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Christmas Different – Weihnachten mal anders

Es weihnachtet sehr!
So sagt es jedenfalls der Kalender. Und das Weihnachtslicht am Nachbarhaus. Und der Lichterkranz aus Tannengrün an den Palmen. Und die roten Mützen, die es in den Läden gibt. Und die Musik, die aus dem Radio kommt.

 

Lichterkranz          geschmückte Palme

 

Der Rest passt nicht und das fühlt sich sehr komisch an!
Wir haben zur Zeit 20 – 25 Grad, wir tragen kurze Hosen, Flip Flops und Sonnenbrillen, genau wie im Juni in unseren ersten Tagen hier. Wir gehen an den Strand, wenn wir mutig sind, sogar auch noch ins Wasser. Die Kinder ziehen ab und zu Socken an und Jacken liegen jetzt auch immer im Auto. Für den Fall. Heute war es sehr windig. Und sehr sonnig. Und sehr warm. Wir trinken keinen Tee und haben noch keinen Lebkuchen. Es fühlt sich nicht weihnachtlich an!

Vorfreude

Ich bin nicht die Einzige, die sich wiederholt fragt, was die Kinder (und Eltern und Geschwister und Freunde) in diesem Jahr zu Weihnachten bekommen sollen. Es gibt schon viele tolle Dinge, besonders in Amerika. Dinge, von denen ich noch nie gehört habe und die ich sehr gern für meine Kinder hätte. Spielzeug, das ich so toll finde. Bücher, die so viel Wert haben. Kleidung, die sooo süß ist! Kitson ist so ein Laden hier, der mich magnetisch anzieht und mich verzaubert… Ich hätte sehr gern dieses Spielzeug und dieses Buch und diesen Baby-Body und dieses Oberteil und diese Tasse. Echt jetzt.

Fakt ist:
Wir haben alles, was wir brauchen.
Wir haben nicht unbegrenzt Platz in den 7 Koffern.
Wir feiern sowieso ohne Familie.
Wir haben nicht ganz so viel Geld zur Verfügung.

Das sind doch gute Gründe, Weihnachten mal anders zu feiern, oder?

Die Kinder sind zu jung, um sich an solchen Änderungen zu stören. Sie sind glücklich!
Wir sind die Familie und wir können unsere Traditionen doch selbst erstellen.
Wenn wir in Berlin wären, hätte ich vielleicht schon dekoriert, schon Plätzchen gebacken, schon Geschenke gekauft und schon Weihnachtsbücher vorgelesen. Aber wir sind in Kalifornien und ich habe weder Weihnachtsdeko, noch Ausstechformen, noch Geschenkpapier oder unsere deutschen Weihnachtsbücher. (Eigentlich ist es traurig und ich werde das in den nächsten Wochen bestimmt auch mal traurig finden)

Aber:
Wir haben die Gelegenheit, einmal Weihnachten anders zu feiern. Unter Palmen. In kurzen Hosen. Mit Eis und Saft. Mit Amerikanern. Mit Cookies. Mit englischen Weihnachtsbüchern.

Weihnachten mal anders!

Wir wohnen hier in einer sehr wohlhabenden Gegend. Wir sehen das, wir staunen oder schütteln den Kopf. Ein paar Menschen, die hier wohnen, sehen das vielleicht nicht so… aber auch wir, die wir in einem fremden Apartment wohnen und ein etwas älteres, geliehenes Auto fahren, uns Spielzeug ausleihen und gebrauchte Klamotten kaufen, sind reich. Wir sind reicher als 95% aller auf der Erde lebenden Menschen!!

Und vor allem sind wir reicher, als Familien, die hier genau neben uns wohnen. Familien in der Nachbarstadt, die noch ältere Autos fahren oder erst gar keins haben. Kinder, die ohne Frühstück in die Schule gehen. Mütter, die hart arbeiten, um ihre Familie zu ernähren. Männer, die auf Parkbänken übernachten. Es ist erschreckend, wie nah Armut und Reichtum, nichts-haben und alles-haben, hier nebeneinander liegen.

 

Mariners Church ist sich dieses Spagates sehr bewusst.
Die Kirche lebt vor, wie es ist, zu teilen. Wie einfach es ist. Wie wichtig es ist. Nicht nur mit Afrika, Asien und sogar Europa, sondern mit den Nachbarn.

Im Oktober bekamen wir mit dem Gottesdienst-Thema „Love where you live“ schon einen sanften Anschubser vom Pastor, unsere Nachbarn und Nachbarschaft zu lieben. Die Kirche ist selbstverständlich mit gutem Beispiel voran gegangen und hat zum Beispiel einen „Harvest Carnival“ für mal eben 6.000 Personen veranstaltet. (Fotos hier!) Am 31. Oktober waren wir im Mariners Church Campus in Santa Ana und haben mit der Kirche für die Stadt gefeiert. (Das wird es auch an Thanksgiving und Weihnachten geben. Viele Amerikaner lassen an diesen wichtigen Tagen mal Tradition Tradition sein, um mit anderen Menschen zu feiern, für die es eben keine Tradition gibt.)

Aber jetzt im November und Dezember geht es weiter und das sind keine Anschubser mehr. Um was es geht, ist nicht zu übersehen. Es ist sehr gut vorbereitet, sehr Nutzerfreundlich. Und es ist so einfach, dass sogar (oder erst Recht) die Kinder mit dabei sein können!

 

Es geht um Tag, Bag and Serve

TAG bedeutet ANHÄNGER.
Auf dem Gelände der Kirche stehen gut verteilt ungefähr 30 Tannenbäume. Aus Plastik… aber es sind kleine Tannenbäume. Sie fallen auf, weil sie sonst nicht da rumstehen und weil sie mit vielen bunten Zetteln behängt sind.
Auf den Zetteln steht zum Beispiel: Mädchen, 10-13 Jahre alt, Schmuck
Oder Familie, Gutschein für Lebensmittel
Oder Junge, 0-2 Jahre alt, Autos

Wunsch-Baum

Das Outreach-Team der Gemeinde, in dem mein Mann arbeitet, hat Beziehungen zu oder arbeitet bereits mit verschiedenen sozialen Organisationen in der Umgebung zusammen. Vereine, die sich um Waisen, Familien, Allerinerziehende, kranke Kinder, Kinder mit Lernschwächen… kümmern. Diese Organisationen wurden in den letzten Monaten gefragt, was sich ihre Klienten, Patienten, Bewohner (was auch immer) zu Weihnachten wünschen. Und diese Wünsche stehen auf den Zetteln. Die Bäume werden insgesamt an sechs Wochenenden zu je drei Gottesdiensten auf dem Gelände stehen und bereits am ersten Wochenende wurden 3.500 von 5.000 Zetteln abgenommen!

Die gekauften Geschenke werden jetzt nach und nach zurück in die Kirche gebracht und in einen wunderschönen Geschenke-Zug gelegt.

