im Hotel…
Die Hebamme rief wieder an und sagte, dass sie am nächsten Morgen vorbeikommen würde. Sie sagte, wir sollten versuchen, uns zu entlassen.

Mein Mann fragte, was er bringen sollte und kam etwas später mit einer Tasche und den Jungs vorbei. Er fragte nach den neuesten Entwicklungen: Nichts war bis dahin passiert.
Mein Mann mag Krankenhäuser noch weniger als ich und diese Ungewissheit erst Recht nicht. Und wo mein Instinkt gerade etwas verunsichert war, sah er viel klarer, dass wir hier nicht sein müssten, schon gar nicht über Nacht. Er suchte dann die Schwestern und tatsächlich wussten sie gar nichts von der Stillprobe. Das änderte sein Bild von Krankenhäusern natürlich nicht.
Dieses Untergewicht liegt in der Familie und mehrere Ärzte und Schwestern hatten uns bestätigt, dass dem Kind nichts fehlt – ausser Futter. Auch die letzten beiden Schwestern, mit denen wir sprachen, dachten so. Es stellte sich heraus, dass die Ärztin gern 24 Stunden lang das Stillen beobachtet hätte. So lange wollte ich nun wirklich nicht dort bleiben – Hotel hin oder her.

Wir machten eine Stillprobe. Es war 20:00 Uhr und die Kinder lagen auf meinem Bett und schauten Kinderfernsehen ohne Ton. Als Liam schon wieder aufs Klo musste (er liebte dieses große Klo nebenan), bat er uns, den Film anzuhalten. Das sind Kinder, die kein Fernsehen kennen.

Ich fragte mich, wie es wohl sein muss, länger, viel länger mit Kleinkind im Krankenhaus zu sein. Immer wieder warten und hoffen und Zeit totschlagen. Die Keime lauern überall und alles ist so fremd… die Geschwister warten zuhause und müssen Mama besuchen kommen.

Nachdem das Wiegen ergeben hatte, wie wenig Jari getrunken hatte, entließen wir uns gegen ärztlichen Rat. Wir sagten, dass die Hebamme uns gut betreute, dass wir bereits Flaschennahrung gekauft hätten und dass wir sofort wiederkommen würden, sollte Jari weiter abnehmen.

Er trank am Abend genauso schnell das zweite Fläschchen leer und die anderen drei Männer der Familie freuten sich, nun auch „stillen“ zu dürfen. Fünf bis sechs Mal am Tag bekommt er eine Milchflasche nach dem Stillen und die Brüder reißen sich darum, sie für ihn zu halten.

Und ich war so froh, heute Morgen in meinem eigene Bett aufzuwachen!

Liam durfte Jari heute Morgen die Flasche geben und er war so stolz. Dann blieb Jari bei Papa und ich brachte Liam in die Kita. Jari wirkte zufrieden. Er lächelt wieder öfter, liegt ruhig da und schaut uns zu. Das ging vorher auch, aber nicht immer so einfach. Sein Bauch wird langsam runder und er sieht gut aus.

Ich werde weiter stillen. Das möchte ich unbedingt. Jari bekommt die Flasche erst nach dem Stillen.
So glücklich und dankbar ich für die angerührte Milch bin – ich finde es komisch und unbekannt. Ich werde jetzt keine Grundsatzdiskussion beginnen. Stillmütter finden das mit den Fläschchen aufwändig und Flaschenmamas können sich nicht an das Stillen gewöhnen. So wird es wohl immer sein. Wir kennen jetzt ein bisschen beides. Wir messen und schütteln und kochen ab – und genauso setze ich mich auch einfach hin und stile. Für die Brüder ist die Flasche ganz toll, und nachts im Bett bin ich dann glücklich, dass ich stillen kann.

