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Zwischen Windeln und Hausaufgaben

Zuerst mal: Ich schreibe hier nicht so selten, weil ich zu viel mache. Keine Sorge! Diese „Unser-Alltag-ist-so-voll!“-Pausen werden schon noch früh genug kommen.
Eher ist es so, dass ich zu nichts komme. Ihr glaubt gar nicht, wie schnell ein Tag vorbei sein kann… Mit Stillen und Wickeln und Ausschlafen ist ruck-zuck ein Vormittag um und dann kommen die großen Brüder und dann ist auch der Nachmittag um. So ungefähr.

Die Abende sind mir ja die liebsten. Nicht!
Fünf Personen sind hungrig. Fünf Personen sind müde. Zwei bis drei Personen werden laut. Einer zappelt. Einer wirft seinen Becher um. Einer kotzt zwei andere voll. Einer schreit: „Wisch mir bitte den Popo ab!“ Einer erzählt von Klo-Geistern in der Schule.
Ich sag‘ jetzt nicht, wer wer ist…

Mein Mann hat mir eben meinen Still-Tee hingestellt. Den ich mir heut Vormittag gekocht habe. Und einen Obst-Teller. Nur für mich! Heute morgen hat er mir Frühstück ans Bett gebracht. Mit Kaffee. Und Orangensaft. Zum Mittag hat er Hühner-Nudelsuppe gekocht.

Es ist nämlich so:
Jari ist jetzt 17 Tage alt und hat sein Geburtsgewicht noch nicht ganz wieder. Die Hebamme besucht uns täglich. Sie sieht, dass er ein zartes, aber gesundes Baby ist. Sie sieht, dass ich stille. Sie hört, dass er gut schluckt. Aber er nimmt eben nicht zu. Oder nur sehr langsam. Sie weiß, dass ich bereits zwei Kinder ein Jahr lang voll gestillt habe und sie weiß, dass auch diese Kinder eher zart waren. Und sind.

Also versuche ich jetzt, auf meine Ernährung zu achten.
Für jemand, der auch ohne Kinder und mit theoretisch viel Zeit und Ruhe nicht zuerst ans Essen denkt, ist das gar nicht so einfach. Jetzt mit drei Kindern soll ich ausreichend, abwechslungsreich, kalorienreich, gesund, regelmäßig und überhaupt in Ruhe essen. Haha!

Ab und zu hat mein Mann am Abend Termine und ist nicht da. Er arbeitet von zuhause und ist eigentlich fast immer in der Nähe, aber die Abende ohne Mann sind am schwersten.
Meist sind wir vier dann irgendwie im Wohnzimmer und spielen oder hören Musik. Ein bißchen Hausaufgaben nebenbei – Emilian macht das gut und Liam lernt, einigermaßen in Ruhe auf ihn zu warten. Er würde so gern auch Hausaufgaben machen und wir sind auf der Suche nach guten Vorschul-Lernheften für ihn.
Die beiden lieben unseren Spiele-Schrank und UNO, DiXit, Können Schweine fliegen?, Fressen Igel Schokoriegel?, Concept, Obstgarten, Drache Kokosnuss, … sind die allerliebsten. Wir haben aber auch echt tolle Spiele!
Jari schläft meist am Nachmittag. Den richtigen Zeitpunkt, das Abendessen zu machen, verpassen wir oft. Und dann wird Jari wach und ich habe nur noch eine Hand frei. Wir räumen schnell auf, die Kinder ziehen ihre Schlafsachen an und wenn es richtig gut klappt, schaffe ich es sogar, mich mit den Jungs an den Tisch zu setzen. Sie sind groß und vernünftig – aber sie haben auch ein Recht auf Ruhe und Gemütlichkeit.. Wenn es weiter gut geht, bringe ich die Jungs mit einer Geschichte und ein paar Streicheleinheiten ins Bett. Wenn nicht, stille ich im Schlafzimmer, wir reden in meinem Bett über den Tag und die Jungs gehen erstmal alleine ins Bett, oder ich stelle mich mit Jari kurz ins Kinderzimmer und wir reden und beten und kuscheln etwas schneller.

