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Die Sache mit der glücklichen Mutter

Wenn ihr jetzt bei uns vorbei kommen würdet, würdet ihr dieses Bild sehen:

Mama sitzt draussen in der Sonne und bloggt.
Jari liegt neben ihr im Kinderwagen und schläft.
Die beiden Großen sitzen im Wohnzimmer und malen.
Neben ihnen steht ein voller Obstteller.

Das ist wieder das „Heile Welt“-Bild, dass zu uns passt, oder? 😉

Aber die Realität sieht anders aus.
Normal. Schmutzig. Ehrlich.
Wie bei allen anderen Familien auch.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter

Kennt ihr schon von mir.

Auch, wenn meine Kinder gerade friedlich nebeneinander sitzen bzw. schlafen und ich in der Sonne sitze, haben wir Stress, Streit und Sorgen. Auch, wenn ich übe, schöne Fotos zu machen, tobt auf der Seite hinter der Kamera das Chaos. Glaubt mir das.

Ich bin nämlich heute an Tag 3 von 5 ohne Papa. Dazu ohne Auto. Und fast ohne Geld.
Mein Mann klettert mit 160 anderen Männern durch schottische Berge. Ich bin sehr stolz auf ihn und werde euch mehr erzählen, wenn ich mehr weiß. Falls. Zu dem Wochenende gehört nämlich, im Vorfeld fast nichts darüber zu wissen. Handys sind auch nicht erlaubt und so sind das die ersten Tage in unserer 12jährigen Beziehung, in denen wir absolut nichts voneinander hören. Also mir fehlt er.

Ich werde euch mal erzählen, was noch so zu unserer „Heilen Welt“ gehört:

– Um mich herum stehen zwei volle Wäscheständer. Die dritte Maschine läuft.

– Der Küchenboden ist so unglaublich dreckig. Seit Tagen Wochen nehme ich mir vor, ihn zu putzen. Die jährlichen Ameisen in der Küche waren nur kurz da. Wahrscheinlich ist es selbst denen zu eklig.

– Am Morgen wurde ich mit kleinen scharfen Patschern ins Gesicht geweckt. Das Baby fand, es sei Zeit zum Aufstehen. Als ich dann endlich aus dem Bett kam, war die Windel so voll, dass ich Jari erstmal in die Wanne setzen musste.

– Weil wir uns nicht auf ein Frühstück (Brot, Müsli, Pancake) einigen konnten, schlug ich Crêpes vor. Emilian erinnerte sich sofort an Korsika, da gab es Crêpes mit Erdbeeren und Nutella. Weil wir aber keine frischen Erdbeeren hatten, fragte ich die Jungs, ob sie zum ersten Mal allein schnell zu Lidl gehen wollte. (Ich hatte nämlich noch den Schlafanzug an…) Liam war sofort begeistert und hatte in einer Sekunde die Schuhe an. Emilian zögerte sehr, aber weil Liam unbedingt wollte, ging er mit. Klappte alles wunderbar. Seitdem fragt Liam im Minutentakt, ob ich nicht noch etwas von Lidl brauche..

– Wir machten uns also ein schönes Frühstück.
Die Kinder waren sehr begeistert!
Zur Realität muss ich jetzt aber auch die verbrannten Finger, den Zucker überall und das Nutella-Baby (frisch gebadet, ihr erinnert euch) erwähnen.

 

– Nach dem Essen schickte ich die Jungs nach draussen. Wir hatten nämlich gestern zusammen Erdbeeren eingepflanzt und die sollten sie nun gießen. Jari brauchte wieder eine neue Windel und die volle, volle Windel fiel mir vom Wickeltisch. Offen. Auf den Teppich.

– Danach wollte ich duschen gehen. Ich wies die Jungs genau an, auf Jari zu gucken, nahm ihn aber dann doch lieber mit ins Bad. Man kann nie wissen. Jari tappelte also im Bad zwischen Zahnbürsten und Klobürste hin und her und ich beobachtete ihn. Zweimal musste ich kurz rausspringen, um schlimmeres zu verhindern.

