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Aus dem Alltag einer Alleinerziehenden

Hier schreibt eine vorübergehend allein erziehende Mama. Das ist auch der Grund, warum ich euch heute nicht mehr als „Alltags-Szenen“ vor den Kopf werfen kann. Es passiert viel und meine ruhigen Mama-Zeiten sind sehr kurz.

Ich hab lange nichts geschrieben, aber der Blog ist voll.
Blättert euch gern durch alte Kindersprüche , sucht leckere Rezepte oder schwelgt in Erinnerungen aus unserer Zeit in Kalifornien.

Letzteres werde ich zum Beispiel gerade nicht tun…

***

Mein Mann ist am Montag gegen 4:00 Uhr morgens aus dem warmen Bett aufgestanden, hat vier Küsschen an unseren Betten verteilt und ist am Abend gegen 22:00 Uhr unserer Zeit in Los Angeles gelandet.

Wir haben mit flightradar24 seine Flüge verfolgt, das ist ziemlich cool. Jedes Flugzeug, sogar Hubschrauber und Ballons, die gerade weltweit in der Luft rumfliegen, kann man verfolgen. Wir sahen eins über unseren Garten fliegen und fanden dann schnell heraus, dass es von Köln auf dem Weg nach Tegel war. Ich sag ja: Tolle Sache!

Als die Jungs im Bett waren und ich mit der App sah, dass sich mein Mann im Landeanflug gerade über dem Pazifikstrand vor LA befand, war das zu viel für mich. Dass er da ist, ohne uns, macht mich trauriger, als ich dachte.
Inzwischen ist es mehr okay für mich, dass er Fotos von unserer Kirche schickt, dass er komplett 30 Grad und Sonne um sich hat, dass er FrozenYogurt isst und mir Fotos davon schickt, dass er Sonnenuntergänge hinter Palmen sieht… haach nein, so okay ist es doch nicht.
Liam erinnert sich kaum, Jari ist raus – aber Emilian und ich gucken uns an und teilen eine große Sehnsucht.

***

Uns vieren hier geht es aber gut!
Wir haben Tag 2 hinter uns und ich bin zwar müde, wie sonst nie, aber stolz auf uns.
Die Jungs sind so toll!

Ich habe für jeden Abend ein Erpressungs Belohnungs-Geschenk besorgt. Eins für jeden Abend. (Insgesamt acht, mein Plan ist natürlich, dass jeder vier bekommt)
Wer von beiden sich tagsüber, aber besonders am Abend am besten verhält und zuhört und hilft, bekommt das Geschenk.
Gestern war es eindeutig Emilian und Liam sah tapfer beim Auspacken zu. Heute war Emilian am Nachmittag bei einem Freund und ich konnte nicht viel über sein Verhalten sagen. Liam dachte, dass ihm das zweite Geschenk sowieso gehört – aber er war trotzdem so aufmerksam und lieb heute!
Nach der Kita fragte er mich mehrmals, wie denn mein Vormittag so war, wie es mir dabei ging und ob mit Jari alles gut war. Zucker! Oder er sagte: „Mama, wenn du keine Kraft mehr hast, brauchst du nicht traurig sein: Gott ist immer da!“

***

Ich genieße die Ruhe am Abend sehr, besonders vermisse ich aber, mit großen Leuten zu reden. Am Wochenende fahren wir auf ein lang-geplantes und -ersehntes Familientreffen.
Meine Ur-Großeltern väterlicherseits sind der Ursprung und aus diesem Stamm sind wir jetzt ungefähr 120 Personen. Und 100 von ihnen werden an diesem Wochenende zusammen sein.
Ich freu mich auf die Großfamilie und hoffe auf schöne Zeiten für uns – ich bin ja immerhin allein erziehend. Aber Babysitter gibt es genug.

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Jari hat eine lange Zeit mit verstopfter Nase hinter sich und man sagt ja so, dass Babys nach einer Krankheit einen Wachstumsschub machen.
Tja, jetzt ist er also glücklich und gesund, er schläft eigentlich durch und ist noch tausendmal süßer als vorher. Kein Zahn weit und breit in Sicht, aber seine blonden Haare wachsen, seine großen blauen Auge schauen in die Welt, sein Gesicht sprüht voller Schalk, Entdeckerlust und Liebe zu seinen Brüdern, er zieht sich überall hoch und fängt an, an kleinen Tischen oder der Couch erste Schritte zu machen. (Krabbeln kann er allerdings nicht so..) Manchmal möchte ich ihn fast an die Hand nehmen und loslaufen oder ihm ein Glas Wasser an den Mund halten – und dann fällt mir ein, dass er eigentlich erst 8 Monate alt ist. Mein Baby!!

***

Obwohl ich fast immer dieses kleine Baby an mir, unter mir, neben mir oder auf mir habe, schaffe ich ziemlich viel.
Wäsche ohne Ende, sortieren und ausmisten, Nägel lackieren, Mittagsschlaf!, Babybrei kochen, putzen..
Ich habe sogar tadaaa wieder mit meinem Sport angefangen!

An den Abenden hat es (mit oder ohne Mann) einfach nie geklappt. Jetzt habe ich mir drei Vormittage ausgesucht: Montag, Dienstag, Donnerstag. Und ich sitze bereits mit feinem Muskelkater hier auf der Couch.