Die beiden Jungs lieben ihren kleinen Bruder aber sehr. Das hilft.
Emilian geht immer öfter mal zu Jari und erzählt ihm irgendwas.
Liam würde am liebsten selbst stillen. Er möchte Jari immer, immer halten, möchte, dass er in seinem Bett schläft und wenn er ihn ansieht, sagt er: „Oooh, er sieht grade so richtig süß aus!“
Sie sagen mir Bescheid, wenn er Milch spuckt, aber sobald die Windel aufgemacht wird, ist keiner von beiden mehr zu sehen.

Wenn Emilian aus dem Klassenraum kommt und sieht, dass ich vor der Tür stehe, reißt er seine Hände hoch, seine Augen strahlen und er ruft: „Mama!!!“
Liam bittet mich, Jari mit in die Kita zu bringen, denn „es haben immernoch nicht alle das Bibi gesehen!“

Ich finde es nicht schwer, drei Kinder zu lieben. Die Liebe reicht für alle. Herausfordernder ist es eher, jedes Kind „richtig“ zu lieben. Jeder braucht mich anders. Jeder fordert das anders. Das muss ich gerade lernen. Nicht immer braucht das lauteste Kind mich am dringendsten. Und nicht immer heißt Ruhe und Folgsamkeit, dass ich gerade nicht dringend gebraucht werde. Ihr wisst schon.

Beim dritten Kind mache ich tatsächlich manchmal das, was man allen Müttern ans Herz zu legen versucht: Ich lege mich hin und schlafe, wenn das Baby schläft.

Ich lerne mehr und mehr, den Haushalt links liegen zu lassen. Und den Garten. Dabei bin ich sehr froh (für die Kinder), dass jetzt nicht Oktober oder November ist und wir bald wieder zusammen in den Garten gehen können! Und ich bin froh (für mich), dass jetzt nicht Mai oder Juni ist und ich wieder ein bißchen fitter und freier sein werde, wenn es Zeit für den Garten ist.
Die Zeit vergeht schneller mit drei Kindern, aber die Zeit bis zum Frühling vergeht auch in diesem Jahr nicht schnell genug. Ich will es sehen und riechen und kann kaum noch warten!

Ich merke erste Verspannungen vom Stillen und Tragen und erinnere mich an wohltuende Thai-Massagen nach den anderen Babymonaten. Wenn ich mich im Vorbeigehen im Spiegel sehe, fallen mir Augenringe auf, die ich lange nicht hatte.. und komische Rundungen an komischen Stellen, die ich auch lange nicht hatte. Ich denke über Fitness und Rückbildung nach und vergesse, dass die Geburt erst zwei Wochen her ist. Vielleicht sollte sich der Frühling doch etwas Zeit lassen…

Die Windeltorte und alle Geschenketüten stehen hier auch noch rum. Aber eher, weil ich sie mir gern angucke und mich immer wieder freue, wenn ich neue Gutscheine in den Briefumschlägen finde. Heute habe ich alle Blumensträuße entfernt und werde demnächst jede Menge Frühlingsblumen ins Haus stellen.

Ich möchte Fenster putzen.
Und die Terrasse fegen.
Und Krokusse sehen.

Bis dahin werde ich stillen und wickeln und Hausaufgaben kontrollieren und um die Wette würfeln und die Heldin für meine vier Männer sein.

 

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Grüße von der Couch

So ganz brav, wie das hier klingt, halte ich meine Ruhe nicht ein. Eher, wie eine Mama über das Wochenbett sagte: „Eine Woche im Bett, eine Woche am Bett und eine Woche ums Bett.“ , oder so.

Der selbstgenähte Schlafsack von meiner Mama.
Wie klein der uns vor der Geburt vorkam…

Mir geht es sehr gut.
Donnerstag Abend war ich einmal kurz mit den großen Jungs draußen. Das war schön, aber irgendwie auch komisch. So ohne Bauch und Baby im Auto und dann bei Lidl eine kurze Reizüberflutung.