Geschenke Zug

Volle Kisten

BAG bedeutet TASCHE.
Es gibt ein paar Tische, auf denen schwarze Taschen mit dem weißen Logo der Kirche liegen. Zu den Taschen gibt es kleine Flyer und auf den Flyern steht, was in die Taschen kommt: Nämlich Essen.
Gottesdienst-Besucher, die sich eine Tasche mitnehmen, werden einkaufen gehen, sie mit haltbaren Lebensmittel füllen und sie ebenfalls in vorbereitete Kisten legen. Später werden viele Familien mit diesen Taschen überrascht. Auch Essensausgabe-Stellen bekommen sie. Von etwa 7.000 Taschen wurden bereits 5.000 mitgenommen. Diese Zahlen sind unglaublich.

Ebenfalls gibt es die Möglichkeit, einen (echten) Weihnachtsbaum für eine Familie, die sich in diesem Jahr keinen leisten können wird, zu kaufen.

 

SERVE bedeutet DIENEN.
Die Geschenke werden zugeordnet, sortiert und verteilt. Das Essen wird sortiert. Für die Geschenke und Taschen wird viel gebetet. Und zusätzlich gibt es unglaublich viele und verschiedene Aktivitäten, die Mariners Church im November und Dezember veranstalten wird. Einmalige Aktionen, die ein paar Stunden dauern. Auf Flyern und im Internet gibt es eine Liste von diesen Veranstaltungen. Jeder, der möchte, kann helfen.

 

Ihr seht, es ist nicht schwer. Es ist nicht teuer. Es ist nicht kompliziert. Es tut nicht weh.
(Und es ist sinnvoller und nachhaltiger, als das 17. Auto und der 5. Ball und das 33. Buch, das meine Kinder vielleicht zu Weihnachten bekommen….)

 

Mir gefällt, wie diese Möglichkeiten, Weihnachten mal anders zu feiern, kommuniziert werden.
Das ist kein Betteln und kein Jammern, kein „Wenn, dann“ und kein „Hätte“ und „Würde“. Kein „Ihr müsst aber“ und „Wer, wenn nicht ihr“. Sondern es wird gelacht und geklatscht und ich habe das Gefühl, unbedingt dabei sein zu wollen!

Vor ein paar Wochen wurde Tag, Bag and Serve auf der Bühne vorgestellt.
Ein kenianischer Pastor, der ’ne Menge Rhythmus und Humor im Blut hat, kam mit einem bunten Anhänger, mit einer Tasche und mit einem Flyer auf die Bühne. Er zeigte die Gegenstände und erklärte eben, was es damit auf sich hat. Für diese drei Begriffe hatte er sich eine kleine Melodie ausgesucht und natürlich ließ er das Publikum singen. Diese Melodie sitzt jetzt in unserem Kopf und geht. nicht. mehr. raus. Der Pastor sagt, er trifft jetzt sogar auf der Strasse oder im Restaurant Leute, die ihn erkennen und diese Melodie singen…

 

Dann war die Frau des Senior Pastors auf der Bühne.
Ich kannte sie bisher noch nicht und war aber gespannt, weil jeder nur gut über sie redet. Zuerst wusste ich nicht, wer da auf der Bühne stand und ich wunderte mich über die kleine, zerbrechliche Person mit der weinerlichen Stimme. Aber dann saß ich im nächsten Gottesdienst mit im Raum und konnte lesen, wer sie war. Laurie Beshore hat vier Söhne, vier Schwiegertöchter und ein paar Enkelkinder. Ich weiß nicht viel über sie, aber ihre kleine Person hat ein riesengroßes Herz und die Liebe zu Gott und anderen Menschen strahlt ihr aus jeder Pore. Sie lächelt. Immer. Es war mucksmäuschenstill, als sie auf der Bühne sprach, fast flüsterte.

Sie erzählte von Familien und Personen, denen in der Vergangenheit durch die Outreach-Arbeit der Gemeinde schon geholfen wurde. Sie erzählte von Menschen in Sri Lanka und von Menschen in der Nachbarschaft. Sie erzählte von Müttern, die ihr Baby in einer öffentlichen Toilette zur Welt bringen mussten und für die es überhaupt keine guten Aussichten gab – und die jetzt eine Wohnung, eine Ausbildung, einen Job und einen Führerschein haben! (Sie sagte dazu: „Ein Auto fehlt dieser Mama noch.. falls irgendeiner von euch also eins übrig hat…“ Diesen Satz hörten über zehntausend Menschen in einer Gegend, wo pro Familie zwei Autos nötig sind. Und am nächsten Sonntag wurde im Gottesdienst ein Foto gezeigt, auf dem dieser Mama ein Auto geschenkt wird, dass sich sehen lassen kann!)

Laurie erzählte bewegt und unter Tränen von solchen Momenten.
Und wisst ihr, warum sie das von der Bühne erzählte?
Weil sie sich bedanken wollte!
Weil sie, als Pastorin, sprachlos von der Großzügigkeit ihrer Gemeinde ist. Weil sie jedem Einzelnen ihre Bewunderung und ihren Dank ausdrücken wollte. Ich war überhaupt nicht gemeint, weil ich in den vergangen Monaten und Jahren noch gar nicht da war. Und trotzdem war ich berührt und es war so, als hätte sie, die kleine Person, von der Bühne aus wirklich jedem Menschen in diesem Raum die Hand geschüttelt.

 

Zusätzlich zu den Spendenkästen, die immer da stehen, gingen an diesem ersten Wochenende dieser Aktion große Becher durch die Reihen, in die Geld für den Outreach-Bereich der Gemeinde gelegt werden konnte. Wisst ihr, wie viel Geld dabei gesammelt wurde?  – $350.000 –

„Auf die Tränendrüse drücken“ oder „emotionale Manipulation“ kann man das nennen.
Muss man aber nicht.
Ich glaube fest daran, dass Gott in solchen Momenten in die Herzen der Menschen spricht.
Meins hat er angesprochen und ohne lange zu überlegen, habe ich den gesamten Inhalts meines Portmonees (das Geld) in den Becher gekippt. Ohne lange zu überlegen. Denn als der Gottesdienst vorbei war, fiel mir ein, dass mein Mann noch lange an den „Tag, Bag and Serve“-Ständen zu tun haben wird und dass ich für mich und die Kinder Mittag hätte kaufen sollen, weil wir von 9:00 Uhr bis 15:00 Uhr in der Gemeinde sein würden. Ich war glücklich und ich war richtig gespannt, was passieren würde. Ich holte die Kinder von der Kinderbetreuung und setzte mich mit ihnen auf den Spielplatz. Nach ein paar Minuten kam mein Mann mit Getränken und kleinen Snack-Tüten und fragte: „Habt ihr Hunger?“

Nie vorher und nie wieder nachher hat er nach dem Gottesdienst Snacks bekommen, die er uns hätte geben können. Ich liebe sowas! Und ich lerne sowas hier. (Das wäre vielleicht mal einen weiteren Blog-Eintrag wert)

 

Ich sehe, wie viele Menschen sich Wochenende für Wochenende an den Weihnachtsbäumen drängen, um einen Zettel auszuwählen. Ich sehe, wie voll der Geschenke-Zug bereits ist. Ich weiß, dass es in diesem Jahr viele, viele Kinder geben wird, deren größter Spielzeug-Wunsch in Erfüllung gegangen ist, obwohl Mama und Papa immer wieder gesagt haben, dass sie leider kein Geld hätten. Ich weiß, dass viele Familien am Weihnachtsabend zusammen essen können, weil sie, ohne es zu ahnen, eine Tüte voller Lebensmittel geschenkt bekommen haben. Ich weiß, dass es in den nächsten Monaten mehrere Veranstaltungen geben wird, bei denen traurige und einsame Menschen eine warme Mahlzeit, ein Geschenk, ein Lächeln und ein gutes Wort bekommen werden.