Nach meinem Shred-Erfolg in 2015 fühle ich mich jetzt einfach wirklich nicht wohl in meinem Körper. Das sich-gehen-lassen passiert so schnell, zu schnell. Und jetzt gibt es keine Ausreden mehr!
– Es ist nicht mehr zu heiß draussen.
– Ich brauche keine Kalorien fürs Stillen mehr.
– Babyspeck nach der Geburt: zählt nicht mehr.
– Ich brauche erstmal keine Bikini-Figur.
– Der nächste Weihnachtsbraten kommt bestimmt.

Also, hopp Mama!
Im Moment macht es Spaß (ich habe eine Fitnesstrainerin gefunden, die nicht ganz so streng wie Jillian Michaels ist), Bewegung im ganzen Körper tut gut und der Muskelkater ist ein gutes Zeichen. Da geht wieder was!

***

Der Alltag in Schule und Kita läuft weiterhin gut und ich bin sehr stolz auf meine Jungs. Das Früh-Aufstehen funktioniert wunderbar, die Kilometer, die wir so täglich zurücklegen (für mich sind es mindesten 5), schaffen sie tapfer, Emilian macht sehr gut Hausaufgaben. Auf Grund vieler fehlender Lehrer hat er einen entspannteren Stundenplan, was uns vor allem morgens sehr Recht ist.
Er ist kameradschaftlich und zuverlässig, einfühlsam und rücksichtsvoll, eine große Hilfe mit Jari und er hat (hab ich schon gesagt) einen ganz feinen Humor. Haach, ich liebe das. Dieser Blick, wenn er mein Wortspiel versteht oder eine lustige Geschichte aus der Schule erzählt.

Es fällt mir nicht immer leicht, für jeden der drei ganz da zu sein. Neben dem Schulkind und dem Baby merke ich gerade, dass ich erst Recht auf Liam aufpassen möchte. Ich sehe inzwischen, wie er meine Aufmerksamkeit sucht und kann ihn oft rechtzeitig auffangen – aber ach, mein kleines Mittelkind. Ich sehe dich!

Liams Gedanken sind sehr tief und wertvoll. Er hat Power ohne Ende, hat eine schöne Phantasie und kann aus ganzem Herzen Feuerwehrmann, Ritter, Arzt, Pokémon-Jäger, Sportler und Rennfahrer sein – alles an einem Tag.
Ich würde sagen, er vermisst seinen Papa am meisten.

***

Wir essen am Abend ein warmes Essen, weil ich das am Mittag einfach nicht schaffe. Gestern habe ich ein Rezept einer Blogger-Freundin ausprobiert. Ganz schnell habe ich Möhren und Kartoffeln geschält und geschnitten, dazu Olivenöl und Pfeffer und Salz – und dann 25 Minuten bei 200 Grad in den Ofen.

Lecker!!! Wir waren so begeistert!
Die Kinder haben sich genau dieses Essen heute nochmal gewünscht. Diesmal durfte noch Süßkartoffel dazu. Mmmh, ist das gut!

***

Und das ist der Stand der Dinge hier.
Jeden Tag schneiden wir auf unserer Liste einen Schnipsel ab und die Liste wird kürzer. Wir kommen dem Treffen mit Papa auf dem Flughafen immer näher – und dann ist unser schöner Familienurlaub auch gar nicht mehr weit weg.

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Hallo April!

Im April werde ich…

… ankommen, packen und räumen!
… viele liebe Menschen wieder sehen.
… in mein altes Leben eintauchen.
… ein bißchen trauern und Sehnsucht haben.
… Ostern mit der Familie und der Kirche feiern!
… zu meiner Schwester nach Dresden fahren.
… an die Geburtstage von vielen Freunden und Schwester, Schwägerin, Schwager, Schwägerin und Tante denken.
… meinen Garten neu entdecken.
… wieder Euro-Geld in der Hand haben.
… meine Läden und meinen Kiez neu entdecken.
… wahrscheinlich frieren.
… Tulpen kaufen.
… mich aber über jeden Frühlings-Sonnenstrahl freuen.
… 30 !

Ein bißchen in eigener Sache:

Wir sind gestern nach gutem Flug mehr als eine Stunde früher, als geplant, in Berlin gelandet. Damit haben wir sämtlichen Freunden einen kleinen Schreck eingejagt und ihre Planung durcheinander gebracht. Letztendlich kamen fast 20 Freunde zum Frühstück vorbei und es war einfach wunderschön, in eigenem Haus wie früher mit lieben Menschen zusammenzusein. So gefällt mir das.

Die beiden Jungs sind erst allein, dann mit sechs Freundes-Kindern im Kinderzimmer verschwunden. Und es sieht dort auch noch so aus, als hätten 8 Kinder… naja.. gespielt. Aber ich hab mich gefreut, Emilian und Liam so zu sehen und hab alle Augen zugedrückt. So wird es hier wahrscheinlich noch ein paar Tage aussehen. Beide Jungs haben sich doch an viel erinnert, aber wir alle entdecken ständig alte Schätze wieder und freuen uns darüber.

Kinderzimmer

Dass es gestern draussen schneite, war der Witz überhaupt und der Unterschied zu Kalifornien hätte größer nicht sein können. Es ist sehr stürmisch und kalt draussen, aber die Sonne scheint. Und das ist schön!