Die Hebamme notierte heute Morgen schon eine ordentliche Gewichtszunahme. Sie gab mir außerdem so etwas wie eine Magensonde, mit der Jari beim Stillen die Flasche leer trinken kann. Sie sagt, ich soll Möhrensaft und Kräuterblutsaft (und überhaupt genug) trinken, um das Aufpäppeln zu unterstützen. Am Samstag Abend kommt sie wieder.

Ich bin froh, dass Jari „schon“ 3 Monate alt ist und wir nicht mehr um sein Überleben fürchten müssen, sozusagen. In ein paar Monaten könnten wir theoretisch schon mit den Breien anfangen. Ich bin froh, dass dieser Schreck gestern genauso schnell vorbei war, wie er angefangen hat. So lange es geht, stille ich ihn und genieße das kleine warme Bündel neben mir im Bett und bin sehr froh, dass es ihm gut geht!

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Ostern und so.

So flink, wie andere Blogger-Mütter, die jeden ihrer Feiertage bereits am Abend zusammenfassen können, bin ich nicht. Oder vielleicht doch. Aber ich habe ein Baby. Und ich habe Schnupfen. Und ich habe einen Mann, der mit unserer Serie auf mich wartet. Also gehörten die freien Abende dem Mann, dem Baby und dem Schlaf.

Vom Wetter hat es sich in Berlin zwar manchmal eher nach Weihnachtsfeiertag angefühlt, aber wir hatten sehr schöne Osterferien! Viel Familie, viel Ausruhen, Gottesdienst, Lego-Vormittage, Osterfrühstück und Geschenke.

Zwischendurch baten mich die Jungs sogar… na gut, sie jammerten darüber, dass sie nicht genug Zeit zum Spielen haben. Aber echt: Es fehlte ja auch eine halbe Ferienwoche!
Und weil wir heute wegen des Wetters nicht in den Zoo konnten, wurde ein richtiger Gammeltag daraus. Mit laaange Ausschlafen, mit Lego bauen, Hörspiele hören, Hausaufgaben nachholen, kneten, malen, Wäsche aufhängen und so eben.
Ganz nebenbei redete ich mit Liam über Tage und Wochen und Monate und Jahre und so. Er sah sich einen Kalender an und stellte schlaue Fragen. Auch ganz nebenbei hat er übrigens Lesen gelernt…

Jetzt liegen die Jungs in ihren Betten und werden wahrscheinlich – wie es seit jeher am letzten Ferientag so üblich ist – gegen 22:00 Uhr einschlafen.

Die Jungs hatten eine Übernachtung bei ihrem Baby-Cousin und seinen Eltern. Zusammen verbrachten sie einen Nachmittag am See, grillten und genoßen das Leben.
Danach – krasses Gegenprogramm – verbrachten wir den letzten Tag unserer Jahreskarte im Legoland. Trotz Ferien war es nicht zu voll und es hat uns gut gefallen.

Bei meinen Eltern lernten wir unseren anderen Baby-Cousin kennen und hatten das volle Programm Großfamilie: Eltern, vier Kinder, fünf Enkel-Söhne. Das wird ein Spaß in den nächsten Jahren!

Wieder wegen Wetter ließen wir auch das Osterfeuer ausfallen. Ich bereitete viel fürs Osterfrühstück in der Kirche vor und genoß es, endlich wieder zu backen! Am Sonntag luden wir spontan zum ersten Mal eine befreundete Familie nach dem Gottesdienst ein. (Ich weiß, dass sie das lesen, deswegen schreibe ich, wie toll diese Familie ist!) Sie hatten nach dem Gottesdienst nichts vor, wir auch nicht, das Wetter war mal wieder unberechenbar – und so kamen sie mit ihren drei Kindern einfach mit. Das süße Baby ist 4 Tage jünger als Jari und die anderen beiden sind 4 und 2. Alle vier großen Kinder spielten wunderbar ruhig im Kinderzimmer und wir saßen mit den Babys im Wohnzimmer und redeten. Für ein sehr spontanes Treffen, von dem wir Frauen unsere Männer so halb überzeugen mussten, ohne dass die es merken, war es wunderbar schön und entspannt.