 

Und ich weiß auch, dass es Kinder geben wird, deren Wünsche nicht in Erfüllung gehen werden. Vielleicht werden sie frieren oder mit knurrendem Magen in ihren Zimmern sitzen. Ich weiß, dass es Mütter geben wird, die versuchen werden, ihr neugeborenes Baby zu wärmen. Es wird Väter geben, die nicht mit ihrer Familie Weihnachten feiern können, weil sie auf der Suche nach Essen sind.

Und wir werden in stickigen Wohnzimmern sitzen, uns den Bauch vollstopfen und versuchen, dankbar auszusehen, obwohl wir uns eigentlich ein anderes Spiel gewünscht haben und den falschen Laptop bekommen haben.

Nur, weil es immer so war.
Echt jetzt?

 

Weihnachten mal anders!?

Ich weiß, dass es uns in jedem Jahr schwerer fällt, das richtige Weihnachtsgeschenk auszuwählen.
Im Internet lese ich von Alternativen:
Geschenke, die kein Spielzeug sind
Zeit statt Zeug

Ich weiß, dass es auch schwer fällt, Traditionen zu ändern.
Das Essen, der Baum, die Farbe der Kugeln, der Raum, in dem wir feiern, die Reihenfolge der Musikstücke, die Besuche an den Feiertagen… das war alles schon immer so. Und genau deswegen muss es auch im nächsten Monat wieder genau so gemacht werden!

Mir selbst fällt das auch schwer.
Etwas an Weihnachten zu verändern, bedeutet ja auch irgendwie, etwas an der Kindheit, an den schönen, goldenen Erinnerungen zu verändern.

Es gibt in Deutschland inzwischen so viele gute Ideen, anderen Menschen zu Weihnachten eine Freude zu machen.

Aber wie wäre es, der Person, die du überraschst, dabei direkt in die Augen sehen zu können?
Wie wäre es, dafür zu sorgen, dass auch eine andere Person solche goldenen Erinnerungen an das Weihnachten 2014 haben kann?
Wie wäre es, mal aus diesem Trott herauszuspringen und sich nicht am 24. Dezember mit der nervigen Verwandschaft im Wohnzimmer zu verstecken?
Wie wäre es, einmal Kinderaugen strahlen zu sehen, die nicht den eigenen Kindern gehören?
Wie wäre es, nicht noch im Januar von den Weihnachts-Resten essen zu können, weil bereits jemand anders mitessen konnte?
Wie wäre es, in diesem Jahr mal das Essen oder das Wohnzimmer, das Spielzeug oder die Freude zu teilen?

Ich möchte, dass meine Kinder verstehen, warum es uns so gut geht und dass es andere kleine Jungs gibt, die vielleicht nur ein einziges Auto und keine Süßigkeiten haben.

Emilian wollte sich sofort einen bunten Zettel vom Baum aussuchen und wir haben lange gesucht, bis wir einen gefunden haben, auf dem sich ein Junge, im Alter von 2-4 Jahren, Lego oder Duplo-Spielzeug wünscht.

Wunschzettel

Wir sind zusammen einkaufen gegangen. Emilian hat sich ein Spielzeug ausgesucht. Natürlich war es unser Geld, aber es ist Emilian schwer gefallen, dieses Geschenk für einen anderen Jungen auszusuchen und dabei nicht auch für sich selbst eins mitzunehmen.

Das Geschenk

 

Danke, dass du meinen langen Artikel bis jetzt gelesen hast!!
(Es sollte nicht so viel werden, das ist einfach passiert…)

Ich hoffe, dass auch dein Herz einen kleinen Schubs bekommen hat.

Es geht nicht darum, sich nichts mehr zu schenken, auf Schokoladen-Weihnachtsmänner oder Lichterketten zu verzichten. Ich liebe das alles! Ich liebe den Duft vom Weihnachtsessen, die Farben vom Geschenkpapier, die vollen Süßigkeiten-Teller, das Lachen der Kinder und die Lichter am Baum!

Aber vielleicht hilft ein bißchen weniger von all‘ dem, einer anderen Familie das schönste Weihnachtsfest ihres Lebens zu bescheren.

Vielleicht gibt es in diesem Jahr wegen deiner Gabe einen Menschen mehr, der wieder an das Gute glauben kann.
Vielleicht wird sich wegen deiner Worte eine junge Mama dafür entscheiden, ihr ungeborenes Baby zu behalten.
Vielleicht hilft dein Lebensmittel-Paket einem Kind, nicht krank zu werden.
Vielleicht zeigt dein Lächeln einer Person, dass es noch Freundlichkeit gibt.
Vielleicht macht dein Spielzeug, dass ein Elternpaar ihren Kindern doch Geschenke zu Weihnachten geben kann.
Vielleicht…

Weihnachten 2014 mal anders?

 

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12 von 12 im Oktober

Heute war ein schöner Tag!
Zwischendurch hab‘ ich ein paarmal vergessen, dass ich eigentlich fotografieren soll.
Aber.. mir scheint, als würde es hier nicht schwer fallen, an jedem Tag 12 halbwegs interessante Motive zu finden 🙂

Jetzt haben wir zu viert mit unserem Gast-Ehepaar ein paar Stunden wunderschön geredet und bei euch ist schon fast der 13. Oktober vorbei…

Hier sind meine Fotos!

 

1. Nach einem Kürbisfest in der Gemeinde komme ich spät ins Bett.

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2. Mein Mann, Emilian und unsere Gäste gehen zu einem 9:00 Uhr-Gottesdienst – Liam und ich kommen später nach. Der kleine Mann schläft bis halb zehn und ich stelle fest, wie wunderbar es ist, in völliger Stille ganz allein aufzuwachen. Ich wusste nicht mehr, dass es so etwas gibt! – Noch im Bett suche ich den Weg zu einer anderen Kirche raus.