– Passend zum Thema:
Vor ein paar Tagen saßen eine Freundin und ich gerade gepflegt bei Kaffee und Kuchen. Stellt euch zu dem „gepflegt“ vor, dass vier große Jungs um uns herum sprangen und mit Waffeln, Erdbeeren, Puderzucker und Sahne um sich warfen. Inmitten dieser Kaffeetafel fiel nicht auf, dass Jari gar nicht da war und in diesem Moment kam er mit der Klobürste in der Hand um die Ecke.

– Am Donnerstag holte ich Liam und einen Freund ab, während seine Mama unsere beiden Großen aus der Schule abholen sollte. Ich spielte mit den beiden Kindergartenkindern und Jari im Garten, als die Mama schrieb: „Ich kann sie nicht finden.“ Der Schulhof ist groß und unübersichtlich, ich machte mir erst keine Sorgen, aber sie waren nicht da. Nicht bei ihnen, nicht bei uns, nicht auf dem Weg.

Hatte ich nicht erst vor ein paar Tagen hier geschrieben, dass ich nie wieder ein Kind suchen wollte? Ich mag dieses beklemmende Gefühl überhaupt nicht. Und ich hatte hier die drei Kleinen und kein Auto, mein Mann war ohne Handy im Flugzeug – und konnte nichts tun, ausser Gott zu bitten, alles gut werden zu lassen.
Währenddessen wollten die beiden Kita-Kinder losgehen, den Großen entgegen und Jari war gerade dabei, den Ameisenköder in den Mund zu stecken zu entdecken. Inmitten allen Chaos schrieb sie dann: „Ich hab sie! Sie hatten eine Stunde früher Schluss und sind zu unserer Nachbarin gegangen.“
Ihr könnt euch vorstellen, was uns beiden Mamas durch Kopf und Herz ging.

– Liam fiel gestern in seinem Hochbett nach Bettgehzeit eine Treppenstufe herunter und verletzte sich ein bißchen am Fuß. Heute, ganz nebenbei, beichtete er mir, dass er mich angelogen hatte. Er war gar nicht zur Treppe abgerutscht, sondern er war verbotenerweise noch auf dem Hochbett herumgeklettert und dabei abgerutscht.

– Ich nahm mir letzte Woche vor, an diesen vier freien Abenden endlich mal wieder alleine meine Netflix-Serie weiterzugucken. Mit Wein. Auf der Couch.
Haha!
Die Realität ist, dass ich am Donnerstag nach 22:00 Uhr noch Muffins für unser MOPS-Treffen machte und danach noch ein Überraschungspaket für eine Freundin packte, das unbedingt weg musste. Der Wecker am nächsten Morgen klingelte um 6:30 Uhr und ich war sehr froh, dass Emilian von der Oma zur Schule gefahren wurde. Das hätte ich mit drei Kindern nicht so locker geschafft.

Ihr seht: Alles ist ganz normal!
Wirklich.

Wir hören Hörspiele und singen zusammen – aber wir schreien uns auch an.
Wir pflanzen zusammen Blumen ein – aber wir knallen auch mit den Türen.
Wir essen leckere Obstteller leer – aber es gibt auch ungesundes FastFood zu ungesunden Zeiten.
Wir üben Kopfrechnen und 1×1 – aber wir vergessen auch Diktate und Hausaufgaben.
Wir spielen lange und laut draussen im Garten – aber wir laufen auch mit dreckigen, nassen Füssen über helle Teppiche.
Wir lieben uns – und wir streiten uns.

Manchmal möchte ich weinen.
Manchmal möchte ich laut loslachen.
Manchmal möchte ich mit der Hand auf den Tisch schlagen.
Manchmal möchte ich High Fives an die Jungs verteilen.

Inzwischen ist der Obstteller leer, die Kinder trampeln mit Gartenfüßen durchs Kinderzimmer.. oder durch unsere frisch bezogenen Betten, ich muss Wäsche abhängen, damit die nächste Platz hat und ach ja.. wollte ich nicht ein paar Bücher für meine Doula-Weiterbildung lesen?

Habt einen schönen Samstag-Nachmittag!

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Dankbarkeit zu Weihnachten

Weihnachten ist vorbei!
Dieses schöne Fest, auf das wir so lange gewartet haben, liegt schon wieder hinter uns.
Wir genießen die ruhigen Ferientage, wir werden gesund und probieren neue Geschenke aus. So eine schöne, entspannte Zeit, in der Uhrzeit und Wochentag völlig egal sind.