Am Freitag war ich dann vormittags draußen. Die Sonne schien. Ich habe Emilian überrascht und ihn von der Schule abgeholt. Ich traf fast alle meine Mama-Freundinnen auf dem Schulhof. Weil ich Jari nur kurz aus dem Autositz genommen hatte und ihn im Sitzsack wie ein kleines blaues Bündel auf dem Arm trug, sahen sie uns schon von Weitem. Haach, war das schön. Die Mamas, die nicht glauben konnten, wie klein so ein Baby ist. Die leuchtenden Augen der Kinder aus Emilians Klasse. Und der stolze Emilian.
Später ging ich noch zum Klassenraum, um Emilians Lehrerin zu besuchen. Sie kam uns entgegen und freute sich so, uns zu sehen. Sie hielt Jari ein paar Minuten und wir quatschten kurz so von Mutter zu Mutter.
Ich brachte Emilian nachhause, stillte eine Runde und fuhr mit Jari zum Kinderarzt, zur U2. Bei dm holte ich kurz neue Windeln, traf wieder eine Mama-Freundin und genoß es so sehr, mit meinem Baby im Sonnenschein in meinem Kiez unterwegs zu sein. Eine andere Kundin schaute in den Autositz und fragte, wie alt das Baby sei. „Waas, 6 Tage? Und da laufen Sie hier schon rum?“
Ich fuhr weiter zur Kita, um Liam abzuholen. In Emilians Gruppe besuchte ich schnell seine Erzieherinnen. Sie hatten alle so aufs Baby gewartet und freuten sich sehr über unseren Besuch. Und sie hören auch immer gern Neuigkeiten aus der Schule von „ihrem“ Emilian. Wir haben die Erzieherinnen echt gern und Jari hat seinen Platz dort in 3 Jahren schon ziemlich sicher.

Durch die Sonne fuhren wir nachhause und ich hatte meinen „sozialen Tank“ wieder voll aufgefüllt. Wir haben täglich Besuch und Freunde, die Mittag bringen, aber dieses echte „draussen sein“ und Freunde treffen und vertraute Wege gehen und die Blicke der Leute auf meinem Bündel – ich hab es sehr genossen!

Das Bündel

Am Freitag Abend hatten wir dann wieder Besuch und die Müdigkeit am Abend war fast das Einzige, was mich noch daran erinnerte, dass irgendwas Außergewöhnliches passiert war. Mein Kopf kam nicht ganz hinterher, denn mir ging es wirklich so gut. Sämtliche Schmerzen und Wehwehchen waren inzwischen verschwunden. Das Baby schlief viel und ich konnte gut stillen… es war irgendwie so unwirklich, denn immerhin hatte ich ein Baby geboren.

Am Samstag und Sonntag wollten wir pünktlich um 9:00 Uhr in der Kirche sein, um Veranstaltungen zu besuchen – und es klappte. Ich fing vor 7:00 Uhr an, aber wir hatten drei Kinder zur richtigen Zeit satt und angezogen und aus dem Haus. Trotz Kälte und Eis auf den Autoscheiben. (Ich freue mich auf den Frühling!!)

Am Samstag war ich abends alleine mit den Jungs und wir alle waren gleichzeitig müde und hungrig. Ich musste die Großen irgendwie ins Bett bringen und gleichzeitig stillen. Dann standen da zwei Wäschekörbe und die Küche war nicht aufgeräumt. Das Kinderzimmer sah fürchterlich aus, ich hätte gern geduscht und die obere Etage hätte mal gesaugt werden können. Und es war fast 22:00 Uhr. Ich war so müde. Und überfordert. Und alles, was ich nicht geschafft hatte und lange nicht schaffen werde, brach über mich herein. Bis der Mann kam, sortierte ich ein bißchen Wäsche und kramte meine Umstandsmode aus dem Schrank. Ganz sicher nicht Punkt 1 auf der Prioritätenliste, aber was geschafft ist, ist geschafft. Und im Kopf komme ich so mehr und mehr in der neuen Lebensphse an.

Der erste Gottesdienst zu fünft klappte wunderbar. Mein Baby zeigte sich von der besten Seite und den Sonntagnachmittag verbrachten wir wieder mit Freunden. Wir spielten, aßen Mittag von meiner Schwägerin, tranken Kaffee und quatschten. Ich hatte das Gefühl, am ganzen Sonntag meine Augen nicht vollständig aufzubekommen – und am Montag schlief ich bis 11:00 Uhr. Wie ein Stein.