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3. Es ist sehr heiß. Die Kinder spielen nach dem Gottesdienst noch kurz auf dem Spielplatz.

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4. Mittag beim Lieblings-Restaurant

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5. Nach der Gemeinde haben wir ein bißchen Zeit, bevor wir zu einem Kindergeburtstag gehen und finden einen lustigen Laden.

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6. Ausserdem gibt es 2x Pumpkin Spice Latte und 2x Cake Pop.
(Das rechte Foto hat Liam gemacht)

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7. Beim Kindergeburtstag

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8. Ein schönes Bild im Kinderzimmer des Geburtstagsjungs (1) und seines Bruders (6).

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9. Emilian verschwindet mal kurz.

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10. Zitronenbäume am Strassenrand

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11. Vorlese-Zeit mit Lurchi

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12. Die neue Themenreihe der Gemeinde heißt „Love where you live“.
Alle haben dieses rote Dings bekommen und sind aufgefordert, Fotos vom Platz, den sie lieben, zu machen.
Ich liebe es, dass ich hier lebe!

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Das war mein Tag, liebe Freunde!
Bei Caro, die heute (also gestern) Geburtstag
hatte (Happy Birthday!!) habe ich mich in die Liste aller „12 von 12″er eingetragen und bin Nummer 226.

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Die Ehe-Kiste

„Viele Menschen heiraten und glauben dem Mythos, die Ehe sei eine Kiste voll mit all‘ den Dingen, nach denen sie sich lange gesehnt haben: Gemeinschaft, Intimität, Freundschaft, usw.

In Wahrheit aber ist die Ehe am Anfang wie eine leere Kiste.
Es muss etwas hineinlegt werden, bevor etwas herausgenommen werden kann.

In der Ehe gibt es keine Liebe. Die Liebe ist in den Menschen. Und die Menschen bringen die Liebe mit in die Ehe.
In der Ehe gibt es keine Romantik. Die Romantik muss in die Ehe gebracht werden.

Ein Ehepaar muss diese Kunst zuerst lernen und sich angewöhnen, die Ehe-Kiste mit Geben, Lieben, Dienen, Loben, usw. zu füllen.

Wenn mehr herausgenommen wird als hineingelegt wird, wird die Kiste leer sein.“

(„The Well, Refreshing your Marriage“, Mariners Church)

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Wie es meinem Mutterherz geht

Ich weiß, dass wir genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind!
Und es fühlt sich so gut an!

Heute war der große Tag!

Nachdem Liam der Kinderbetreuung (ich schreibe dieses lange Wort in letzter Zeit ziemlich oft, aber ich mag keine Abkürzungen) gestern entwischen konnte, gab es heute keinen Plan B.

Wir waren gestern am Nachmittag noch in Santa Monica verabredet. Mein Mann musste arbeiten und eigentlich wollte ich nicht alleine die 70 minütige Fahrt machen, aber meine frühere Kollegin und Freundin ist gerade für 7 Wochen mit Mann und Tochter in den USA unterwegs. Santa Monica war ihr südlichstes Ziel und eigentlich ist es doch verrückt, so eine Chance nicht zu nutzen. Wir trafen uns also am Strand, redeten, ließen die Kinder zusammen spielen – und waren sehr spät wieder zuhause. Ich liebe diese nächtlichen Fahrten mit meinen Kindern eigentlich. Nach so einem vollen Tag sind sie abends oft.. glücklich. Hört sich gerade falsch an, aber es ist so. Wir gurkten in fremden Städten herum, weil das Navi der Meinung war, ich sollte besser nicht auf der Autobahn fahren. Wir hörten Maike (was wir eigentlich auf jeder Fahrt machen, aber bei 13 CDs ist es okay) und redeten ab und zu. Emilian kommt bei nächtlichen Autofahrten auf die verrücktesten Gedanken…

Als wir dann nach 21:00 Uhr zuhause waren, gab es noch schnell einen Joghurt und ich scheuchte die Kinder ins Bett.
Eine glückliche Mutter ist eine bessere Mutter, ist mein Leitsatz. Es war nicht leicht, weil ich einfach nur müde war. Nicht genervt, nicht gestresst – nur sehr müde. Aber ich versuchte, die Kinder in Ruhe zuhause ankommen und sie ihren Joghurt aufessen zu lassen. Ich erlaubte Emilian, am nächsten Tag eine lange Jeanshose anzuziehen und mit Liam redete ich noch ein paar motivierende Wörter über ihr-wisst-schon-was. Es endete damit, dass Emilian sagte: „Ich glaube, du bist die beste Mutter der Welt… weil, ich hab dich lieb und du hast mich ja lieb!“
Bäm. Das war es doch wohl wert!

Mit dem „Hase und Igel“-Märchen schliefen sie schnell ein. Ich schrieb dann den Blog-Eintrag von gestern, packte die Kindertaschen, zerschnitt eine Melone für MOPS und räumte die Waschmaschine ein und den Trockner aus. Und dann war es spät. Oder früh.

Heute morgen musste ich die Kinder dann fast vom Bett ins Auto tragen. Sie sind einfach nicht wach geworden. Ich wollte extra früh da sein, weil ich Liam in Ruhe abgeben wollte und weil meine Gruppe das Frühstück für MOPS mitbringen sollte.
Beide Kinder wachten mit guter Laune auf und ich wollte das um jeden Preis halten!
Frühstück würden wir alle drei in unseren Gruppen bekommen, also zogen wir uns an, es gab einen Kakao und wir konnten abfahren.

Liam war sehr gut drauf.
Ich gab Emilian ab, stellte meine Melone kurz zur Seite und flitzte mit Liam in die Richtung seines Raumes. Er war gut gelaunt und lachte und rannte und kicherte und spielte… Als er aber merkte, dass ich vor seiner Tür stehen blieb, zogen dunkle Wolken auf seinem Gesicht auf. Ich nahm in auf den Arm und zusammem guckten wir durch ein Fenster in den Raum. Er strampelte und sagte immer wieder: „Nein!“
Penelope sah uns, begrüßte Liam und riet mir, ihn einfach schnell abzugeben und dann zu gehen. Naja, ist nicht leicht. Ich zeigte ihr Liams Tasche, sagte, was er dabei hatte und gab ihr Liam. Er weinte. Aber nicht aus Angst oder Trauer oder Verzweiflung, sondern einfach, weil etwas Neues bevorstand. Er atmete normal und würgte nicht, wie das sonst ab und zu in ganz schwierigen Situationen vorkommt.

Als ich zum MOPS-Raum ging, konnte ich nicht fassen, dass ich gerade mein weinendes Kind abgegeben hatte und gegangen war. Aber es ging mir gut. Mein Herz zerbrach nicht. Es ging mir nicht „Haa haa, ich habe endlich 2 Stunden Ruhe, egal was die Kinder machen“- gut, sondern es ging mir „Ich weiß, dass es Liam gut geht und dass alles gut wird“-gut.