Am Ostermontag wurde das Familientreffen leider auch wieder wegen Regen von draussen nach drinnen verschoben und wir machten die Kinder mit einem Besuch im Indoor-Spielplatz Potsdam glücklich.

Emilian bekam ein Buch von seiner Amazon-Wunschliste, das wir gleich auf der Rückfahrt nach Berlin lasen. „Wir sind nachher wieder da, wir müssen kurz nach Afrika.“
Eine ganz, ganz tolle Geschichte über Geschwisterliebe, Phantasie und einer Sehnsucht nach Afrika. Eine Freundin hatte uns zur Einschulung zwei andere Bücher von Oliver Scherz geschenkt mit den Worten: „Der schreibt so toll, dass auch das Vorlesen richtig Spass macht!“ Und so ist es auch!

Liam bekam endlich sein geliebtes Buch vom wilden Wombat und war so glücklich! Unser meist-ausgeliehenstes Bücherei-Buch. Obwohl beide Jungs – oder wir alle eigentlich – schon mitsprechen können, macht das Vorlesen viel Spaß! Immer wieder.

Morgen, ganz früh, sind die Ferien vorbei und der Alltag wird beginnen. Wir freuen uns drauf!

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12 von 12 im April

Nachdem Jari gestern wieder Bauchschmerzen hatte, die ihn nicht schlafen ließen, hatte er heute einen fröhlichen Tag und schlief gut und lachte und strampelte. Schön!
Gerade wollte ich mich hinsetzen und einen Eintrag schreiben, den ich schon ’ne Weile vorbereitet habe. Nämlich darüber, warum ich auch nicht besser bin als andere und dass mein Alltag genau so chaotisch und frustrierend sein kann, wie der jeder anderen Mama. Und was den Unterschied macht.
Aaaaber dann fiel mir ein, dass ja heute irgendwie der 12. ist. Und natürlich habe ich brav Fotos gemacht. Also kommen die jetzt – und der andere Beitrag vielleicht nach Ostern.

1. Am Morgen finde ich im Internet ein paar Tipps für Eltern zum Fotografieren mit dem iPhone. Wie passend.

 

2. Eine Freundin schickt mir ein cooles Foto von Sonntag, als sie mit Liam im Kindergottesdienst war.

 

3. Beim Frühstück sehen wir zwei Eichelhäher im Garten. Ihr seht sie wahrscheinlich nicht…

 

4. Am Vormittag besuchen wir meine Freundin. Am 12.4.2014 habe ich auch den Tag mit ihr verbracht. Damals war das Wetter viel besser. Damals hatten wir beide zwei Kinder, nun sind es insgesamt sechs.

 

5. Obst für alle Kinder.

 

6. Wir Mamas quatschen in der Küche, während sich nebenan Ritter, Ninjas, Spider-Man bekämpfen.

 

7. Hach!

 

8. Ich probiere einen neuen Kuchen. Jari liegt ja lieb und süß neben mir im Wagen und ich habe es vermisst, zu backen.

 

9. Noch dazu teste ich einen Tassenkuchen aus der Mikrowelle. Super schnell und wirklich nicht schlecht.

 

10. Und mit diesem Ergebnis und einer Tasse und ein paar Porzellan-Stiften entstand ein kleines Geschenk.

 

11. Die beiden großen waren in der Zeit mit Oma und Opa im FEZ Berlin. Mit süßen Osterbasteleien kamen sie zurück.

 

12. Am Abend musste dann das Kinderzimmer dran glauben.  Boah, wie mich das nervt. Nach Ostern ist großes Aussortieren dran!

Jari schläft immernoch und ich überlege jetzt, noch schnell ein bißchen Sport zu machen. Auch wenn das Frühlings-Wetter sich Zeit lässt – Babyspeck muss ja nicht sein.

Bei Caro sammeln sich alle „12 von 12“-Einträge von heute. Guckt doch mal vorbei!

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