Wie gut, dass wir jetzt Winterferien haben!
Die Großen spielen UNO und Duplo im Schlafanzug, hören Hörspiele, spielen im Schnee und genießen das nichts-tun. Heute sind sie mit meiner Schwester in Berlin unterwegs und morgen wollen wir einen Ausflug zum Erdbeerhof machen.
Die Hebamme besucht uns täglich und Jari arbeitet sich tapfer in Richtung Geburtsgewicht. Ungefähr 200g fehlen noch. Die kleinen, zarten Kinder – das sind meine Jungs!

Zartheit

Ich zwinge mich dazu, die Arbeit zu ignorieren und wirklich nur das zu tun, was ich schaffe. Erstens bleibt mir so viel mehr Zeit, um mit den Jungs zu sein und zweitens wird die Arbeit doch nur mehr, wenn ich einmal anfange. Hallo? Ich wohne mit vier Männern in einem Haus. Wen interessiert da mein Anspruch? Leider niemand. Und es gibt eine Grauzone, die okay sein muss und in der ich mich bewegen muss, bevor das Haus verdreckt. Die Zone muss es einfach geben.

Diese „Haaach, ist das Leben nicht wunderschön???“-Phasen und die „Oh Gott, ich kann nicht mehr. Wie soll ich das alles jemals schaffen???“-Phasen werden sich schön abwechseln, das weiß ich inzwischen. Und ich weiß, dass es bestimmt mal noch viel schlimmer und anstrengender wird und dass es auch wieder viel besser werden wird.
In allen Zeiten möchte ich das Lachen nicht verlieren, möchte mich nicht verlieren und Zweisamkeit mit meinem Mann nicht verlieren.

Nach der ersten Woche mit Baby haben wir beide gestern zum ersten Mal zu zweit gefrühstückt und festgestellt, wie wir uns vermisst haben. Inmitten aller dieser Kinder. Wir rufen uns „Kannst du mal schnell..“ und „Halt mal kurz.“ zu. Die SMS, die wir uns schicken, sind Einkaufszettel oder dm-Coupons zum Ausdrucken. Sobald ich mich nachts zu meinem Mann drehe, knatscht der kleine Mensch auf der anderen Seite. Wir funktionieren sehr gut zu zweit, wir ergänzen uns perfekt und versuchen, dem anderen Ruhe zu gönnen, wenn es geht. Aber das ist keine Zweisamkeit. Jetzt grad nicht.
Jedes Lächeln, jede ruhige halbe Minute wird gefeiert.

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Nach 4 Schultagen

Nach der Einschulung, die mich ziemlich überrascht hat und die ja so entspannt war, hatte ich kaum mehr Sorgen wegen der Schule und so. Aufgeregt war ich schon. Das ist ja auch immerhin ein riesiger Schritt!

Ich hab mir in den letzten Wochen mal bewusst gemacht, dass ja die Kindergarten-Zeit eigentlich so kurz ist und bei vielen auch schnell aus der Erinnerung verschwindet – dagegen ist die Schulzeit gefühlt ewig und bleibt auch ewig in Erinnerung – gut oder schlecht.
Als ich das festgestellt habe, wurde für mich dieser Wechsel leichter. Die Kindergarten-Zeit war schön und behütet und eine gute Voraussetzung. Emilian konnte in Ruhe und Sicherheit wachsen und lernen. Er wurde angenommen und herausgefordert. Eher diesem heilen Umfeld trauere ich wohl hinterher…

Emilian war am Montag morgen wieder früh wach und fertig angezogen. Wir alle haben uns gleichzeitig fertig gemacht und hatten viel Zeit. In die erste Brotbox kam ein Apfel, ein Müsliriegel, ein Brot mit Käse und eins mit Marmelade. Ich frage ihn, was da rein soll und wir probieren, was schmeckt, was zu viel ist und was sich vielleicht auch gut tauschen lässt.
Die Schultasche war schon gepackt, da musste ja eigentlich noch nichts rein.

Bis zur Ecke gingen wir zusammen, der Abschied war kurz schwer und dann bin ich mit Liam Richtung Kita gegangen und die anderen beiden Richtung Schule.