Ich kam in Ruhe an, traf die Mädels von meinem Tisch und atmete durch. Wir stellten fest, dass zwei von ihnen Söhne in Liams Gruppe hatten und sie gingen ab und zu für mich gucken. „He’s fine! He’s playing. He stopped crying.“ Es ging ihm gut und er spielte!
Und dann konnte ich das zweite MOPS-Treffen wirklich genießen.

 

Abgesehen von diesem wichtigen Schritt in unserem und Liams kleinen Leben kann ich nicht in Worten beschreiben, wie gut mir die MOPS-Treffen tun.

Bei rooted fühle ich mich (noch) ein bißchen fremd. Viele oder alle Frauen sind 10 Jahre älter als ich, teilen andere Lebens-Bereiche und Sorgen. Sie reden über ihre Kinder, die dem Druck des Colleges nicht standhalten können und tauschen Erfahrungen über Gesichtsbehandlungen aus. Das ist hier wirklich so! Als eine Lady dann sagte, sie sei Dermatologin und überhaupt, falls wir Fragen hätten… „Wir könnten doch mal eine Botox-Party zusammen machen!!!“ – wusste ich wirklich nicht mehr, was ich sagen oder denken sollte. Mir fiel dann auf, dass viele von ihnen wirklich schöne Haut, schöne Haare, schöne Figuren haben und dass ich mich um Jahre vertat, wenn es darum ging, ihr Alter zu schätzen. Oh my goodness. Eine Frau ordnete ich in mein Alter oder jünger ein.. bis sie sagte, sie hätte vier Söhne und der älteste sei 18. Und wahrscheinlich hatte sie ihn nicht mit 12 bekommen…
Also.. das ist mir alles noch ein bißchen.. unheimlich.

 

Umso mehr liebe ich die MOPS-Treffen… die zwei, die ich schon hatte.
Wir sind alle Mütter.
Wir haben alle Kinder unter 5 Jahren.
Wir wohnen (zur Zeit) in der gleichen Gegend.
Wir sind alle verheiratet.
Wir sind alle stolz, es an diesem Morgen ohne Kinder an diesen Tisch geschafft zu haben.
Und das reicht absolut schon, um sofort auf einer Wellenlänge zu sein!
(Okay, die Sprache wäre natürlich noch wichtig.. Aber es geht gut!)
Wir können sofort losreden. Jede versteht, was die andere meint. Jede kennt die Sorgen, Freuden, Ängste, Erfolge der anderen. Das ist SO TOLL!

Wenn so eine Grundlage da ist und wir so viel gemeinsam haben, dann fällt es mir leicht, nicht nur auf die schönen blonden Haare und die glatten Gesichter und die schlanken Beine der andere Mamas zu gucken, sondern dann sehe ich starke Frauen, die jeden Tag die gleichen Kämpfe kämpfen, wie ich.

Als eine Mama uns bat, für einen neuen Baysitter für sie zu beten und zwei von uns sofort ihre guten Tipps weitergaben, war ich kurz erschrocken, dass es hier scheinbar „normal“ ist, Babysitter einfach zu engagieren. Über eine Agentur. Sogar „last minute“, wenn es sein muss. Es gibt wohl eine Homepage, auf der man auch nach deutschen Nannys suchen kann… Ich weiß nicht, ob ich das könnte. Wie auch immer. Wir sind trotzdem auf einer Wellenlänge. Und vielleicht kann ich ja als „gute deutsche bodenständige Mutter“ (die wirklich seit 4 1/2 Jahren fast rund um die Uhr anwesend ist) auch ein paar Tipps weitergeben.

 

Es gab ein wunderbares Frühstück, Kaffee, Zeit zum Reden und ein paar Ankündigungen. Es wurden andere Kurse der Kirche vorgestellt, die Mütter mitmachen können. Bibel Studium, Gebets-Treffen, …
„Finde deine Bestimmung!“
„Lass dein Gebetsleben aufregend und eine Freude sein!“
„Lerne, für deine Kinder zu beten, sie zu segnen!“
Ja.. brauche ich. Alles bitte.

Der Redner, der eigentlich da sein sollte, konnte irgendwie nicht aus Kenia einfliegen und in der Nacht zu Freitag sagte ein anderer Redner zu. (Everything is possible here…) Suresh Kumar. Er ist Inder und ist Chef in einer großen Organisation, die sich um Leprakranke und Waisen in Indien kümmert. Sie haben Tausende versorgt und geheilt und in Familien gebracht – und sie haben Tausende zu Gott geführt. Er, als so ein krasser und einflussreicher und demütiger und gottesfürchtiger Mann redete zu uns hundert Frauen: über seine Mutter.

Sie war diejenige, die als junge Frau als einizige von Hunderten aufstand und ein Leben mit Gott begann.
Sie rief diese Organisation vor fast 50 Jahren ins Leben.

Suresh selbst hat 3 leibliche und 16 Pflegekinder.

Er sprach von der Bühne zu uns – genau in unsere Herzen.
Plötzlich wurden unsere Probleme mit 2 oder 3 Kindern in einem der wolhabensten Orte der Welt ganz ganz ganz ganz klein. Und ich war nicht die einzige, die ab und zu eine Träne wegwischte.

Er redete darüber, wie seine Mutter ohne Mann ihn und seinen Bruder erzogen hat. Wie sehr sie auf Gott vertraut hat. Und wie sehr sie gesegnet wurde.
Er sagte: „Wenn du möchtest, dass deine Kinder so oder so werden, musst du so oder so sein und das vorleben. Ihr seid die nächste Generation Mütter und eure Kinder könnten eines Tages Gottes große Kämpfer sein. Diese Welt bietet so viele Möglichkeiten, nutzt sie!“

 

Am Ende redeten wir ergriffen über seine Worte und vervollständigten den Satz:
„Ich möchte eine Mama sein, die…“

Der Reihe nach sagten wir uns unsere Sätze und redeten darüber.
Ich möchte geduldig sein.
Präsent.
Glücklich.
Aufmerksam.
Ruhig.
Ich möchte mit jedem meiner Kinder Extra-Zeiten verbringen.
Ich möchte hören, wenn mein Kind ruft.
Ich möchte mein Kind nicht anschreien, sondern ansehen und anfassen.
Ich möchte es schaffen, die Wäsche und das Geschirr sein zu lassen,
wenn mein Kind mit mir sein will.
Ich möchte die kurze Zeit, die ich mit meinen Kindern habe, genießen!

„Stell‘ dir die Person vor, die dein Kind einmal sein soll – und sei diese Person!“

Beflügelt und überglücklich holte ich meine glücklichen Söhne aus ihren Räumen.
Liam wollte weiterspielen – was soll ich dazu sagen?

Wir aßen unser Belohnungs-Eis, machten eine lange Mittagspause und gehen jetzt an den Pool!