****

Unsere Geschenke lagen schon ab dem 22. Dezember unter dem Baum. Ich hatte immer mal wieder etwas für die Kinder gekauft, rechtzeitig alles verpackt und die geheime Tüte wurde voller und voller..

Als dann jedoch die Geschenke unter unserem Weihnachts…busch lagen, erschrak ich, wie klein und verloren sie dort aussahen. Und mich überkam ein schlechtes Gewissen.

Ich bin die Mutter, die ihren Kindern keine großen Geschenke kaufen kann.
Ich bin die Mutter, die nur Praktisches schenkt.
Ich bin die Mutter, deren Kinder ihre Geschenke an einer Hand abzählen können.

In solchen Momenten nervt mich das fehlende Geld am allermeisten. Warum haben andere Menschen immer genug Geld? Warum müssen andere Menschen nicht die Geschenke dreimal rumdrehen und sich schweren Herzens entscheiden, die Hälfte doch nicht zu kaufen? Warum muss ich meinen Kindern so oft „Aber wir haben gerade leider nicht genug Geld…“ sagen?

Meine Jungs blättern gern die Spielzeug-Kataloge durch und kreuzen sich Lieblingsspielzeuge an. (Vielleicht sollte ich ihnen die Zeitschriften einfach nicht geben?) Und sie haben Wunschzettel geschrieben oder uns erzählt.. das waren schöne Wünsche kleiner Jungen.

Es gibt da zum Beispiel diese Geschenke, die niemals langweilig werden, die die Kreativität fördern, die sich gut teilen lassen und die hundert Jahre halten. LEGO gehört dazu. Oder Holz- oder Magnet-Bausätze. Wunderbar.

Und dann gibt es Geschenke, die zu nichts anderem so richtig passen, die rumfliegen, die laut sind, die kaputt gehen, die nerven und niemand im Leben weiter bringen, die zerbrechen und irgendwann im Müll landen.
Mögen diese Dinge noch so toll leuchten oder piepsen – oder mögen alle anderen Menschen auf der Welt sie haben – inzwischen kann ich da meinen Kindern ganz gut sagen, dass ich so etwas nicht schenken möchte und warum.
Eine Kindheit, das Kinderzimmer und mein Geld sind mir zu schade für buntes Plastik.

Ich weiß, dass praktische Geschenke, wie Kleidung oder neue Stifte vielleicht mit einem Augenrollen oder einem schüchternen „Danke?“ entgegengenommen werden, aber eigentlich auch gut ankommen und geliebt werden. Und ich als Mama werde immer Bücher schenken. Bücher sind toll!

Glücklicherweise gibt es dann noch die Verwandschaft, die Weihnachtspakete schickt und Wünsche erfüllt – und natürlich sind die Kinder am Ende der Feiertage immer überfüllt und satt und glücklich.

Nur.. als ich da unser Weihnachtshäufchen sah, war ich etwas angespannt, was unseren Weihnachtsabend zu fünft betraf.

****

Und dann war es so schön!

Die Aufregung der Kinder hielt sich kaum noch in ihren kleinen Körpern, als wir uns nach dem Gottesdienst um 18:00 Uhr an den Tisch setzten, um Kartoffelsalat mit Würstchen zu essen.

Durch die Glastür schimmerte das Licht des Weihnachtsbaumes in die Küche und alles war so feierlich.

Gemeinsam gingen wir ins Wohnzimmer und setzten uns auf die Couch. Wir hörten ein klassisches Stück, was auch schon zu meiner Kindheit immer den Heiligen Abend eingeläutet hatte. Emilian ließ zwar ein kleines „Echt jetzt??“ hören, aber die 4 Minuten Stille und knisternde Aufregung hielten wir aus.

Während mein Mann dann die Weihnachtsgeschichte aus der Bibel vorlas, merkte ich, dass Jaris Windel übervoll war und bereits auslief.
Ganz un-feierlich also legte ich ihn auf den Teppich, wickelte ihn, zog ihn komplett neu an und – wie auch in der echten Weihnachtsgeschichte – brachte ein Baby den Plan durcheinander. Als mein Mann fragte, ob einer von ihnen noch beten und Jesus zum Geburtstag gratulieren wollte, konnte ich kaum glauben, dass beide Jungs das dann mit ganz lieben Worten taten.