Als ich den Mann zum Frühstück wieder zuhause traf, fiel mir mit einem riesigen Schreck ein, dass die ganze schwere IKEA Tüte mit allen Heften und Ordnern noch zuhause im Wohnzimmer stand. Mein lieber Mann scherzte, wie schlecht es unserem Kind jetzt gehen würde, am ersten Tag gleich ohne Unterrichtsmaterialien da zu stehen…
Mir war schon klar, dass die Klasse wahrscheinlich weder am ersten Tag gleich loslegen und schreiben würde – noch wollte ich die Mutti sein, die peinlich mitten in den Unterricht platzt – also musste ich eben die 3 Stunden aushalten.

In der kompletten ersten Woche war der Unterricht erst wegen Eingewöhnung, später wegen Hitzefrei schon um 11:45 Uhr vorbei. Uns blieb also zwischen dem Schulanfang um 8:45 Uhr (auch noch Eingewöhnungsphase) mit 15-minütigem Schulweg zurück und wieder hin nicht so viel Zeit an den Vormittagen. Manchmal fuhr ich mit dem Fahrrad, dann saß Emilian auf dem Rückweg im Korb. Liam wurde dann kurz vor 13:00 Uhr abgeholt… Für mich fühlt sich diese Woche wie ein Marathon an und meine Knochen und Muskeln beschweren sich bereits.

Ich konnte es also am ersten Tag kaum abwarten, mit der großen besagten IKEA Tüte zur Schule zu laufen.
Mit anderen Mamas und Papas – wir sehen uns jetzt fast alle zweimal täglich – stand ich vor der Klassenzimmertür.
Die Tür ging auf und kleine Menschen mit großen Taschen auf dem Rücken, mit müden Augen und roten Wangen, stolperten uns entgegen. Die Lehrerin sah ähnlich geschafft aus und kam hinterher, um die Eltern zu begrüßen.

Ich ging mit Emilian in den Klassenraum, um endlich sein Fach einzuräumen und natürlich war es kein Problem. Ganz stolz zeigte er mir seinen Platz, sein Foto an der Wand und sein Fach. Er ist in dieser Woche ein richtiger großer Erstklässler geworden!

Für seine Begriffe geht die Schule zu langsam. Am ersten Tag sollten sie als „Hausaufgabe“ fertig malen, was in der Schultüte war. Grundsätzlich hat er die Hausaufgaben bereits in der Schule angefangen und beendet zuhause nur noch.

Am zweiten Morgen fehlte ihm ein bißchen die Lust, sie würden ja eh noch nichts lernen. Es gab noch keinen Fach-Unterricht, sondern nur Zeit im Klassenraum mit der Lehrerin.
Viele Zettel für Mama in der Postmappe und dann unterschrieben wieder zurück, darum musste er sich kümmern und das hat er sehr sorgfältig und pflichtbewusst getan. Er konnte mir auch zu jedem Zettel ganz genau erklären, worum es ging. Büchereiausweis, Einverständniserklärungen, Zahnarztbesuch… Als für ein besonderes Hausaufgabenheft 3,30 Euro in einem Umschlag in die Postmappe gesteckt werden sollte, suchte er sein eigenes Geld zusammen, kam auf  3,24 Euro, suchte in meinem Geld nach 6 Cent und steckte das Geld in den Umschlag.
Er erledigt seine Aufgaben lieber gleich, am besten noch auf dem Schulhof oder zumindest vor dem Schuhe ausziehen zuhause.

Das sind die Aufgaben, die er mitbringt.
Auf die Geschichten müssen wir etwas länger warten.
Auf dem Nachhauseweg haben wir viel Zeit und Ruhe. Ich liebe das – und dann erzählt er, dass ein Mädchen gespuckt hat, dass ein anderes gleich Geburtstag hatte, dass er die Namen der Jungs schon viel besser kennt und dass zwei Kinder die gleiche Schultasche haben. Fragen stellen bringt nicht viel, so schwer es auch ist.