Belohnungs-Eis

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Es gibt Neuigkeiten

Jetzt endlich geht hier was los.
Ich hatte VIEL Zeit, wie kaum zuvor als Mama und vielleicht werde ich nie wieder so viel freie Zeit haben… Ich habe es genossen. Ich habe mit den Kindern ausgeschlafen, wir waren am Meer, am Pool, auf Spielplätzen, haben Buchstaben gelernt, haben versucht, in fremder Wohnung mit wenig Spielzeug klarzukommen. Ab und zu sind wir uns auf die Nerven gegangen, aber ich haben die Zeiten mit und für meine Familie genossen. Ich bin mir sicher, dass es die Kinder vorbereitet und perfekt eingewöhnt hat.

Emilian lernt gut englisch. Er hat einen unglaublichen amerikanischen Akzent und staucht uns zusammen, wenn wir ein Wort falsch aussprechen. Er fängt ganz zart und langsam an, auf Fragen von Fremden zu antworten. Ich kann nicht beschreiben, wie stolz ich bin. – Vor ein paar Tagen ist mir aufgefallen, dass ich so alt war, wie Emilian jetzt, als die Mauer in Berlin gefallen ist. Emilian ist Ende März geboren, ich Anfang April. An den Mauerfall oder gar an die Jahre davor kann ich mich nicht erinnern. Nicht! Ich kann mir nicht vorstellen, dass Emilian von all‘ den Erlebnissen, die ich seit 4 1/2 Jahren mit ihm erlebe, später nichts mehr weiß! Dass er sich nicht an Amerika erinnert… Wahrscheinlich wird es aber so sein. (Es sei denn, er liest meinen Blog…) Wenn er auch alles vergessen sollte, hoffe ich, dass ihm die englische Sprache bleibt!
Er ist jetzt 4 1/2, Liam ist 2 1/2 und ein paar Tage. Unglaublich, wie groß meine Babys sind!

Liam lernt gut deutsch. Das ist genau so unglaublich für uns. Er hat über 2 Jahre nicht viel gesagt, also ist jedes Wort irgendwie neu und komisch. Wenn plötzlich ein „Nucki, oo bist uu?“ aus dem Kinderzimmer kommt, muss man schon mal nachsehen, um sicher zu sein, dass das wirklich nicht Emilian gesagt hat. Er lernt viele neue Wörter, bildet Sätze und ist jedesmal sooo stolz, wenn wir uns wundern und ihn loben. Seit seinen ersten Sekunden auf dieser Welt ziegt er so viel mehr Emotionen als Emilian. Nicht alle davon machen uns Freude, aber die Tatsache, dass er der Zweitgeborene ist, macht vieles leichter. Manchmal kann ich nicht glauben, dass tatsächlich 2 Jahre zwischen ihnen liegen. Liam macht Mittagsschlaf, Emilian nicht. Ein paar Spielzeuge oder Spiele sind extra für Emilian, aber sehr viel getrennt wird sonst nicht. Sie tauschen ab und zu sogar ihre Klamotten. Wenn Emilian sich den Finger einklemmt, pustet Liam. Wenn Emilian vom Einkaufen wiederkommt, tapst Liam ihm entgegen, streckt seine Nase an Emilians Nase und sagt: „Naaa?“. Wenn der Nuckel verschwunden ist, sucht Emilian, bis er ihn hat. Er ist es auch, der den Nuckel heimlich klaut, weil Liam ihn nur noch zum Schlafen bekommt. Ich liebe das. Deswegen wollte ich zwei Söhne bekommen.

 

Zurück zu den Neugkeiten:
Als ich ankam, sagte meine Freundin hier: „Warte nur ab bis September, dann wird deine Langeweile vorbei sein.“ Und mir scheint, sie hatte Recht.

Schon vor unserer Zeit hier war klar, dass wir uns für „rooted“ anmelden würden. Ich verlinke euch die Erklärung dazu mal hier. In unserer Kirche in Berlin fing der Kurs „rooted“ an, kurz bevor wir gingen. Mit unserer Lifegroup machten wir diese Erfahrung, aber die letzten Termine verpassten wir. Wie auch die amerikanische Kirche haben wir in Berlin den Kurs aus Kenia übersetzt. (Bevor es verwirrender wird, höre ich auf.) Weil eben „rooted“ so neu und so spannend und so vielversprechend ist, meldeten wir beide uns hier dafür an. Ich werde am Donnerstag vormittag in einer Gruppe mit anderen Frauen sein, mein Mann wird am Dienstag vormittag in einer Männer-Gruppe sein.

Am vergangenen Mittwoch war die Startveranstaltung. Meine Schwester (die inzwischen wieder in Deutschland gelandet ist) brachte die Kinder ins Bett. Mit vielen anderen Teilnehmern holten wir uns unser Buch ab, es gab Kaffee und Cookies und wir setzten uns.

rooted

Man sagt, dass es bis vor kurzem ca. 200 Anmeldungen gab. Am letzten Sonntag aber hatte der Pastor nochmal in deutlichsten Worten dazu ermutigt, nahezu gedrängt, an „rooted“ teilzunehmen. Und mit uns saßen dann 800 Menschen in diesem Raum! Ein Pastor begrüßte uns und erzählte ein paar Worte über „rooted“. Was wir in der Zeit lernen, wie „rooted“ nach Amerika kam, wie der erste Test-Durchlauf bei den Mitarbeitern ankam, dass es Hausaufgaben geben wird, dass er uns wünscht, dass wir uns auf all‘ das Neue und Komische einfach mal einlassen… Dann gingen wir in unsere Gruppen. Zu meiner Gruppe gehören 14 Frauen. Verheiratet und nicht, jung und alt, Kinder und nicht, schon mit Gott und noch nicht. Amerikaner und nicht. Mit Botox vollgespritzt und nicht. Wir haben uns einander vorgestellt, ein Kennlern-Spiel gespielt, Kontaktdaten ausgetauscht, Termine vereinbart und geklärt, wer wann ein kleines Frühstück für alle mitbringt. Die Leiterin ist eine ganz wunderbare junge Frau und ich bin sehr gespannt auf diese nächsten 10 Treffen. Einerseits denke ich: Wie soll ich das alles in englisch hinkriegen? – Dann verstehe ich aber doch mehr, als gedacht. Einerseits denke ich: Ich bin doch irgendwann wieder weg.. warum soll ich mit ihnen, warum sollen sie mit mir eine Freundschaft anfangen? – Und dann denke ich, dass es ja Internet gibt und dass man sich immer zweimal im Leben sieht. Ich bin gespannt!!