Die Jungs, oder wir alle eigentlich, haben im Flugzeug wenig geschlafen – umso härter traf uns diese Müdigkeit plus Jetlag. Die Kinder hielten gut durch und fielen dann gegen 14.00 Uhr buchstäblich um. Liam schlief im Sitzen am Tisch ein, Emilian brauchte noch zwei Bücher und war weg. Mein Mann legte sich hin und schlief wie ein Stein. Ich wollte mich nicht ins Bett legen, weil ich mich danach oft noch schlimmer fühle. So hielt ich bis 23:00 Uhr durch, aber schön war es nicht. Ich war soo müde!
Unser Ehebett in Amerika war ziemlich hoch, ungefähr Hüft-Höhe. Das IKEA-Malm-Bett kam mir vor, wie ein süßes Maträtzchen. Ich wusste nicht mehr, wie schön hart die Matratzen waren und dieses Gefühl, mich in vertraute, saubere Bettwäsche zu kuscheln und im eigenen Schlafzimmer und auf guten Matratzen und so… unglaublich.

 Unsere 11 Gepäckstücke sind alle zur richtigen Zeit mit uns mitgekommen, was wunderbar ist!
Sie alle liegen geöffnet neben meinem Bett und setzen mich ordentlich unter Druck.
Dazu kommt, dass ich unsere Sommersachen wahrscheinlich wegsortieren muss und irgendwelche Übergangs-Klamotten und Schuhe suchen muss.

Koffer-Explosion

Ich muss ehrlich sagen, dass ich heute morgen schon einen kleinen bis mittleren Überforderungs-Anfall hatte.
Die erste Ankommens-Freude legt sich langsam und ich sehe nur noch Aufgaben.
Aufgaben, die jetzt einfach nach der langen Reise auf mich warten und auch Aufgaben, die ich 10 Monate nicht hatte, wie Garten, Kleiderschränke, Reparaturen, ein Haus sauber halten und so. Da brauche ich wohl viel Kaffee und viel Geduld und viele Freunde und viel Sonne und Musik, um nicht zu ersticken, Echt jetzt.
Einkaufen gehe ich noch nicht.. das wäre dann wohl der Kulturschock.

Uns beiden ist aufgefallen, dass wir ganz schnell alle unsere Sachen an den Platz räumen, an dem sie vor 10 Monaten lagen und dass wir einfach wieder zurück ins deutsche Leben flutschen – und Kalifornien ist sooo weit weg. Das fühlt sich wirklich komisch an. Ich meine, wer zieht denn aus – und zieht 10 Monate später wieder in das alte Haus ein? Sowas kommt normalerweise nicht so oft vor. Für mich ist es neu. Und ich möchte ein bißchen dafür kämpfen, dass mein Leben nicht einfach so wie vorher weitergeht.

Ich habe eben die Müll-Abholtermine aufgeschrieben und mir ist aufgefallen, dass mich die Normalität schon wieder nervt. In Kalifornien gab es einen ganz anderen Alltag für mich. Einerseits mehr Ruhe und nichts-tun – andererseits auch viele feste Punkte. An dem Tag kommen Gäste und an dem Tag die nächsten und dann reisen wir ab. Es gab immer einen Tag, auf den wir uns gefreut oder auf den wir gewartet haben. Und das ist jetzt weg. Nicht, dass ich mich auf nichts mehr freue… aber, ich weiß nicht. Versteht ihr? Es ist alles wieder „normal“. Und das kann ganz schnell langweilig oder erdrückend werden. Denke ich.
Vielleicht sollte ich nicht gleich am zweiten Tag solch eine Bilanz ziehen.

Ich wünsche mir, dass Kalifornien mit allem drumherum für immer in meinem Herzen, in unserem Haus und in unserem Leben bleibt. Ich wünsche mir, dass wir das Gefühl und die Erinnerungen nicht vergessen. Ich wünsche mir, dass wir nicht so tun und handeln und denken und sind, als wäre nichts gewesen.

Frühling

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Was los war. Und was nicht.

Die nächsten „Szenen aus unserem Alltag“ stehen an, ich möchte euch von einem Vorsatz erzählen und jetzt kamen die „12 von 12“ noch dazwischen..
Bevor wir wieder da sind, denn so schnell kann’s manchmal gehen, erzähle ich euch, was hier so los ist. Und was nicht.

 

Der September, Oktober und November waren wilde Monate. Wir hatten perfektes Wetter, wir waren viel in Süd-Kalifornien unterwegs, wir hatten fast immer Gäste, wir hatten Termine und Kinderbetreuung und Verabredungen …

Im Dezember habe ich zum ersten Mal so richtig unser Zuhause vermisst. Ich hätte gedacht, dass 25 Grad und Palmen und Strände die fehlende Weihnachtsstimmung ersetzen können. Können sie aber nicht. Wir hatten Adventskalender und Kerzen und genug Musik.. aber es hat nicht ganz geklappt. Als meine Mama und unsere Freundin am 15.12. wieder nachhause flogen, wurde es zum ersten Mal schwer für mich.

Mein Mann war normal arbeiten und hatte das Auto. Die Kinder waren mit sich und dem freien Zimmer glücklich, weil sie seit Oktober nicht mehr im „Kinderzimmer“ geschlafen hatten. Es wurde kühler und auch früher dunkel. Und ich.. hatte einfach nichts zu tun! Es gab keine Geschenke, die besorgt und eingepackt werden mussten. Es gab keinen Tannenbaum zu besorgen und zu dekorieren. Es gab keine Plätzchen mehr zu backen, weil wir jetzt noch die von der ersten und einzigen Back-Aktion haben.