Kleine Details kommen viel später, meist abends im Bett, zusammenhanglos und ganz von allein. Dann erfahre ich, dass es einen Handpuppen-Fuchs für die Klasse gibt, der Fridolin heißt. Und dass er lieber kein Joghurt in der Brotbox möchte, weil ein anderer Junge sagt, das dürfe er nicht. Er erzählt, dass er in der Hofpause am Rand steht und sich langweilt, weil er nicht mag, dass Sand in seine Schuhe kommt. Sehr dankbar war er, als ich vorschlug, dass er eben Socken und feste Schuhe anziehen könnte… trotz 30 Grad.
Ich wünsche mir, dass ich diese Zeit und Ruhe und Geduld lange, lange beibehalte, um zuzuhören, wenn es dran ist und da zu sein, wenn ich gebraucht werde!

 

Heute gab es dann endlich Hausaufgaben!

Und heute fand auch die erste Sportstunde mit einer anderen Lehrerin statt, sie spielten – wie sollte es anders sein? – „Feuer, Wasser, Sturm“.
Morgen werden wir einen kleinen Stundenplan an sein Bett hängen. In der nächsten Woche werden die Stunden und Fächer voraussichtlich mehr nach Pan ablaufen.

Einerseits bin ich unglaublich stolz und glücklich, dass Emilian gut in seiner Schule und in der Klasse angekommen ist, dass er da seinen Platz zu haben scheint, dass er über seinen Schatten springt, am Leben der anderen teilnimmt und dass er dieses große, unfassbare „Schul-Dings“ zu verstehen lernt.
Heute sagte er: „Frau A. (Sekretärin) ist die Königin der Schule.“

Andererseits war diese Woche für mich auch voller Kindheitserinnerungen, obwohl ich selbst in einer Grundschule gearbeitet habe.
Feuer, Wasser, Sturm spielen, am Ende des Tages den Stuhl hochstellen, Hofpause… viele Kleinigkeiten, die mich an meine Schulzeit erinnern.

Emilian hat ja nun schon zur Einschulung gezeigt, dass er diesem schüchternen, stillen Mädchen, was einst seine Mama war, einiges voraus hat.
Und ich wünsche ihm so sehr, dass Schule aufregend, schön und spannend wird – und bleibt. Dass er jetzt schon für das Leben lernt und den Bezug zum Alltag sehen kann. Dass er Kontakte und Freundschaften knüpfen kann, die bis zu 30 Jahren halten könnten. Dass er sein schelmisches Grinsen, seine schlauen Antworten, sein lautes Lachen, seine kleinen Witze und sein großes Interesse am Leben  behält.

Ich kann euch nur sagen: Ich bin so gespannt!

Und sonst so?
Liam geht gern und ohne Probleme in die Kita. Er erzählt viel und für ihn ist seine Gruppe und seine Kita ganz wichtig.
Zum Mittag braucht hier erstmal jeder von uns seine Ruhepause – aber am Nachmittag hängen unsere Jungs mehr als sonst aufeinander, was nicht selten zu kleinen Kabbeleien und Tränen führt. Aber trotz allem lieben sie sich und Liam verbringt 80% des Nachmittags damit, laut und ohne Luft zu holen über Emilians Späße zu gackern.

Heute haben sie für uns alle das Abendbrot vorbereitet und den Tisch gedeckt, mit Kerzen und Getränken und geschnittenen Möhren und Nachtisch! Das war so süß und wunderbar und in diesem gemeinsamen heimlichen Plan sind sie so aufgegangen!

Am Abend – bei der nächsten Kabbelei – hat sich Liam ein Loch in die Zunge gebissen und ordentlich geblutet. Emilian weinte vor Schreck mit und als der erste Schock vorbei war, durften sie beide ein Eis lutschen und das Gegacker ging von vorn los.
Brüder eben.

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Ganz großes Glück.

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Mein Vorschuljunge

Man sagt, dass ich früher mal mehr im Blog geschrieben habe. Sehe ich auch so. Mehr, als nur „12 von 12“ und „Hallo, neuer Monat!“ Und so.

Ich hatte mehr Zeit. Und weniger drumherum. Was auch so alles in meinem Kopf herumschwirrt… Soll ich mal sammeln?