 

Der nächste neue Programmpunkt in meiner Woche heißt MOPS. In deutsch ein witziger Name, in englisch bedeutet das: „Mothers of Preschoolers“, Mütter von Kindern von 0-5. Bekannt in ganz Amerika. Meine Freundin erzählte mir von ihren MOPS-Erlebnissen und ich war sofort gefangen. Ich WILL sowas in Deutschland! In meiner Kirche!
Ich meldete mich für den wöchentlich stattfindenden Termin an und die Kinder bekamen einen Platz in der Kinderbetreuung.
Schon Tage vorher rappelte es im Email-Posteingang: „Wir freuen uns soooo, euch kennenzulernen. Bitte denkt daran, euren Kindern keine Nüsse mitzugeben, weil wir Allergiker haben. Du wirst am Tisch „Spirited“ sitzen. Und ach, wir können es kaum erwarten, euch kennenzulernen.“ (Mit dieser amerikanischen Überfreundlichkeit bin ich noch nicht ganz warm, ich nehme es ihnen erstmal ab. Meistens.) Am Morgen des Treffens bekam ich noch eine Mail, in der stand, dass alle Gegenstände der Kinder mit Namen beschriftet werden sollten. Aaaah. Rucksack, zweimal Flaschen, eine Dose Apfel, zwei Dosen Kekse.
Weil Liam hier bis jetzt nicht einmal allein in einer Kinderbetreuung geblieben war, versuchte ich, beide Jungs in eine Gruppe zu stecken. Ging aber nicht. Trotz einer Donnerstags- und einer Freitags-Gruppe gab es zu viele Anmeldungen und nicht genug Personal für die Kinderbetreuung. Emilian wurde also in seine Gruppe gebracht und freundlich willkommen geheißen. Ich bin stolz auf ihn! Ich brachte Liam in seine Gruppe für 2jährige, checkte meine Schwester als „Visitor“ (Besucher) ein und sie durfte dann bei Liam bleiben.
Ich ging eine Etage höher und spürte sofort den viel zu hohen Pegel an … Weiblichkeit. Ein Geschnatter und Gegacker. Ich mag sowas! Nur als Fremde und als Fremdsprachige musste ich damit erstmal klarkommen. Ich wurde an meinen Tisch „Spirited“ geführt. Es gab mindestens 10 Tische mit je 12 oder mehr Plätzen! Könnt ihr euch vorstellen, was da los war?
Zu jedem Tisch gehörte eine „Tisch-Leiterin“ und eine „Diskussions-Leiterin“. Und in dieser Zusammensetzung werden wir immer sitzen, wenn die MOPS sich treffen. Die Tische waren unterschiedlich, aber wunderschön dekoriert, an jedem Platz lag ein Namenskärtchen und ein kleines Geschenk.
Wir fingen an, uns vorzustellen. Name, Wohnort, wie viele Kinder. Eigentlich mag ich so ein Mama-Gequatsche nicht so, aber da nur Mütter anwesend waren, war es schon wieder bezaubernd. Mütter, Schwangere, Babys. Wir haben einfach die gleichen Freuden und Sorgen. Wir wurden herzlichst begrüßt und dann gab es ein leckeres Frühstück und heißen Kaffee! Die Kinder wurden unten versorgt. Was will eine Mama mehr???

An meinem Tisch saßen 12 oder 14 Frauen, drei davon waren nicht blond… Einige waren jünger als ich und hatten mehr Kinder, andere waren älter und hatten weniger. Mütter eben. Eine Frau kam aus Schweden und konnte endlich mal meinen Namen richtig aussprechen. Wir redeten über unsere Kinder, wie wir zu MOPS gekommen waren und wie oft wir schon teilgenommen hatten. Ein paar von uns verabredeten sich gleich zum Spielen mit den Kindern und wir planten einen Abend, an dem wir zusammen weggehen wollten. (uuuh) Dafür sollten wir in unsere Kalender gucken… Am Ende saßen alle Mamas am runden Tisch und sahen in ihre iPhones. Soweit ich sehen konnte, hatten alle ein Foto ihrer Kinder auf dem Display. So verrückt, dass es schon wieder cool ist. Wir sitzen alle im selben Boot…
Die Mitarbeiterinnen wurden vorgestellt und dann kam eine Rednerin auf die Bühne.
Das ist der Ablauf von MOPS: Ankommen, Quatschen, Frühstück. Quatschen, eine Rede zu einem Thema das Mütter interessiert, Quatschen, Kinder abholen und evtl. noch länger bleiben, um zu Quatschen. Ich liebe es!

Das Thema dieser MOPS-Treffen, die übrigens bis Dezember gehen, ist: „Be YOU bravely!“ Habe Mut, DU zu sein!
Was die Rednerin sagte, war nicht neu für mich. „Sei du. DU bist die Mama, die Gott für DEINE Kinder geschaffen hat. Du bist perfekt. Vergleich dich nicht. Richte nicht. Rechtfertige dich nicht!“ Genau das müssen Mamas und Frauen aber hören! Immer wieder. Dieser Vormittag berührte mich in jeder Hinsicht sehr, ich hatte mehrmals ein ganz kleines bißchen feuchte Augen und ich wünsche mir das auch für meine Frauen in Berlin!

Ich holte einen sehr glücklichen Emilian ab und allein die Tatsache, dass ich einen wohltuenden Vormittag hatte und dann einen glücklichen Sohn abholen kann, berührte mein Herz schon wieder. Liam war auch glücklich und zufrieden. Aber meine Schwester wird am nächsten Freitag nicht mehr da sein. Und das ist (m)ein großes Problem.

Mit einer Freundin, die die Kinderbetreuung leitet, konnte ich gut reden und eventuell kann Emilian auf Grund unser besonderen Situation mit in Liams Gruppe sein. Allerdings gehört zu Liams Gruppe eine sehr taffe Betreuerin, die mir erstmal sagte: „Die Sprache ist überhaupt kein Problem. Wir sprechen die Sprache der Liebe, das verstehen alle!“
Äh ja. Danke.
Meine Schwester erzählte, wie sehr Liam das Programm mitgemacht und genossen hatte. Jetzt bin ich sehr unsicher und werde diese Entscheidungen auch noch eine Weile vor mir herschieben. Versteht ihr das?
Bis jetzt hat Liam immer so sehr geweint, wenn wir ihn in irgendeine Betreuung gegeben haben. Und wir haben es dann jedesmal gelassen. Er kennt Kinderbetreuung nicht und er versteht kein englisch. Dennoch könnte es aber sein, dass er nach zwei schrecklichen Freitagen das Ding verstanden hat und den Spaß seines Lebens hat und wächst und vor Stolz platzt. Woher soll ich das wissen?
Ich vertraue der „Sprache der Liebe“-Erzieherin. Aber würde sie mich wirklich rufen, wenn er nicht zu weinen aufhört? Er wird mir nicht erzählen können, was er erlebt hat.

Falls wir uns entscheiden, das mit der Kinderbetreuung zu probieren, wird mein Mann ihn abgeben müssen. Denn das werde ich nicht können. Ich werde dann nicht da oben im Raum voller weiblicher, blonder Hormone sitzen können und mit anderen Frauen gackern können. Haaach.