Wir hätten uns einen Baum kaufen können und ich hätte mehr Geschenke nachhause schicken können und ich hätte… Aber wir wollten Weihnachten einmal anders feiern. Der Baum hätte nur Platz weggenommen und die Geschenke für die Kinder wären nur „Kompromisse, die in den Koffer passen“ gewesen.

Dass unsere Freunde hier im Dezember mit den Weihnachtsvorbereitungen gut beschäftigt waren, machte es nicht leichter. Wir kennen das und in Berlin wäre es uns nicht anders ergangen. Aber wir hatten kaum eine Weihnachtsfeier, wir hatten keine Gäste, kein Essen und keine Geschenke warteten auf uns. Wir hatten wenig zu tun und ich fühlte mich einfach einsam.

Am 23. und am 24. Dezember waren wir in einem Weihnachtsgottesdienst. Weil es im Bücherladen der Kirche am 24.12. bereits „Sale“ gab, kaufte ich dort drei kleine Geschenke für die Jungs. Am Abend des 24. gab es Kartoffelsalat und Würstchen und in der Nacht legte ich den Kindern ihre Geschenke hin. Omas und Tanten und Freunde hatten immer mal eingewickelte Geschenke mitgeschickt und so hatte jedes Kind tatsächlich 5 oder 6 schöne Geschenke. Das Auspacken am Morgen ging wie üblich ganz schnell und dann waren die Jungs wie üblich eine ganze Weile mit den neuen Sachen beschäftigt.

Und dann hatte mein Mann bis nach Silvester Urlaub.
Ich könnte über diese Zeit sagen: „Wir hatten so viel Familienzeit und haben viel zusammen gemacht!“ – Ich könnte aber auch sagen: „Wir sind uns in der kleinen Wohnung manchmal richtig auf die Nerven gegangen!“ Versteht ihr?

Wir haben ein paar neue Orte hier entdeckt, waren in einem Kindermuseum und auf den Spielplätzen. Aber ich habe unser Haus, den Platz, die Spielzeuge, den Garten und meine Familie vermisst. Sehr. Das hat sich komisch angefühlt. Zu Silvester wurde es sogar noch ein bißchen schwerer, weil wir irgendwie so pupsig in das neue Jahr gerutscht sind. So ungewohnt. Und allein.

 

Ich hätte nicht gedacht, dass ich Heimweh haben würde.
Es ist nämlich wunderschön hier!
Aber dann stelle ich fest, dass ich kaum Freunde zum einfach-mal-so Verabreden habe, dass ich auf das blöde Auto angewiesen bin, dass ich mich nicht traue, mich zu verabreden, weil ich nicht so gut englisch spreche, wie ich möchte, dass die Wohnung für die beiden Kerle zu klein ist und dass sie Platz und Spielzeug vermissen, dass ich bei Regenwetter nicht einfach irgendwo hin kann, ohne Geld auszugeben.

Ich stelle fest, dass wir gerade in einer Zwischen-Phase stecken.
Jetzt wäre der Zeitpunkt, an dem sich die Jungs hier wohler fühlen und Berlin laaangsam vergessen. Jetzt lernt Emilian gut englisch. Jetzt kennen wir uns aus und haben fast alles gesehen, was wir so sehen wollten. Jetzt ist Kalifornien weniger aufregend und mehr normal geworden.

Aber:
Jetzt, wissen wir, dass und wann wir zurück fliegen. Jetzt haben wir kaum noch Besuch. Jetzt werden die Kontakte nach Berlin seltener und ruhiger. Jetzt haben wir beide viele Ideen und Erfahrungen gesammelt, die wir unbedingt nachhause bringen möchten. Jetzt lohnt es sich auch nicht mehr, was auch immer …

So sieht es aus, wenn ich ehrlich bin.
In Gedanken sortiere ich schon: Wegschmeißen/Mitnehmen/Verschenken. Ich frage mich, wie voll wir die Koffer kriegen.

Wir denken mehr und mehr an die Heimat und freuen uns auf Familie, auf Freunde, auf Brötchen und Croissants, auf eigene Betten, auf Platz im Garten, auf unsere Kirche und auf die Berliner Luft.

Unsere Gäste, die heute abend ankommen sollten, mussten ihren über Monate geplanten Urlaub einen Tag vor dem Abflug leider aus gesundheitlichen Gründen absagen. Damit fallen auch für uns ein paar Ausflüge weg, auf die wir uns gefreut haben. Trotzdem ist es für sie deutlich schwerer und trauriger.
Um mich euch jetzt mal ein bißchen auf andere Gedanken zu bringen, schreibe ich, dass ich mich freue…:

– … dass es gerade wieder richtig wundervoll warm ist.
– … dass MOPS Ende Januar endlich wieder anfängt.
– … dass ich zu einem „Bible Study“ für Frauen gehen werde.
– … dass wir als Familie zu Legoland und in die Universal Studios fahren werden.
– … dass wir vier einen Roadtrip nach San Francisco planen.
– … dass wir vielleicht noch einmal Gäste haben werden.
– … dass ich noch 2 1/2 Monate kalifornische Sonne genießen darf.