Der Haushalt, Umräum-Pläne hier und da, das Büro sortieren, die Wäsche, Kinderkleidung passend und sauber halten, der Garten, der Mann, abends weggehen und so, die Ehe lebendig halten, die Kinder, der Große und der Kleine, Kitaprogramm, Vorschulkram, Eltern-Treffs, Beziehungen bauen und pflegen, Freundschaften, Freundinnen fragen, wie es ihnen geht, die Familie, Geburtstage, whatsapp, Hochzeitsgeschenke, Karten schreiben, Emails beantworten, die Kirche, Ehrenämter, Veranstaltungen, Kurse besuchen und vorbereiten, mit Freunden wegfahren, mal was für mich, einkaufen, die berufliche Situation, fast kein Einkommen haben, planen, vorsorgen, keine Sorgen machen, die Nägel lackieren, die Nachbarn kennenlernen, Bücher lesen, genug schlafen, gut aussehen, glücklich sein.

Das ist alles so in meinem Kopf. Und noch mehr.
Mein Büro-Job hat mein Leben jetzt nicht unbedingt viel anstrengender gemacht – aber die 11 Stunden in der Woche sind halt weg. Ich bin egoistisch und nehme im Kopf fast nichts von der Arbeit mit nachhause, im Büro nicht an Privates zu denken, klappt nicht immer.

Das soll jetzt keine Ausrede sein, warum ich hier nicht mehr so oft schreibe. Material hab ich im Kopf und Herz genug! Irgendwas muss aber immer warten. So ist das.

Zum Beispiel habe ich in diesem Jahr auch (noch) nicht geschafft, die Geburtstagsbriefe an meine Jungs zu schreiben. Es kostet Zeit und Nerven, aber sowas lohnt sich. Zum Aufschreiben, zum Behalten, zum Vorlesen und zum immer wieder Lesen.

 

Heute schreibe ich deswegen einfach mal so ein paar Gedanken über Emilian auf. Mein Großer. Mein Vorschulkind.

Er ist so toll.
Er ist schlau. Er ist sensibel. Er ist aufmerksam. Er ist ausdauernd. Er ist gewissenhaft. Er ist ehrgeizig. Er ist fürsorglich. Er ist nachgiebig. Er ist humorvoll. Er ist schnell. Er ist gewitzt. Er ist liebevoll. Er ist geduldig. Er ist kreativ.

Wir teilen die Liebe zu Büchern und Hörspielen, die Freude am draußen sein, die Liebe zu Kleinigkeiten und Besonderheiten, die Fähigkeit, Freundschaften zu beginnen und zu halten.

Ich höre gern von seinen Gedanken, Fragen und Antworten und er hilft mir, die Welt zu erklären und zu verstehen. Er hat tolle Lieblingsthemen und kann sich viele Einzelheiten über lange Zeiten hin merken. Die Schule wird ihm neue Welten eröffnen und er wird begeistert in diese Welten eintauchen.

Ach ja… die Schule.
Ich erinnere mich an das kleine, stille, schüchterne Mädchen, das 1991 eingeschult wurde. Und in 4 Monaten ist es für Emilian soweit. Vier Monate!

Unsicherheiten und Sorgen und Fragen bewegen mich. Auf der anderen Seite ein fettgedrucktes „Das haben bis jetzt alle vor uns auch geschafft!“ 
Ich versuche, ganz viel Freude und Neuiger und Vorfreude mit Emilian zu teilen. Ängste werden schon früh genug kommen.

Es gibt Momente, in denen er sich fest an mich klammert und sich keinen Schritt wegtraut. Sehr häufig kam das am Anfang dieses Jahres vor, was mit dem Beginn meiner Arbeit zu tun haben kann. Umso wichtiger ist es mir geworden, Zeiten in Ruhe oder Zeiten zu zweit zu finden.

Weil er im Kindergarten und im Kindergottesdienst gar nicht gern ohne mich sein wollte, habe ich mich gefragt, woran das liegt. Vertraute Personen, gute Freunde, bekannte Umgebung.

Ich habe mich gefragt, was ihm wirklich Spaß macht.
Ist das Kinderzimmer zu voll?
Sind die Wochentage zu voll?
Ist mein Alltag zu voll?

Eine Veränderung brachte auf jeden Fall das wärmere Wetter. Wenn er mit Liam in seiner „Höhle“ oder auf dem Sandberg spielen, experimentieren, phantasieren und an frischer Luft Kind sein darf, ist er ausgeglichener. Eine Runde Rad fahren, schaukeln und klettern tut ihm gut. Hörspiele und Malhefte helfen ihm, den Kopf abzuschalten.