 

Ein dritter Termin in unserer Woche wird ein 5-wöchiger Ehekurs sein, zu dem wir uns angemeldet haben.
Jetzt kommen also 10 „rooted“-Treffen, 3 Monate MOPS und 5x Ehe-Abend auf uns zu.
Entweder wird Liam danach 10 cm größer und mein kleiner BigBoy sein… oder nicht.
Ich bin sehr gespannt und werde berichten, was mein Mamaherz so durchmacht.

 

Unabhängig dieser Neuigkeiten haben wir wunderbare Wochen mit meiner Schwester erlebt. Sie kam direkt nach meiner Deutschlandreise an… wie lange das schon wieder her ist!
Wir waren zusammen in Las Vegas! Trotz langer Überlegungen und einigen Abratern von Freunden haben wir uns entschieden, nach Las Vegas zu fahren. Meine Schwester und eine Freundin aus der Gemeinde kam mit. Es war unglaublich! Wir werden bestimmt noch einmal dort sein.
Sehr früh am Morgen fuhren wir los und kamen nach 4 1/2 Stunden am Vormittag an. Las Vegas liegt in der Wüste (man sieht es sogar vom Flugzeug aus) und wir haben uns einen der heißesten Tage ausgesucht. Dennoch haben wir und auch die Kinder jede Sekunde genossen!
Weil wir nicht wussten, was uns in dem sagenumwobenden Las Vegas erwartete, suchte ich im Internet ein paar Ziele raus, die gut für Kinder und kostenlos waren. Das war perfekt. Wir fanden ein Parkhaus, in dem uns das Parken nichts kostete und liefen den Las Vegas Blvd. einmal rauf und wieder runter. Ich hatte mir Las Vegas, ehrlich gesagt, ganz anders vorgestellt. Größer, voller, verrückter, anders. Allerdings waren wir auch an einem Montag vormittag da und das erklärt vielleicht einiges. Die Stadt Las Vegas wird sicherlich groß und verrückt, da mitten in der Wüste, sein. Wir haben eben nur die paar Kilometer dieser einen Strasse geschafft. Wir haben eine Zirkusshow gesehen, Verkleidungen, Piratenboote, Wasserfälle, beeindruckende Springbrunnen, die im Takt der Musik springen, einen Flamingo-Park… ohne einen Cent dafür zu bezahlen.

Ein Beispiel der Springbrunnen am Hotel „Bellagio“
Von youtube, nicht von uns.

Wir sahen die krassesten Limousinen, die Jungs erfrischten sich an Springbrunnen, wir machten viele Fotos, aßen Eis und genossen alles. Viele Bräute, unglaubliche Reizüberflutung an Casinos und Spielgeräten – überall. Als wir gegen 20:00 Uhr wieder losfuhren, wurde deutlich, dass diese Stadt in der Nacht zu leben anfängt. Die Wärme und die Lichter machten die Stadt zu etwas total Besonderem! Wenn wir noch einmal dort hinfahren, werden wir versuchen, den Abend dort mehr zu erleben.

Wasserfall

Eiffelturm

Hotel Las Vegas

Abendlicht

Liberty

An einem anderen Tag waren wir, zum zweiten Mal mit meiner Schwester, am Strand von Laguna Beach. Weil ich am Tag zuvor mehrere Warnungen über Flutwellen per Handy erhalten habe, setzten wir uns diesmal an einen größeren, breiteren Strand. Bei unserem letzten Besuch wurden die Wellen eher zu Ebbe, diesmal kamen sie immer näher. Wir konnten kaum weit ins Wasser gehen, weil der Sog einer Welle, sowohl aus dem Meer hinaus, als auch wieder rein, nicht abzuschätzen ist. Der Lifeguard war an dem Tag gut beschäftigt. Die Kinder berührten das Wasser an diesem Tag kaum und buddelten im Sand, hörten „Benjamin Blümchen“ Geschichten vom iPhone. Obwohl wir mehrmals unsere Sachen wieder zusammenpackten und weg vom Strand zogen, schafften wir es nicht, trocken zu bleiben. Meine Schwester und ich standen im Wasser und wir ließen uns zum letzten Mal von den Wellen umspülen. Als wir uns umdrehten, um nach den Kindern zu sehen, sahen wir, dass die letzte Welle noch immer und weiter auf den Strand zurollte. Wir quietschten und rannten los – aber wir schafften es nicht mehr. Taschen, Kinderwagen und Handtücher waren klitschnass, sandig und salzig. Einzig Benjamin Blümchen ist es zu verdanken, dass Emilian mein iPhone in der Hand hielt. Es wäre sonst weggespült worden. Wir fanden alle Schuhe und bestimmt auch alle Spielzeuge und packten dann schnell unsere Sachen zusammen. Verschwitzt, salzig, sandig und noch nass zogen wir mit den beiden Kindern, einem Sonnenschirm, einer Kühlbox, einem Schwimmbrett, Buddelsachen und 3 Taschen wieder zum Auto. (Frauenpower!)

Der Weg zum Parkhaus führt an einer wunderschönen Hotelanlage vorbei. Meistens sitzen dort Menschen auf ihren Balkonen und genießen den Meerblick. Auf der Wiese stehen meist gedeckte Tische und fleißige Bedienstete (in schwarzen Anzügen, die Armen) bereiten alles für eine Feier vor. Auch, als wir diesmal dort vorbei liefen, wurde irgendein Fest vorbereitet. Wir sahen ein paar Personen auf Stühlen in einer Reihe sitzen – scheinbar warteten sie auf eine Trauung. Weil der Bräutigam schon da stand, entschieden wir uns, wenigstens auf den Einzug der Braut zu warten. Wir versteckten uns hinter einer großen Pflanze, denn hochzeitlich sahen wir nicht gerade aus. (Ich trug nichtmal eine Hose, weil ich noch nass war) Emilian hätte sich am liebsten neben den Bräutigam gestellt, um auf die Braut zu warten, aber wir pfiffen ihn zurück. Nachdem die Trauzeugen feierlich zu ihren Plätze geschritten waren, kam die Braut. Es war sehr windig und ihr Schleier wirbelte ihr um den Kopf.
Wir sahen noch ein paar Minuten zu und gingen dann zum Auto. Ich bin irgendwie froh, dass auf meiner Hochzeit keine fremden Gäste im Bikini vorbeikamen…

Laguna Beach

Wir saßen neben dem weißen Turm des Rettungsschwimmers.
Und genau bis dahin kam die letzte Welle.

Strand

Das unbeliebte Level 2 von Shred habe ich zusammen mit meiner Schwester erfolgreich beendet. Schon 2 Tage habe ich Level 3 gemacht und ich bin fasziniert, wie viel schneller die 20 Minuten vorbei sind, wenn mir die Übungen gefallen!

Wir haben jetzt noch ungefähr 10 Tage für uns und dann rücken die nächsten lieben Freunde aus Deutschland an!

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