 

Die letzten Wochen waren irgendwie doof und dazu stehe ich jetzt auch. Trotzdem geht es uns gut! Emilian schreibt und malt wie ein Großer! Liam plappert und denkt wie ein Großer.. seines Alters. Die beiden Brüder ergänzen sich und haben so viel Spaß zusammen! Wir konnten ihnen in den Monaten hier wenig deutsche Freunde, wenig Platz in der Wohnung und nicht so viele Spiele wie in Berlin anbieten – und so tut es mir gut, dass sie wachsen, glücklich sind, kreativ werden, lachen und lernen.

Wir hatten viele, viele Zeiten zusammen als Familie und das ist ein Bonus, der für immer zu unserer Familie gehören wird.

 

Sunset

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Wir sind zuhause!

Seit 22 Tagen sind wir unterwegs.
Wir haben unsere Koffer in Berlin gepackt, in North Carolina ausgepackt, wieder eingepackt, in Corona del Mar wieder ausgepackt, wieder eingepackt und in Irvine ausgepackt… jetzt sind sie leer, stehen in der Ecke und werden hoffentlich erst im Jahr 2015 wieder gebraucht. (Es sei denn, wir verreisen. Nach Maui. Oder wohin die Kalifornier eben so reisen.)

Als der Umzug in unser endgültiges Zuhause näher kam, stieg die Nervosität. Bei mir. Emilian habe ich abgespürt, dass er auch endlich das Gefühl haben wollte, zuhause zu sein. Alle Stationen waren neu und herausfordernd für die Kinder. Aber wenn wir sagen: Jetzt sind wir da und das hier ist euer Kinderzimmer und hier bleiben wir jetzt gaaaanz lange – dann bedeutet das Entspannung und Ankommen für die Kinder – egal, wo wir hausen.

Mir fiel das nicht so leicht. Ich würde die meiste Zeit mit den Kindern in der Wohnung verbringen. Ich würde aufräumen, wegräumen müssen, ich würde mit der Küche klarkommen müssen, mit der Gegend, mit den Einkaufsmöglichkeiten… Ich war angespannt. Und wir wussten nichts über die Wohnung! Also, wir wussten, wie sie von aussen aussah und wir haben schon mit großem Glück festgestellt, dass ich beliebte Läden und einen Spielplatz zu Fuß erreichen kann. Aber mehr nicht. Zwei Tage vorher hieß es dann: Naja, die Wohnung ist doch eher klein. Und sowas.

Gestern verbrachte ich mit meiner Freundin und ihren Töchtern einen wunderbaren Vormittag am Strand. Die Kinder sind inzwischen Freunde geworden. Danach packten wir das Auto voll und zogen um. Die Vermieter, ein Ehepaar, das uns im Juli 2013 schon in Berlin besuchte, erwarteten uns. Damals wusste keiner, dass wir mal in ihre Wohnung ziehen würden. Die Wohnung hat nämlich eine besondere Geschichte:

Als wir ankamen, begrüßten uns die beiden sehr lieb und mit Tränen in den Augen erzählte uns der Mann, was es mit der Wohnung auf sich hat. Vor ein paar Monaten suchte er diese Wohnung für seine Mama aus. Zusammen mit ihr richtete er sie sehr stilvoll und mit viel Liebe ein. Eine Woche vor dem Einzug verstarb sie plötzlich.

Die Möbel wurden an ihre Enkel verschenkt und die Wohnung wurde zum Kauf angeboten. Doch trotzdem die Wohnung sehr neu ist und sich in einer guten Lage befindet, passierte 3 Monate lang nichts. Zusammen mit Freunden kamen unsere Vermieter auf eine Idee: Was wäre, wenn Gott wollte, dass sie die Wohnung weitermieten und sie der Kirche zur Verfügung stellen sollten?

Und so ist es geworden.
Wir sind die zweiten Gäste. Vor uns wohnte hier ein Ehepaar aus Afrika für 4 Monate. Gestern zogen sie aus. Ist Gott nicht gut?

Carol's Home

Nun zu meinen Sorgen.
Die Wohnung ist überschaubar und nicht zu groß, das ist tatsächlich so.
Aber in den Stil habe mich schon in der ersten Sekunde verliebt! Die Farben sind die, die wir auch lieben und die wir auch in unserer Wohnung verteilt haben. Dunkles braun und grün. Die Dekoration ist nicht kindgerecht, aber sehr schön! Die Liebe spüren wir in jedem Zimmer.

Wir haben ein großes Wohnzimmer. Wer durch die Tür kommt, steht sofort im Wohnzimmer. Es gibt keinen Flur, keine Garderobe. (Wer braucht in Kalifornien auch eine Garderobe, hab ich mich gefragt…) Zum Wohnzimmer gehört ein Couch/TV-Bereich und ein großer Tisch auf der anderen Seite. Die Küche ist gleich nebenan, nur durch eine Bar abgetrennt. Die Küche ist sehr groß, stylisch, amerikanisch. Aus dem Kühlschrank kommt sauberes Trinkwasser, es gibt eine hochmoderne Kaffeemaschine, einen Gasherd, eine Spülmaschine, eine Bar… eine riesige Waschmaschine und einen Trockner, eine Tür führt zur Garage. Nice!