Dann ist mir aber noch eine andere Sache aufgefallen:
Seit Mitte März ungefähr gehen wir regelmäßig, einmal in der Woche zur „Teestube“. Das ist ein kleiner Raum in einer großen Gemeinschaftsunterkunft, ein paar Minuten entfernt von uns.

Es war mir wichtig, dabei zu sein, weil diese Unterkunft so nah bei uns ist und weil die Kinder dort inzwischen fast fließend deutsch sprechen können. Wir sind dort meist so 2 Stunden und trinken Tee, Kaffee oder Kakao, wir spielen und puzzeln, wir klettern und rutschen, wir reden und lachen.

Es ist kein großes Ding für mich. Aber für die Kinder.

Als die Flüchtlingskinder mich nach den ersten Besuchen anlächelten, mich erkannten und nach meinen Jungs fragten, wenn nur einer von ihnen dabei war, wusste ich, dass ich da richtig bin.

Egal, wie voll der Tag oder wie spannend das Spiel gerade ist… Wenn ich rufe: „Wollen wir zur Teestube?“, rufen meine beiden Kinder „Jaaa!“ und ziehen ihre Schuhe an. Das berührt mich sehr, denn ich weiß, wie wichtig diese Beziehungen sind. Für uns alle.

Der Raum der Teestube ist nicht besonders warm, es ist laut und nicht sehr sauber. Die Stühle sind wahrscheinlich von überall gesammelt, es ist eng und die Regale sind voll mit irgendwelchem Zeug. Aber der Raum ist voller Liebe und Leben!

Ich sehe, wieviel Spaß Emilian dabei hat, völlig fremden Jungs ein Spiel zu erklären. Wie er vor Aufregung wie ein Flummi auf der Couch hüpft und die Zahl des Würfels kaum erwarten kann. Wie er loslacht, wenn ein Spielstein weiterziehen darf.

Ohne nachgedacht zu haben, habe ich ein Spiel mitgenommen, bei dem es keine Gewinner oder Verlierer gibt, sondern sozusagen die Gruppe gegen das Spiel spielt. Und der Jubel war soo laut, als die Kinder knapp gewonnen haben.

Die coolen Jungs, die heimlich lächeln, wenn sie eine gute Zahl würfeln. Die schüchternen Mädchen, die ihren Kakao löffeln und mir ihren Namen flüstern. Die Rabauken, die durch den Raum flitzen und alle ihren Namen aufschreiben lassen. Die Brüder und Schwestern, die jeweils dem anderen einen Platz freihalten. Und meine Kinder, die lernen, wie gut sich teilen anfühlt.

In der letzten Woche hatten wir einen Fußball dabei und spielten ein bißchen auf dem Hof. Als es kälter wurde, ging ich mit Liam in den Raum zurück, Emilian blieb draußen.
Später kam ein junger Mann zu mir und fragte mich auf englisch, ob er mit meinem Sohn spielen dürfe. Und dann spielten sie zu zweit, später zu dritt und zu viert – in mehreren Sprachen.

Die „Teestube“ hat mir wieder gezeigt, dass es etwas gibt, was Emilians Herz berührt und fröhlich macht. Ja, ich bin mit ihm da, aber er spielt frei, rennt umher, lacht und tobt.

Ich möchte viele dieser Momente in diesem Sommer mit Emilian erleben, im letzten Sommer vor der Schule. Und ich möchte ihm nicht vermitteln, dass Schule irgendwas mit dem Ernst des Lebens zu tun hat.

Ich möchte ihm zuhören, wenn er philosophiert. Ich möchte auf dem Fahrrad neben ihm fahren und reden. Ich möchte mit ihm lesen und schreiben, backen und Unkraut zupfen. Ich möchte ihn zum Lachen bringen und ihn auf den Schoß nehmen, so oft es geht.

Und wenn all‘ das Neue im Leben zu aufregend für uns beide ist, dann möchte ich ihn mit Geduld und Liebe ermutigen. Und festhalten, wenn es sein muss. Und loslassen, wenn es sein muss.

 

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