Dann war es endlich soweit und die Jungs durften ihre Geschenke auspacken. Und sie jubelten, sie waren so dankbar und zufrieden. Ein- oder zweimal sagten sie tatsächlich: „Das hab ich mir schon immer gewünscht!“
Selbst ein Pullover wurde gelobt – und ich weiß nicht, ob sie das schon mir zuliebe taten.

Jari durfte zur Feier des Tages ein halbes Gummibärchen lutschen und unser Glück teilend tapste er fröhlich schmatzend um uns herum.

Und dann ist es so, wie es bei uns an Weihnachten wahrscheinlich immer sein wird. In einem kurzen, heftigen Sturm werden die Geschenke ausgepackt und bejubelt – und dann sitzen sie über ihren LEGO-Paketen und bauen. Und es tritt Stille ein. Lange Stille.

Der Abend verlief glücklich und ruhig – und ich war dankbar über ihre Dankbarkeit.
Zwischen meinen Gedanken „Weniger ist mehr! Und unser Haus ist viel zu voll!“ – und – „Aber ich schenke ihnen doch so gern etwas!“ habe ich wahrscheinlich eine gute Mitte getroffen.

****

Den 25. Dezember verbrachten wir mit der Familie meines Mannes und am späten Nachmittag fuhren wir weiter zu meiner Familie. Die Geschenke ließen wir unter dem Baum liegen. Gestern kamen wir spät abends nachhause – und heute, endlich!, durften die Jungs einfach sein und spielen.

Wir haben neue Bücher vorgelesen, LEGO gebaut, das neue Spiel „Spinderella“ gespielt und Emilian ist für mehrere Stunden in seine fast zu spannende Hörspielbox vom „Schlunz“ versunken.

Ich habe zwei ganz tolle neue Backbücher bekommen und nachdem wir eine Reihe sehr spezieller Zutaten besorgt hatten, traute ich mich heute an das erste Rezept.
Ich werde in Zukunft sehr viel leckeres Zeug backen. Und ich werde die „Back-Challenge“, die ich vor Jahren mal großzügig angekündigt hatte (Alle Bücher durch-backen), wohl nicht schaffen. Und ich werde nicht mehr sagen können, was jetzt genau mein Lieblingsrezept ist.

Vor uns liegen jetzt noch mehr ruhige Tage.

Ich freue mich darauf, unseren Jahresrückblick für den Blog zu schreiben, wir besuchen meine Oma, wir werden im Spätherbst Winterwetter spazieren und zum zweiten Mal so richtig mit Kindern Silvester feiern!

Ich bin so dankbar, dass meine Kinder dankbar sind – und Dankbarkeit zeigen können. Ich bin glücklich, dass sie kaum Ansprüche haben, sich nicht mit anderen vergleichen. Dass sie teilen und sich mitfreuen können. Dass sie verstanden haben, was unser aller größtes Geschenk an Weihnachten ist!

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Willkommen im Chaos!

Ich habe in einem Ermutigungsbuch für Mütter gelesen, was das Leben leichter macht.
Zum Beispiel: „Sich auf ein Grundmaß von Chaos einstellen und diese Aussicht abenteuerlich und interessant finden.“

Jap. Da bin ich gerade.
Nicht, dass es bisher kein Chaos in meinem Leben gab. Das kann ich nicht behaupten. Aber ein Grundmaß… naja, jetzt ist es wohl soweit.
„Wie ich lernte, das Chaos mit Gottes Augen zu sehen“ heißt das Buch übrigens. Das brauche ich jetzt!

Bevor diese ganze Geschichte mit Jari losging, war mein Leben auch schon unperfekt. Wirklich. Obwohl ich das auf dem Blog und im echten Leben nicht immer an erste Stelle setze.
Wer mich kennt, kennt meinen Grundoptimismus.
Ich suche das Gute und Schöne – und finde es.

Aber jetzt bin ich in einer Zwischenzeit, in der es fast nur um Milch und Pulver und Gramm und Uhrzeit und Wiegen und Füttern und Windel und Stillen geht. Was glaubt ihr, wieviele Tage ich für diesen Eintrag brauchte? Und er hat nichtmal ein einziges Foto. Aber es lohnt sich, bis zum Ende zu lesen!