Kaffeemaschine

Durch kleine Fenster im Wohnzimmer sieht man das nächste Zimmer: Kinderzimmer. Dort steht ein sehr hohes Bett und ein unteres ist ausziehbar. Wir haben das Bett sozusagen als Treppe ausgezogen und Emilian hat sich für das obere entschieden. Weil sie gewohnt waren, in einem Bett zu schlafen, konnte sich Liam lange nicht für eine Seite entscheiden. Letztendlich schliefen sie beide quer in dem oberen Bett – es war genug Platz. Heute hat Liam ein Klappbett bekommen, Emilian wird weiter oben schlafen und da hätten wir dann ein Gästebett. Gegenüber ist ein „half bath“, ein halbes Bad, weil nur Toilette. Der Stil und die Dekoration: perfekt.

Stilvoll

Am Ende des Flures ist unser Schlafzimmer, in dem ein riesiges Bett steht. Um ins Bett zu kommen, müssen wir 8 Kissen beseitigen und unter 4 Decken kriechen. Das ist auch so ein amerikanisches Ding, diese Bettdecken. Wir schlafen im 8. Jahr unserer Ehe zum ersten Mal mit nur einer Decke – und es klappt. Die Betten und die Decken sind einfach groß genug!

Schlafzimmer

Neben dem Schlafzimmer ist … ein begehbarer Kleiderschrank!
Das kennen wir ja schon von zuhause, aber trotzdem ist sowas toll. Es fiel mir nicht schwer, die Koffer auszuräumen. Viel Kleidung hat auch ein eine große Kommode gepasst, sowas kannte ich überhaupt nicht aus Deutschland, wohl aber aus amerikanischen Filmen.

Mädchen-Traum

Vom Schlafzimmer kommt man dann in ein weiteres Bad, ein wunderschönes helles, großes Bad. Nur Dusche, keine Badewanne. Der Stil ist toll, sagte ich das schon?

Bad

Vor der Haustür ist eine kleine Fläche zwischen Hecken, wir sollen noch Möbel für draussen von den Vermietern bekommen. Um 21:00 Uhr geht die Bewässerungsanlage vor dem Haus an.

Wir haben heute ein anderes, kleineres Auto bekommen, mit dem ich auch fahren kann und haben versucht, in die Garage zu fahren. Es kam uns sehr knapp vor. Entweder muss mein Mann einparken oder wir lassen das Auto eben draussen stehen.

Die Vermieter haben uns ein paar Pflegetipps für Haus und Möbel gegeben. Deko, die uns stört oder zu zerbrechlich scheint, dürfen wir verbannen – WIR wohnen jetzt hier! Ich habe endlich Familienfotos und Andenken an zuhause ausgepackt und hingestellt, Blumen brauchen wir auch noch. Es fühlt sich gut an!

Deko

Zur „Mailbox“ (Briefkasten) müssen wir etwa hundert Schritte die Strasse runter laufen. Ihr könnt bei Google „Stonegate Irvine“ eingeben – das ist unser Block!
Alle paar Blocks gibt es hier einen Park mit Spielplatz/Pool/Grillplatz/Tennisplatz etc. den nur die entsprechenden Bewohner dieses Blocks nutzen können. Wir dürfen also jederzeit zu „unserem“ Pool, dürfen Freunde mitbringen, grillen…

Ich bin sehr dankbar!

Mit dem Platz werden wir keine Probleme haben. Viele Ecken und Wände sind frei und wir haben nicht das Gefühl, zu eng zu wohnen. Kleidung, Bücher, Spielzeug hat schon Platz in diversen Schränken gefunden und es fühlt sich einfach toll an, hier zu wohnen, richtig amerikanisch zu sein. Es gibt noch mehr kleine Unterschiede, die mir aufgefallen sind – doch das wird ein neuer Blog-Eintrag.

Eben waren wir bei Freunden, die auch heute in ein Haus in der Nähe gezogen sind. Sie waren im Jahr 2011 in Berlin und mein Mann wohnte bei seinem ersten Amerika-Aufenthalt bei ihnen. Jetzt sind wir fast Nachbarn und sie haben uns heute zum Fußball-gucken eingeladen. Am Abend werden wir einen Worship-Gottesdienst mit mehreren Nationen feiern. Und morgen werden wir zum zweiten Mal in der Kirche sein. Ich bin gespannt, wie es mit der Eingewöhnung der Kinder weitergeht.

Das ist es, was unsere Kinder mit der Deko anstellen:

Korb-Monster

 

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Von Mutter zu Mutter

Eine andere Blog-Mama postete heute auf Facebook einen Artikel.
Veröffentlicht auf Huffington Post, geschrieben von einer Ärztin und Mutter.

Der Artikel enthält zwei Briefe.
Den ersten schreibt eine berufstätige Mutter an eine, die zuhause ist und nicht arbeiten geht.
Und den zweiten schreibt eine Mutter von zuhause an die berufstätige Mutter.

Ich fing an, den ersten, sozusagen an mich adressierten, zu lesen. Der Schreibstil gefiel mir sofort und ich las und las und merkte, wie mich diese Worte sofort berührten. Ja, ich weiß, dass der Brief nicht an mich geschrieben wurde. Und es ist mir auch egal, wer da schreibt. Ich hab‘ mich nur tief innen drin irgendwie sehr verstanden gefühlt. Die berufstätige Mutter drückt aus, dass sie weiß, welche Kämpfe zuhause gekämpft werden und wie viel Verständnis sie dafür hat.
Ich las Absatz für Absatz und wartete förmlich auf das „Aber…“.
Aber nun hab‘ dich nicht so. Aber es war doch deine Entscheidung. Aber du hast viel mehr Zeit mit deinen Kindern. Aber du hast mehr Zeit für deinen Haushalt. Ätsch Bätsch. Zick Zick.

Aber es kam kein „Aber…“.
Nur Wertschätzung, Verständnis, Trost, Zuspruch.

Viel später nahm ich mir Zeit für den zweiten Brief, denn „der geht mich ja nichts an“.
Ich war erstaunt, wie sehr mich auch diese Worte ansprachen. Denn ich muss zugeben, dass ich in Gedanken den arbeitenden Müttern Unrecht getan habe.

Es gibt nicht die arbeitenden Mütter und es gibt auch nicht die Mütter, die zuhause bleiben.
Aber diese Briefe haben mir gut getan. Und ich habe verstanden.

 

Hier sind sie für euch:

1.

Liebe nicht berufstätige Mama,

es gibt Leute, die sich tatsächlich fragen, was du den ganzen Tag so zu Hause tust. Ich frage mich das nicht, denn ich bin auch eine Mutter und für eine Weile zu Hause geblieben.

Ich weiß, dass du unbezahlte Arbeit erledigst, für die du meist keinen Dank kassiert. Arbeit, die beginnt, sobald du morgens die Augen aufschlägst, und nicht einmal dann endet, wenn du abends ins Bett gehst. Ich weiß, dass du an Wochenenden und in der Nacht arbeitest und dass dein Arbeitstag oder deine Arbeitswoche kein erkennbares Ende haben. Ich weiß, dass der Lohn für deine Arbeit spärlich ausfällt, aber dafür umso schöner ist.

Ich weiß, dass du dir nur selten eine Tasse Kaffee oder Tee gönnst. Ich weiß, dass du deine Aufmerksamkeit auf mehrere Aufgaben gleichzeitig richten musst, oft von einem Moment zum anderen abgelenkt wirst und dich niemals darauf verlassen kannst, eine Sache direkt erledigen zu können. Ich weiß, dass du, wenn du allein zu Hause bist, keinen Moment Ruhe hast, es sei denn, du hast nur ein einziges Kind, das noch tagsüber schläft.

Ich weiß, mit welchen Herausforderungen du täglich zu kämpfen hast, und dass du dabei normalerweise keine Unterstützung von anderen erhältst. Die Wutanfälle von Kleinkindern, die Unfälle beim Töpfchentraining, die Kämpfe beim Essen, das Essen auf dem Fußboden, die Filzmalereien an der Wand, die Rivalität unter Geschwistern, das ewig schreiende Baby. Ich weiß, dass deine Arbeit niemals aufhört, dass du in einem immerwährenden Kreis von Pflichten gefangen bist – du gehst Essen einkaufen, bereitest es vor, kochst es, versuchst es deinen Kindern einzutrichtern, wischst es vom Boden auf, spülst das Geschirr und wiederholst das Ganze drei Stunden später.

Ich weiß, dass du davon träumst, einmal eine Stunde nur für dich zu haben, um in aller Ruhe zu Mittag zu essen oder ein Nickerchen zu halten. Ich weiß, dass du dich manchmal fragst, ob es das wirklich wert ist. Dass du deine Freunde um ihre Kaffeepause auf der Arbeit beneidest. Ich weiß, dass dein Partner manchmal abends von der Arbeit nach Hause kommt und seine Füße genau in dem Moment hochlegen möchte, wenn du am allerdringendsten eine Pause benötigst, und dass dir das manchmal die Tränen in die Augen treibt.

Ich weiß, dass du von so vielen Menschen missverstanden wirst, die keine Ahnung davon haben, wie schwierig es ist, sich den ganzen Tag allein um kleine Kinder zu kümmern. Manche stellen sich vor, dass du den ganzen Tag über gelangweilt Kaffee schlürfst, während deine Kinder ruhig in der Ecke spielen. Ich weiß, dass du deine finanzielle Unabhängigkeit vermisst. Ich weiß, dass dich der Ausspruch „Endlich Freitag!“ amüsiert und manchmal auch ein bisschen ärgert. Denn jeder Tag in deinem Leben ist gleich, es gibt keinen Freitag, keine Pause von deinem Job. Ich weiß, dass viele Menschen nicht verstehen, dass du tatsächlich einer Arbeit nachgehst – du arbeitest zu Hause und zwar unentgeltlich.

Liebe nicht berufstätige Mama, ich weiß nicht, wie du das schaffst. Ich bewundere deine unendliche Geduld, deine Fähigkeit, Tag für Tag ein Lächeln auf dem Gesicht zu haben und das Leben deiner Kinder mit Freude zu füllen, selbst wenn sie dich zur totalen Erschöpfung treiben. Ich bewundere deine Hingabe, rund um die Uhr für deine Kinder da zu sein, auch wenn das nicht immer einfach ist. Ich bewundere deine Arbeitsmoral und dass du keine Belohnung erwartest: keine Beförderung, keinen Ruhm, kein Gehalt. Ich weiß, dass du deinen Kindern das Gefühl vermitteln möchtest, dass sie wichtig sind und geliebt werden. Du machst das wirklich am allerbesten.