Das ist grad keine normale Phase. Wir kämpfen um jedes Gramm und alles andere hat nichts mehr zu melden.
Mir geht das sehr auf die Nerven. Jari futtert ohne Ende. Und ich wecke ihn nach Uhrzeit und stille und füttere und noch mehr und noch mehr. Aber das ist nicht normal.
Ich wünsche mir, dass er weiter gesund zunimmt und wir anderen vier wieder einen etwas normaleren Alltag haben können.

Ich weiß nicht, wie ich das ohne meinen Mann schaffen würde!
Er arbeitet von zuhause und stellt mir (und den Kindern) mehrmals am Tag fertiges, warmes! Essen vor die Nase.
Wie auch immer: Wir müssen jetzt da durch und für Jari kämpfen wir.

Für Jari stopfe ich mich mit Essen voll und weine leise meinem straffen Körper hinterher.
Für Jari verzichte ich auf meinen Sport und weine wieder leise.  (Jillian, ich habe dich nicht vergessen!)
Aber: Papa hat Jari eine Flasche gefüttert und ich konnte in die Badewanne! Zum ersten Mal seit hundert Jahren!

***

Bevor diese ganze Geschichte losging, habe ich mal für euch gesammelt, was hier alles so nicht nach Plan läuft. Damit ihr mir das glaubt! Ich brauchte manchmal gar nicht sammeln, sondern konnte tagsüber einfach mitschreiben..

* Nachdem die drei großen Männer eines Morgens in Richtung Schule und Kita verschwunden waren, klingelte die Nachbarin bei mir: „Hier stand eine Schultasche auf dem Gehweg. Das ist doch eure, oder?“

* Liam war vom letzten Friseurbesuch so fasziniert, dass er das kurz darauf selbst mal mit der Schere ausprobierte. An seinen Haaren. Kurz vor dem Kita-Fotografen-Termin.

* Ich habe einer Freundin an einem falschen Tag zum Geburtstag gratuliert. Hallo? Sowas ist mir noch nie passiert. Willkommen, blödes Chaos…

* Zusammen mit den Kindern war ich auf dem Weg zu meiner Oma. Vorher wollte ich noch schnell zwei Päckchen zur Post bringen. Auf dem Parkplatz stellte ich fest, dass ich mein Geld zuhause vergessen hatte. Ich düste nachhause, denn auch mein Führerschein und Ausweis waren im Portmonee. Vor dem Haus schrieb ich meinem Mann, er solle mir mal bitte mein Portmonee nach draussen bringen.
Keine Antwort.
Emilian ging zum Haus und kam zurück: „Ich glaube, Papa hört das Klingeln nicht.“
Ich ging selbst zum Haus und stellte fest, dass ich auch keinen Schlüssel hatte. Geld und Schlüssel lagen also in einer anderen Tasche – und der Mann war nicht da.. Ich konnte dann schnell zu meinen Schwiegereltern fahren, den Schlüssel vom Mann holen, wieder nachhause, meinen Schlüssel holen, den Schlüssel vom Mann in den Briefkasten legen (seinen Briefkastenschlüssel hatte er behalten) und weiter zu meiner Oma fahren…

* Bei uns kippen Becher um. Volle Becher. Mindestens einer in jeder Woche. Und Eier fallen auf den Boden und platzen. Die Kinder unterbrechen mich. Beim Reden und beim Denken. Und beim Schlafen.

* Auf dem Boden liegen Krümel. Und Bonbonpapier. Und Stöcker. Und Steine. Riesige „Schätze“. Und was die Jungs so sammeln…
Ihr glaubt nicht, wie sehr mich das Kinderzimmer aufregt. Dieses auf-Legosteine-treten und nachts über Kinderstühle stolpern kennen wir.

* Ich vergesse Dinge. Oh ja! Innerhalb von Sekunden, das ist gruselig.
Wir steigen ins Auto, ich habe einen tollen Porzellan-Kaffeebecher von Cynthia Barcomi in der Hand. Um alles ins Auto zu packen, stelle ich ihn auf das Dach und dabei denke ich: „Wie krass, wenn ich den jetzt hier stehen lassen würde!“
Das Zeug ist verstaut, wir setzen uns hin und fahren vom Parkplatz, bei der ersten Kurve rumpelt es auf dem Dach, irgendetwas rollt da. Wir sehen uns fragend an. Dann sehr geräuschvolles Einatmen und aus dem Auto springen meinerseits. Auf dem Dach liegt ein Kaffeebecher. Einfach so. Nicht kaputt. Ihr düft euch gern an den Kopf fassen… hab ich auch gemacht.

* Ich vergesse, an den Müll zu denken und jage meinen Mann nachts aus dem Bett, weil die gelben Säcke nicht an der Straße stehen. Ich vergesse die fertige Wäsche in der Maschine. Tagelang. Ich lasse den Kinderwagen (immerhin ohne Aufsatz) nachts draussen im Regen stehen. Ich vergesse, mich bei Freunden und Verwandten für Post oder Geschenke zu bedanken. Ich erzähle meinen Freunden Geschichten, die ich bereits erzählt habe.

* Ich bekam eine Nachricht von einer Freundin. Sie stand auf dem Schulhof und schrieb: „Wer holt heute eigentlich Emilian ab?“
Ich bin ohne Eintrittsticket zum Schwimmbad gefahren und musste auf halbem Weg umdrehen. Ohne meine Erinnerungs-App wäre mein Alltag eine Katastrophe. Und nicht erst seit der Still-Demenz.

* Wir haben Staub auf dem Boden und Flecken auf der Couch. Ich bügele nicht. Nie. Im Garten schießt das Unkraut und Laubhaufen liegen versteckt in irgendwelchen Ecken. Wir kommen zu spät – manchmal. Ich fahre mit blinkender Tankanzeige.

* Meine Kinder machen verrückte Sachen und ich weiß manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen soll:
Wir kaufen sechs Saftflaschen, die so in einer Folie eingeschweißt sind. Emilian schnappt sich sein Schnitzmesser, um die Folie zu entfernen und ritzt eine der Flaschen seitlich auf…

Liam weckt mich mit dem Satz: „Mama, kannst du mal kommen? Mir ist Lego ins Klo gefallen.“
Und nachdem er ins Klo gemacht hatte und auch schon ein bißchen Papier hinterher geworfen hatte, suche ich nach einem kleinen, orangen Legostein. Yeah!

* Wir stolpern manchmal durch den Alltag und schaffen es nicht, die Kinder pünktlich ins Bett zu bringen. Manchmal schaffen wir es nicht, gemeinsam an einem Tisch zu sitzen. Manchmal muss ich mit Jari auf dem Arm um den Tisch wippen, während die Jungs Abendbrot essen.

* Ich bin unzufrieden mit dem Bücherstapel, der immer höher wird. Ich bin unzufrieden mit meinem after-baby-body. Ich bin unzufrieden, mit allem, was ich liegen lassen muss. Ich bin unzufrieden, dass ich es nicht mehr schaffe, Geburtstagskarten oder Geschenke zu verschenken und dass ich es gerade so für eine WhatsApp-Nachricht um 23:50 Uhr schaffe.

Aber:
Ich kann da, wo ich bin, zufrieden sein.
Ich kann mich in jedem Moment entscheiden, gelassen zu sein.
Ich kann mich über so viele kleine schöne Dinge freuen.

Ihr wisst, dass ich das Buch „Tausend Geschenke“ mag.
Unser Alltag ist voll von tausend schönen Kleinigkeiten. Tausend Momente, die mich lächeln lassen, die Gänsehaut bringen oder mein Herz berühren.

Und ich übe es, auch mit den Kindern, diese Moment zu finden. Jeden Abend am Bett fragen wir: „Was hat dir heute am besten gefallen? Über was hast du dich heute gefreut?“
Meine Kinder lieben Sonnenuntergänge und Blüten und Farben und süße Tiere und gutes Essen und tolle Musik, wie ich. Weil wir uns darauf hinweisen. Weil wir innehalten. Weil wir im Alltag diese Momente sehen und genießen.

Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter.

Ich hoffe, ihr habt euch auch amüsiert.
Humor und Optimismus halten uns doch am Leben! Ich kann darüber lachen, über vieles.
Und wenn es drunter und drüber geht, dann helfen diese kleinen Dinge, mich wieder zum Wesentlichen zu bringen. Und dann schreibe ich nicht über Schlafmangel und Pickel und Milchflecken oder über Ehekrisen. Sondern dann schreibe ich über Kindersprüche und Frühlingsgefühle und Bruderliebe.

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