Ich wollte dir einfach nur sagen, dass ich dich verstehe.
Wir sind beide Mütter. Und ich weiß, worum es geht. Lass dich nicht unterkriegen.

Liebe Grüße von einer
berufstätigen Mama

 

2.

Liebe berufstätige Mama,

ich weiß, dass manche Menschen dich dafür verurteilen, dass du deine Kinder in der Obhut anderer lässt, um arbeiten gehen zu können. Manche unterstellen dir sogar, dass du deine Kinder nicht so sehr liebst, wie Mütter, die nicht arbeiten gehen. Und behaupten, dass es das Beste für Kinder sei, wenn sie zu Hause bei ihrer Mutter blieben.

Wie können diese Menschen das nur über dich sagen? Ich weiß, dass du deine Kinder genauso sehr liebst wie jede andere Mutter auch. Ich weiß, dass die Entscheidung, wieder arbeiten zu gehen, keine leichte war. Schon lange bevor du schwanger wurdest, hast du das Pro und Kontra dieses Schritts abgewogen. Denn diese Entscheidung war schon immer eine der wichtigsten in deinem Leben. Du hast bereits darüber nachgedacht, als du noch zur Schule gingst und deine Fächer für die Oberstufe auswählen musstest.

Ich sehe dich überall. Du bist die Ärztin, zu der ich mit meinen Kindern gehe. Du bist die Allergologin, die die Erdnussallergie meiner Tochter festgestellt hat. Du bist die Krankengymnastin, die den Rücken meines Ehemanns behandelt. Du bist die Steuerberaterin, die sich um unsere Steuererklärung kümmert. Du bist die Grundschullehrerin meines Sohnes. Die Leiterin unseres Kindergartens. Die Turnlehrerin meiner Tochter. Die Immobilienmaklerin, die unser Haus verkauft hat. In was für einer Welt würden wir leben, wenn du nicht für uns da wärst? Wenn du dem Druck derjenigen nachgegeben hättest, die darauf bestehen, dass eine Mutter zu Hause bleiben sollte?

Ich weiß, dass du jeden Job danach bewertest, ob er sich mit deiner Familie vereinbaren lässt. Ich weiß, dass du eine Stunde vor allen anderen aufstehst, damit du ein wenig Zeit für dich selbst hast oder joggen gehen kannst. Ich weiß, dass du an Meetings teilnimmst, obwohl dein Kind dich die ganze Nacht wachgehalten hat. Ich weiß, dass abends, wenn du nach Hause kommst, deine „zweite Schicht“ beginnt. Deine Kritiker verstehen nicht, dass du einen Haushalt in Gang hältst UND einen Job hast. Du kommst nach Hause, kochst das Abendessen, badest deine Kinder und liest ihnen eine Geschichte vor. Du deckst sie zu und gibst ihnen einen Gutenachtkuss. Du zahlst die Rechnungen, erledigst die Einkäufe, wäschst die Wäsche, spülst das Geschirr und machst alles andere, was andere Mütter auch tun.

Ich weiß, dass du auf deine Freizeit verzichtest, weil du ein schlechtes Gewissen hast, noch mehr Zeit ohne deine Kinder zu verbringen. Ich weiß, dass du es nicht übers Herz bringst, einen Tag für dich allein „freizunehmen“, wenn deine Kinder im Hort oder Kindergarten sind. Ich weiß, dass du akzeptiert hast, dass deine Arbeit deine „Freizeit“ ist. Ich weiß, dass du in deinem Beruf keine einzige Minute vergeudest. Ich weiß, dass du mittags am Schreibtisch isst, nicht mit Kollegen ins Café gehst und dich hochkonzentriert voll und ganz deiner Arbeit widmest. Denn schließlich war es deine Entscheidung, wieder arbeiten zu gehen. Du möchtest genau dort sein, wo du gerade bist.

Ich weiß, wie kritisch du auswählst, wer sich um deine Kinder kümmert, und dass viele Kitas eine wirklich hervorragende Betreuung bieten. Ich weiß, dass du deine Kinder nur an einem Ort lässt, wenn du davon überzeugt bist, dass man sich dort liebevoll und gut um sie kümmert. Ich weiß, wie viele Tage du dich zu Hause um deine Kinder kümmerst, weil sie krank sind, und dass du dafür auf dein Gehalt verzichtest. Ich weiß, dass du diese Tage insgeheim genießt, weil du sie mit deinen Kindern verbringen darfst.

Ich weiß, dass du manchmal ein schlechtes Gewissen hast, nicht immer für deine Kinder da sein zu können. Liebe berufstätige Mama, ich weiß das alles. Du bist ein tolles Beispiel für deine Kinder. Du zeigst ihnen, dass eine Frau Karriere machen kann, dass sie auf die eine oder andere Weise einen Beitrag außerhalb der eigenen vier Wände leisten und trotzdem eine liebende Mutter sein kann. Du zeigst deinen Töchtern, dass sie alles im Leben tun können, was sie möchten. Du lebst ihnen Stärke, Ausdauer, Hingabe und Beharrlichkeit vor und tust dies alles mit so unglaublich viel Freude und Liebe.

Ich wollte dir einfach nur sagen, dass ich dich verstehe.
Weil wir beide Mütter sind. Lass dich nicht unterkriegen.

Liebe Grüße von einer
nicht berufstätigen Mama

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